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 Artikel 5: Zeit-Fragen Nr.21 vom 1.6.2004

 Der Tag, an dem die Panzer am Zoo von Rafah ankamen

rw. Der grausame Krieg der israelischen Militärmacht gegen die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen unter dem Vorwand der Suche nach geheimen Tunneln für Waffenschmuggel hat unsägliches menschliches Elend verursacht. Augenzeugen berichten etwa folgendes: Häuser wurden den Menschen fast über ihren Köpfen abgerissen, nachdem sie ein paar Minuten Zeit gehabt hatten, sich zu retten. Mütter und Väter rannten, ihre Kinder an den Händen, durch die Strassen, oft unter dem Feuer israelischer Gewehre. Ihr ganzes Hab und Gut haben sie verloren. Ein Vater konnte gerade noch die Schulbücher seiner Kinder retten. Eine Frau zeigte auf ein von einem Bulldozer plattgedrücktes gelbes Taxi: Es war die Grundlage ihrer Existenz gewesen. Ein Mann musste seine alte Mutter an einem Seil aus dem zweiten Stock klettern lassen. Eine andere Familie, die sich vor den Beschiessungen in den einzigen betonierten Raum im Haus verschanzt hatte - die Toilette -, musste die Nachbarn um Hilfe rufen, damit diese noch rechtzeitig ein Loch in die Hauswand bohren konnten, bevor das ganze Haus über ihnen zusammenstürzte.

Unter den Opfern der Rafah-Attacke befinden sich wiederum eine grosse Zahl Kinder und Jugendlicher (siehe Amnesty-Bericht). Was ist der Sinn davon? Scharfschützen zielten zeitweise auf alles, was sich bewegte. An den Checkpoints wurden Palästinenser, ob alt oder jung, ob gesund oder krank, stunden- und tagelang warten gelassen, nebst vielen anderen Arten von Demütigungen, die sie erdulden müssen. Tausende von Menschen sind bereits vor der Operation «Regenbogen» geflohen - viele nicht das erste Mal in ihrem Leben. Augenzeugen und Geschichtskundige, wie zum Beispiel Uri Avnery, erinnert der Exodus an die «Nakhba» 1948 ...

Auch vor dem kleinen Kinder-Zoo in Rafah machten die Panzer der israelischen Armee nicht halt. Die Zerstörung des winzigen und einzigen Zoos im Gaza-Streifen ist für viele der obdachlos gemachten Menschen zu einem Symbol für das mitleidlose Vorgehen der israelischen Armee geworden. Der abgeschlachtete Strauss, das in einer Ecke kauernde versteinerte Känguruh, die von Tanks erdrückten Schildkröten - alle sind ein Beweis dafür.

«Menschen sind wichtiger als Tiere», sagt der Besitzer des Zoos, Mohammed Ahmed Juma, dessen Haus ebenfalls zerstört worden ist. «Aber der Zoo ist der einzige Ort in Rafah, an dem die Kinder der geladenen Atmosphäre entgehen konnten. Es gab Dias und Spiele für Kinder. Wir hatten einen kleinen Swimmingpool. Ich weiss, es ist kaum zu glauben, wenn man all dies jetzt sieht, aber es war wunderschön. Warum konnten sie dies zerstören? Weil sie alles von uns zerstören wollen.»

Quellen: The Guardian vom 21.5.04; Augenzeugenberichte von Amira Hass, Haaretz; btselem; gush-shalom; www.countercurrents.org


Unangemeldete Besuche in Haftanstalten

Anlässlich der Vorstellung des Jahresberichts von Amnesty International hat Barbara Lochbihler, Generalsekretärin der deutschen Sektion der Gefangenenhilfsorganisation, unangemeldete Kontrollen in amerikanischen Haftanstalten im Irak, in Afghanistan oder Guantánamo gefordert. Viele Regierungen liessen beim Antiterrorkampf die Folter wieder zu. Dabei sei schon die Androhung von Folter «verwerflich und verboten», so Lochbihler weiter.

Quelle: Deutschlandfunk vom 26.5.04


Palästina

AI fordert Untersuchung der Ermordung zweier Kinder

Amnesty International (AI) bittet die israelischen Behörden, dafür zu sorgen, dass eine gründliche, unabhängige und unpartei-liche Untersuchung zur kürzlichen Erschiessung von zwei palästinensischen Kindern im Gaza-Streifen durch Soldaten der israelischen Armee durchgeführt wird.

Die 16jährige Asma al-Mughayr und ihr 13jähriger Bruder Ahmad wurden am Morgen des 18. Mai innerhalb von wenigen Minuten nacheinander auf der Dachterrasse ihres Hauses in der Stadt Rafah im südlichen Gaza-Streifen totgeschossen. Jeder der beiden wurde durch eine einzige Kugel in den Kopf getötet: Asma, als sie die Kleider von der Wäscheleine nahm, und ihr Bruder Ahmad, als er die Tauben fütterte.

Alle erhältlichen Informationen zeigen, dass die Kugeln, die die Kinder töteten, vom obersten Stock eines benachbarten Hauses abgeschossen worden sind - dem höchsten Gebäude im Gebiet. Kurz vor der Erschiessung der beiden Kinder war es von israelischen Soldaten übernommen worden.

Amnesty International sprach mit einigen ausländischen Journalisten, die al-Mughayrs Haus und das Nachbarhaus, das zum fraglichen Zeitpunkt von israelischen Soldaten benutzt worden war, besichtigten. Die Vertreter von Amnesty International schauten von den Journalisten aufgenommene Fotos an. In jenem Nachbarhaus hatten die Journalisten eine leere israelische Munitionskiste, leere Schachteln für Gewehrmunition und Reste israelischer Militärverpflegung neben Löchern in der Hauswand gefunden. Diese Löcher hatten israelische Soldaten in die Wand gebohrt, um sie als Scharfschützenposition zu nutzen. Die von den Journalisten aufgenommenen Fotos zeigen, dass man von da aus direkte Sicht auf die Dachterrasse von al-Mughayr hat, auf der die beiden Kinder getötet worden sind.

Israelische Armeeoffizielle behaupteten, die Kinder seien eventuell durch von Palästinensern angelegten Sprengstoff getötet worden. Auf den Fotos der Journalisten sieht man jedoch Kugellöcher in den Kleidern an der Wäscheleine, in der Satellitenschüssel und in der Hauswand. Die Bilder zeigen keine Zerstörungen, die durch eine Explosion oder ein daraus entstammendes Splittergeschoss verursacht sein könnten.

Nach Aussagen der Familie der beiden Kinder seien zum Zeitpunkt ihrer Erschiessung nur einzelne Schüsse zu hören gewesen. Auch seien zu jenem Zeitpunkt keine Explosionen gemeldet worden.

Ebenfalls nach Aussagen der Familie sei Ahmad die Treppe hinuntergerannt, um Hilfe zu holen, nachdem seine Schwester in den Kopf geschossen worden war. Er selbst wurde in den Kopf geschossen, als er vom Treppenhaus wieder auf der Dachterrasse erschien.

Angesichts der sich wiederholenden Muster unangemessener oder mangelhafter Untersuchungen der israelischen Armee von illegalen Tötungen Hunderter Palästinenser, einschliess-lich Hunderter Kinder in den letzten dreieinhalb Jahren, fordert Amnesty International die israelischen Behörden dringend auf,

Quelle: Pressemitteilung von Amnesty International vom 25.5.04


Ölstrasse durch ein Paradies

Petrobras will in Ecuadors artenreichstes Gebiet eindringen

Der brasilianische Ölkonzern Petrobras plant den Bau einer Strasse durch den Yasuni-Nationalpark im ecuadorianischen Amazonas, der zu den artenreichsten Wildlife-Gebieten der Erde gehört. Nach Angaben der Hamburger Umweltorganisation Rettet den Regenwald (RdR) ist die Strasse direkte Folge der sogenannten «WestLB-Pipeline». Petrobras hält mit 15 Prozent die drittgrössten Anteile am Ölkonsortium OCP, das die Pipeline betreibt.

«Während die WestLB auf ihrer Bilanzpressekonferenz über nüchterne Zahlen reden wird, richten ihre Kredite in Ecuadors Regenwäldern katastrophale ökologische und soziale Schäden an», so der RdR-Vorsitzende Reinhard Behrend. «Wir fordern von der Bank, dass sie auf ihre Kreditnehmer einwirkt, kein Öl in Indianergebieten ohne die Zustimmung der Betroffenen zu fördern.»

Die 45 Kilometer lange Strasse wird nach Informationen von Rettet den Regenwald noch überwiegend unberührte Regenwälder erschliessen und Indianerstämme am Rio Napo bedrohen, die dort weitgehend isoliert leben. Die meisten von ihnen lehnten jegliche Ölsuche auf ihren traditionellen Stammesgebieten kategorisch ab, weil sie befürchteten, dass durch die Strasse Siedler und Wilderer in ein Gebiet mit der grössten biologischen Vielfalt Ecuadors gelockt werden. Die aussergewöhnliche Biodiversität in Yasuni wurde 1989 international anerkannt, als die Unesco das Gebiet zum Biosphären-Reservat erklärte.

Die Petrobras-Pläne sind nicht die einzige Bedrohung für den Yasuni-Park. In unmittelbarer Nähe westlich vom Petrobras-Ölfeld bereitet der kanadische Konzern EnCana seismische Tests vor, mit denen unterirdische Ölvorräte aufgespürt werden. Der WestLB-Geschäftspartner ist mit 31,4 Prozent grösster OCP-Anteilseigner. «Die Petrobras-Strasse könnte der Anfang einer neuen Welle von Strassenbauten durch den Yasuni sein», befürchtet Reinhard Behrend. In der Vergangenheit hätte die Ölförderung in den Regenwäldern Ecuadors stets dazu geführt, dass die Lebensräume von Indianern verseucht und Krankheiten eingeschleppt wurden.

Quelle: Pressemitteilung der Umweltorganisation Rettet den Regenwald vom 9.5.2004


Pipeline durch Darfur geplant

bs. Die Meldungen über die Ursachen der aktuellen Krise im Sudan, die dazu geführt hat, dass Hunderttausende Menschen vom Hungertod bedroht sind, sind widersprüchlich. Ebenso gibt es keine genauen Angaben über die Bodenschätze der Region. In der «International Herald Tribune» vom 15. Mai jedoch erwähnt R. S. O'Fahey, Professor für Afrikanische Geschichte der Universität Bergen, Norwegen, dass eine Ölpipeline durch Darfur geplant sei und die Regierung deswegen die Verfolgungen unterstützt:

«The racist dimension comes to the fore in reports of rape and mass killings, cynically supported by the Khartoum government, which is determined to retain control over the area. The reason is simple: a possible oil pipeline through Darfur.»

 

Artikel 5: Zeit-Fragen Nr.21 vom 1.6.2004, letzte Änderung am 2.6.2004

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