Artikel 7: Zeit-Fragen Nr. 43 vom 29.10.2001
Die Weltöffentlichkeit - und ganz besonders die islamische Öffentlichkeit - soll durch die Manipulationen einer PR-Firma dazu gebracht werden, an die Notwendigkeit des amerikanischen Kriegszuges gegen Afghanistan zu glauben, wie US-Regierungsbeamte am 18.10. bestätigten. Die beauftragte Firma, die Rendon Group, wurde bereits früher von der CIA damit betraut, dem Irakischen National Kongress, einer von den USA unterstützten Gruppierung, die gegen Saddam Hussein arbeitet, ein besseres Image zu verschaffen.
Rendon wird konkret dafür bezahlt, dass sie Nachrichtenmedien in 79 Ländern überwacht und eine Anti-Terrorismus Web-Site führt, die Informationen zu Terrorgruppen und der amerikanischen Offensive zur Verfügung stellt. Ausserdem sollen sie vorschlagen, wie das US-Militär «Fehlinformationen» entgegentreten und sich selbst besser darstellen kann. Für ihre Dienste in den ersten 120 Tagen werden sie 397 000 Dollar erhalten, der Vertrag kann aber durchaus verlängert werden.
Die Bush-Regierung ist zu Hause und im Ausland unter starke Kritik geraten, weil sie die Bedeutung der Selbstdarstellung im «Krieg gegen den Terrorismus» offensichtlich unterschätzt hat. In der islamischen Welt wird der Krieg als gegen den Islam gerichtet wahrgenommen. Auch empfindet man, dass die Vereinigten Staaten den Opfern in der Zivilbevölkerung gegenüber völlig indifferent sind. Nun versucht man diese Eindrücke mit Hilfe der PR-Kampagne und vermehrten Auftritten von US-Beamten in ausländischen Fernsehsendern zu «korrigieren».
Quelle: Mercury News vom 19.10.2001
Gemäss Mitarbeitern des Weissen Hauses, Politstrategen und gut informierten Diplomaten ist es seit den ersten Militärplänen nach den Anschlägen eine wesentliche Regierungsstrategie gewesen, die Öffentlichkeit dazu zu bewegen, den Einsatz von amerikanischen Truppen in Afghanistan zu akzeptieren.
Quelle: Herald Tribune vom 20/21.10.2001
Selbst die Uno verlangt von Washington, den Einsatz von Cluster-Bomben, die beispielsweise in Indochina noch drei Jahrzehnte nach ihrem Abwurf Menschen verstümmeln und töten, einzustellen.
Auch «Gänseblümchenschneider» ge-nannt, regneten die «Bomblets» insbesondere in Laos über Dörfern, Feldern und Tempeln nieder, ohne immer zu explodieren. Gleiches Bombengerät setzen die USA jetzt gegen die Taliban ein. Die BBC berichtete von Frontstellungen bei Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans, wo bei pausenlosen Luftangriffen in der Nacht auf letzten Donnerstag kaum Explosionen zu sehen gewesen seien - ein Hinweis auf den Einsatz der tennisballgrossen Bomben, die jeweils zu 200 Stück aus Mutterbomben über weite Gebiete verstreut werden. Zehn Prozent explodieren nicht.
Quelle: Aargauer Zeitung vom 26.10.2001
Zum Artikel-Anfang: auf den roten Balken
klicken!
©
Zeit-Fragen 2001, Redaktion
und Verlag, Postfach, CH-8044 Zürich,
Tel. +41-1-350 65 50, Fax +41-1-350 65 51 http://www.zeit-fragen.ch
home | Über Zeit-Fragen | Leserdienst | Links | Archiv | Thmen | Artikel 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7| 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22