Artikel 17: Zeit-Fragen Nr. 18 vom 29 4. 2002
zf. Im ersten Teil seiner Darstellung hat der amerikanische Historiker Stephan J. Sniegoski auf die zahlreichen Widersprüche zur offiziellen Version in den USA hingewiesen, der Krieg gegen Afghanistan sei die gerechte Folge der terroristischen Angriffe auf das World Trade Center und das Pentagon, welche die USA vollkommen überraschend getroffen hätten. Vielmehr gibt es vielfältige Belege dafür, dass dieser Krieg schon zuvor geplant war, es in den USA schon lange vor dem 11. September handfeste Interessen an einem «Krieg gegen den Terrorismus» gegeben hat und die zahlreichen Hinweise auf Terroranschläge (bewusst?) ignoriert wurden. An deren Argumentationslinie knüpft der zweite Teil unmittelbar an.
Angestellte der Firma Odigo, einer israelischen Niederlassung für Sofort-Nachrichten (instant messaging firm), erhielten zwei Stunden vor den terroristischen Luftangriffen eine Warnung aus ihrem New Yorker Büro. Ursprünglich hiess es, dass das World Trade Center ausdrücklich genannt wurde; dies wurde jedoch später dementiert.
Kurz vor dem 11. September 2001 gab es unerklärliche und plötzliche Börsenspekulationen mit Aktien der Fluggesellschaften American Airlines und United Airlines. Eine ungewöhnlich hohe Zahl von Verkaufsoptionen, die darauf setzten, dass der Aktienkurs sinken würde, wurden auf diese zwei Titel geschrieben. Keine andere Fluggesellschaft war von solchen Spekulationen betroffen. Es wurden jedoch ähnliche Verkaufsoptionen auf Aktien verschiedener Firmen getätigt - inklusive Merrill Lynch und Morgan Stanley -, die im World Trade Center untergebracht waren. Da es üblich ist, dass Aktien katastrophengeschüttelter Firmen an Wert verlieren, würden diese Spekulationen implizieren, dass jemand bereits vorher über diese Schreckensereignisse informiert war. Der amerikanische Geheimdienst hätte von diesen ungewöhnlichen Spekulationen wissen müssen, da der Börsenhandel vom CIA und anderen Nachrichtendiensten eng überwacht wird.
Interessanterweise wurden viele der Verkaufsoptionen auf die Aktien der United Airlines von der Firma Deutsche Bank/AB Brown getätigt, die bis 1998 von A.B. «Buzzy» Krongard, dem jetzigen geschäftsführenden Direktor der CIA, geleitet wurde.
Einige Personen scheinen auch unabhängig vom Geheimdienst gewarnt worden zu sein. Zum Beispiel wäre der Bürgermeister von San Francisco, Willie Brown, am Morgen des 11. September planmässig nach New York geflogen: später behauptete er jedoch, dass er am Abend zuvor einen Anruf von seinen «Sicherheitsleuten am Flughafen» erhalten habe, in dem ihm empfohlen wurde, am 11. September mit Flugreisen besonders vorsichtig zu sein.
Die FAA (= Federal Aviation Authority; Bundesflugbehörde) hielt den Autor Salman Rushdie, der wegen Morddrohungen unter speziellem Schutz steht, davon ab, in der Woche vor dem 11. September in die USA zu fliegen. Rushdie sieht einen Zusammenhang zwischen diesem Verbot und bei der Regierung zuvor eingegangenen Warnungen vor Terroranschlägen.
Das in den Forschungen über das Golfkriegssyndrom führende Ärzteeehepaar Dr. Garth und Mary Nicholson teilte im August 2001 Vertretern des amerikanischen Verteidigungsministeriums und des Nationalen Sicherheitsrates mit, dass ihnen einige persönliche Freunde aus diplomatischen und Geheimdienstkreisen mitgeteilt hatten, dass am 11. September ein Terroranschlag auf das Pentagon ausgeübt würde.
Und das von Alexander Cockburn und Jeffrey St. Clair herausgegebene Mitteilungsblatt CounterPunch berichtete, dass die extrem einflussreiche und über sehr gute Beziehungen verfügende Goldman-Sachs-Bank am 10. September in ihrem Büro in Tokio ein internes Memorandum zirkulieren liess, in dem sie ihren Angestellten riet, sämtliche US-Regierungsgebäude wegen eines möglichen Terroranschlags zu meiden.
Es ist von grosser Bedeutung, dass offenbar Informationen über einen geplanten Luftangriff durch das Netzwerk der Terroristen gesickert sind: wenn sogar Aussenstehende über den geplanten Anschlag informiert waren, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die CIA selbst nichts davon wusste.
Auch waren bin Ladin und seine Komplizen im Krieg gegen die Sowjetunion von der CIA finanziert und ausgebildet worden, und es ist schwer zu begreifen, dass die CIA, der bestfinanzierte Nachrichtendienst der Welt, nicht in der Lage sein sollte, sich über eine Organisation, die von ehemaligen Angestellten aufgebaut wurde, Informationen zu beschaffen.
Es war tatsächlich bereits allgemein bekannt, dass Usama bin Ladin Terroranschläge in den USA plante. Am 23. Juni 2001 wurde von Reuters ein Bericht mit dem Titel «bin Ladins Kämpfer planen Anti-USA-Anschlag» veröffentlicht mit dem folgendem Leadsatz: «Die Anhänger des saudischen Dissidenten Usama bin Ladin, der im Exil ist, planen einen grösseren Anschlag auf amerikanische und israelische Interessen.» Und in einer UPI-Mitteilung vom 25. Juni hiess es: «Der saudische Dissident Usama bin Ladin plant einen Terroranschlag gegen die USA.»
Es gab aus verschiedenen Quellen ernstzunehmende Warnungen an die US-Regierung. Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak behauptet, die USA zwölf Tage vor dem 11. September davor gewarnt zu haben, dass «etwas passieren würde.» Gemäss russischen Nachrichtenmeldungen unterrichtete im Sommer der russische Geheimdienst die CIA, dass sich 25 terroristische Piloten speziell auf Selbstmordeinsätze vorbereitet hätten.
In einem Interview vom 15. September 2001 mit MSNBC bestätigte der russische Präsident Vladimir Putin, dass er im August russische Nachrichtendienste veranlasst habe, die USA «mit so deutlichen Worten wie möglich» vor unmittelbar bevorstehenden Terroranschlägen auf Flughäfen und Regierungsgebäude zu warnen. Einem Bericht in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» zufolge erhielten amerikanische und israelische Nachrichtendienste im Frühsommer Warnsignale, dass Terroristen aus dem Nahen Osten planten, Linienflugzeuge zu entführen und sie als Waffe zur Zerstörung wichtiger Symbole der amerikanischen und israelischen Kultur zu benutzen. Die deutsche Polizei bestätigte, dass ein Iraner den US-Geheimdienst von seiner Abschiebungszelle in Deutschland aus angerufen hat, um ihn vor geplanten Terroranschlägen auf das World Trade Center zu warnen.
Ein zentraler Aspekt der offiziellen Berichterstattung ist, dass die amerikanischen Behörden zwar mit Terrorakten in den Vereinigten Staaten rechneten, das Szenario der Flugzeugentführungen jedoch völlig unvorhersehbar gewesen sei. In Wirklichkeit war jedoch bereits seit einiger Zeit über Flugzeugentführungen durch Terroristen gesprochen worden. Der Journalist Robert Novak wies in seiner Kolumne am 27. September darauf hin: «Seit den Anschlägen des 11. September betonten hohe Bundesbeamte, dass sie über die Vorgehensweise der Terroristen überrascht gewesen seien. Viele bleiben bei dieser Version. Tatsächlich kannte das FBI bereits seit 1995 Einzelheiten der geplanten Flugzeugentführung, und hätte den Plan, kombiniert mit aktuellen Informationen, aufdecken können.»
Im Januar 1995 verhaftete die philippinische Polizei Abdul Hakim Murad, einen Komplizen von Ramzi Yousef, dem Anführer der Gruppierung, die 1993 am Bombenanschlag auf das World Trade Center beteiligt gewesen war. Bei den Verhören erwähnte Murad einen Plan der Ramzi-Gruppierung, ein Linienflugzeug zu entführen und es über dem CIA-Hauptquartier in Virginia abstürzen zu lassen. Murad, der in den USA Flugschulen besucht hatte, sagte, dass man ihn dafür als Piloten eingesetzt hätte. Philippinische Untersuchungen ergaben, dass Geschäftsgebäude in San Francisco, Chicago und New York City als Ziele für diese Anschläge ausgesucht worden waren. Diese Informationen wurden an das FBI weitergeleitet.
Interessanterweise hatten auch während der Olympischen Spiele in Atlanta amerikanische Sicherheitsbeamte Anschläge mit Selbstmordflugzeugen für möglich gehalten und Vorbereitungen dafür getroffen. Ausserdem waren während der Olympischen Spiele in Sydney 2000 Abwehrmassnahmen gegen Abstürze von Selbstmordflugzeugen getroffen worden, und für die Winterspiele in Salt Lake City im Jahre 2002 waren sie bereits angebahnt. Tatsächlich haben Funktionäre des Internationalen Olympischen Komitees verlauten lassen, dass man seit den Olympischen Spielen 1972 Szenarien von Selbstmord-Flugzeugabstürzen bei den Sicherheitsplänen mit einbezogen hätte.
Zusätzlich warnte der Bericht der FAA zur Verbrechensbekämpfung in der zivilen Luftfahrt davor, dass bin Ladin und seine Gefolgschaft eine Bedrohung für die amerikanischen Zivilflugzeuge darstellten.
Und schliesslich hatte das FBI seit 1996 zahlreiche Nachforschungen über verdächtige Komplizen von bin Ladin angestellt, die in Amerika und im Ausland eine Flugausbildung absolvierten.
Die amerikanischen Behörden bestätigen, dass sie in der Vergangenheit bin Ladins Gespräche elektronisch überwachten. Offiziell wird aber behauptet, bin Ladin kommunizierte nicht mehr mittels elektronischer Geräte, nachdem er erfahren hatte, dass abgehörte Gespräche den Amerikanern 1998 dazu verholfen hatten, einen Anschlag mit Cruise Missiles auf sein Trainings-Camp in Afghanistan durchzuführen.
Diese Darstellung wird jedoch von sachkundigen Beobachtern zurückgewiesen. So hat zum Beispiel der angesehene ägyptische Journalist und frühere Pressesprecher der Regierung, Mohammed Heikal, in einem Interview mit der englischen Zeitung «The Guardian» erklärt: «bin Ladin stand bereits seit Jahren unter Beobachtung: es würden alle Telefonate abgehört, und die al-Kaida war bereits vom amerikanischen, pakistanischen, saudischen und ägyptischen Geheimdienst infiltriert. Sie hätte also unmöglich eine Operation, die ein so hohes Mass an Organisation und Raffinesse erforderte, geheimhalten können.»
Zudem berichtete im Februar 2001 der für Terrorismusfragen zuständige UPI-Korrespondent Richard Sale, dass es dem amerikanischen Geheimdienst möglich sei, einen Teil von bin Ladins elektronischer Kommunikation zu überwachen. Falls, wie offiziell dargestellt, die Ereignisse vom 11. September eine Langzeitplanung erforderten, wäre es wahrscheinlich, dass auch der amerikanische Geheimdienst Informationen zu diesem Plan erhalten hätte. Offizielle Behauptungen, dass es im Vorfeld des 11. September eine Art Blackout in der Überwachung gegeben habe, wirken seltsam angesichts anderer offizieller Stellungnahmen, dass es dem amerikanischen Geheimdienst unmittelbar nach den Anschlägen möglich war, bin Ladins elektronisches Netzwerk zu überwachen.
Laut Newsweek Magazine war der Hauptgrund für die Identifizierung bin Ladins als Schuldigen, dass der amerikanische Geheimdienst Gespräche von seinen Gefolgsleuten mitgeschnitten hatte, die die Botschaft hatten, die Ziele seien getroffen worden.
Senator Orrin Hatch aus Utah lieferte der AP-Presseagentur am 11. September eine ähnliche Stellungnahme, in der er behauptete, dass die amerikanische Regierung zwei Komplizen von bin Ladin dabei abgehört hatte, wie sie die gelungenen Terroranschläge feierten.
Hatch wiederholte sein Statement am gleichen Tag in den ABC News und fügte hinzu, dass er diese Informationen von der CIA und von FBI-Beamten erhalten hatte. Die feindselige Reaktion der Bush-Administration und von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der die unerlaubte Enthüllung der angeblich als geheim erklärten Informationen verurteilte, bestätigt nur die Gültigkeit der Hatch-Version.
Es kann kaum bestritten werden, dass bin Ladin in jedem Fall sehr auf elektronische Kommunikationsmittel angewiesen gewesen wäre, um eine Terroroperation mit globalem Ausmass durchführen zu können.
Wenn also der amerikanische Geheimdienst schon in der Lage war, seine Gespräche unmittelbar nach dem Anschlag vom 11. September zu überwachen, ist es kaum glaubwürdig, dass er das nicht auch schon vorher hätte bewerkstelligen können.
Interessanterweise waren die Selbstmord-entführer den amerikanischen Behörden wohl bekannt, und sie scheinen auch wenig unternommen zu haben, um ihre Identität zu verheimlichen. So setzte zum Beispiel das FBI zwei der Entführer, Kahlil Almihdhar und Nawaf Alhamzi, am 23. August auf seine Überwachungsliste, nachdem die CIA Informationen erhalten hatte, dass die beiden mit bin Ladin in Verbindung standen.
Aber irgendwie gelang es den Behörden einfach nicht, diese Informationen an die Fluggesellschaften weiterzuleiten, und so war es den beiden Attentätern möglich, One-way-Tickets für die Erste Klasse zu kaufen und dann am 11. September ein Düsenflugzeug zu kapern.
Ein anderer merkwürdiger Fall ist auch der von Ziad Samir Jarrah, einer der mutmasslichen Entführer an Bord der in Pennsylvania abgestürzten United Airlines. Die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate verhafteten und verhörten ihn im Internationalen Flughafen von Dubai, als er dort am 30. Januar 2001 aus Pakistan eingetroffen war. Die amerikanische Regierung selbst hatte um das Verhör gebeten. Gemäss einem ungenannten Beamten der Vereinigten Arabischen Emirate war ihnen von den Amerikanern mitgeteilt worden, dass er Terrororganisationen unterstützte, dass er zu Terrororganisationen Verbindungen hatte.
Jarrah durfte dann die Vereinigten Arabischen Emirate wieder verlassen; er reiste über Amsterdam nach Hamburg und flog später in die Vereinigten Staaten.
Obwohl also die amerikanischen Behörden ihn, seine Aktivitäten und seine Verbindungen bereits ins Visier genommen hatten, durfte er ins Land einreisen. Er schrieb sich dort in einer Flugschule ein.
Zwei Tage vor der Flugzeugentführung, am 9. September, wurde er in Maryland wegen einer Geschwindigkeitsübertretung angehalten. Die Polizei von Maryland versuchte offenbar, seinen Namen in ihren Computern zu finden, konnte aber seltsamerweise nichts Verdächtiges über ihn feststellen. Sie gaben ihm einen Strafzettel und liessen ihn weiterfahren.
Mohammed Atta, der mutmassliche Anführer des Terroristenteams, stand, wie verlautete, bei ägyptischen, deutschen und amerikanischen Behörden unter Beobachtung, und dennoch gelang es ihm, in den Jahren 2000 und 2001 ungehindert zwischen Europa und Amerika hin und her zu reisen.
In Deutschland stationierte amerikanische Agenten hatten Attas Gruppe dort vor dem 11.September überwacht. Nach den Anschlägen hatte gemäss der englischen Zeitung «The Observer» «eine vom FBI nach Deutschland geschickte Gruppe von Agenten den nördlichen Teil der Stadt Hamburg unter die Lupe genommen, wo drei der Männer, die in den Flugzeugen starben, und vier andere, die auf der ursprünglichen Verdächtigenliste des FBI standen, an Universitäten studiert hatten». «Atta stand zwischen Januar und März 2000 unter Beobachtung, nachdem er in Frankfurt beim Einkauf grosser Mengen Chemikalien beobachtet worden war, die offensichtlich für die Produktion von Sprengstoff und für biologische Kriegsführung bestimmt waren.»
Im Jahr 2001wurden die amerikanischen Behörden mehrmals auf Atta aufmerksam. Am 10. Januar 2001 konnte er mit einem Touristenvisum in die USA einreisen, obwohl er bei der Einwanderungsbehörde angab, eine Flugschule besuchen zu wollen, wofür normalerweise ein Studentenvisum erforderlich wäre.
Der geschäftsführende Direktor der American Immigration Lawyers Association (Vereinigung amerikanischer Anwälte, die für Fragen der Einwanderung zuständig sind) sagte gegenüber der «Washington Post», dass bei einer solchen Sachlage in «neun von zehn Fällen» die Einreise verweigert würde. Seltsamerweise sah die Einwanderungspolizei über diese Verletzung des Visumsstatus hinweg, und das, obwohl er vorher bereits wegen Anhäufung bombenverdächtigen Materials vom FBI beobachtet worden war.
Im Sommer 2001 fand das FBI heraus, dass Atta eine Überweisung von 100 000 Dollar von einem Bankkonto in Pakistan erhielt. Dieses Konto wurde angeblich von einem Vertreter bin Ladins kontrolliert. Es ist unverständlich, wie eine so grosse Geldsumme ungestraft an jemanden überwiesen werden konnte, der unter Beobachtung des FBI stand.
Das scheinbar fehlende Interesse der Regierung am Fall von Zacarias Moussaoui ist ebenfalls sehr seltsam. Moussaoui wurde am 3. Januar 2002 wegen terroristischer Konspiration im Zusammenhang mit den Angriffen des 11. September angeklagt. Er war bereits am 16. August in Minnesota verhaftet worden, nachdem Mitarbeiter einer dortigen Flugschule das FBI auf sein verdächtiges Verhalten aufmerksam gemacht hatten. Obwohl er nicht einmal über die grundlegendsten Flugerfahrungen verfügte, wollte er an einem Flugsimulator für Verkehrsflugzeuge ausgebildet werden. Zudem war er offensichtlich nicht daran interessiert, wie man landet oder startet, sondern nur, wie man ein Flugzeug lenkt, wenn es bereits in der Luft ist. Moussaoui wurde von der Einwanderungsbehörde festgenommen, da er die Bestimmungen seines Visums verletzt hatte.
Die örtlichen Beamten des FBI in Minneapolis erkannten Moussaoui sofort als mutmasslichen Terroristen und beantragten einen speziellen geheimen Durchsuchungsbefehl zur Gegenspionage, um Zugriff auf die Festplatte seines Heimcomputers zu bekommen. Höhere Beamte in Washington wiesen den Antrag jedoch mit der Begründung zurück, dass aus Mangel an Beweisen die gesetzlichen Auflagen für einen solchen Durchsuchungsbefehl nicht erfüllt seien.
Am 26. August informierte der französische Geheimdienst das Hauptquartier des FBI, dass Moussaoui Verbindungen mit bin Ladin hatte, aber auch dieser Hinweis hatte wenig Wirkung. Ein von FBI und CIA speziell für die Bekämpfung des Terrorismus eingesetztes Team kam zu dem Schluss, dass zuwenig Beweismaterial vorhanden war, um Moussaoui als eine echte Bedrohung einstufen zu können. Er wurde nicht einmal bis nach dem 11. September vom Gefängnis der INS in die Obhut des FBI überstellt.
In einer am 22. Dezember veröffentlichten Analyse kommentierte die «New York Times», dass der Fall Moussaoui erneut die Frage aufwerfe, warum das FBI und andere Agenturen die Flugzeugentführungen nicht verhindert hätten.
Anfang August informierte die CIA das Weisse Haus und andere hohe Regierungsbeamte, dass Usama bin Ladin einen Terroranschlag auf die Vereinigten Staaten plane. In seiner Ausgabe vom 24. September veröffentlichte das Magazin Newsweek die beunruhigende Nachricht, dass «eine Gruppe hoher Beamter des Pentagon plötzlich die Reisepläne für den nächsten Morgen absagten, offensichtlich aus Sicherheitsgründen». Das würde bedeuten, dass einige Regierungsbeamte über den genauen Zeitpunkt der Anschläge informiert waren. Während also die Regierungsbeamten ihr Wissen offensichtlich dazu nutzten, ihre eigene Haut zu retten, verspürte keiner von ihnen den Wunsch, diese Terroranschläge zu verhindern; oder, um es genauer auszudrücken, wollten gewisse hochrangige Regierungsbeamte sie gar nicht wirklich verhindern.
David P. Schippers, der bekannte Chicagoer Anwalt und Hauptankläger des Rechtsauschusses des Hohen Hauses im Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton beschuldigte Teile der US Regierung, Kenntnis von den Anschlägen des September 2001 gehabt zu haben. Er behauptet, dass ihn Mitarbeiter aus den unteren Rängen des FBI in Chicago und Minnesota anderthalb Monate vor dem 11. September kontaktiert hatten und ihm berichteten, dass ein Terroranschlag auf Süd-Manhattan geplant war.
Laut Schippers hatten die Agenten schon Monate vorher genaue Kenntnis von den geplanten Angriffen. Doch das FBI entzog ihnen die Untersuchung der Terroristenszene und drohte ihnen mit Verfolgung gemäss der nationalen Sicherheitsgesetzgebung, wenn sie mit den Informationen an die Öffentlichkeit gingen. Deshalb wandten sich einige an Schippers in der Hoffnung, jemand Einflussreichen dazu zu bewegen, die Regierung von der Notwendigkeit zum Handeln zu überzeugen. Schippers versuchte, die Information an hohe Regierungsbeamte weiterzugeben - darunter einige im Büro des Generalstaatsanwalts -, aber seine Bemühungen wurden offensichtlich ignoriert. Man sollte doch eigentlich annehmen, dass Schippers auf Grund seiner Erfahrung als glaubwürdiger Zeuge hätte angesehen werden müssen, besonders von Geheimdienst- und Sicherheitsleuten einer Republikanischen Regierung.
Er vertritt nun mindestens 10 der FBI-Agenten vor Gericht in einem Verfahren gegen die US-Regierung und versucht, sie zur Zeugenaussage vorladen zu lassen, damit sie rechtsgültig aussagen können, was sie wissen, und dies auch rechtskräftig belegt ist.
In einem Interview, das am 13. Januar im Berliner «Tagesspiegel» erschien, hält Andreas von Bülow - der von 1969 bis 1994 Mitglied einer parlamentarischen Kommission zur Überwachung der drei Bereiche des deutschen Geheimdienstes war - den Modus Operandi der angeblichen terroristischen Entführer für sehr verdächtig. Insbesondere die Spuren, die die Terroristen hinterliessen, erscheinen als besonders amateurhaft, wenn nicht idiotisch. Er beschreibt sie als «Attentäter, die bei ihren Vorbereitungen Spuren wie eine trampelnde Elefantenherde hinterlassen. Sie zahlten mit Kreditkarten auf ihren Namen, sie meldeten sich bei ihren Fluglehrern mit Klarnamen. Sie hinterlassen Mietwagen mit arabischen Fluganleitungen für Jumbojets. Sie nehmen auf dem Weg in den Selbstmord Testamente und Abschiedsbriefe mit, die dem FBI in die Hände fallen, weil sie falsch verstaut oder adressiert waren. Da wurden Spuren wie bei einer Schnitzeljagd gelegt, denen man folgen sollte!»
Wie konnten Terroristen, die in der Lage waren, zuvor unentdeckt einen sehr komplizierten Plan auszuhecken, derartige Spuren hinterlassen, die sogar die Polizisten aus Keystone herausfanden? Oder waren die Spuren gelegt worden, um ausdrücklich das bin-Ladin-Netzwerk zu belasten?
Der Reporter Robert Fisk macht deutlich, dass die angeblichen Beweisstücke nicht damit in Einklang gebracht werden können, dass die terroristischen Entführer fanatische Moslems waren. Fisk schreibt: «Wenn das handgeschriebene fünfseitige Dokument echt ist, das laut Angaben des FBI im Gepäck des ägyptischen Selbstmord-Bombenattentäters Mohammed Atta gefunden wurde, dann glaubten jene Männer, die mehr als 7000 unschuldige Menschen getötet haben, an eine sehr exklusive Auslegung des Islam - oder sie waren erstaunlich wenig mit ihrer eigenen Religion vertraut.»
Zwei andere Beweisstücke, die häufig von den Verschwörungsanhängern herangezogen werden, sind sehr faszinierend, aber nicht stichhaltig. Eine merkwürdige Sache ist die des 35jährigen Amerikaners Delmart Edward «Mike» Vreeland II., der behauptet, Leutnant in einer Geheimdiensteinheit der US-Marine zu sein und im voraus von den Anschlägen des 11. September gewusst zu haben. Er befindet sich seit Dezember 2000 in Kanada aufgrund von Betrugsdelikten in Haft. Während er im Gefängnis sass, versuchte er die kanadischen Behörden vor möglichen Terroranschlägen auf New York und das Pentagon und auch auf Ziele in Ottawa und Toronto zu warnen; er wurde jedoch ignoriert. Daraufhin schrieb er eine Warnung auf ein Stück Papier, versiegelte es in einem Briefumschlag und händigte diesen einen Monat vor den Angriffen an Gefängniswärter aus. Die Wärter öffneten den Brief am 14. September und gaben die Informationen sofort nach Ottawa weiter. Amerikanische Vollzugsbeamte wollen die Auslieferung Vreelands an die USA erwirken, wo er in fünf Staaten wegen Betrugs unter Anklage steht. Vreeland und seine Anwälte kämpfen gegen eine solche Auslieferung, da eine Rückkehr in sein Land seinen Tod bedeuten könnte. Die ganze Story ist faszinierend, aber Vreeland scheint ein Hochstapler zu sein. Dass er in einer Einheit des Marinegeheimdienstes gewesen sein soll und an verschiedenen geheimen Operationen teilgenommen hat, erscheint nicht plausibel. Seine Vorhersage der Anschläge des 11. September könnte auch nur eine zufällig zutreffende Vermutung gewesen sein.
Noch verblüffender sind die Aussagen Tom Kennedys, eines Mitglieds der Bundesbehörde des landesweiten Such- und Rettungsdienstes (FEMA), in einem landesweit ausgestrahlten Interview mit CBS-Nachrichtenmoderator Dan Rather am 13. September. Kennedy erzählte Rather, dass die FEMA bereits am Montag abend, also in der Nacht vor den Anschlägen, ein Such- und Rettungsteam nach New York geschickt hatte!
Kennedy sagte: «Wir waren gegenwärtig eines der ersten Teams, das eingesetzt wurde, um der Stadt New York in diesem Katastrophenfall zu helfen, da wir bereits am späten Montag abend [10. September] eintrafen und am Dienstag morgen [11. September] sofort in Aktion traten.» Vertreter der FEMA sagten, dass Kennedy die Ankunft seines Teams falsch datiert hatte. Kennedy selbst war nie für eine Stellungnahme zu erreichen. Die einfache Erklärung dafür wäre, dass es ein Versprecher war; da das Interview jedoch bereits am 13. September stattfand, sieht es so aus, dass Kennedy von einem starken Gedächtnisschwund befallen wurde - eventuell erste Anzeichen von Alzheimer.
FBI und Geheimdienstbeamte in Washington sagen, dass sie aus politischen Gründen daran gehindert wurden, die Mitglieder des bin-Ladin-Clans und die saudiarabischen Aktivitäten in den USA vor dem 11. September genauer zu untersuchen. Der stellvertretende Direktor des FBI John O'Neill, der über Jahre die Untersuchungen von bin Ladins al-Kaida-Netzwerk leitete, trat im August 2001 aus Protest gegen diese Behinderungen von seinem Amt zurück.
Ironischerweise übernahm er nach seinem Rücktritt den Posten des Sicherheitschefs des World Trade Centers. So starb er am 11. September.
Quelle: Belegstellen sind zu finden in: The Last Ditch www.thornwalker.com/ditch
Dr.StephenJ.Sniegoski promovierte in Geschichte der Vereinigten Staaten (University of Maryland, 1977) mit dem Schwerpunkt amerikanische Geschichte der Diplomatie. Zahlreiche Artikel zu geschichtlichen Themen, zur Aussenpolitik und Bildung.
Weitere Artikel von Dr.Sniegoski unter: www.thornwalker.com/ditch/towers_toc.htm.
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