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 Artikel 21: Zeit-Fragen Nr. 10 vom 17. 3. 2003

 Komplementäre Währungen entstehen auch in Deutschland

Regiogeld statt Globalisierung

Vom 8. bis 10. März fand in Priem am Chiemsee der «1. Kongress Regiogeld» statt. Unter dem Motto «Jenseits der Globalisierung» kamen 120 Tagungsteilnehmer aus der ganzen Bundesrepublik zusammen. Anlass war der Start des Chiemgauers, der sich als Modellprojekt für die Entwicklung von regionalen Komplementärwährungen in Deutschland versteht.

Komplementärwährungen ersetzen nicht das gesetzliche Zahlungsmittel, sondern sind ein nichtstaatliches Geld, das in begrenztem Umfang das offizielle Geld ergänzt. Weltweit gibt es schon mehrere tausend komplementäre Geldsysteme. Die Zahl wächst rasant. Die grössten Regiogelder gibt es zurzeit in Argentinien, nachdem dort die offizielle Währung den Geist aufgegeben hat. «Regiogelder sind die Rettungsboote» für den Fall, dass die offizielle Währung durch überbordende Geldspekulation und wachsenden Umverteilungsdruck durch den Zins und Zinseszins ins Schwanken kommt, führte Margrit Kennedy, eine der Hauptrednerinnen der Tagung aus. Obwohl immer mehr Geld vorhanden ist, fehle es. Der Staat und die Kommunen werden von einer Schuldenlast erdrückt, die Kluft zwischen Arm und Reich wird grösser. Nur noch 2% des internationalen Geldverkehrs dienen dem Handel, 98% dienen der Spekulation. «Das Geld ist nicht naturgegeben, die Spielregeln sind gestaltbar. Regiogelder bieten die Chance, den Rahmen für eine nachhaltige und kooperative Wirtschaft zu schaffen», sagte Christian Gellerie, Initiator der Tagung und Geschäftsführer von «Chiemgau-regional». Der Chiemgauer, der im Rahmen eines Schülerunternehmens der Waldorfschule Priem herausgegeben wird, will die regionale Wirtschaft stärken, die Kaufkraft binden und gemeinnützigen Initiativen in der Region bei der Finanzierung helfen. Damit der Chiemgauer im Fluss bleibt, unterliegt er einer laufenden Wertminderung. Man kann mit Chiemgauern ganz normal in Geschäften bezahlen. Rücktausch in Euro ist gegen einen Abschlag von 5% jederzeit möglich. Das Interesse an Regiogeldern ist erwacht. In ganz Deutschland gibt es inzwischen Initiativen, die ein Regiogeld herausgeben wollen. Doch alles ist noch ganz am Anfang. Nur die Diakonischen Werke in Bethel benutzen schon seit über hundert Jahren ihr «internes Geld», den «Bethel-Euro».

Thomas Mayer (Geschäftsführer Omnibus für Direkte Demokratie)

Weitere Informationen unter: www.freigeld.de und www.chiemgauer-regional.de

 

Artikel 21: Zeit-Fragen Nr.10 vom 17. 3. 2003, letzte Änderung am 18. 3. 2003

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