Artikel 1: Zeit-FragenNr. 46 vom 21.11.2005
Weisser Phosphor, Daisy Cutter, abgereichertes Uran,
thermobarische Bomben, Klusterbomben, Napalm …
Die USA setzen Massenvernichtungswaffen gegen Zivilisten ein
von Dirk Adriaensens
«Die Verletzungen, die alle davontragen, die von diesem Krieg betroffen sind Zivilisten und Truppen aller Kriegsparteien geben der grössten Verachtung des humanitären Völkerrechts, die es je seit dem Zweiten Weltkrieg gegeben hat, Ausdruck. Wenn dieser Krieg eins deutlich macht, dann ist es die Notwendigkeit, dass die Welt endlich beginnt, die Kontrolle über die Barbarei des militärisch-industriellen Komplexes der USA zu erlangen. Die Kritiken an Saddam Husseins Scheuss-lichkeiten verblassen in der Geschichte, während sie durch das industrialisierte Töten der US-Streitkräfte in den Schatten gestellt werden, für dessen Perfektion diese viele Milliarden Dollar ausgegeben haben.» (Dai Williams, 6. April 2003)
Der Irak-Krieg ist eine humanitäre Katastrophe, wie es sie noch nie gab. Viele Studenten und professionell im Gesundheitswesen Tätige aus der ganzen Welt schlossen sich in der Vergangenheit der massiven Protestbewegung gegen den Irak-Krieg an. Sie vertraten die Ansicht, dass neben der Bereitstellung von Gesundheitsdienstleistungen es auch zu ihrer Aufgabe gehört, Krankheiten, Verletzungen und Todesfälle in diesem ungerechten Krieg zu verhüten.
Trotz der globalen Proteste wurde der Krieg gegen den Irak losgetreten. Die belgischen NGOs Medizinische Hilfe für die dritte Welt (MATW www.m3m.be) und S.O.S. Irak (www.irak.be) hatten ein Ärzteteam nach Bagdad geschickt Dr. Geert Van Moorter und Dr. Colette Moulaert. Sie blieben während der Bombardements und der Invasion als Zeugen der amerikanischen und britischen Aggression im Irak. Sie koordinierten ihre Arbeit mit dem Gesundheitsministerium, dem irakischen Roten Kreuz und mit internationalen Einrichtungen, unter anderem auch der WHO und Unicef.
Ihre Berichte vom 3. April 2003, die ich unten wörtlich wiedergebe, beschreiben den Einsatz von furchtbaren Waffen durch die US-Streitkräfte. Damals schickte ich diese Berichte an Dai Williams, einen Waffenexperten, und bat ihn, diese Beschreibungen zu analysieren. Dai Williams Antwort, die ich ebenfalls hier wiedergebe, enthält noch einen Bericht des BBC-Reporters Adam Mynot vom 5. April 2003, der zivile Opfer mit schweren Verbrennungen in der Nähe von Nasiriyah beschreibt. «Der Phosphor verwandelte das Innere dieses Hauses in weisse Glut.» Sogar Dai Williams konnte nicht glauben, dass man weissen Phosphor gegen Zivilisten eingesetzt hatte. Aber heute wissen wir, dass die US-Aggressoren es wirklich getan haben.
Der Gebrauch von Napalm wurde schon am 22. März 2003 von Martin Savidge vom CNN berichtet, also wieso sind wir jetzt überrascht?
Savidge: «Hier gibt es einen Aussichtspunkt, einen Hügel auf der irakischen Seite der Grenze, den man Safwan-Hill nennt. Dort versammelten sich irakische Nachrichtendienst-Leute. Von dieser günstigen Position aus konnten sie ganz Nordkuwait überblicken. Man geht heute davon aus, dass der Hügel derartig gründlich von Raketen, von Artillerie und der Luftwaffe eingedeckt wurde, dass ein paar Fuss glatt abrasiert wurden. Und was nach all den Explosionen eventuell noch übriggeblieben war, wurde mit Napalm erledigt. Und das war so ziemlich das Ende von irgendwelchen irakischen Operationen auf diesem Hügel.» (http://edition.cnn.com/2003/WORLD/meast/0321/otsc.irq.savidge/)
Im Jahre 1980 ächteten die Vereinten Nationen die Verwendung von Napalm gegen Zivilisten, nachdem das Bild eines kleinen nackten Mädchens in Vietnam die ganze Welt aufgerüttelt hatte. Die USA, die die Konvention nicht unterzeichnet haben, sind das einzige Land der Welt, das immer noch Napalm einsetzt. Im folgenden Kasten wird der Vorgang beschrieben.
Dai Williams Empfehlungen haben heute noch Gültigkeit
Seine Beurteilung der verwendeten Waffen vom 6. April 2003
«Bitte, können Sie das Pentagon bitten, uns zu erklären, warum und wie viele Daisy Cutter, Klusterbomben und eventuell Uranwaffen in der letzten Woche in der Region rund um Bagdad eingesetzt wurden? Und könnten Sie bitte auch die britische Regierung fragen, warum sie den Einsatz von Daisy Cuttern in bevölkerten Gebieten mit vielen Zivilisten zulässt?
Als unabhängiger Forscher untersuche ich seit zwei Jahren Waffen, die von den USA eingesetzt werden. Meine Hauptsorge sind die 23 vermuteten Uranwaffensysteme. Aber meine Untersuchungen schliessen auch andere ähnliche Waffen wie thermobarische Bomben, Daisy Cutter ein. Eine umfassende Identifizierung einer Waffe erfordert die Inspektion des Terrains durch erfahrene und unabhängige Waffenanalysten. Das sollte für die Uno höchste Priorität haben. Ex-Militärpersonal, HALO oder ähnliche Minenräumorganisationen können dabei vielleicht helfen aber im Dienst stehendes Militärpersonal wird einfach lügen, wenn es um höherentwickelte Waffen, um Prototypen oder illegale Waffen geht. Weniger erfahrene Beobachter können von den Beschreibungen der Explosionen und von den Verletzungen der Opfer teilweise auf vermutete Waffensysteme schliessen. Meine vorläufigen Antworten auf die beiden Berichte von zwei belgischen Ärzten in Bagdad, die ich gestern erhielt, lauten wie folgt:
Erstes Ereignis
Das ist die Beschreibung einer Klusterbombe. Sie wurden bereits von den Medien als Waffen mit willkürlicher Wirkung erkannt.
Zweites Ereignis
Die Erwähnung einer «Hitzewaffe» mit flüssigem Kupfer klingt wie ein missverständliches Zitat von jemandem, der eine panzerbrechende Waffe beschreibt mit einem Hohlladungsgefechtskopf (shaped charge). (HEAT steht auch für High-Explosive-Anti-Tank-Waffen) Shaped-charge-Gefechtsköpfe verwenden eine fokussierte explosive Sprengung mit einem Kupfer- (oder Uran-)Kern, der durch die Detonation schmilzt und sich mit sehr hoher Geschwindigkeit ausbreitet, um durch die Panzerplatten zu dringen. «Heat» könnte in diesem Zusammenhang aber auch die sichtbaren Wirkungen einer Brandwaffe beschreiben.
Wenn die Waffe von einem Checkpoint aus gefeuert wurde also von Boden zu Boden
, dann muss es eine panzerbrechende Rakete gewesen sein, z. B. Javelin, die einen Tandem-Hohlladungsgefechtskopf (tandem-shaped- charge) trägt. Ich frage mich, ob die Javelin-Gefechtsköpfe, die vor kurzem von britischen Streitkräften gekauft wurden, einen Kern aus abgereichertem Uran haben, wie der Prototyp, den Defense Evaluation and Research Agency (DERA) und Ministery of Defence (MOD) 1999 produziert und getestet haben. Die Feuerwelle würde in diesem Fall viel höhere Temperaturen haben (5000 °Celsius) als bei Kupfer und könnte für die charakteristischen schweren Verbrennungen der Opfer verantwortlich sein. «Verkohlung» war typisch für die Opfer der Uranwaffen auf dem «Highway des Todes» im Jahr 1991. Shaped-charge-Waffen erzeugen keine Schrapnells sie funktionieren, indem sie einen Strom brennendes geschmolzenes Metall, fast wie Plasma, in das Ziel hineinschleudern. Ähnliche Wirkungen würden von den grösseren Hellfire- oder Maverick-Raketen erzeugt werden, die von Flugzeugen oder Helikoptern abgeschossen werden; die aber in diesem Bericht nicht erwähnt werden.
Frage: Welche Waffe haben die US-Streitkräfte in diesem Fall benutzt. Trug die Waffe einen Uran-Gefechtskopf?
Drittes Ereignis
«Colette sah von ihrem Hotelzimmer, direkt hinter der Moschee, zwei riesige Feuerbälle vom Himmel herunterkommen.»
Die einzigen Waffen, auf die diese Beschreibung passt, sind die BLU-82 Daisy-Cutter-Bomben. Sie wurden im Vietnam-Krieg entwickelt und verwendet, um Schneisen für Landebahnen in den Dschungel zu schneiden. Sie erzeugen einen immensen Druck, 1000 Pfund pro Quadratinch in einem grossen Gebiet, tödlich in einem Umkreis von 300 bis 900 Metern. (www.fas.org/man/dod-101/sys/dumb/blu-82.htm)
Sie zermalmen und verbrennen buchstäblich jedes menschliche Lebewesen innerhalb des Explosionsgebietes und verursachen ausgedehnte innere Verletzungen, schwere Verbrennungen, aber keine Schrapnellwunden durch die hohe Druckwelle. Sie wirken eher wie der Feuersturm durch Napalm, aber diese Bomben sind 10 bis 20 mal grösser.
Viertes Ereignis
Dieses Ereignis ist in einem anderen Bericht des BBC-Reporters Adam Mynot vom 5. April enthalten, der zivile Opfer mit schweren Verbrennungen in der Nähe von Nasiriyah beschreibt. «Das Phosphor verwandelte das Innere des Hauses in weisse Glut.» Das ist das erste Mal in diesem Krieg, dass ich die Erwähnung von Phosphorwaffen höre. Eine wahrscheinlichere Alternative könnte eine zielgesteuerte Bombe mit einem Uran-Gefechtskopf sein, z. B. GBU 31 oder 32 (für bessere Durchdringungs- und Entzündungseffekte). Britische Forscher haben US-Patente für das Aufrüsten des 2000 Pfund BLU-109/B Hart-Ziel-Gefechtskopf gefunden, wie er in den zielgesteuerten GBU-15, 24, 27 und 31-Bomben verwendet wird, wobei man entweder Wolfram oder abgereichertes Uran benutzt. (Vgl. auch meine Zusammenfassung «Gefahren durch Uranwaffen in Afghanistan und im Irak» unter www.eosilifework.co.uk/pdfs/Uspats.pdf.)
Diese Mini-Bunkerbrecher (weniger als 1 Tonne) wurden in hohem Masse während der früheren Bombardierung von Bagdad benutzt. Die Explosionen mit intensiven Feuerbällen auf dem Boden und dem weissglühenden Metall in ihren Explosionsfahnen sind hochverdächtig, von uranhaltigen Gefechtsköpfen herzurühren.
Die Existenz und Verwendung von zielgesteuerten Bomben und Raketen, die urangefüllte Gefechtsköpfe tragen, wird vom MOD heftigst bestritten. Sie sagen, das Pentagon habe ihnen versichert, dass es solche Waffen nicht gibt! Ich schenke beiden Aussagen keinen Glauben. Zusätzlich zur Verursachung von schrecklichen Verbrennungen bei den Opfern, die sich in der Nähe eines solchen Feuerballs aufhalten, kontaminieren solche Waffen die Zielregionen des Irak, wahrscheinlich mit Hunderten, wenn nicht gar bis zu 1500 Tonnen Uranoxiden, besonders in und um Bagdad.
Es ist wirklich von grösster Wichtigkeit, dass die Medienberichte die Frage aufwerfen, welche Waffen da von den amerikanischen und britischen Streitkräften eingesetzt wurden vor allem wenn eine so grosse Anzahl von Verletzten oder Toten mit solch aussergewöhnlichen Verletzungen angetroffen werden, z.B. mit den Auswirkungen des Feuers und der Detonationen, die in den oben genannten Ereignissen beschrieben werden.
Die zivilen Opfer rufen mehr Empörung hervor. Aber über die Art der Verstümmelungen und die Anzahl der Toten auf seiten der irakischen Truppen werden sehr wenige Fragen gestellt oder Berichte verfasst. Es ist in Kriegszeiten üblich, den Gegner zu dämonisieren. Aber viele Angehörige der irakischen Armee sind Wehrpflichtige …
Verletzungen von allen, die vom Krieg betroffen sind Zivilisten und Truppen aller beteiligten Parteien , sind immer schwerwiegend. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Entsetzen gross genug, um sich auf die -Genfer Konvention zu einigen. Aber das US-Militär und die Waffenindustrie haben seit dem Zweiten Weltkrieg extreme Verachtung für das internationale humanitäre Völkerrecht gezeigt. Wenn dieser Krieg eins deutlich macht, dann ist es die Notwendigkeit, dass die Welt endlich beginnt, die Kontrolle über die Barbarei des militärisch-industriellen Komplexes der USA zu erlangen. Die Kritiken an Saddam Husseins Scheuss-lichkeiten verblassen in der Geschichte, während sie durch das industri-alisierte Töten der US-Streitkräfte in den Schatten gestellt werden, für dessen Perfektion diese viele Milliarden Dollar ausgegeben haben.
Ein neues Kriegsverbrechertribunal im Irak wird nötig werden, sobald die Feindseligkeiten enden mit dem Ziel, die Ziele und Opfer der US-Waffensysteme im ganzen Irak zu untersuchen. Das erfordert natürlich ein dramatisches Erwachen der britischen Regierung und der konservativen Opposition aus dieser «Kriegstrance», ein Zauberbann, mit dem die Pentagonpropaganda sie belegt hat.
Und dann wird es eine gewaltige Abrechnung mit den Regierungen der USA und Grossbritanniens geben, wenn und sobald unabhängige internationale Beobachter im Irak zugelassen werden.» (Dai Williams, Surrey)
Quelle: www.globalresearch.ca/PrintArticle.php?articleId=1239
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