Die Menschen in Afghanistan verhungern
Nach fünf Jahren intensiven internationalen Engagements in Afghanistan bleibt das Land schwer gezeichnet durch bittere Armut und den sich ausbreitenden Hungertod unter den Armen auf dem Land und in der Stadt. Die Menschen in Afghanistan verhungern trotz den Versprechungen der von den USA geführten internationalen Gemeinschaft, welche zugsichert hatte, die für den Wiederaufbau und die Entwicklung benötigte Hilfe und die entsprechenden Ressourcen bereitzustellen. Afghanistan bleibt weiterhin ganz unten auf der Skala der meisten Armutsindikatoren, und besonders die Situation der Frauen und Kinder ist Besorgnis erregend. Jedes vierte in Afghanistan geborene Kind wird nicht älter als fünf Jahre, und gewisse Provinzen des Landes haben die höchsten Müttersterblichkeitsraten, die weltweit jemals gemessen wurden.
Bis heute wurden die Möglichkeiten der lokalen und internationalen Organisationen für Aufbau- und Entwicklungshilfe, sich den vielen mit der Armut in Zusammenhang stehenden Herausforderungen Afghanistans zu stellen, von den Vereinigten Staaten und Grossbritannien unterlaufen, in dem sich diese unangebrachterweise auf eine Politik der Betäubungsmittelbekämpfung fokussierten. So sind jene beiden selbsternannten Führungsnationen auf den Gebieten des Terrorismus und der Betäubungsmittelbekämpfung gemeinsam verantwortlich für die gegenwärtige Hungersnot im südlichen Afghanistan. ?
Quelle: The Senlis Council: Afghanistan Five Years Later ? The Return of the Taliban, September 2006, www.selniscouncil.net
(Übersetzung Zeit-Fragen)
Millionen Afghanen von Hungerkatastrophe bedroht
Millionen von Afghanen sind nach einem kompletten Ausfall der Ernte in Teilen des Landes von Hunger bedroht. Untersuchungen vor Ort in 66 Dörfern im Westen und Nordwesten des Landes zeigen, dass in den am schlimmsten betroffenen Gebieten die Bauern nach einem Ausfall der Regenfälle im letzten Winter und Frühling 100 Prozent ihrer Ernte verloren haben. Viehbauern verkaufen entweder ihr Vieh oder treiben es in Gebiete mit Weideland und Wasser, was die schon bestehende Nahrungsmittelknappheit noch verschlimmert. Kinder, schwangere Frauen, Familien ohne Landbesitz und ältere Menschen sind diejenigen, deren Gesundheit am meisten bedroht ist.«Fleisch ist in einigen Gebieten knapp, und die Leute sagen uns, dass ihre Nahrungsmittelreserven nicht viel länger mehr ausreichen», sagte Sultan Maqsood Fazel, der Vertreter von Christian Aid in Afghanistan.
«Es gibt einen Mangel an Wasser in den Flüssen und Brunnen, und der rasant fallende Wasserstand hat zu einem akuten Mangel an Trinkwasser und Wasser für die Bewässerung der Felder geführt», sagt Dr. Ahmad Zia Shams, Programmleiter in Herat für die Partnerorganisation von Christian Aid, die Agentur für humanitäre und Entwicklungshilfe (Agency for Humanitarian and Development Assistance AHDAA), die Bewässerungsanlagen baut und die Bevölkerung mit Trinkwasser versorgt.
Schon im Juli hatten die Vereinten Nationen und die Regierung in Afghanistan gewarnt, dass mehr als 2,5 Millionen Menschen von Nahrungsmittelknappheit bedroht sind und sofortige Hilfe benötigt wird. Diese 2,5 Millionen Menschen kommen zu den 6,5 Millionen Menschen hinzu, die in den ländlichen Gegenden Afghanistans jedes Jahr unter Nahrungsmittelknappheit leiden. ?
Quelle: Pressemitteilung von Christian Aid Grossbritannien vom 11.9.2006