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 Artikel 1: Zeit-Fragen Nr. 20 vom 13. 5. 2002

 Der 11. September und die Ursprünge vom «Krieg gegen den Terrorismus»

Eine revidierte Darstellung (Teil 4)

von Stephen J. Sniegoski, USA

zf. Im vierten Teil seiner Analyse konzentriert sich der amerikanische Historiker Stephen Sniegoski auf die möglichen Verwicklungen Israels in die Anschläge vom 11. September. Aktivitäten des israelischen Geheimdienstes im Umfeld des 11. September werfen zahlreiche Fragen auf, die, so Sniegoski, einer gründlichen Klärung bedürfen. Dies gilt auch für die Fragen, die Thema der ersten drei Teile der Analyse waren: Was wussten die US-Geheimdienste und die US-Regierung von den bevorstehenden Anschlägen? Warum wurde nicht alles getan, um die Anschläge zu verhindern? Welche Rolle spielen die Anschläge vom 11. September im Rahmen der langfristig angelegten Geostrategie der USA?

Vorwand

Trotz ihrer Kriegsvorbereitungen konnten die Vereinigten Staaten nicht einfach einen Angriff auf Afghanistan beginnen; die US-Behörden benötigten einen zwingenden Vorwand, um die amerikanische Öffentlichkeit zu einer Unterstützung für einen Krieg in diesem weit entfernten und für die meisten Leute unbekannten Land zu mobilisieren. Wie Brzezinski eingeräumt hat, konnte eine amerikanische militärische Expansion in Zentralasien nicht in Angriff genommen werden, «es sei denn unter dem Umstand einer wahrhaft massiven und breit empfundenen direkten Bedrohung von aussen». Noch wichtiger war, dass eine Provokation gebraucht wurde, um einer starken Opposition gegen einen solchen Krieg in Afghanistan und Pakistan vorzubeugen. Unterstützung - oder, wie im Falle von Iran, Einwilligung - wurde als notwendig angesehen, um einen solchen Krieg erfolgreich durchführen zu können.

War der 11. September nur ein zufälliges Ereignis, das sich nahtlos in US-strategische Pläne bezüglich ausländischer Ölreserven und in aktuelle US-militärische Planungen einfügte? Solche Zufälle kommen gelegentlich vor. Doch selbst wenn die Anschläge vom 11. September solch ein Fall wären, müssten sie immer noch in den historischen und politischen Kontext gestellt werden. Dies spätestens, seitdem sie den Vereinigten Staaten erlauben, sie sich zunutze zu machen, um einen schon vorher existierenden militärischen Plan durchzuführen. Hitler mag den Reichstagsbrand nicht initiiert haben, aber er strebte es sicherlich an, Diktator zu werden, und er war in der Lage, den Brand dazu zu nützen, sein Ziel zu erreichen. Es würde sich deshalb lohnen, diese Zusammenhänge zu beachten.

Aber die offizielle Mediendarstellung über den «Krieg gegen den Terrorismus», die den Krieg als einen Versuch ansieht, die bösen Menschen, die Amerika angegriffen haben, zu beseitigen, entbehrt jedes Zusammenhangs. Die Kriegsziele sind ganz andere. Wenn nicht die schreckliche Tragödie vom 11. September als Vorwand für die amerikanische Kriegspolitik gedient hätte, hätte es sicherlich einen anderen gegeben, wenn auch einen zweifellos weniger wirksamen.

Aber auf der Grundlage des Beweismaterials in diesem Artikel [vgl. insbesondere die Teile 1 und 2 in Zeit-Fragen vom 22. und 29. April] ist es auch vorstellbar, dass hohe US-Behörden im voraus von einem terroristischen Anschlag wussten und entschieden haben, ihn geschehen zu lassen. Vielleicht konnten sie sich das Ausmass der Zerstörung nicht vorstellen, bezweckten aber, für ihren bereits geplanten Krieg in Afghanistan einen Katalysator zu schaffen. (Wir können sehr wahrscheinlich Präsident Dodo von dem Kreis der Wissenden ausschliessen, der keine Ahnung zu haben scheint, was sich jenseits des Denkens, dass wir gut und sie schlecht sind, abspielt.)

Israels Verwicklung

Ebenso wichtig wie das Interesse von Big Oil ist, dass ein Erfolg der amerikanischen Aussenpolitik die Hilfe derjenigen erfordert, die Israel unterstützen. Diese haben eine beherrschende Rolle in den offiziellen Medien inne. Die Unterstützer Israels in Amerika bildeten, was nicht überraschend ist, die Vorhut derer, die daran arbeiten, den Krieg zu einem Krieg gegen Israels Feinde auszuweiten. Aber Israel ist mehr als nur ein Nutzniesser des Anschlags vom 11. September. Es gibt bedeutende Beweise, dass Israel Verbindungen zu dem Anschlag hatte, wenigstens insofern, als seine Geheimagenten schon vorher darüber Bescheid wussten.

Seit Jahren kursierten Gerüchte, dass israelische Agenten - insbesondere diejenigen vom israelischen aussenpolitischen Geheimdienst, dem Mossad - arabische Terroristennetzwerke unterwandert und sich manchmal tatsächlich bei in die Irre führenden terroristischen Aktionen beteiligt haben, die als Werk der Araber erscheinen sollten. Zum Beispiel wurde unter anderem von Victor Ostrovsky behauptet, dass der Mossad schon vorher von den Anschlägen auf die Unterkünfte der US-Marine im Libanon 1983 gewusst habe. Andere Beobachter bringen vor, dass der Mossad überall die ruchlose Terroristenorganisation Abu Nidal unterwandert und sogar einige der terroristischen Aktivitäten zugunsten von Israel gewendet habe.

Bei der berüchtigten Lavon-Affäre haben sogar Mainstream-Autoren - bis hin zur israelischen Regierung selbst - Wissen über Israels irreführenden Terrorismus gehabt. Im Juli 1954 wurde Ägypten von einer Serie von Bombenattentaten in Kairo und Alexandria heimgesucht, die sich hauptsächlich gegen amerikanischen und britischen Besitz richteten. Diese Bombenattentate, von denen im allgemeinen vermutet wurde, dass sie das Werk von arabischen Nationalisten waren, führten dazu, die Spannungen zu einer Zeit zu erhöhen, als Ägypten mit Grossbritannien über eine Räumung der britischen Militärbasen in der Suezkanalzone verhandelte. Letzten Endes trugen diese Bombenattentate zu dem britischen und französischen (und israelischen) Angriff auf Ägypten in der Suezkrise von 1956 bei. Tatsächlich aber wurden die terroristischen Bombenanschläge von ägyptischen Juden im Auftrag von Israel ausgeführt.

Der Überzeugung, dass Israel sich in einem solchen in die Irre führenden Terrorismus gegen die Vereinigten Staaten engagiert haben könne, ist in einer kürzlich erschienenen Studie der Army School of Advanced Military Studies (SAMS) Ausdruck gegeben worden. Ein Verweis auf diese Studie erschien gut plaziert in einem Leitartikel der «Washington Times» vom 10. September 2001 - einen Tag vor den entsetzlichen Anschlägen. Gemäss diesem Artikel «sagen die SAMS-Offiziere über den Mossad, den israelischen Geheimdienst: ÐUnberechenbar. Unbarmherzig und gerissen. Ist in der Lage, die US-Streitkräfte zu treffen und es wie eine palästinensische/arabische Tat aussehen zu lassen.ð»

Andeutungen bezüglich einer israelischen Beteiligung tauchten unmittelbar nach der Tragödie vom 11. September auf (und wurden selbstverständlich aus islamischen Quellen veröffentlicht). Nach ersten Berichten aus Israel hiess es, dass 4000 Israeli in den Türmen des World Trade Centers und im Pentagon oder in deren Nähe gearbeitet hätten. Es stellte sich jedoch heraus, dass lediglich ein Israeli (oder höchstens einige wenige Israeli) starben. Die islamischen Medien schlossen daraus, dass Israeli in den Zielgebieten vorher eine Warnung erhalten hätten. Jüdische Gruppierungen und die etablierten Medien haben diese Schlussfolgerung als «antisemitisch» bezeichnet. Unbestreitbar ist, dass die islamischen Medien die Geschichte ausgeschmückt haben; sie haben keinen Beweis dafür vorgelegt, dass die Israeli tatsächlich gewarnt worden waren. Bis die ursprüngliche Zahl von 4000 Israeli glaubwürdig widerrufen oder widerlegt ist, scheint andererseits die winzige Todesrate die Wahrscheinlichkeitsgesetze ernsthaft herauszufordern.

Geheimnisvolle israelische «Möbelpacker»

Vollstreckungsbeamte verhafteten mindestens drei unterschiedliche Gruppen Israeli, nachdem Augenzeugen berichtet hatten, sie an verschiedenen Orten in New Jersey - jenseits des Flusses gegenüber Lower Manhattan - bei Feiern beobachtet zu haben, genau zu dem Zeitpunkt, als am 11. September die Angriffe stattfanden. Es wurde von mindestens zwei Fällen berichtet, in denen Männer die ersten Angriffe auf das World Trade Center mit einer Videokamera aufgenommen hatten. Zeugen berichteten, dass es schien, sie hätten schon im voraus gewusst, was geschehen würde.

Ebenso wird vermutet, dass einige der verhafteten Männer Karten bei sich trugen, die sie mit den Explosionen in Zusammenhang brachten. Alle verhafteten Israeli hatten Verbindung zu einer Möbelspedition in israelischem Besitz, die in der Region New York und New Jersey Geschäfte machten. Es besteht offensichtlich ein Zusammenhang zwischen den Möbelspeditionen und einem israelischen Spionagenetzwerk.

Fox News berichtet über israelische Spione in den USA

Am 12. Dezember sendete Fox News mit dem Sprecher Brit Hume einen Bericht des Reporters Carl Cameron, der enthüllte, dass Vollstreckungsbeamte der Bundesbehörden in der Nachfolge der Angriffe vom 11. September bei der Suche nach möglichen Terroristen ungefähr 60 israelische Bürger verhaftet hätten, von denen einige als aktive israelische Militärs oder Geheimdienstmitarbeiter beschrieben wurden. US-Beamte vermuteten, dass die Israeli Teil eines umfangreichen, in Amerika aktiven israelischen Spionagenetzwerks waren, die vermutlich Vorinformationen über die Angriffe vom 11. September erlangt hatten.

Hinsichtlich der Verbindungen zum 11. September berichtete Cameron: «Es gibt keinen Hinweis, dass die Israeli in die Angriffe vom 11. September involviert wurden, aber Untersuchungsbeamte vermuten, dass die Israeli möglicherweise nachrichtendienstliche Erkenntnisse über die Angriffe im voraus gewonnen hatten, diese jedoch für sich behielten. Ein hochrangiger Untersuchungsbeamter sagte, es gebe 'Verbindungen'. Nachdem er aber um Details gebeten wurde, weigerte er sich kategorisch, diese Verbindungen detailliert zu beschreiben, mit den Worten: 'Beweise, die diese Israeli mit dem 11. September in Verbindung bringen, sind geheim. Ich kann Ihnen nichts über gewonnene Erkenntnisse erzählen. Es handelt sich um geheime Informationen.'»

Dieses Bild wird noch weiter getrübt durch Behauptungen, dass Israel Warnungen an die Regierung der USA weiterleitete, die besagten, dass Agenten von Usama bin Ladin einen Grossangriff auf die Vereinigten Staaten vorbereiteten. Jedoch scheinen diese angeblichen Warnungen nicht so ausführlich gewesen zu sein wie die Information, von denen Fox News behauptet, dass Israel Kenntnis davon hatte. Kurz gesagt boten die angeblichen israelischen Warnungen den Vereinigten Staaten nicht mehr Information als die vielen anderen Warnungen, die sie sonst erhielten.

Begreiflicherweise könnten die offensichtlich vagen Warnungen lediglich eine Bemühung von seiten des israelischen Geheimdienstes darstellen, sich vor dem Vorwurf zu schützen, dass er den Vereinigten Staaten vitale Informationen vorenthalten hätte. Die US-Regierung scheint inoffiziell ein hohes Mass an Ausspähung durch die Israeli in den Vereinigten Staaten zuzulassen, aber sicherlich erwartet Washington umgekehrt, davon profitieren zu können.

Das Problem des Staatsterrorismus

Eine beträchtliche Anzahl von Geheimdienstexperten behauptet, dass die Ereignisse des 11. September zu komplex waren, als dass sie allein durch al-Kaida erfolgreich durchgeführt werden konnten und dass hierfür staatliche Unterstützung erforderlich gewesen sei. Einige wiesen auf den Irak hin, andere auf den Iran; jedoch gibt es keine Beweise, die auf die Teilnahme dieser Staaten hinweisen. Die Geheimdienstexperten, die dem Mainstream verpflichtet sind, haben selbstverständlich davon Abstand genommen, Schuldvorwürfe in Richtung Israel oder die Vereinigten Staaten zu richten.

In einem Interview vom 13. Januar in der deutschen Tageszeitung «Der Tagesspiegel» behauptet der Geheimdienstexperte Andreas von Bülow: «Die Planung der Attentate war eine technische wie organisatorische Meisterleistung. In wenigen Minuten vier Grossraumflugzeuge zu entführen und binnen einer Stunde in komplizierten Flugbewegungen ins Ziel zu steuern! Das ist ohne langjährigen Rückhalt aus den geheimen Apparaten von Staat und Industrie undenkbar. [...] Ich habe aber wirklich Schwierigkeiten damit, mir vorzustellen, dass das alles ein einzelner böser Mann in seiner Höhle ausgeheckt hat.»

Selbst wenn wir annehmen, dass bin Ladin ein teuflisches Genie ist, das zu einem komplizierten Angriff von der anderen Seite der Erde in der Lage ist, bleiben grundlegende Fragen beim amtlichen Bericht offen. Nach der offiziellen Sichtweise organisierte bin Ladin den Angriff ohne den Einsatz elektronischer Kommunikationsmittel. Und nicht nur das: Nachrichtendienste hatten bereits seine Verbündeten als die Männer, die angeblich seine Instruktionen erhielten, identifiziert. Wie aber könnte bin Ladin einen komplizierten Plan leiten, der von Leuten durchgeführt wurde, die als seine Verbündeten galten, ohne dass die Behörden irgend etwas bemerkten? Dass sich die Ereignisse des 11. September so abspielten, wie die amtliche Stellungnahme es darstellt, ist höchst unwahrscheinlich.

Schlussfolgerungen

Wie ich zu Anfang feststellte, vertrete ich eine etwas andere Meinung über Amerikas gegenwärtigen Krieg gegen den Terrorismus als die amtliche Version. Wir können diejenigen, die eine andere als die amtliche Auffassung über den 11. September haben, in vier unterschiedliche Kategorien einteilen, von den Sanften bis zu den Hardlinern. Die mildeste Form wäre die von Kinsley und Matthews vertretene, die den ursprünglichen Zweck des Krieges unerlaubt erweitert: die Bestrafung der Täter des Verbrechens vom 11. September. Eine etwas härtere Version behauptet, dass der erweiterte Krieg von Anfang an beabsichtigt wurde und dass die Verbrechen des 11. September den Vorwand lieferten, um den Kriegsplan in die Tat umzusetzen. Noch mehr in Richtung der Hardliner geht die Ansicht, dass die US-Regierung vom Angriff noch vor seiner Umsetzung wusste und den Dingen ihren Lauf liess, um den Vorwand für einen Krieg zu haben. Und die grössten Hardliner vertreten die Ansicht, dass die Profiteure des Krieges tatsächlich die Verbrechen gefördert haben. Die Behauptungen dieser Version gehen so weit zu sagen, dass die US-Luftwaffe den Entführern absichtlich erlaubte, ihre Ziele zu erreichen; dass die US-Regierung Bomben ins World Trade Center legte, um sicherzugehen, dass es einstürzt; und dass Usama bin Ladin nichts mit dem Angriffen zu tun hatte, aber einfach ein bequemer Sündenbock war.

Es scheint offensichtlich, dass die Ereignisse des 11. September einen Vorwand lieferten, bereits vorhandene Ziele der Aussenpolitik durch Militäraktionen durchzusetzen. Zu glauben, dass die amerikanische Militäraktion nur dazu diente, die Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen - Matthews «Krieg der Feuerwehrmänner» - ist schiere Naivität. Dies ignoriert nicht nur bedeutende Informationen, sondern zeigt auch eine mangelnde Reflektion der Arbeit von Politikern.

In ähnlicher Weise stellt die extreme Version, in der die US-Regierung sogar die schrecklichen Ereignisse des 11. September begangen haben soll, eine Bewegung in Richtung auf ein verschwörerisches Land dar. Solche verschlungenen Ideen dienen wirklich den Interessen des Establishments, indem sie jeden nüchternen Versuch diskreditieren, die amtliche Stellungnahme zu revidieren. (Wie ich angedeutet habe, könnte man vielleicht ein bisschen vorsichtiger sein, die Hypothese der israelischen Unterstützung lächerlich zu machen.)

Was den Beweis anbetrifft, der auf ein Vorwissen der Vereinigten Staaten und Israels hinweist, ist sich der Verfasser des Artikels nicht ganz sicher. Aber solch ein Drehbuch darf nicht als absurde Unmöglichkeit abgetan werden, wie es die Medien und Akademien des Establishments gewöhnlich mit «Verschwörungstheorien» tun, die auf gewisse Weise «gegen das Establishment» sind (während sie gleichzeitig andere Verschwörungstheorien verbreiten, die besser in ihr Weltbild passen). Offensichtlich schreit die gesamte Angelegenheit nach einer rigorosen Untersuchung - wobei eigentlich das Adjektiv rigoros weggelassen werden sollte, denn der einzige Beweis ist bis jetzt von den Medien geliefert worden. Anscheinend ist, aus welchen Gründen auch immer, keine amtliche Untersuchung der «vorherigen Kenntnis des Drehbuches» durchgeführt worden, und selbstverständlich sind keine Regierungsdokumente einer öffentlichen Prüfung unterworfen worden; am interessantesten wären dabei die Informationen der Nachrichtendienste, zum Beispiel abgefangene Meldungen und Überwachungsbänder.

Wenn man jedoch wie ich den Hintergrund des japanischen Angriffs auf Pearl Harbour studiert hat, dann ist man erstaunt über die Menge an Informationen, die bereits vorhanden sind und im Gegensatz zur amtlichen Linie stehen. Es dauerte Jahre, um einen vergleichbaren Stand in der Analyse von Pearl Harbour zu erreichen, und es erforderte zahlreiche Untersuchungen. Zugegebenermassen waren die Untersuchungen zu Pearl Harbour in den meisten Fällen Ehrenrettungen für die Regierung; aber nolens volens brachten jene Analysen zahlreiche Abweichungen ans Licht. Tatsächlich zwangen sie schliesslich das Establishment, von seiner ursprünglichen «Blitz aus heiterem Himmel, während die nichtsahnenden Amerikaner Jack Benny im Radio hörten»-Geschichte Abstand zu nehmen.

Leider scheinen im Fall der Katastrophe vom 11. September die abweichenden Informationen, die - unvorsichtigerweise oder unvermeidlich - unmittelbar nach dem Ereignis freigegeben wurden, nicht im Gedächtnis gespeichert und offiziell vergessen worden zu sein. Die Schlagzeilen wurden einfach nicht untersucht - was in einer Welt, die arm an Helden ist, verständlich erscheint, denn diese Schlagzeilen ins Fadenkreuz zu nehmen wäre keine karrierefördernde Aktivität. Wer sollte es sagen? Es könnte nicht einmal eine lebensfördernde Tätigkeit sein.

Ich habe eine abschliessende Beobachtung über die Position des gesamten Establishments, eine Beobachtung, die so offensichtlich ist, dass sie häufig übersehen wird. «Verteidigungs»-Kriege sollen eine gegnerische Aktion daran hindern, anzudauern oder stattzufinden - solche Kriege zielen klassischerweise auf «das Hinaustreiben des Eindringlings aus unserem Land». Jetzt rechtfertigen viele Kommentatoren den «Krieg gegen den Terrorismus» als Verteidigung der Vereinigten Staaten. Aber Tatsache ist, dass Regierungsbeamte nur wenig Bemühung zeigen zu demonstrieren, wie ihr «Krieg gegen den Terrorismus» die terroristische Bedrohung der Vereinigten Staaten beseitigt oder wenigstens vermindert. Wie ihre Kritiker unterstrichen haben, ist es nichts anderes als der Interventionismus des US-Militärs, der die Terroristen dazu anregt, die Vereinigten Staaten zum Ziel ihrer Angriffe zu machen. Während also die Vereinigten Staaten ihren Krieg gegen Terrorismus rund um die Welt ausweiten und verstärken, erhöhen sie in Wahrheit die Wahrscheinlichkeit terroristischer Anschläge gegen das amerikanische Heimatland.

Wenn der Krieg die terroristische Bedrohung Amerikas nicht verringert hat, was hat er dann getan? Was könnte er anrichten? Er ist bestenfalls teilweise erfolgreich gewesen, die Täter des 11. September ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Er hat das al-Kaida-Netzwerk zerstört, obwohl Usama bin Ladin und viele seiner führenden Partner auf freiem Fusse bleiben. Aber gleichzeitig hat der Krieg die Etablierung einer amerikanischen Militärpräsenz im energiereichen Zentralasien und eine fügsame Regierung in Afghanistan erreicht. Ausserdem hat der Krieg den Israeli grünes Licht gegeben, die Palästinenser vernichtend zu schlagen; und er hat den Weg geebnet für einen US-Angriff gegen Israels Hauptfeinde, beginnend mit dem Irak.

Wenn ein Krieg die lange gehegten Ziele eines Staates und seines Hauptverbündeten voranbringt, dürfen wir dann nicht den Zweck des Krieges aus diesen Resultaten erschliessen? Aber möglicherweise ist eine solche Logik zu altmodisch.

 

Artikel 1: Zeit-Fragen Nr.20 vom13.5.2002, letzte Änderung am 13.5. 2002

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