Artikel 15: Zeit-Fragen Nr. 23 vom 3. 6. 2002
lb. Nun ist es also soweit. Noch im Juni werden, wie angekündigt, 638 Postämter in Österreich geschlossen. Viel ist davon gesprochen worden, dass es zu keiner Unterversorgung kleinerer Gemeinden kommen werde, Post-Servicestellen würden eingerichtet und Lebensmittelhändler und andere Geschäfte könnten sich als Postpartner bewerben und die Dienste der Post (Briefe, Pakete, Ein- und Auszahlungen, Sparverträge) übernehmen. Wie sieht es wirklich aus?
Nur für ein knappes Viertel der Poststellen wurden sogenannte Postpartner gefunden, eigentlich kein Wunder, war doch das Postamt in vielen Gemeinden ohnehin schon der letzte Rest an verbleibender Infrastruktur, nachdem der Greissler hatte schliessen müssen, die Bahnhaltestelle aufgelassen worden war und der Wirt dichtgemacht hatte. In manchen nun leer ausgegangenen Gemeinden hatte es zwar Anträge für eine Post-Partnerschaft gegeben, diese wurden vom Post-Vorstand aber dankend abgelehnt: Wo das Einzugsgebiet zu gering sei, würde sich eine Post-Partnerstelle nicht rechnen. Zählt man noch die Postservice- und Abholstellen, die eingeschränkte Postleistungen anbieten, zu den Post-Partnerstellen hinzu, so schauen ab Juni etwa 400 Gemeinden komplett durch die Finger.
Dass die ländlichen Gebiete als Lebensraum durch diese Ausdünnung der notwendigen Infrastruktur weiter entwertet werden, ist unübersehbar. Leider ist von unseren Politikern derzeit kaum wirksames Gegensteuer zu erwarten.
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