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aktuell (0,257 K)Artikel 7: Zeit-Fragen Nr. 82c vom 6.8. 2001

 Vom Reichtum der Schweizer Berglandschaften

Zu zwei sehenswerten Kunstausstellungen

uk. Bis zum 16. September ist im Bündner Kunstmuseum die Ausstellung «Der romantische Blick - Das Bild der Alpen im 18. und 19. Jahrhundert» und im Kloster Muri «Caspar Wolf - ein Panorama der Schweizer Alpen» zu sehen. Die Alpen sind erst vor etwa zweihundert Jahren zum Motiv für Maler geworden. Vorher galten sie als gefährliches Hindernis auf dem Weg nach Süden und wurden kaum als darstellungswürdig empfunden. Gleichzeitig führte um 1800 auch eine neue Naturverbundenheit und eine Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und Reinheit zur intensiven Wahrnehmung der Alpenlandschaften. Neben einer eindrücklichen und realistischen Wiedergabe der Natur und der Bergwelt wurde die Landschaft auch zum Träger von intensiven seelischen Empfindungen. So entdeckt man auf den Bildern im Sinne der Romantik oft kleine Figuren, die staunend vor dem Naturschauspiel stehen oder den Künstler beim Malen zeigen. Auch Dichter und Philosophen wie Goethe, Schiller oder Kant beschrieben die Anziehungskraft der Alpen.

Entdecker der Alpenmalerei

Die Ausstellung im Singisenforum im Kloster Muri ist dem eigentlichen Entdecker der Alpenmalerei, Caspar Wolf, gewidmet, der 1735 in Muri geboren wurde und 1783 in Heidelberg gestorben ist. An seinem Beispiel kann der Ausstellungsbesucher auch einen Einblick in das Leben eines berühmten Malers gewinnen. So erfährt man, dass Wolf nach seiner künstlerischen Ausbildung in Konstanz und den Wanderjahren in Süddeutschland durch einige Naturforscher zur Zeit der Aufklärung und durch den berühmten Albrecht von Haller angeregt wurde und schliesslich zum grössten Schweizer Alpenmaler seiner Zeit wurde. Die vor Ort angefertigten Skizzen dienten ihm für die Ausarbeitung der Ölgemälde im Atelier, die er später wieder zur Kontrolle und zum Naturvergleich in die jeweilige Berglandschaft mitnahm.

Das Bild der Alpen mit liebevollem Blick

Die Ausstellung in Chur zeigt über sechzig Gemälde aus Privatsammlungen und zahlreichen Museen mit den bedeutendsten Schweizer Bergmalern wie den Pionieren Caspar Wolf, Joseph Anton Koch (1768-1839), Maximillien de Meuron (1785-1868), Alexandre Calame (1810-1864) und François Diday (1802-1877). Viele der Pioniere mussten noch in abenteuerlicher Weise die weitgehend unwegsamen Berge erklimmen, um Skizzen herzustellen oder direkt die Ölbilder zu malen. Nach der zunehmenden Erschliessung des Alpengebietes durch Passstrassen konnten Maler wie Johann Gottfried Steffan (1815-1905), Joseph Zelger (1812-1885) oder Auguste Baud-Bovy (1848-1899) die Alpenmalerei in ihrer jeweiligen Landesregion weiterentwickeln. Schliesslich gipfelte die letzte Stufe des Realismus im «hochalpinen Verismus» eines Albert Lugardon (1827-1909). Den Weg in eine modernere Landschaftsmalerei gelang Barthélemy Menn (1815-1893) und auch schliesslich einem der ganz grossen Schweizer Maler, Ferdinand Hodler (1853-1918).

Die Berge und ihre Bedeutung für das Allgemeinwohl

Die Bilder der beiden Ausstellungen zeigen uns auch die einzigartigen Kostbarkeiten von Gletschern, Bergquellen und Bächen, die grossen Wasservorräte der Schweiz, «das Wasserschloss Europas», das es gerade heute zu schützen und zu verteidigen gilt. Aber auch die Schönheiten von Wald und Wiesen und die Bedeutung der ganzen Alpwirtschaft werden uns durch die Maler vor Augen geführt und zeigen ihren Sinn für das Allgemeinwohl. Die wunderschönen Bilder haben gerade heute grösste Aktualität, denn es geht darum, der jungen Generation die Liebe zu Land und Leuten zu vermitteln, d.h. die Wertschätzung für die Kostbarkeiten der Natur, die Errungenschaften der Technik mit all den gewaltigen Bergstrassen, den grossartigen Brücken und Staudämmen zu wecken. Die Bilder regen aber alle Zeitgenossen an, über die weltweit zu beobachtenden politischen Machtkämpfe, die Gefahr von Kriegen um Wasser und Bodenschätze nachzudenken. Die Liebe zum Reichtum der Alpenlandschaft kann so auch zur Friedenserziehung werden.

Die Ausstellung «Caspar Wolf» im Kloster Muri im Kanton Aargau ist bis zum 16. September von Mo bis Fr, 14-17 Uhr, Sa und So, 11-17 Uhr, geöffnet, die Ausstellung im Kunstmuseum Chur «Der romantische Blick» ist bis zum 16. September von Di bis So, 10-17 Uhr, Do, 10-20 Uhr, geöffnet. Zu beiden Ausstellungen sind exzellente Kataloge erschienen.

Artikel 7: Zeit-Fragen Nr. 82c vom 6.8.2001, letzte Änderung am 9.8.2001

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