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Leserbriefe: Zeit-Fragen Nr. 27 vom 01.05.96, Seite 8
Angeregt durch Ihre Artikel und Leserbriefe zu Psychotechniken, kam ich mit meiner 15jährigen Tochter in ein interessantes Gespräch. Auf meine Frage, ob sie in der Schule auch Phantasiereisen machten, erzählte sie zu meinem Erstaunen (denn wir hatten zuvor nie darüber gesprochen), dass der Religionslehrer sie regelmässig mit der Klasse durchführe. Sie sagte, sie finde diese albern, müsse aber mitmachen. Nun überlegten wir, dass sie den Lehrer auffordern könne, mit dem Lernstoff zu beginnen, sie habe in der Nacht gut geschlafen und wolle gern lernen.
Wenige Tage später erzählte mir meine Tochter, dass sie mit ihrer Aktion einen erstaunlichen Erfolg gehabt habe. Sie habe dem Lehrer gesagt, sie habe keine Lust, die Augen zu schliessen, sie wolle jetzt lernen, und fragte ihn, wann er mit dem Unterricht beginne. Zum Glück hatte sie ihrer Freundin in der Pause zuvor von ihrem Vorhaben erzählt, und diese stimmte dann mit ein. Beide verweigerten sich standhaft. Nachdem der Lehrer es noch einmal versucht hatte, sie zum Mitmachen zu bewegen, gab er schliesslich auf und begann mit dem Unterricht. Ich war stolz auf den Mut meiner Tochter.
Herzlichen Dank für Ihre Artikel und das Aufgreifen der Thematik.
Linda W., Stuttgart
Zu Pfingsten 1995 (4. Juni) setzte der bekannte, in Theorie und Praxis erfahrene «Sexualforscher» Professor Ernest Bornemann, der am 12. April 1995 seinen 80. Geburtstag gefeiert hatte, seinem Leben ein Ende. Er hatte die Gründe für seinen seit längerem geplanten Selbstmord nicht geheimgehalten, sondern in einem Tonband, einem Abschiedsbrief, aber auch in einem anlässlich seines Geburtstages gegebenen Interview offengelegt:
Seit neun Jahren war er mit einer Frau liiert, die ihn nach seinem Geburtstag verlassen hatte. Zum Zeitpunkt des Interviews hatte er dies bereits geahnt und für den Fall, dass er keine andere Frau fände, seinen Selbstmord angekündigt, denn ohne Sexualität könne er nicht leben. Er war der Ansicht, dass mit dem Tod alles vorbei sei.
Er hatte aus einer Umfrage mit zehntausenden Fragebogen erkannt, dass die Sexualität bei der heutigen Jugend ihre Bedeutung verloren hat, verglichen mit jener, die sie bei der vorhergehenden Generation gehabt hatte. Er spricht vom Ende der Sexualität, die dem heutigen Streben nach Geld und Karriere habe weichen müssen. Die Sexualität sei zu Tode geredet worden, und der Medikamentenmissbrauch habe die Lust am Sex getötet.
Meine Zeilen wollen keine Schadenfreude wecken. Ein irrender und irreleitender Mensch, der am Ende seines Lebens die Verfehltheit seiner selbst gestellten Lebensaufgabe erkennt und dann noch im Privatleben scheitert, verdient posthume Anteilnahme und den Wunsch, dass er in der letzten Sekunde vor seinem Tod die Unsittlichkeit seines Tuns erkannt und bereut haben möge.
Durch sein Leben und Sterben hat Bornemann die Worte des hl. Paulus bestätigt: «Was der Mensch sät, wird er ernten. Wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleische Verderben ernten. Wer aber auf den Geist sät, wird vom Geiste ewiges Leben ernten.»
H. Stich, Wien
Kürzlich hatte ich Gelegenheit, mit Freunden das grosse, auf Drogenabstinenz ausgerichtete Dorf San Patrignano in Italien zu besichtigen. Es ist überwältigend, was Vincenzo Muccioli in 20 Jahren an Hilfe für Tausende von Drogensüchtigen geleistet hat. Gäbe es San Patrignano nicht, wären all diese hoffnungsvollen jungen Menschen vielleicht in der Gosse gelandet oder geblieben.
Doch in der Schweiz wollen einige die Drogen freigeben. Für eine Drogenfreigabe zu plädieren, kann für die Jugendlichen und die jeweils betroffenen Familien eine ungeheure Katastrophe bedeuten. Unlängst hat sich an einer Schule im Kanton Zürich ein Sozialarbeiter von der Stadt für eine Drogenaufklärung angemeldet, ein Fachmann, wie man so sagt. Er versprach der gegen Drogen Stellung nehmenden Lehrerin, am gleichen Strick zu ziehen wie sie ... doch weit gefehlt. Die Lehrerin konnte es kaum fassen, sagte er doch den Schülern, Haschisch sei harmlos, man müsse nur lernen, damit umzugehen!
Nach dieser «Aufklärung» griffen selbst Schüler zu Drogen, die zuvor noch eine Hemmschwelle hatten. Das ist doch ein Skandal! Die Jugendlichen sind noch in der Entwicklung, ihre Seelen, ihre Charaktere sind noch nicht gefestigt. Sie benötigen unsere Hilfe und Unterstützung - und keine Drogen!
E. Giesa, Zürich
Mit Erstaunen verfolge ich seit einiger Zeit Ihre Berichterstattung zu den Kinderrechten. Sie nimmt mir jede Illusion. Ich wurde neugierig, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Eine Freundin aus Israel schickte mir einen Bericht von 1989. Hier verteidigt Philip Veerman den Einsatz von Kindern im Rahmen der Intifada. Philip Veerman ist, so meine Freundin, ein sehr aktives Mitglied der Organisation Defence of Children International. Diese Organisation war wohl eine treibende Kraft bei der weltweiten Ratifizierung der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, zusammen mit der Unicef. Veerman meinte in dem Bericht, dass die Palästinenser die Kinder in der Intifada mehr als Helden denn als Kinder betrachten. Ausserdem seien Jugendliche und Kinder oft radikaler als ihre Eltern. Sie hätten die traditionelle Familienstruktur revolutioniert, indem sie unabhängig gehandelt hätten. Veerman verbreitet die Meinung, diese Kinder hätten sich der Intifada aus eigenem, freiem Entschluss angeschlossen. Sie hätten weder durch ihre Eltern noch durch die PLO-Führung zurückgehalten werden können. Es sei auch nicht gegen Artikel 38 der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen verstossen worden, denn diese Kinder seien von der PLO nicht formell rekrutiert worden.
Veerman glorifiziert die Instrumentalisierung der Kinder in der Intifada. Wie wir wissen, haben Hunderte von Kindern dabei ihr Leben verloren, viele haben bleibende seelische Schäden davongetragen. Nun aber, grausame Logik, sammelt die Unicef Geld für die traumatisierten Kinder in Palästina. An und für sich spricht nichts dagegen. Nur, koordiniert werden die «Millionen von Spendendollars» an die traumatisierten Kinder von Thomas Hammarberg. Er ist Mitglied des Kinderrechtsausschusses der Vereinten Nationen und dafür verantwortlich, dass die Gelder im Sinne der Kinderrechtskonvention eingesetzt werden. Ist nicht zu befürchten, dass ein Teil des Geldes zur weiteren Politisierung und Aufhetzung der Kinder und nicht zu ihrer seelischen Gesundung eingesetzt wird?
M. Karstens, München
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