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 Artikel 20: Zeit-Fragen Nr. 21 vom 21. 5. 2002

 Der 11. September und die Ursprünge vom «Krieg gegen den Terrorismus»

Eine revidierte Darstellung (Teil 5)

von Stephen J. Sniegoski, USA

zf. Mit seinem mehrteiligen Artikel hat der amerikanische Historiker Stephen Sniegoski mit dazu beigetragen, dass nun in den USA auch öffentlich diskutiert wird, was die US-Geheimdienste und die US-Regierung über die Pläne für die Anschläge vom 11. September wussten. Im vierten Teil seiner Analyse hatte Sniegoski die zahlreichen Verwicklungen des israelischen Geheimdienstes in die Vorgänge um den 11. September dargestellt. Hieran knüpft der 5. Teil an.

Der israelische Spionagering und der 11. September - das Feuer ersticken

Die Aussage, dass echter Journalismus heutzutage nur auf dem Internet und in der ausländischen Presse überlebt, ist einmal mehr bestärkt worden: Dort tauchten Informationen eines geheimen Berichtes der DEA (Drug Enforcement Administration) über die Aktivitäten von «israelischen Kunststudenten» auf, die einen eigentlichen Dammbruch betreffend Israels Spionagetätigkeit in den Vereinigten Staaten verursachten.1 Obwohl die etablierten Medien fast vollständiges Stillschweigen darüber aufrechterhalten konnten2, war dieser Dammbruch doch so bedeutsam, dass sich immerhin der jüdische Forward dazu gezwungen sah, eine riskantere und weniger absolutistische Taktik anzuwenden, die ich als «Löschtaktik» bezeichnen möchte.3

Während die Fürsprecher Israels zuvor Hinweise auf israelische Spionagetätigkeiten als völlig irreführend und antisemitisch4 abgetan hatten, räumte der Forward in seiner Story vom 15. März ein, dass Israel tatsächlich an einer Spionageoperation in den Vereinigten Staaten beteiligt gewesen war. Gleichzeitig verdrehte er jedoch die Angelegenheit, um Israel im bestmöglichen Licht erscheinen zu lassen, indem er betonte, dass sämtliche Spionageeinsätze nicht gegen amerikanische Regierungsorganisationen gerichtet gewesen seien - wie kann man nur auf so eine Idee kommen! -, sondern gegen «radikale islamische Netzwerke».

Darüber hinaus versicherte der Forward seinen Lesern feierlich, dass die israelischen Spione keine Vorinformationen über die Anschläge des 11. September erhalten hatten. Als Beweis führte der Forward Aussagen des FBI an, wonach die Befragung der israelischen Agenten bewiesen, eindeutig bewiesen hätte, dass sie wirklich nichts, absolut nichts von Vorbereitungsplänen für den 11. September gewusst hätten. Mit anderen Worten: Das FBI behauptete, dass die Spione behaupteten, sie hätten nichts gewusst. Na, dann ist ja alles geregelt! Die Aussage des FBI sollte bei weitem ausreichen, um die israelischen Agenten von jeder Schuld freizusprechen, in irgendwelche schädlichen Aktivitäten gegen die Vereinigten Staaten verwickelt zu sein - obwohl die leicht abweichende Tatsache bestehen bleibt, dass die Fürsprecher Israels zuvor amerikanische Regierungsquellen zitiert hatten, gemäss denen alle Behauptungen bezüglich israelischer Spionageaktivitäten jeder Grundlage entbehrten.5

Die Art und Weise, wie der Forward die israelischen Spionageeinsätze darstellt, impliziert, dass alle patriotischen Amerikaner Israel für seine Bemühungen loben sollten, den Vereinigten Staaten dabei zu helfen, die islamischen Terroristen in ihrem eigenen Land aufzuspüren. Denken Sie einmal! - Trotz all der Probleme, mit denen die Israeli in ihrem eigenen Land konfrontiert sind, waren sie doch grossmütig genug, Tausende von Meilen zurückzulegen, um ihrem engsten Verbündeten zur Seite zu stehen. Und nach Manier des einsamen Rangers taten sie all dies im geheimen und ohne öffentliche Anerkennung!

Man sollte eigentlich annehmen, dass diese Art von «Spin»-Kontrolle, die ja gerade von dem Mangel an Kritikfähigkeit ihrer Konsumenten abhängt, in einer «fortgeschrittenen» Gesellschaft gar nicht funktionieren sollte. Dennoch muss sie eine gewisse Wirkung haben, da intelligente Juden sie sonst nicht anwenden würden.

Geheime Absprachen und Zerstörung

Was hat dies alles in bezug auf den 11. September zu bedeuten? In meinem Hauptartikel über den 11. September zitierte ich ein paar der offensichtlichen Verbindungen zwischen Israel und der Greueltat des 11. September. Neues Beweismaterial belegt die Tatsache, dass die israelischen Spione tatsächlich in unmittelbarer Nähe von den meisten islamischen Terroristen des 11. September wohnten. Mohammed Atta wohnte zum Beispiel in der Sheridan Street Nr. 3389 in Hollywood, Fla., nur ein paar Häuserblocks vom Aufenthaltsort einiger israelischer Spione in der Sheridan Street Nr. 4220 entfernt. Auch wenn ein paar Roboter in Floridas Disneyworld wild herumträllern, dass «es letztlich doch eine kleine Welt ist», in der wir leben, ist sie doch nicht so klein, dass so extrem nah beieinander liegende Aufenthaltsorte einem reinen Zufall zuzuschreiben sind.6

Darüber hinaus waren im israelischen Spionagekorps nicht nur Elektronik-, sondern auch Sprengstoffexperten vertreten. Für den Einsatz von Elekronikexperten gibt es eine recht einfache Erklärung: Man muss potentielle islamische Terroristen und auch, wie es scheint, amerikanische Regierungsbeamte genau beobachten. Aber wofür sollte man Sprengstoffexperten einsetzen? Meine Phantasie ist sicher etwas verkümmert, aber der einzige Zweck, den ich mir für diese Männer vorstellen kann, ist, dass sie Sachen in die Luft sprengen oder anderen dabei helfen, etwas in die Luft zu sprengen.

Der Kenner Justin Raimondo zieht folgenden Schluss aus der israelischen Spionageoperation:

«Als das mindeste deuten die Abläufe der eindeutig von Israel gesteuerten verdeckten Aktion auf ein gewisses Mass an Vorwissen hin. Im schlimmsten Fall lassen die Details dieses komplexen und noch keineswegs vollständig aufgedeckten Spionagerings auf eine aktive - wenn auch einseitige - geheime Absprache Israels mit den Massenmördern des 11. September schliessen. Während die erste Schlussfolgerung sich praktisch bestätigt hat, ist die zweite zugegebenermassen eine Spekulation. Es ist jedoch beängstigend, dass solche theoretischen Überlegungen auf gewissen Fakten begründet sind.»7

Wiederholen wir noch einmal, was Raimondo sagte: Dass Israel vor dem 11. September etwas von dem Anschlag wusste, «hat sich praktisch bestätigt». Darüber hinaus gründet die «geheime Absprache» Israels mit den Terroristen auf «gewissen gesicherten Tatsachen».

Was sonst als eine gemeinsame Sache mit den Terroristen, zumindest eine geplante gemeinsame Sache, könnte den Einsatz von israelischen Sprengstoffexperten erklären? Diese Experten müssen sich under-cover in den Vereinigten Staaten aufgehalten haben, um entweder islamischen Terroristen zu helfen oder um Explosionen auszulösen, die den islamischen Terroristen zugeschrieben werden konnten. (Wie ich in meinem Hauptartikel dargelegt habe, kam eine neuere Studie der Armeeschule für Fortgeschrittene Militärstudien zu dem Schluss, dass sich Israel möglicherweise an solchen terroristischen Täuschungsmanövern gegen die Vereinigten Staaten beteiligen könnte.)

Vielleicht sollten sie den islamischen Terroristen unter die Arme greifen. Wenn es den islamischen Terroristen nicht gelingen sollte, ein genügend imposantes Verbrechen zu begehen, würden die israelischen Sprengstoffexperten irgend etwas in die Luft sprengen und diesen Anschlag dann als ein Werk der islamischen Terroristen erscheinen lassen.

Ich habe von der Behauptung gehört, dass die israelischen Sprengstoffexperten möglicherweise in Amerika waren, um den amerikanischen Sicherheitsleuten beizustehen, zum Beispiel bei der Bombenentschärfung. Solche Sicherheitseinsätze müsste man allerdings wohl kaum als verdeckte Operation durchführen. Sie wären doch in Tat und Wahrheit viel effektiver, wenn sie offen und im Mitwissen, wenn schon nicht der amerikanischen Öffentlichkeit, dann doch zumindest der amerikanischen Behörden, durchgeführt würden. Wenn man ein technisches Problem angeht, ist es normalerweise hilfreich zu wissen, dass einem geholfen wird. Es verhindert vor allem schon einmal unnötige doppelte Arbeit.

Symbiose

Wie steht der israelische Spionagering in Einklang mit der Idee, dass hohe US-Beamte nach einer logischen Erklärung für den «Krieg gegen den Terrorismus» suchten? Eine vernünftige Erklärung wäre, dass amerikanische Beamte verdeckte Operationen der Israeli innerhalb der Vereinigten Staaten tolerierten, da sie den Interessen dieser Beamten dienten. Es existiert eine symbiotische Beziehung zwischen Israel und der amerikanischen Regierung in bezug auf verdeckte israelische Einsätze. Die amerikanische Regierung erlaubt und ermutigt Israel sogar dazu, hier und dort verdeckte Operationen durchzuführen, da die israelischen Organisationen gewisse, für die Wahrung der amerikanischen Interessen als hilfreich erachtete, Aufgaben viel effektiver durchführen können als amerikanische Organisationen.

Seinen grösseren Handlungsspielraum in diesem Bereich verdankt Israel vor allem den etablierten amerikanischen Medien, die die israelischen Operationen programmatisch herunterspielen. Es ist ganz einfach ein Tabu, Israel in einem negativen Licht zu zeigen (und diejenigen, die die grossen Medien besitzen und beaufsichtigen, gehören selbst zu dem Personenkreis, der dieses Tabu aufgestellt und durchgesetzt hat). Demzufolge erfreut sich Israel eines viel grösseren Spielraums bei der Beteiligung an schmutzigen Geschäften als die Vereinigten Staaten. Genau aus diesem Grund verliess sich die Reagan-Administration auf Israel bei der Durchführung gewisser verdeckter Operationen in Lateinamerika. Diese Aktivitäten wurden von den im Medien-Establishment dominierenden Liberalen kaum wahrgenommen, die andererseits wahrscheinlich laut aufgeschrien hätten, wenn amerikanische Einheiten solche Operationen durchgeführt hätten.

Man könnte jedoch noch die Frage stellen, warum der Spionagering schliesslich aufflog, wo doch Israels Aktionen im Einklang waren mit den amerikanischen Interessen.

Zuerst einmal war Washington nicht mit allen Zielen der israelischen Spionageoperationen einverstanden, die, im Gegensatz zum «Spin» des Forward, auch ein intensives Ausspionieren von amerikanischen Regierungsorganisationen beinhalteten. Die amerikanischen Funktionäre hätten diese Einsätze nicht mehr befürwortet als die Spionageoperationen von Jonathan Pollard [ein wegen Spionage verurteilter Nachrichtenspezialist der US-Navy, der Mitte der 80er Jahre Geheimdokumente nach Israel verkaufte].

Die Spionage wurde deshalb in diesem Ausmass toleriert, weil sie im Grossen und Ganzen den Interessen der amerikanischen Funktionäre diente. Als das Ziel - ein Casus belli - erreicht war, wurde Washington wieder aktiv, um den Spionagering auszuheben, weil dessen weitere Einsätze nun im deutlichen Gegensatz zu den amerikanischen Interessen stehen würden. Da Israel jedoch so stark von den Medien und von der Regierung selbst unterstützt wird, musste man natürlich beim Ausheben des israelischen Spionagerings ganz behutsam vorgehen, ohne Aufsehen in der Öffentlichkeit zu erregen.

Wie sah es aus mit Verhaftungen von israelischen Agenten vor dem 11. September? Die amerikanische Regierung wollte zuerst einmal die Israeli unter Kontrolle halten, sie wollte ihnen sicher keine freie Bahn lassen bei der Unterwanderung der Vereinigten Staaten. Verständlicherweise hätte kein höherer Vorgesetzter seinen Namen unter eine offizielle Anordnung gesetzt, die den ihm unterstellten Bundesagenten untersagt hätte, unter Beobachtung stehende Israeli festzunehmen. So wurden zwar ein paar Verhaftungen vorgenommen, jedoch nicht genug, um die Spionageoperation als Ganze zu destabilisieren, da die Zerschlagung des Spionagerings nicht oberste Priorität hatte.

***

Es gibt keine schlüssigen Beweise für das oben erwähnte Szenario. Es beruht auf Spekulationen. Aber es sind Spekulationen, die auf Wissen basieren, und sicherlich legt das Beweismaterial nahe, dass sie plausibel sind. Das Szenario könnte den Scharen von Wissenschaftern und Forschern als Hypothese für weitere Untersuchungen dienen, obwohl ein solches Aufblühen der freien Forschung angesichts der vorherrschenden Tabus in unserer Gesellschaft fraglich ist.

1 Die Informationen wurden unter anderem zu Verfügung gestellt von: Jane's Intelligence Digest; Le Monde (reproduziert unter www.antiwar.com/rep/lemonde1.html); Intelligence Online, www.intelligenceonline.com; Creative Loafing, atlanta.creativeloafing.com/2002-03-20/news_dea.pdf und Antiwar.com.

2 Eine der wenigen Publikationen des amerikanischen Medienestablishments, die diese Geschichte aufgriffen, war das Monatsmagazin bei der Washington Times. Siehe Paul M. Rodriguez, Intelligence Agents or Art Students?, Insight, veröffentlicht am 11. März 2002, www.insightmag.com/main.cfm/include/detail/storyid/207226.html.

3 Marc Perelman, Spy Rumors Fly on Gusts of Truth/Americans Probing Reports of Israeli Espionage. Forward. 15.3.2002, www.forward.com/issues/2002/02.03.15/news2.html.

4 Justin Raimondo, The «Urban Myth» Gambit. 13.3.2002, www.antiwar.com/justin/j031302.html; und Daniel Pipes, Israeli spy network in the US? Jerusalem Post, 13.3.2002.

5 ebenda

6 Justin Raimondo, The Truth, At Last. 22.3.2002, www.antiwar.com/justin/j032202.html.

7 ebenda


Dr.StephenJ.Sniegoski promovierte in Geschichte der Vereinigten Staaten (University of Maryland, 1977) mit dem Schwerpunkt amerikanische Geschichte der Diplomatie. Zahlreiche Artikel zu geschichtlichen Themen, zur Aussenpolitik und zur Bildung.

Weitere Artikel von Dr. Sniegoski unter:

www.thornwalker.com/ditch

 

Artikel 20: Zeit-Fragen Nr.21 vom 21.5.2002, letzte Änderung am 21.5. 2002

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