Artikel 2: Zeit-Fragen Nr.41 vom 3.11.2003
Die vergangene Woche von der EU veröffentlichten Zahlen zu den einzelnen Staatshaushalten machen die eigentliche Ursache für die Schwäche des Euro deutlich - über die auch die vermeintliche «Stärke» des Euro gegenüber dem Dollar nicht hinwegtäuschen kann. Die führenden EU-Staaten Deutschland, Frankreich und Italien können neben weitern EU-Staaten, die von ihnen selbst aufgestellten sogenannten Konvergenz- und Stabilitätskriterien für die Gemeinschaftswährung Euro nicht erfüllen.
thk./rt. Als der Euro 1999 zunächst als Buchwährung und zwei Jahre später als Giralgeld eingeführt wurde, gab es unterschiedliche Beurteilungen über seine Zukunftsfähigkeit. Während die einen im Euro eine echte Alternative zu den einzelnen nationalen Währungen sahen, warnten die anderen vor den Gefahren, die eine solche Gemeinschaftswährung in sich birgt, besonders in bezug auf eine fehlende gemeinsame Währungs- und Wirtschaftspolitik.
Kurz nach seiner Einführung segelte der Euro gegenüber dem Dollar beständig in die Tiefe und verlor innerhalb eines Jahres fast ein Drittel seines Wertes. Auch gegenüber dem Schweizer Franken büsste der Euro mehr als 10 Prozent ein. Der Fall des Euro hatte neben wirtschaftlichen und politischen Gründen auch seine Ursache darin, dass die Einführung vollzogen wurde, obwohl die Mehrheit der am Euro beteiligten Staaten, die von der EU aufgestellten sogenannten Konvergenzkriterien in keiner Weise erfüllten. Einige Länder verkauften, um die Kriterien dennoch zu erfüllen, ihre Goldreserven oder einen grossen Teil des Staatseigentums, um somit kurzfristige Gewinne zu generieren, die die prozentuale Staatsverschuldung in einem positiveren Licht erscheinen lassen sollte. Nur zwei europäische Staaten hätten zu diesem Zeitpunkt auf regulärem Wege diese Kriterien erfüllt, nämlich Luxemburg und die nicht zur EU gehörende Schweiz.
Dass der Euro gegenüber dem Dollar in diesem Jahr einigen Boden gutgemacht hat, ist laut diversen Analytikern kein Indiz dafür, dass die europäische Wirtschaft sich erholt hat und der Euro auf gesunden Füssen steht. Im Gegenteil, die vermeintliche Stärke des Euro sei nur mit der momentanen Dollarschwäche zu erklären. Dieser Eindruck wird auch dadurch bestätigt, dass der Euro gegenüber dem Schweizer Franken nur geringfügig gestiegen ist.
Damit der Euro eine stabile Währung sein kann, stellten die europäischen Währungshüter verschiedene Kriterien auf, die ein Land erfüllen müsse, damit es der Währungsunion beitreten könne. Wie bereits erwähnt, wich man bei der Einführung des Euro stark von diesen Kriterien ab, damit der Euro überhaupt zustande kommen konnte. Deutschland erfüllte diese Kriterien schon damals nicht und heute noch viel weniger. Doch es ist nicht das einzige Land, das die Anforderungen an einen stabilen Euro nicht erfüllt. Theoretisch müssten Deutschland und Frankreich aus dem Euro ausscheiden und ihre nationalen Währungen wieder einführen und dürften erst dann wieder dem Euro beitreten, wenn sich ihre Staatsverschuldung verringert hat und die Neuverschuldung erheblich gesenkt wurde.
Auch ein Blick in die Zukunft verheisst wenig Gutes. Die Schätzungen und Prognosen für die EU-Länder in bezug auf das Wirtschaftswachstum sind wenig aussichtsreich und werden ständig nach unten korrigiert. In zwei Ländern, nämlich Portugal und Holland, wird sogar ein sinkendes Bruttoinlandsprodukt prognostiziert. Die Schwergewichte in der EU, Frankreich, Deutschland und Italien, werden in den nächsten Jahren eine ständige Erhöhung der Staatsverschuldung zu gewärtigen haben.
Welche Zukunft dem Euro beschieden sein wird, lässt sich so nicht voraussagen. Auffallend ist nur, dass alles, was den Euro zu einer stabilen Währung hätte machen sollen, von den EU-Ländern längst ignoriert wird. Wie sich dies bei einer Verschärfung der Wirtschaftskrise und einer Verschlechterung des politischen Umfeldes auswirken kann, lässt sich nur erahnen. Für die zig Millionen Menschen, die heute vom Euro abhängig sind, ist dies eine wenig beruhigende Zukunftsperspektive.
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