Artikel 10: Zeit-Fragen Nr.39 vom 20.10.2003
Am 13. Oktober präsentierte Landwirtschaftsminister Josef Pröll an der Ernährungsmesse Anuga in Köln den «Zweiten österreichischen Lebensmittelbericht (1995 bis 2002)». Die Studie ist die umfassendste ihrer Art in Österreich. Der Lebensmittelbericht beleuchtet nicht nur Ernährungsgewohnheiten und -trends, sondern vor allem wirtschaftliche Entwicklungen in den Bereichen Lebensmittelproduktion, -verarbeitung und -handel. Da der Bericht der zweite seiner Art ist, kann er sowohl Entwicklungen aufzeigen, die seit dem EU-Beitritt im Jahr 1995 stattgefunden haben, als auch Vergleiche mit den Daten des ersten Lebensmittelberichts (1997) anstellen.
In der Lebensmittelproduktion, also in der Landwirtschaft, hat sich in den letzten acht Jahren ein tiefgreifender «Strukturwandel» vollzogen, der laut Lebensmittelbericht nach wie vor anhält: Bei bisher annähernd gleichbleibender landwirtschaftlich genutzter Fläche (40% des gesamten Bundesgebietes) werden die landwirtschaftlichen Betriebe immer weniger, dafür die verbleibenden immer grösser und spezialisierter. Erfreulich ist die Entwicklung im Biolandbau.
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich in den ersten fünf Jahren nach dem EU-Beitritt (von 1995 bis 1999) um ein Fünftel verringert. Gab es im Jahr 1995 noch 263522 Bauernhöfe, so waren es 1999 nur noch 217508, 2002 hielt Österreich bei rund 210000 Betrieben (davon zwei Drittel im Nebenerwerb).
Wurden 1995 noch 91396 Betriebe mit bis zu 5 ha Land bewirtschaftet, hat sich deren Zahl bis 1999 um 42% (auf 52663) verringert. Gleichzeitig war ein Zuwachs von 10,9% bei Betrieben über 50 ha festzustellen.
Insgesamt ist trotz des anhaltenden «Strukturwandels» die österreichische Landwirtschaft nach wie vor kleinflächig organisiert, die durchschnittliche Betriebsgrösse liegt bei 16,8 ha (ohne Wald). Diese Tradition hat sich in Österreich nicht zufällig entwickelt, sondern ist stark durch geographische Gegebenheiten bedingt. So liegen 57% der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Berggebieten. Der hohe Anteil der Berggebiete ist auch dafür verantwortlich, dass in Österreich der Grünlandanteil (57%) die Ackeranbaufläche (41%) deutlich übersteigt.
Im EU-Beitrittsjahr 1995 kam es zu massiven Einbrüchen der Erzeugerpreise (durchschnittlich -18%), von denen sich die Landwirtschaft bis heute nicht erholt hat. Der Produktionswert der Landwirtschaft ist - trotz Produktionssteigerung - kontinuierlich rückläufig (1995: 6,06 Mia. Euro, 2002: 5,68 Mia. Euro). Wurde die starke Verringerung der bäuerlichen Einkommen anfänglich durch eine Aufstockung der Direktzahlungen von seiten der EU aufgefangen, so ist dies heute, infolge einer geänderten EU-Agrarpolitik, nur mehr teilweise der Fall. Gegenüber 2001 fiel das landwirtschaftliche Einkommen im Jahr 2002 um 5,1%. Schuld daran waren etwa die Erzeugerpreise für Brotgetreide, die, vor allem durch den hohen Konkurrenzdruck aus Osteuropa, im Jahr 2002 um 6 bis 12% rückläufig waren. Durch einen extremen Verfall seit 1995 gekennzeichnet sind ausserdem die Preise für Kartoffeln: Betrugen die Erzeugerpreise 1995 noch 155 Euro pro 1000 kg, so waren es 2002 nur noch 86 Euro.
Bei der tierischen Produktion ist die Lage ähnlich dramatisch. Allein zwischen 2001 und 2002 sanken die Erzeugerpreise um durchschnittlich 6,7%. Die Zahl der Rinder- und Schweinehalter ist daher stark rückläufig, der Trend zu grösseren Betrieben hält an. In der Rinderhaltung dominiert das Fleckvieh mit 81%, da es sowohl in der Milch- wie in der Fleischproduktion gute Erträge liefert. Dagegen gelten heute in Österreich insgesamt 9 bodenständige Rinderrassen als gefährdet.
Beim Schweinefleisch, das 2001 einen Erlöszuwachs verzeichnete, kam es 2002 zu einem massiven Preiseinbruch der Erzeugerpreise von 20,1%. Dagegen stiegen die Preise für Schaffleisch, das in Österreich seit den 70er Jahren an Bedeutung gewinnt, 2002 leicht an (2%.)
Der Landwirtschaftsminister spricht zwar auch von neuen Exportchancen durch die EU-Ost-Erweiterung, doch wiegen die Risiken für die Bauern weit schwerer. Die meisten Beitrittsländer sind deutlich stärker agrarisch ausgerichtet als die bisherigen EU-Mitgliedsstaaten. So könnte etwa der Ertrag der Getreideproduktion in den neuen Mitgliedsländern durch Zuerkennung von EU-Flächenprämien noch stark gesteigert werden, wodurch mit Angebotsdruck auf die Inlandsmärkte sowie mit einem verstärkten Wettbewerb auf den angestammten österreichischen Exportmärkten zu rechnen ist.
Das Milchangebot wird im EU-Binnenmarkt bisher zwar durch nationale Quoten begrenzt, sollte die EU-Milchmarktordnung allerdings geändert werden, müssten auch die heimischen Milchproduzenten mit abermals erhöhtem Preisdruck und Verlusten an Marktanteilen rechnen.
Zusammenfassend hält der Bericht des Landwirtschaftsministerium fest: «Es ist anzunehmen, dass die Aufnahme der Reformstaaten Mittel- und Osteuropas in die EU für die österreichische Landwirtschaft kurz- und mittelfristig weniger einschneidende Folgen haben wird als der seinerzeitige EU-Beitritt Österreichs. Längerfristig wird sie die Entwicklung der österreichischen Landwirtschaft allerdings nachhaltiger prägen als die Mitgliedschaft in der EU 15.»
In der Anfangsphase des biologischen Landbaus zwischen 1980 und 1990 stieg die Anzahl der Biobetriebe langsam an. 1989 wurden in einzelnen Bundesländern die ersten Förderungen für Umstellungsbetriebe eingeführt, seit 1995 werden Biobetriebe über das österreichische Agrar-Umweltprogramm Öpul gefördert. Die Anzahl der österreichischen Biobetriebe konnte von 1970 im Jahr 1991 auf 18576 im Jahr 2002 gesteigert werden. Das heisst, die österreichischen Landwirte haben den Bioqualitätssektor als Zukunftschance erkannt und ausgebaut. Innerhalb der EU liegt Österreich mit seinem 12%igen Anteil an Biolandbau (im Verhältnis zur gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche) an erster Stelle.
Etwa 20% der Bioprodukte werden exportiert, die wichtigste Vermarktungsschiene für Bioprodukte in Österreich ist mittlerweile der Einzelhandel (75%). 10% entfallen auf die regionale Vermarktung wie Bäcker, Fleischhauer oder Naturkostläden, 15% werden direkt vermarktet (Ab-Hof-Verkauf, Bauernmärkte ... ). Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage gestaltet sich je nach Produktgruppe sehr unterschiedlich. Während bei Biomilch nach wie vor ein Angebots-Überschusss herrscht, übersteigt etwa bei Biogeflügel oder Bioschweinefleisch die Nachfrage das Angebot, was zu relativ hohen Preisen führt.
Die gesetzlichen Grundlagen für den biologischen Landbau sind durch die EU-Richtlinie 2092/91 festgelegt, der Grossteil der österreichischen Biolandwirte ist ausserdem in Bioverbänden organisiert und bindet sich damit freiwillig an die meist wesentlich strengeren Verbandsauflagen.
Einen Exkurs widmet der Lebensmittelbericht dem Problem des Hineindrängens von gentechnisch veränderten Pflanzen beziehungsweise gentechnisch verändertem Saatgut nach Österreich. Die Diskussionen rund um den Einsatz der Gentechnik erreichten im Gentechnik-Volksbegehren, das im April 1997 von mehr als 1,2 Millionen Menschen (rund 22% der Wahlberechtigten) unterschrieben wurde, einen bisherigen Höhepunkt. Neue österreichische Umfragen belegen, dass für 60-80% der Befragten «nicht gentechnisch verändert» ein zentrales Qualitätskriterium von Lebensmitteln darstellt. Auch europaweit ist dieser Trend feststellbar. Eine Eurobarometerumfrage aus dem Jahr 2001 belegt, dass die grosse Mehrheit der europäischen Verbraucher (70%) gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnt und 94% ein Recht auf Wahlfreiheit haben wollen.
Um so unverständlicher ist es, dass die Zulassungssperre («Moratorium») für gentechnisch verändertes Saatgut beziehungsweise Pflanzen, das in der EU seit 1997 de facto besteht, Ende des Jahres 2003 auslaufen soll. Anträge mehrerer österreichischer Bundesländer, auch nach diesem Zeitpunkt gentechnikfrei bleiben zu wollen, wurden bisher vom EU-Landwirtschaftskommissariat abgelehnt. Doch das letzte Wort dazu ist noch nicht gesprochen, so sieht es jedenfalls auch der Lebensmittelbericht.
Von der Freiheit Österreichs, selbst gentechnikfreie Zonen innerhalb seines Bundesgebietes per Gesetz festlegen zu können, hängt jedenfalls die Zukunft des erfolgreichen Biolandbaus in Österreich ab. Erst unlängst hat ein grossangelegter britischer Feldversuch bewiesen, dass die Pollen von gentechnisch verändertem Raps bis zu 26 km weit getragen werden können und so in diesem Umkreis konventionell oder biologisch angebaute Pflanzen verunreinigen können. Wenn ein Feld einmal betroffen ist, kann es, so die Untersuchung weiter, 16 Jahre bis zur Beseitigung der Kontaminierung dauern. (Siehe Bericht in der «Presse» vom 16. Oktober.)
Die österreichische Lebensmittelverarbeitung ist überwiegend klein- und mittelständisch strukturiert. Auch sie ist seit dem EU-Beitritt mit massiven Preiseinbrüchen konfrontiert, die, so der Bericht des Landwirtschaftsministeriums, «einen Bruch der bis dahin recht günstigen Entwicklung bewirkten.»
Am stärksten wurde 1995 die österreichische Mühlenindustrie getroffen. Die gesamte Mühlenbranche verzeichnete 1995-2000 sowohl hinsichtlich der Anzahl der Unternehmen (-25%) als auch der Beschäftigten (-44,6%) dramatische Rückgänge. Der Umsatz sank im gleichen Zeitraum kontinuierlich um -41%.
Ein anderes signifikantes Beispiel für die angespannte Marktsituation im Bereich Lebensmittelverarbeitung ist der Käsemarkt: Trotz lebhafter Nachfrage wird Käse immer billiger. Der unbeschränkte Zugang Österreichs zum europäischen Markt führte zwar zu Exporterfolgen bei Milch, Milchprodukten und Käse, gleichzeitig entdeckten jedoch auch europäische Konkurrenten (vor allem Deutschland und Italien) Österreich als Absatzmarkt.
Zu den wenigen Gewinnern gehören Milchmixgetränke und andere alkoholfreie Erfrischungsgetränke.
Die grosse Tendenz im Lebensmittelhandel, die der Bericht aufzeigt, ist wenig überraschend: Die grossen Supermärkte sind marktbeherrschend, die kleineren Lebensmittelgeschäfte mit weniger als 250 m2 Verkaufsfläche machen nur noch 13% innerhalb des Lebensmittelhandels aus. Im Jahr 2000 wurden bereits über 70% des gesamten Jahresumsatzes im Lebensmitteleinzelhandel in über 400 m2 grossen Geschäften erzielt. In den letzten 20 Jahren schieden drei Viertel der kleinen Lebensmittelhandelsgeschäfte aus dem Markt aus.
Als problematisch im Hinblick auf die Versorgungssicherheit und -zuverlässigkeit gegenüber den Verbrauchern wird im Lebensmittelbericht vor allem die hohe Konzentration auf dem Lebensmittelsektor angeführt. Mit Ausnahme des Burgenlandes kontrolliert der jeweilige Marktführer ein Drittel bis die Hälfte des Marktes. Die marktbeherrschende Stellung von Rewe in Ostösterreich beziehungsweise von Spar in Westösterreich ist in neun politischen Bezirken so gross, dass der Marktführer wesentlich mehr als die Hälfte bis fast drei Viertel des Marktes beherrscht.
Die direkte Vermarktung bäuerlicher Lebensmittel hat seit den 90er Jahren kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Rund ein Viertel aller landwirtschaftlichen Betriebe vermarkten regelmässig und rund drei Viertel gelegentlich Produkte direkt an die Konsumenten.
Die Verbrauchsmengen von Obst und Gemüse nahmen in den letzten zehn Jahren deutlich zu. Der Gesamtfleischkonsum ist relativ stabil geblieben. Die Verwendung von Bioprodukten ist heute viel stärker verbreitet und selbstverständlicher als 1996.
Die «klassischen drei Mahlzeiten»: Frühstück, Mittag- und Abendessen, stehen in Österreich nach wie vor im Vordergrund. Dabei ist eine zunehmende Verlagerung der Hauptmahlzeit auf den Abend festzustellen.
«Dem Abendessen kommt im alltäglichen Essverhalten eine erhebliche Bedeutung zu. Es stellt noch mehr als 1996 die familiärste aller Mahlzeiten dar, bei der sich die Familien beziehungsweise Haushaltsmitglieder mit ihren unterschiedlichen Tagesabläufen und Zeitverwendungsmustern am ehesten zur Tischgemeinschaft zusammenfinden können.»
In jedem zweiten österreichischen Haushalt wird täglich gekocht, in jedem dritten eher unregelmässig. Als Kochstil dominiert «unaufwendig, aber mit Bedacht». Auf die Frage nach den Kriterien, die für sie die Qualität von Lebensmitteln ausmachen, nennen die Österreicher laut Lebensmittelbericht am häufigsten «Frische», gefolgt von «Naturbelassenheit» und «Herkunft/österreichische Herkunft». 73% der Befragten bezeichnen «frei von gentechnischen Veränderungen und von Konservierung durch Bestrahlung» als sehr wichtig.
Geht es um Einzelaspekte, die den Österreichern bezüglich einer gesunden Ernährung persönlich wichtig sind, stehen «täglich Obst und Gemüse essen» (für 63% sehr wichtig) und «mindestens einmal am Tag warmes Essen» (62%) ganz oben vor «frisch zubereiteten Speisen» (60%) und «abwechslungsreich essen» (55%).
Für die Gesundheit insgesamt messen laut Lebensmittelbericht die Österreicher einem «glücklichen Familienleben» die wichtigste Rolle zu (für 79% sehr wichtig) vor der «richtigen Lebenseinstellung/dem Leben einen Sinn geben» (75%), «sich entspannen können» (60%) und «Zufriedenheit mit der Arbeit» (58%). Erst danach kommen «sich richtig, gesund ernähren» (57%), «Bewegung und Sport» (47%) und «mit Freude und Genuss essen» (43%). (Zum letzten Punkt siehe auch unten: Text von Dr. Felix Berger)
Insgesamt zeigt der Lebensmittelbericht, dass gute Lebensmittelqualität in Österreich von den Verbrauchern hoch geschätzt und von den Produzenten auch angeboten wird. Durch die massiven Erzeugerpreiseinbrüche in der Zeit seit 1995 steht die Landwirtschaft am Vorabend der EU-Erweiterung allerdings an einer heiklen Schwelle: Weitere Einbrüche würden eine Trennung in reine «Landschaftsgärtner» (Kleinbetriebe ohne nennenswerte Produktion) auf der einen und einige wenige agroindustrielle Grossunternehmen auf der anderen Seite bewirken.
Grad der
Selbstversorgung
Gemüse: 68%
Obst: 61%
Bier und Wein: 100%
Weisszucker: 127%
Honig: 68%
Mohn: 18%
Eier: 75% (1995: 89%)
Fisch: 6%
Fleisch insgesamt: 110%
Milch: 114%
Kartoffeln: 90%
Getreide: 100%
Reis: 0%
Vor allem die Werbung versucht die Menschen über die Sinne zu beeinflussen. Die Werbefachleute müssen es ja letztlich wissen, denn sie sind ja die Experten auf diesem Gebiet. Sie wissen genau, wie sehr sich jeder bei der Auswahl aller auf ihn bezogenen Dinge auf die Sinne unbewusst verlässt.
Was farbenfroh und verlockend dem Auge schmeichelt, was durch angenehmen Duft anregt, sich gut angreift und dem momentanen Geschmack gerade passend entspricht, wird gerne angenommen und ist in den meisten Fällen, wenn es sich nicht um eine raffinierte Täuschung handelt, auch optimal bekömmlich. Ein gesunder Mensch kann sich auf seine Sinne verlassen. Er kann selbst wählen und braucht normalerweise keinen «Vor-Mund», der ihm sagt, ob etwas gut schmeckt, der ihm vorkaut und der besser weiss, was er gerade an Nahrung braucht. Das hängt vom Tag, der Zeit, der momentanen Verfassung, der Tätigkeit und von vielen anderen subjektiven und äusseren Variablen ab. Hier passt die anschauliche Volksweisheit, die Mayr gerne zitierte: «Was den Schmied stärkt, das zerreisst den Schneider.»
Am Beispiel Obst und Gemüse: Frisch, naturbelassen und reif sieht es am besten und am gschmackigsten aus. Und dem ist auch so. Leider werden die oberflächlich prüfenden Sinne heute allzuoft durch künstliche «Schönung» von unreifen oder nicht mehr frischen Früchten und Gemüse getäuscht, um es zu einem höheren Preis leichter verkaufen zu können.
Ein schön gedeckter Tisch, ein paar frische Blumen in der Vase, entspannte, gemütliche Atmosphäre und ein liebevoll zubereitetes, duftendes Mahl, vielleicht noch leise, angenehme Musik im Hintergrund - das ist die Stimmung, die den Parasympatikus anregt, die Verdauungssäfte rinnen lässt und die entsprechenden Abläufe in Gang setzt. Erst wenn sich der Geniesser die Zeit nimmt, um sich dem Gesamtereignis «Mahl» mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu widmen, wenn er durch gründliches Kauen die Speisen richtig auskostet und entspannt auch die vielfältigen Eindrücke und Wirkungen einer solch beinahe festlichen Art des Essens aufnimmt, kann der Körper aufgrund seiner Anlagen die Nahrung richtig auch zur gesunden Ernährung werden lassen, weil die Verdauung dabei natürlich und gut gelingt.
Was ist dagegen die heute häufig übliche Art, diesen für den Menschen so wichtigen Akt der Nahrungsaufnahme auszuführen?
Meist werden als kurze Unterbrechung des Arbeitsprozesses in einer kargen Umgebung unter relativem Zeitdruck auch manchmal bei Lärm oder schlechter Luft bereits seit längerer Zeit konservierte Nahrungsmittel, die nur kurz gewärmt sind, meist zu heiss oder auch, was hauptsächlich die Getränke betrifft, viel zu kalt rasch «hinuntergewürgt». Von Aufbereitung des Organismus, Erreichen einer Parasympatikotonie kann dabei keine Rede sein, geschweige denn, dass einem das «Wasser im Mund zusammenläuft» oder dass man friedliche Entspannung und seelische Freude beim Essen gewinnt. Der Adrenalinpegel der Arbeitssituation sinkt normalerweise auch während des Essens kaum ab; vielmehr wird die Mahlzeit selbst als eine notwendige Tätigkeit, also wie Arbeit, betrachtet, und der arme Körper hat gefälligst damit zurechtzukommen. Ganz klar, dass von ihm über kurz oder lang dann auch die Rechnung in Form von chronischen Beschwerden und Krankheiten vorgelegt wird.
Aus dem Referat «Geniessend gesunden» von Dr. Felix Berger, Arzt und Gesundheitsberater, Gaming, NÖ, gehalten am XI. Kongress «Mut zur Ethik»
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