Artikel 6: Zeit-Fragen Nr. 35 vom 26. 8. 2002
Globalisierung
thk./Rl. Dass die Landwirtschaft der Schweiz, verursacht durch die Globalisierungspolitik des Bundesrates, schwer unter Druck ist, wird immer deutlicher und führt immer mehr zu Widerstand aus den Reihen des betroffenen Bauernstandes.
Der Bundesrat hat die Schweiz scheibchenweise immer mehr in die Fänge der internationalen Finanzwelt geführt. Durch den Beitritt zur WTO und durch die bilateralen Verträge mit der EU wird die Schweiz immer mehr in die Abhängigkeit von global operierenden Grosskonzernen gedrängt. Schweizerische Firmen können problemlos von ausländischen Grosskonzernen aufgekauft und deren Produktion entweder ins Ausland verlegt oder gänzlich stillgelegt werden. Somit hat man kurzerhand einen potentiellen Konkurrenten, der zwar nicht quantitativ gefährlich wird, sondern durch die gute Qualität überzeugt, ausgeschaltet. Durch diese Vorgänge und die mangelnden Schutzvorkehrungen durch den Staat gerät die Schweiz immer mehr in Abhängigkeit von internationalen Grosskonzernen.
Jüngstes Beispiel, und hier bewegen wir uns in einem äusserst existenziellen Bereich, ist der Kauf des schweizerischen Futtermittelherstellers Provimi Kliba AG durch den multinational operierenden US-amerikanischen Konzern Cargill Inc., der durch den Film «Septemberweizen» auch hierzulande nicht ganz unbekannt ist. Der Cargill-Konzern bezeichnet sich selbst als «internationales Unternehmen, das sich vorwiegend mit dem Handel, der Verarbeitung und der Vermarktung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Nahrungsmitteln und Industrieprodukten» beschäftigt. Nach eigenen Angaben beschäftigt der Konzern mehr als 85000 Mitarbeiter und bietet in 60 Ländern «seinen Kunden individuelle Lösungen in den Bereichen Nahrungsmittelherstellung, Gesundheitsvorsorge und Ernährungswesen» an. Mit dem Verkauf des schweizerischen Futtermittelherstellers Provimi Kliba AG an einen US-amerikanischen Konzern verliert die Schweizer Landwirtschaft einen Futtermittelhersteller, der bestens mit den schweizerischen Gegebenheiten vertraut war und entsprechend hochwertige Produkte liefern konnte. Auch wenn Cargill, wie auf seiner Website zu lesen ist, seinen Kunden individuelle Lösungen anbietet, wird er kaum die Qualität erreichen, die zuvor das Schweizer Unternehmen gehabt hat. Für die 430 Mitarbeiter der Provimi Kliba AG, deren Stellen erhalten bleiben sollen, wird der Wechsel zum amerikanischen Konzern ebenfalls Folgen haben.
Die Kunden, Schweizer Bauern, werden in Zukunft mit allem rechnen müssen. Die Konzernstrategie der Provimi Kliba AG wird sich nicht mehr primär am schweizerischen Markt orientieren, sondern amerikanischen Marktgesetzen gehorchen müssen. Wenn die Gewinne der neuen Cargill-Tochter Provimi Kliba AG nicht mehr den Ansprüchen des Mutterkonzerns genügen, dann werden entweder «Stellen wegrationalisiert» oder das Werk geschlossen. Es gibt genug aktuelle Beispiele, die ein ähnliches Vorgehen dokumentieren: Adtrans, Bally, Maggi, Suchard und andere. Dies sind nur einige Beispiele aus der Schweiz. Im internationalen Bereich ist folgendes Vorgehen zur Regel geworden: Konzerne wachsen nicht mehr durch eigene Leistung, sondern durch den Aufkauf des Konkurrenten.
Für die Schweiz ist ein solches Szenario verheerend. Zum einen gehen Arbeitsplätze verloren und zum anderen macht man sich vom Ausland in einem so wichtigen Bereich abhängig, auch finanziell. Wenn eine hochspezialisierte Firma geschlossen wird, dann geht unter Umständen mit den Arbeitsplätzen auch das über Jahre erworbene Wissen verloren. Durch die Schliessung oder den Verkauf eines privatrechtlichen Betriebs sind nicht nur die dort Arbeitenden betroffen, sondern die gesamte Volkswirtschaft.
Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, braucht es wachsame Bürger, die sich besonders in der Schweiz ihrer politischen Rechte bewusst sind und diese auch nutzen. Das Volk muss dieser Entwicklung energisch entgegenstehen!
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