Artikel 16: Zeit-Fragen Nr. 20 vom 2. 6. 2003
Es könnte interessant sein zu erfahren, was US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und der «Fürst der Finsternis», Richard Perles, letztes Wochenende gemacht haben. Vom 15. bis zum 18. Mai waren sie Gäste des Trianon Palace Hotels in der Nähe des Schlosses von Versailles bei Paris, um am jährlichen Treffen der Bilderberger teilzunehmen.
Je nach ideologischer Sichtweise könnte man die Bilderberger bezeichnen als eine Ultra-VIP-Gruppe internationaler Lobbyisten der Machtelite Europas und Amerikas, fähig, internationale Politik hinter geschlossenen Türen zu steuern; als ein harmlose «Diskussionsgruppe» von Politikern, Akademikern und Industriemagnaten; oder als eine geheime kapitalistische Gesellschaft, die nur im eigenen Interesse handelt und die Weltherrschaft anstrebt.
Die Bilderberger werden von vielen Mitgliedern der Finanz- und Unternehmereliten als das Oberhaus der Hohepriester des Kapitalismus angesehen. Man kann keine Mitgliedschaft bei ihnen beantragen. Jedes Jahr erstellt ein mysteriöser «Lenkungsausschuss» eine Einladungsliste mit höchstens 100 Namen. Der Ort ihrer jährlichen Treffen ist nicht direkt geheim: Sie haben ein Hauptbüro in Leiden, in den Niederlanden. Aber die Treffen selbst unterliegen der grössten Geheimhaltung. Teilnehmer und Gäste enthüllen nur selten, dass sie anwesend sind. Ihre Geheimhaltung wird vom militärischen Geheimdienst sichergestellt. Aber was macht diese geheime Gruppe wirklich? Nun, sie reden. Sie machen Lobbyarbeit. Sie versuchen, ihren bereits riesigen politischen Einfluss auf beiden Seiten des Atlantiks noch weiter zu vergrössern. Und jeder verpflichtet sich zu absoluter Verschwiegenheit über die Gespräche.
Bilderberg bringt Bankiers, Verteidigungsexperten, Pressezaren, Minister, Premierminister, Aristokraten, internationale Financiers und politische Führer aus Europa und Amerika zusammen. Gäste waren dieses Jahr, neben Rumsfeld und Perle (US-Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz ist ebenfalls ein Mitglied), der Bankier David Rockefeller wie auch diverse Mitglieder der Rockefeller-Familie, Henry Kissinger, Königin Beatrix der Niederlande, Königin Sofia und König Juan Carlos von Spanien und hohe Beamte mehrerer Regierungen. Bilderberg lädt weder Asiaten, Bewohner des Nahen Ostens, Lateinamerikaner noch Afrikaner ein oder akzeptiert sie als Mitglieder.
Sowohl einige der führenden Financiers der Welt als auch aussenpolitische Strategen nehmen an Bilderberg teil, ihrer Ansicht nach, um einen gedachten Konsens aufzupolieren und zu verstärken: eine Illusion, dass Globalisierung, definiert nach ihren Regeln, unvermeidlich und das Beste für die Menschheit ist - nach dem Motto: Was gut für Banken und grosse Unternehmen ist, ist auch gut für alle anderen. Wenn sie einen geheimen Plan haben, dann besteht er in der Tatsache, dass ihre unglaubliche Konzentration von Wohlstand und Macht vollständig losgelöst ist von ihrer Erklärung an ihre Gäste, wie die Globalisierung 6,2 Milliarden Menschen zugute komme. Einige der früheren Gäste des Clubs wurden später wichtige Figuren. Bill Clinton wurde 1991 und Tony Blair 1993 eingeladen und von Bilderberg ordnungsgemäss «genehmigt», bevor sie ihre Ämter antraten.
Es gibt unzählige dunkle, immer noch ungeklärte Verbindungen zwischen dem frühen Bilderberg-Club und den Nazis, via Prinz Bernhard der Niederlande, dem Vater von Königin Beatrix, der den Club 1954 gegründet hat (der Name stammt von einem holländischen Hotel), um «das Verständnis zwischen Europa und Amerika zu verbessern». Bernhard war Mitglied von Adolf Hitlers SS. Eines der Gründungsmitglieder Bilderbergs ist Otto Wolff von Amerongen, der aktiv die Geschäftsbeziehungen Deutschlands mit dem Sowjetblock verbessert hat und in 26 Vorständen, darunter dem der Deutschen Bank, gearbeitet hat. Wenige Menschen kennen ihn, und das vielleicht aus gutem Grund: Er wird mit dem Raub der Nazis von jüdischem Eigentum vor und während des Zweiten Weltkriegs in Verbindung gebracht.
Rumsfeld ist ein aktiver Bilderberger. Ebenso wie General Peter Sutherland aus Irland, der ein früherer Kommissar der Europäischen Union und Vorstandsmitglied von Goldman Sachs und BP ist. Rumsfeld und Sachs arbeiteten im Jahr 2000 zusammen im Vorstand des Schweizer Energieunternehmens ABB. Und ABB hat zufällig zwei Leichtwasserreaktoren an Nordkorea verkauft. Zu der Zeit war Nordkorea natürlich nicht aktives Mitglied der «Achse des Bösen».
Dieses Jahr ging das Treffen in Versailles am 19. Mai angenehm in das G-8-Treffen der Finanzminister in Paris - eine 20minütige Autofahrt von Versailles - über. Die Prozedur hat Tradition: Was bei Bilderberg passiert ist üblicherweise eine Vorschau auf das, was später beim vollen G-8-Treffen, das dieses Jahr vom 1. bis zum 3. Juni in Evian-les-Bains in den französischen Alpen abgehalten wird, besprochen wird.
Am ersten Tag des Treffens hielt der französische Präsident Jacques Chirac eine Willkommensrede, in der er versuchte, die starken Spannungen zwischen den Gästen wegen des Irak-Kriegs zu mildern, indem er betonte, dass die USA und Westeuropa seit langer Zeit Alliierte sind. Aber Chiracs Ansprache war vermutlich nicht ausreichend, um die Falken in der US-Regierung, die wegen des «pazifistischen» Frankreichs immer noch verstimmt sind, zu beruhigen.
Ein einflussreicher europäischer Bankier enthüllt, dass die herrschende Elite in Europa ihren Lakaien jetzt sagt, dass der Westen am Rande des finanziellen Zusammenbruchs steht; der einzige Weg, ihre kostbaren Investitionen zu sichern, ist also, auf die neue globale Krise im Nahen Osten zu setzen, die die Nachfolgerin der Krise des Kalten Kriegs ist.
Einer Quelle in einer Londoner Bank, die eine Verbindung mit Versailles hat, zufolge drang vom Treffen 2002 durch, dass die amerikanischen und die europäischen Bilderberger ihren Bruch auf Grund der amerikanischen Invasion und der Besetzung des Irak, wie auch bezüglich des harten Kurses des israelischen Premierministers Ariel Sharon gegenüber den Palästinensern nicht kitten konnten. Während die Bilderberger diskutierten, lehnte Sharon Bushs Fahrplan für den Nahen Osten - der von den anderen Mitgliedern des sogenannten Quartetts, den USA, der EU und Russland, schon gutgeheissen worden war - rundweg ab. Dieser Fahrplan ist offensichtlich abgelaufen; selbst die Anwesenheit von US-Aussenminister Colin Powell - der einen Zwischenstopp in Versailles machte, um die Bilderberger zu informieren - reichte nicht aus, um Sharon davon zu überzeugen, den Abbau israelischer Siedlungen auf palästinensischem Gebiet auch nur zu diskutieren.
Amerikanische imperiale Abenteuer werden üblicherweise auf Bilderberger-Treffen geprobt. Europas Elite stand einer amerikanischen Invasion des Irak seit dem Bilderberger-Treffen 2002 in Chantilly, Virginia, ablehnend gegenüber. Rumsfeld selbst hatte ihnen versprochen, dass es nicht passieren würde. Letzte Woche schlugen alle auf Rumsfeld ein und fragten nach den berüchtigten «Massenvernichtungswaffen». Die meisten der europäischen Elite trauen dem amerikanischen Versprechen nicht, dass das irakische Öl «dem irakischen Volk zugute kommen» wird. Sie wissen, dass Erträge aus dem irakischen Öl verwendet werden, um wiederaufzubauen, was Amerika zerbombte. Und die Diskussion dauert an, welche Art Verträge, die Bechtel und Halliburton belohnten, Westeuropa «zugute kommen» wird.
Europas Elite ist, laut denen, die Bilderberg nahestehen, misstrauisch, dass die USA keine stabile rechtmässige Zentralregierung im Irak brauchen oder wollen. Wenn das entsteht, wird es für die USA keinen Grund mehr geben, im Land zu bleiben. Europas Elite sieht, wie die USA «am Boden Fakten schaffen»: Einrichtung einer langfristigen Militärpräsenz und Wiederankurbelung der Ölproduktion unter amerikanischer Kontrolle. Das könnte jahrelang so weitergehen, so lange, wie die Amerikaner ausreichend wichtige Dienste bereitstellen können, um die Iraker davon abzuhalten, sich in einen nationalen Befreiungskampf zu stürzen.
Es war auch extrem schwierig, auf dem Treffen einen Konsens über die Notwendigkeit einer von der Nato unabhängigen europäischen Armee zu finden. Das amerikanische Establishment ist natürlich gegen eine Armee der EU. Aber das sind auch einige Europäer, beginnend mit dem Armeegegner Lord Robertson, dem Generalsekretär der Nato. Europas Elite hält die US-Dominanz der Nato nicht länger aus. Einige Europäer schlagen eine eigene Truppe, aber unter Kontrolle der Nato, vor. Amerikaner argumentieren, dass eine eigene EU-Truppe die Rolle der Nato als Weltarmee der Uno schwächen würde. Und die Amerikaner bestehen darauf, dass die Nato nicht mehr nur an die Verteidigung Europas gebunden ist; die Truppen können jetzt überall auf der Welt eingesetzt werden, mit oder ohne Auftrag des UN-Sicherheitsrats.
Alle diese entscheidenden Entwicklungen wurden hinter geschlossenen Türen besprochen. Das Trianon Palace Hotel in Versailles war für die Öffentlichkeit geschlossen, und alle Nicht-Bilderberg-Gäste mussten auschecken. Aushilfskräfte wurden nach Hause geschickt. Denjenigen, die blieben, wurde gesagt, dass sie gefeuert würden, wenn sie dabei erwischt werden sollten, irgend etwas über das Treffen zu verraten. Sie durften mit keinem Bilderberger sprechen, bevor dieser sie ansprach. Sie durften niemandem in die Augen sehen. Bewaffnete Wachen riegelten das Hotel komplett ab. Einige Mitglieder der amerikanischen Presse waren anwesend - aber die Öffentlichkeit wird nie davon erfahren: Bilderberg-Nachrichten werden nicht gedruckt oder gesendet. Keine Journalisten von durch multinationale Bilderberg-Tycoons wie Rupert Murdoch kontrollierten Medien waren oder werden je darüber berichten dürfen.
Quelle: www.atimes.com vom 22.5.2003 (übersetzt von www.Freace.de)
G-8-Gipfel
Es ist beschämend und ein grosses Armutszeugnis, dass die Schweiz mit der grössten Armee in Europa zur Sicherheit des G-8-Gipfels in der Romandie vom Ausland 750 Polizisten anfordern muss. Ein solcher Entscheid der Landesregierung wäre vor wenigen Jahren nicht denkbar gewesen. Wenn sich in der Zwischenzeit auch einiges geändert hat, ist es unverständlich, wie schnell der Verteidigungswille in unserem Land auf einen Tiefpunkt gefallen ist. Mit einem Aufruf an unsere Bürgerschaft - auf freiwilliger Basis -, den fehlenden Bestand aus der Armee zu rekrutieren, wäre die Lücke leicht zu schliessen gewesen. Vom Puppenkabinett - als Ausschuss «nomen est omen», dem auch der Not gehorchend der Chef des VBS angehört - darf auf Grund der vergangenen Erfahrungen nicht viel anderes erwartet werden.
Die Inkompetenz steht als Markenzeichen eines Triumvirates der Landesregierung - von dem sich der Rest stillschweigend distanziert hat -, die nicht mehr zu überbieten ist. Sollte in Genf dennoch einiges schieflaufen, dann wird die Blamage um so grösser; weil dann auch noch das Polizeikontingent aus Deutschland involviert ist und die gegenseitigen Schuldzuweisungen die Lächerlichkeit des Flops zur Schau stellen. Ich schäme mich für unser Land, von einem solchen Bundesrat in ein zu erwartendes Desaster geführt zu werden, das sich vermeiden liesse, wenn genügend Sachverstand der Massstab aller Dinge wäre.
Schweizer, höre endlich auf die Signale! Die Galeeren warten schon auf dich. Wie lange schauen wir diesem Treiben noch zu? Der Staatsdienst muss zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut sind, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist. (Cicero, 106-43 v. Chr.)
Ernst Heimgartner, Reinach
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