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 Artikel 11: Zeit-Fragen Nr. 43 vom 29.10.2001

 Und nach Afghanistan? Wie weiter?

von Dr. Joseph D. Douglass jr., Washington D.C.

Als Präsident Bush sich 10 Tage nach dem Anschlag vom 11. September an das amerikanische Volk wandte, erklärte er dem Terrorismus den Krieg: «Die einzige Möglichkeit, den Terrorismus zu besiegen, der eine Bedrohung für den westlichen Lebensstil darstellt, besteht darin, ihn zu stoppen und auszurotten und dort zu zerstören, wo er entsteht.» Er meinte nicht nur die Terroristen, sondern auch diejenigen, die ihnen Unterschlupf bieten oder sie unterstützen.

Diejenigen, die sich mit Terrorismus genauer befassten, zogen die Augenbrauen hoch. Ihnen war klar, dass es Zehntausende von Terroristen gibt, die in aller Herren Ländern verstreut sind. Es hat schon viele Anschläge auf das amerikanische Militär und auf US-Bürger gegeben, aber nie wurde ernsthaft reagiert. Meinte Präsident Bush denn wirklich einen weltweiten Krieg gegen Terroristen?

Seit diese politische Linie eingeschlagen wurde, ist man nicht von ihr abgewichen. Als die US-Truppen damit begannen, Afghanistan zu bombardieren und dort einzumarschieren, wurde sie wiederum ganz deutlich ausgesprochen: «Die Vereinigten Staaten sind ein Feind all jener, die Terroristen helfen [...] Heute konzentrieren wir uns auf Afghanistan, aber die Schlacht muss ausgeweitet werden. Jede Nation muss sich entscheiden. In diesem Konflikt gibt es keine Neutralität. Falls irgendeine Regierung diese Verbrecher und Mörder Unschuldiger unterstützt, wird sie selber zum Verbrecher und Mörder.»

Dieselbe Linie ist mit der gleichen Deutlichkeit vom US-Verteidigungsminister und dem britischen Premierminister Tony Blair vertreten worden. Der Krieg sei nicht auf Afghanistan, auf bin Ladin oder auf die al-Kaida-Organisation in Afghanistan beschränkt. Es wird kein kurzer Krieg sein, haben sie wiederholt festgestellt. Er wird Jahre dauern. Was nicht gesagt wurde, ist, dass das Problem 40 Jahre lang grösstenteils ignoriert wurde. Soviel Nachlässigkeit kann nicht über Nacht korrigiert werden.

Welche Dimensionen aber hat das Terrorismusproblem?

Denken wir nur an die al-Kaida. Sie haben Zellen in jedem europäischen Land, den Vereinigten Staaten, Kanada sowie 40 bis 50 anderen Ländern der Welt. Ihre Sicherheitsvorkehrungen erinnern an die alten kommunistischen Zellen, die so aufgebaut waren, dass die Aufdeckung einer Zelle die Sicherheit der anderen nicht gefährdete. Es ist klar, dass allein die Zerschlagung eines derart ausgebreiteten Netzes einen langen Krieg erfordert.

Im Terrorismusbericht von 1999 identifizierte das US-Aussenministerium 30 verschiedene terroristische Organisationen. Das Problem ist also offensichtlich wesentlich grösser und komplexer, als dass man es dadurch lösen könnte, einfach die al-Kaida zu verfolgen. Das Problem ist auch grösser als die Summe seiner Teile, da die verschiedenen Organisationen einander unterstützen und häufig ihre Aktionen koordinieren.

Aus der Perspektive der USA sind die Gefahren, die durch diese Netzwerke entstehen, immens. Falls die al-Kaida eine Serie von Anschlägen gegen die USA und gegen Amerikaner, wo auch immer sie sich befinden mögen, startet - was erwartet werden sollte und auch erwartet wird -, könnten andere terroristische Organisationen die Gelegenheit nützen, die USA ebenfalls anzugreifen. Daher werden wir wahrscheinlich nicht entscheiden können, mit wem wir es aufnehmen und wann. Wie viele verschiedene terrroristische Gruppen in verschiedenen Teilen der Welt kann eine Nation gleichzeitig bekämpfen?

Chemischer und biologischer Terrorismus stellt in dieser Hinsicht ein spezielles Problem dar, weil Angriffe mit solchen Kampfstoffen wahrscheinlich verdeckt erfolgen werden. Es wird sehr schwierig sein, die Urheber eines sorgfältig ausgeführten Angriffes mit biologischen oder chemischen Waffen zu finden. Auf dem Gebiet dieser Waffen war Kuba seit Mitte der 60er Jahre im internationalen Terrorismus führend, als dort der erste Drei-Kontinente-Kongress zur Koordination terroristischer Aktivitäten stattfand. Das Wissen über chemische und biologische Waffen ist dort wahrscheinlich wesentlich grösser als beim US-Militär.

Wird man in dem sich entwickelnden Krieg irgendwelche Grenzen ziehen? Die Dimension des Problems wird deutlich, wenn man bedenkt, dass 11 der 30 vom Aussenministerium identifizierten Gruppen muslimische Gruppen sind, die dafür verantwortlich sind, dass der Hexenkessel Naher Osten weiterbrodelt. Vier Gruppen sind aus Latein-Amerika. Sie stellen eine ernsthafte Bedrohnung für die Vereinigten Staaten dar und haben durch den Drogenhandel dem Land schon viel Schaden zugefügt.

Was das Problem noch komplizierter macht - besonders in diplomatischer Hinsicht -, ist die Liste der Länder, die wissentlich den Terrorismus unterstützen. Dies Problem wird wegen der Politik besonders ärgerlich. Aus «politischen Gründen» hat das Aussenministerium nie eine vollständige Liste der terroristischen Staaten herausgegeben. Eine solche Liste wäre heutzutage extrem beunruhigend. Sie müsste Syrien, Afghanistan, Libanon, Irak und Libyen enthalten. Das wäre soweit unproblematisch. Schwieriger sind Nordkorea, Kuba und China. Und dann gibt es eine ganze Reihe von Ländern mit grösseren Problemen wie Peru, Kolumbien, Mexiko und Indonesien. Und wie steht es mit Ländern, die finanzielle Unterstützung leisten wie Saudi-Arabien?

Dazu kommt, dass keine Liste einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, die den Grossvater des internationalen Terrorismus, die Sowjetunion, das heutige Russland, nicht erwähnt. Es ist unmöglich, die Natur des heutigen Terrorismus zu verstehen, ohne zuerst die Rolle der Sowjetunion für die Entstehung des Problems beleuchtet zu haben, mit dem wir es heute zu tun haben, hauptsächlich wegen ihres militärischen Geheimdienstes, des GRU, der auch heute noch munter und wohlauf ist.

Terrorismus und Drogenhandel

Die wahrscheinlich wichtigste Dimension wird erst langsam sichtbar: der Drogenhandel. Der internationale Terrorismus hat sich mit dem Drogenhandel entwickelt. Während der 80er Jahre sind beide zusammengewachsen. Heute wird man kaum eine terroristische Organisation finden, die nicht im grossen Stil mit Drogen handelt und auch keinen Drogenhandelsring, der nichts mit Terrorismus zu tun hätte.

Diese Verbindung zwischen Terrorismus und Drogenhandel wird besonders deutlich, wenn man die britische Reaktion gegenüber bin Ladin bedenkt: Sie scheint ganz darauf zu beruhen, dass 90% des Heroins in Grossbritannien aus Afghanistan stammen. So berichtete am 30. September der «Guardian», dass die Truppen der Amerikaner und Engländer bei ihrem Angriff auf die al-Kaida, die stark im Drogenhandel engagiert ist, als eines ihrer wichtigsten Angriffsziele ein Opiumlager im Wert von 20 Milliarden Dollar ins Auge gefasst hätten.

Die Frage, mit der sich niemand in Washington auseinandersetzen möchte, ist die folgende: Der Krieg gegen die Drogen läuft seit 30 Jahren, er kostet über 15 Milliarden Dollar pro Jahr, und hat doch fast nichts anderes erreicht, als dass die Gefägnisse überfüllt sind. Wie kommen wir angesichts der Gemeinsamkeiten von Terrororganisationen und Drogenringen zu der Annahme, dass der Krieg gegen den Terrorismus erfolgreicher sein wird? Oder war der Krieg gegen die Drogen gar eine Farce?

Der Krieg gegen die Drogen ist hauptsächlich deshalb so erfolglos gewesen, weil der Drogenhandel - wie auch das organisierte Verbrechen - von seiten der Politik Schutz geniesst. Dies kann man beispielsweise an den Bemühungen der Regierung demonstrieren, den Handel aus China und der Sowjetunion zu vertuschen sowie an dem Versagen den Kokainhandel in den 80er Jahren zu verfolgen, weil die daraus resultierenden Erlöse gebraucht wurden, um die lateinamerikanischen Schulden zu zahlen. Auch die Tatsache, dass keinerlei Interesse daran gezeigt wurde, den Fluss von Drogen nach Arkansas und die damit zusammenhängenden Morde zu stoppen, deutet auf politische Protektion hin.

Man hat sich nicht die Mühe genommen, die Hauptquartiere der Händler oder deren Infrastruktur zu zerstören, wie man es jetzt in Afghanistan tut. Auch ist nicht ernsthaft versucht worden, den «Spuren des Geldes zu folgen», weder im Krieg gegen die Drogen noch in den bisherigen Versuchen, Terroristen auf die Spur zu kommen. Und auch Bankkonten wurden bisher nicht eingefroren, was man jetzt im Krieg gegen den Terror plötzlich tut, besonders bei jenen Banken, die die Gelder der Terroristen verwalten.

Mit anderen Worten gibt es angesichts der Situation nur eine logische Reaktion: Beendet den bisherigen Krieg gegen die Drogen und integriert ihn in den Krieg gegen den Terrorismus. Der Krieg gegen den Terrorismus muss auch ein Krieg gegen Drogenhandel sein, weil beide so eng zusammengehören. Wenn man es recht bedenkt, ist der Drogenhandel für die nationale Sicherheit Amerikas eine viel grösserer Bedrohung. Der Terroranschlag vom 11. September hat sechs- bis siebentausend Leben gekostet sowie 50 Milliarden Dollar &endash; die Zahl mag sich vielleicht noch mehr als verdoppeln, wenn man alle wirtschaftlichen Folgeschäden mitbedenkt. Und er hat enormes Leid gebracht. Vergleichen wir damit die Auswirkungen des illegalen Drogenhandels: Er führt jährlich zu mehr als 20 000 Toten, er kostet mehr als 250 Milliarden Dollar pro Jahr, wenn man von realistischen Einschätzungen der Konsumenten ausgeht. Er fordert mehr als 200 000 Opfer. Das erzeugte Leid ist wesentlich grösser als das nach dem 11. September. Die korrumpierenden Auswirkungen des Drogengeldes auf unser politisches System, auf die Finanzwelt und auf unser Rechtssystem sind unvorstellbar. Bedenken wir das Problem der Korruption durch Drogengelder: Der Hauptgrund, warum der Krieg gegen die Drogen eine Farce war, sind die Auswirkungen der Korruption in der Politik sowie im Finanz- und Rechtswesen, die mit dem Anwachsen des illegalen Drogenhandels einhergegangen ist.

Ursachen verstehen

Die Bush-Regierung stellt nun den Krieg gegen den Terrorismus ganz in den Mittelpunkt. Die entschlossene Haltung ist meiner Meinung nach durchaus löblich. Sie kommt aber 40 Jahre zu spät. Daher ist das Problem jetzt so ernst. Es wird wirklich Zeit, dass wir etwas tun. Es muss so durchgeführt werden, wie die Regierung es jetzt macht: als gemeinsame Anstrengung. Alle anderen Nationen sind ebenfalls gefährdet, und in jedem Land gibt es Hunderte von Terroristen, die innerhalb der Grenzen operieren. Wir alle haben zu lange gutmütig am Problem vorbeigesehen.

Der Angriff gegen Taliban und al-Kaida Ziele ist nur der erste Schritt - eine kurzfristige, rasche Aktion, die nötig ist.

Militärische Schläge und ein stark vergrössterter Geheimdienst sind aber keine langfristige Lösung. Die Terroranschläge sind lediglich Symptome eines viel tiefergreifenden Problems, einer grundlegenden Erkrankung.

Wir müssen so schnell wie möglich das zugrundeliegende Problem verstehen, das heisst, wir müssen verstehen, warum der Terrorismus so gross werden konnte. Ohne dieses Verständnis werden wir kaum eine effektive langfristige Strategie entwickeln, um dieser Krankheit Herr zu werden. Dies sollte unser nächster Schritt sein: Wir sollten darüber hinauswachsen, einfach auf die Erfordernisse des Momentes zu reagieren, und anfangen, die zugrundeliegenden Probleme zu orten. Dies mag nicht leicht sein, wenn sich herausstellt, dass einige wichtige Aspekte nicht «politisch korrekt» sind.


Liedtext

von Charlotte Peters Rock (http://artists.mp3.com/artist_song/1934/1934835.html)

«Dieses Lied, schrieb ich um zu zeigen, dass alle Menschen Individuen sind, egal woher sie kommen, egal was dort los sein mag, und dass man ihnen helfen soll, wenn sie in Not sind.»

 

Afghans

Refugees eyes saying please please

Give us your civilisation

Afghans are foreigners

Let's have em out

Let's have em out a the country

Afghans are killing their countrymen now

Let's have em out a the country

Refugees fleeing for justice

Begging the civilised nation

Refugees claiming their freedom

Begging for civilisation

chorus

Refogees lost on the high seas

Running to civilised nation

Refugees eyes saying please please

Give us your civilisation

chorus

Refugees bleeding and battered

Leaving uncivilised nation

Refugees hopes are still

Hopes for a civilisation

chorus

Refugees echoing others

Claiming the civilised nation

Refugee children and mothers

Wanting our civilisation

chorus

 

Afghanen

Die Augen der Flüchtlinge sagen bitte, bitte

Gebt uns ein Stück eurer Kultur

Afghanen sind Fremde

Schmeissen wir sie raus

Schmeissen wir sie aus dem Land

Afghanen töten ihre Landsleute

Schmeissen wir sie raus aus dem Land

Flüchtlingen fliehen der Gerechtigkeit wegen

Bitten die zivilisierte Nation

Flüchtlinge wollen ihre Freiheit

Bitten um Zivilisation

Refrain

Flüchtlinge verloren auf hoher See

Rennen in zivilisierte Nationen

Die Augen der Flüchtlinge sagen bitte, bitte

Gebt uns ein Stück eurer Kultur

Refrain

Flüchtlinge bluten und wurden misshandelt

Verliessen ein unzivilisertes Land

Ihre Hoffnungen sind am Boden zerstört

Sie hoffen auf die Zivilisation

Refrain

Flüchtlinge beten andere nach

Die sich zur zivilisierten Nation bekennen

Flüchtlingskinder und -mütter

Die unsere Zivilisation wollen

Refrain

 

Artikel 11: Zeit-Fragen Nr. 43 vom 29.10.2001, letzte Änderung am 30.10.2001

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