Die Pläne für den Iran
Würde Präsident Bush einen Krieg beginnen, um zu verhindern, dass Teheran eine Atombombe entwickelt?
von Seymour M. Hersh, USA
zf. In einem Artikel, der im Original am 17. April in der US-Zeitschrift «The New Yorker» erschien, berichtet der namhafte Journalist Seymour Hersh über die sehr konkreten Pläne der US-Regierung, nicht nur mit konventionellen, sondern auch mit atomaren Waffen den Iran anzugreifen. Hiergegen gibt es aber innerhalb des US-Militärs erheblichen Widerstand.
Während sich die Bush-Administration in der Öffentlichkeit dafür einsetzt, den Iran mit -diplomatischen Mitteln davon abzubringen, die Entwicklung von Atomwaffen weiterzuverfolgen, hat sie ihre verdeckten Aktivitäten innerhalb des Iran verstärkt und ihre Planung für einen möglichen grossen Luftangriff intensiviert.
Ziele fixiert, ethnische Unruhen werden geschürt
Gegenwärtige und frühere Beamte des amerikanischen Militärs und der Geheimdienste haben bestätigt, dass Planungsgruppen der Air Force Listen von Zielen erstellen und Teams amerikanischer Kampftruppen verdeckt in den Iran geschickt wurden, um Informationen über Ziele zu sammeln und Kontakte zu Gruppen ethnischer Minderheiten herzustellen, die in Opposition zur Regierung stehen. Die Beamten sagen, Präsident Bush sei entschlossen, dem iranischen Regime die Möglichkeit zu nehmen, ein für dieses Frühjahr geplantes Programm zur Anreicherung von Uran zu beginnen.
Amerikanische und europäische Geheimdienste und die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) stimmen in der Einschätzung überein, dass der Iran entschlossen sei, die Fähigkeit zur Produktion von Atomwaffen zu entwickeln. Aber die Ansichten darüber, wie lange er dafür brauchen wird und ob Diplomatie, Sanktionen oder Militäraktionen der beste Weg sind, dies zu verhindern, gehen weit auseinander. Der Iran besteht darauf, dass seine Forschung ausschliesslich friedlicher Nutzung der Kernenergie in Übereinstimmung mit dem Atomwaffensperrvertrag dient und dass sie weder verzögert noch verhindert werden wird.
Bushs rollende Argumente: wie beim Irak
Unter Angehörigen des Militärs der Vereinigten Staaten und in der internationalen Gemeinschaft kommt man immer mehr zur Überzeugung, dass Präsident Bushs eigentliches Ziel bei der Auseinandersetzung mit dem Iran über die Atomfrage ein Regimewechsel ist. Irans Präsident, Machmud Achmadinedschad, hat die Realität des Holocaust in Frage gestellt und gesagt, dass Israel «von der Landkarte getilgt» werden müsse. Bush und andere im Weissen Haus sehen ihn als potentiellen Adolf Hitler, erklärte ein ehemaliger hochrangiger Beamter des Geheimdienstes: «Das ist der Name, den sie benutzen. Sie sagen: Wird der Iran eine strategische Waffe bekommen und mit einem neuen Weltkrieg drohen?»
Ein Regierungsberater mit engen Verbindungen zur zivilen Führung im Pentagon wies darauf hin, Bush sei «absolut überzeugt, dass der Iran im Begriff sei, die Bombe zu bekommen», wenn er nicht gestoppt werde. Der Präsident glaube, so der Berater weiter, dass er tun müsse, «wozu kein Demokrat oder Republikaner, der zukünftig gewählt werde, den Mut haben werde», und dass «die Rettung des Iran sein Vermächtnis sein werde».
Erinnerung an Dresden: der gleiche Denkfehler
Ein früherer Beamter des Verteidigungsministeriums, der von der Bush-Administration nach wie vor mit vertraulichen Aufgaben betraut wird, berichtete mir, dass die militärische Planung auf dem Glauben beruhe, dass «ein anhaltendes Bombardement des Iran dessen religiöse Führung erniedrigen und dazu führen werde, dass sich das Volk erheben und die Regierung stürzen werde». Er fügte hinzu: «Ich war schockiert, als ich das gehört habe, und habe mich gefragt, was sie wohl geraucht haben mögen.» [im Sinne von: ob sie wohl noch bei Verstand waren]
Die Begründung für einen Regimewechsels wurde Anfang März von Patrick Clawson formuliert, einem Iran-Experten und Anhänger Präsident Bushs, der stellvertretender Forschungsdirektor am Washington Institute for Near East Policy ist. «Solange der Iran eine islamische Republik ist, wird er ein Atomwaffenprogramm haben, zumindest im geheimen», erklärte Clawson am 2. März gegenüber dem Foreign Relations Committee [dem aussenpolitischen Ausschuss] des Senats. «Die Schlüsselfrage ist daher: Wie lange wird das gegenwärtige Regime des Iran noch bestehen?»
Die argumentative Zuspitzung
Als ich mit Clawson sprach, betonte er, dass «diese Administration grosse diplomatische Anstrengungen unternimmt». Aber er fügte hinzu, der Iran habe keine andere Wahl, als den Forderungen Amerikas nachzugeben oder sich einem militärischen Angriff ausgesetzt zu sehen. Clawson äusserte, er fürchte, Achmadinedschad «betrachtet den Westen als Feiglinge und denkt, wir werden irgendwann nachgeben. Wir müssen bereit sein, uns den Iran vorzunehmen, wenn die Krise eskaliert.» Clawson erklärte, er würde es vorziehen, sich auf Sabotage und andere geheime Aktivitäten, wie zum Beispiel «Industrieunfälle», zu stützen. Aber, fuhr er fort, es wäre weise, sich auf einen umfassenderen Krieg vorzubereiten, «angesichts der Art und Weise, wie sich die Iraner verhalten. Dies ist nicht mit der Planung einer Invasion von Quebec zu vergleichen».1
Hohes Tempo der Planung
Ein Militärplaner berichtete mir, dass die Kritik des Weissen Hauses am Iran, das hohe Tempo der Planung und die Geheimaktivitäten einer gegen den Iran gerichteten «Nötigungs»-Kampagne gleichkämen. «Man muss bereit sein loszuschlagen, und dann werden wir sehen, wie sie reagieren», sagte der Offizier. «Man muss eine wirkliche Drohung darstellen, um Achmadinedschad zum Einlenken zu bewegen.» Er fügte hinzu: «Die Leute denken, Bush habe sich seit dem 11. September auf Saddam Hussein konzentriert, aber wenn man eine Nation nennen müsste, auf die er sich die ganze Zeit konzentriert hat, so war das meiner Meinung nach der Iran.» (Auf diesbezügliche detaillierte Rückfragen mit der Bitte um Stellungnahme, antwortete das Weisse Haus, es werde sich zur militärischen Planung nicht äussern, fügte aber hinzu: «Wie der Präsident aufgezeigt hat, streben wir eine diplomatische Lösung an.» Auch das Verteidigungsministerium gab an, auf den Iran werde mit Hilfe «diplomatischer Kanäle» Einfluss genommen, wollte jedoch nicht näher darauf eingehen; die CIA sagte, die Darstellung enthalte «Ungenauigkeiten», wollte diese jedoch nicht genauer benennen.)
«Dies ist viel mehr als ein Atomproblem», erklärte mir ein hochrangiger Diplomat in Wien. «Das ist nur ein Rallying point [ein Sammelplatz, hier etwa: eine Frage, um die anderen Länder hinter sich zu scharen], und es ist noch immer genügend Zeit, das Problem zu lösen. Aber die Administration glaubt, sie könne das Problem nicht lösen, wenn sie nicht die Herzen und die Köpfe des Iran kontrolliert. In Wirklichkeit geht es um die Frage, wer in den nächsten zehn Jahren den Mittleren Osten und sein Öl kontrolliert.»
Bush greift das Selbstbestimmungsrecht der Völker an
Ein hochrangiger Berater des Pentagons für den Krieg gegen den Terrorismus brachte eine ähnliche Ansicht zum Ausdruck: «Dieses Weisse Haus glaubt, der einzige Weg zur Lösung des Problems bestehe darin, die Machtstruktur innerhalb des Iran zu verändern, und das bedeutet Krieg.» Die Gefahr sei, sagte er weiter, dass «dies innerhalb des Iran den Glauben verstärkt, der einzige Weg zur Verteidigung des Landes bestehe in der Fähigkeit zur Herstellung von Atomwaffen.» Ein militärischer Konflikt, der die Region destabilisiert, würde zudem das Risiko des Terrorismus verstärken: «Hizbollah kommt ins Spiel», sagte der Berater mit Bezug auf die Terrorgruppe, die als eine der erfolgreichsten der Welt gilt und die heute in Libanon eine politische Partei mit starken Verbindungen in den Iran darstellt. «Und al-Kaida taucht auf.»
Bearbeitung des Senats
In den vergangenen Wochen hat der Präsident mit einigen Schlüsselpersonen aus dem Senat und Mitgliedern des Kongresses, darunter mindestens einem Mitglied der Demokratischen Partei, insgeheim eine Reihe von Gesprächen über die Iran-Pläne geführt. Ein hochrangiges Mitglied des House Appropriations Committee (Finanzbewilligungs-ausschuss des Repräsentantenhauses), das an den Treffen nicht teilgenommen, deren Inhalt aber mit seinen Kollegen besprochen hatte, hat mir berichtet, dass es «keine formellen Informationen» gegeben hat, weil «sie zurückhaltend sind, die parlamentarische Minderheit zu informieren. Sie tun es, einigermassen selektiv bezüglich des Senats.»
Das Mitglied des Repräsentantenhauses sagte, dass bei den Treffen dem Gerede über den Krieg niemand «wirklich widerspricht». «Die Leute, die sie informieren, sind dieselben, die die Anschuldigungen gegen den Irak angeführt haben. Es werden höchstens Fragen gestellt wie: Wie kann man alle Ziele gleichzeitig treffen? Wie werdet ihr tief genug eindringen?» (Iran baut unterirdische Einrichtungen.) «Vom Kongress geht keinerlei Druck aus», keine militärischen Aktionen auszuführen, fügte das Mitglied des Repräsentantenhauses hinzu. «Der einzige politische Druck, der existiert, geht von denen aus, die diese Aktionen ausführen wollen.» Und bezüglich Präsident Bush äusserte das Mitglied des Repräsentantenhauses: «Das Beunruhigendste ist, dass dieser Kerl eine messianische Vision hat.»
Einige Operationen, die offenbar teilweise darauf abzielen, den Iran einzuschüchtern, finden derzeit schon statt. Taktische Bomber der amerikanischen Marine, die von Flugzeugträgern aus im Arabischen Meer operieren, haben seit dem letzten Sommer innerhalb der Reichweite des iranischen Küstenradars simulierte Atombombenangriffe geflogen ? Manöver mit schnellem anschliessendem Steigflug, bekannt als Bombenabwürfe «über die Schulter».
Gardiner: mindestens 400 Ziele
Letzten Monat hat Colonel Sam Gardiner, ein Militäranalytiker, der vor seiner Pensionierung bei der Air Force im Jahr 1987 am National War College lehrte, in einem Vortrag in Berlin über die Sicherheitslage im Nahen Osten eine Schätzung dessen veröffentlicht, was nötig wäre, um das Atomprogramm des Iran zu zerstören. Anhand von Satellitenfotos der bekannten Einrichtungen schätzte Gardiner, dass mindestens 400 Ziele getroffen werden müssten. Er fügte hinzu:
«Ich glaube nicht, dass es ein Militärplaner der USA dabei bewenden lassen würde. Der Iran verfügt vermutlich über 2 chemische Produktionsbetriebe. Wir würden diese angreifen. Wir würden auch die ballistischen Mittelstreckenraketen treffen wollen, die kürzlich näher zum Irak hin verlegt worden sind. Es gibt 14 Flughäfen mit Flugzeugbunkern [?]. Wir würden diese Bedrohung ausschalten wollen. Wir würden die Einrichtungen vernichten wollen, die eingesetzt werden könnten, um die Schiffahrt im Golf zu bedrohen. Das bedeutet, die Stellungen der Cruise-Missiles und die iranischen dieselgetriebenen U-Boote ins Visier zu nehmen [?]. Einige der Einrichtungen könnten auch für bunkerbrechende Waffen zu schwer zu treffen sein. Die USA werden Spezialeinheiten einsetzen müssen.»
Einsatz taktischer Atomwaffen
Einer der ersten möglichen Pläne des Militärs, den das Pentagon dem Weissen Haus in diesem Winter präsentierte, fordert den Einsatz taktischer Atomwaffen, sogenannter «Bunkerbrecher»-Bomben, wie etwa B61-11, gegen unterirdische Nuklearanlagen. Eines der Ziele ist Irans hauptsächliche Zentrifugenanlage in Natanz, ungefähr 200 Meilen südlich von Teheran. Von Natanz, das nicht mehr unter Aufsicht der IAEA steht, wird berichtet, es verfüge unterirdisch über genug Platz für 50 000 Zentri-fugen sowie für Laboratorien und Arbeitsplätze, alles ungefähr 25 Meter (75 Fuss) tief unter der Erdoberfläche. Mit dieser Zahl von Zentrifugen könnte man genug angereichertes Uran für etwa 20 Nuklearsprengköpfe pro Jahr herstellen. (Der Iran hat zugegeben, dass er die Existenz seines Anreicherungsprogramms zunächst vor den IAEA-Inspektoren geheimgehalten hat, behauptet aber, dass keine seiner gegenwärtigen Aktivitäten vom Atomwaffensperrvertrag untersagt sei.) Die Vernichtung von Natanz wäre ein grosser Rückschlag für die nuklearen Ambitionen des Iran, aber die konventionellen Waffen im amerikanischen Arsenal könnten die Zerstörung der Einrichtungen unter 25 Metern von Erde und Fels nicht sicherstellen, insbesondere, wenn diese mit Beton verstärkt sind.
In der Zeit des kalten Krieges gab es einen vergleichbaren Fall, bei dem tief unter der Erde befindliche Bunker mit Atomwaffen angegriffen werden sollten. In den frühen 1980er Jahren beobachteten die amerikanischen Geheimdienste, dass die sowjetische Regierung begann, ausserhalb Moskaus einen riesigen unterirdischen Komplex auszuheben. Analysten kamen zum Schluss, dass die unterirdische Einrichtung dazu dienen sollte, «die Kontinuität der Regierung» zu gewährleisten, das heisst sicherzustellen, dass die politische und militärische Führung einen Atomkrieg überleben würde. (Ähnliche Einrichtungen existieren in Virginia und Pennsylvania für die amerikanische Führung.) Die sowjetische Einrichtung existiert noch, und vieles von dem, was die USA darüber wissen, bleibt Geheimsache. «Das verräterische Zeichen waren die Lüftungsschächte, von denen einige getarnt waren», erzählte mir der frühere hochrangige Beamte des Geheimdienstes. Damals, erklärte er, kam man zum Schluss, dass nur Atomwaffen diese Bunker zerstören könnten. Er fügte hinzu, einige amerikanische Geheimdienstanalytiker glaubten, dass die Russen den Iranern bei der Planung ihrer unterirdischen Einrichtungen geholfen hätten. «Wie sehen Übereinstimmungen im Design, besonders bei den Lüftungsschächten», sagte er.
«Wir haben es in Japan schon einmal gemacht»
Ein früherer hochrangiger Beamter des Verteidigungsministeriums hat mir mitgeteilt, seiner Ansicht nach würden auch eingeschränkte Bombenangriffe den USA erlauben, «da reinzugehen und genug Schaden anzurichten, um die nukleare Infrastruktur zu verlangsamen - es ist machbar». Der frühere Beamte des Verteidigungsministeriums meinte: «Die Iraner haben keine Freunde, und wir können ihnen sagen, dass wir, falls nötig, ihre Infrastruktur immer wieder zerschlagen werden. Die Vereinigten Staaten sollten sich so verhalten, als seien sie bereit, loszulegen.» Er fügte hinzu: «Wir müssen nicht alle ihre Luftverteidigungseinrichtungen ausschalten. Unsere Stealth Bomber und Luft-Boden-Mittelstreckenraketen funktionieren gut, und wir können befestigte Einrichtungen in die Luft jagen. Wir können auch auf dem Boden Dinge tun, aber das ist schwierig und sehr gefährlich - böses Zeug in die Lüftungsschächte geben und sie einschläfern.»
Aber - so der frühere hochrangige Beamte des Geheimdienstes - diejenigen, die mit dem sowjetischen Bunker vertraut sind, «sagen: Das kommt nicht in Frage! Man muss wissen, was da unten ist, muss wissen, welche Lüftungsanlage Menschen versorgt oder Dieselgeneratoren oder welches Attrappen sind. Und da gibt es vieles, was wir nicht wissen.» Wird als Ziel die völlige Zerstörung der Einrichtungen vorgegeben, so lässt der Mangel an verlässlichen Geheimdienstinformationen den Militärplanern fast keine andere Wahl, als den Einsatz taktischer Atomwaffen in Betracht zu ziehen. «Jede andere Option würde aus der Sicht der Atomwaffenspezialisten eine Lücke lassen,» erklärte der frühere hochrangige Beamte des Geheimdienstes. «Entscheidend ist das Schlüsselwort in der Planung der Air Force. Es ist eine harte Entscheidung. Aber wir haben es in Japan schon einmal gemacht.»
Er fuhr fort: «Planer für den Atomkrieg absolvieren ein umfassendes Training und lernen alle technischen Details bezüglich Schäden und Fallout - wir sprechen hier von Atompilzen, Strahlung, massenhaften Opfern und jahrelangen Kontaminationen. Hier geht es nicht um einen unterirdischen Test, bei dem man lediglich sieht, wie die Erdoberfläche ein wenig angehoben wird. Diese Politiker haben keine Ahnung, und wann immer jemand versucht, von dieser Möglichkeit der atomaren Option wegzukommen, wird er niedergebrüllt.»
Opposition unter hochrangigen Offizieren und Beamten wächst
Die Aufmerksamkeit, die der atomaren Option zuteil geworden ist, hat innerhalb der Büros der Joint Chiefs of Staff (vereinigten Stabchefs) ernsthafte Befürchtungen hervorgerufen, fuhr er fort, und einige Offiziere haben davon gesprochen, den Dienst zu quittieren. Ende dieses Winters haben sich die Joint Chiefs of Staff darum bemüht, die atomare Option aus den für den Iran entstehenden Kriegsplänen zu entfernen - ohne Erfolg, sagte der frühere Beamte des Geheimdienstes. «Das Weisse Haus meinte: Warum stellt ihr das in Frage? Die Option kam doch von euch.»
Der Berater des Pentagon für den Krieg gegen den Terrorismus bestätigte, dass einige in der Administration diese Möglichkeit ernsthaft in Betracht ziehen, und er brachte dies in Verbindung mit einem Wiederaufleben des Interesses an taktischen Atomwaffen unter den zivilen Beamten des Pentagon und in politischen Kreisen. Er nannte das «einen Moloch, der gestoppt werden muss». Zudem bestätigte er, dass einige hochrangige Offiziere und Beamte wegen dieser Frage ernsthaft ihren Rücktritt erwogen. «Innerhalb des Militärs bestehen sehr klare Meinungen, wonach man gegenüber anderen Ländern nicht mit Atomwaffen herumfuchtelt», sagte mir der Berater. «Das reicht bis in hohe Dienstgrade.» Die Angelegenheit könnte bald einen entscheidenden Punkt erreichen, erklärte er, da die vereinigten Stabchefs sich darauf verständigt haben, Präsident Bush gegenüber eine formelle Empfehlung auszusprechen, in der sie zum Ausdruck bringen, dass sie die Überlegungen zum Einsatz der atomaren Option gegen den Iran klar ablehnen. «Die interne Auseinandersetzung darüber hat sich in den vergangenen Wochen verhärtet», sagte der Berater, «und wenn hochrangige Offiziere des Pentagons ihre Opposition gegen den Einsatz offensiver Atomwaffen zum Ausdruck bringen, dann wird dieser Einsatz nicht stattfinden.»
Der Rumsfeld-Club: nur Bomben im Kopf
Der Berater fügte allerdings hinzu, die Idee, in einer solchen Situation taktische Atomwaffen einzusetzen, werde vom Defense Science Board unterstützt, einem Beratungsgremium, dessen Mitglieder von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ausgewählt werden. «Sie erklären dem Pentagon, wir könnten eine B61 mit mehr Sprengkraft und weniger Strahlung bauen», sagte er.
Der Vorsitzende des Defense Science Board ist William Schneider jr., ein Under -Secretary of State (Staatssekretär im Aussenministerium) in der Reagan-Administration. Im Januar 2001, als Präsident Bush sich auf die Amtsübernahme vorbereitete, war Schneider Mitglied eines vom National Institute for Public Policy, einem konservativen Think tank, gesponsorten Ad-hoc-Gremiums, das sich mit Atomstreitkräften beschäftigte. Der Bericht des Gremiums empfahl, taktische Atomwaffen als essentiellen Teil des US--Arsenals zu behandeln, und erwähnte deren Eignung «für jene Gelegenheiten, bei denen die zuverlässige und sofortige Zerstörung von Zielen hoher Priorität entscheidend und ausserhalb der Möglichkeiten konventioneller Waffen liegt.» Mehrere Unterzeichner dieses Berichts sind jetzt prominente Mitglieder der Bush-Administration, darunter Stephen Hadley, nationaler Sicherheitsberater, Stephen Cambone, Staatssekretär im Verteidigungsministerium und zuständig für den Geheimdienst, und Robert Joseph, Staatssekretär im Aussenministerium für Rüstungskontrolle und internationale Sicherheit.
Der Berater des Pentagons stellte den Wert von Luftschlägen in Frage. «Die Iraner haben ihre nuklearen Aktivitäten sehr gut verteilt, und wir haben keine Ahnung, wo einige der entscheidenden Dinge sind. Sie könnten sich sogar ausserhalb des Landes befinden», sagte er. Wie viele andere warnte er davor, dass eine Bombardierung des Irans eine «Kettenreaktion» von Angriffen auf amerikanische Einrichtungen und Bürger auf der ganzen Welt provozieren könnte: «Was werden 1,2 Milliarden Muslime an dem Tag denken, an dem wir den Iran angreifen?»
Iran - ein viel schwierigeres Ziel als der Irak
Mit oder ohne die atomare Option dürfte die Liste der Ziele unausweichlich länger werden. Ein kürzlich pensionierter hochrangiger Beamter der Bush-Administration, der auch Experte für Kriegsplanung ist, hat mir mitgeteilt, er würde entschieden gegen einen Luftangriff auf den Iran argumentiert haben, weil «der Iran ein viel härteres Ziel» ist als der Irak. Aber, setzte er hinzu, «Wenn man schon bombardiert, um Atombomben zu stoppen, könnte man zusätzlich seine Position auf dem Schachbrett verbessern. Vielleicht einige Trainingslager angreifen und eine Reihe anderer Probleme beseitigen.»
Im Falle eines Angriffs, so die Aussage des Beraters des Pentagons, beabsichtige die Air Force, viele hundert Ziele im Iran anzugreifen, aber «neunundneunzig Prozent davon haben nichts mit der Verbreitung von Atomwaffen zu tun haben. Es gibt Leute, die glauben, das sei der Weg, wie vorzugehen sei» ? die Administration könne ihr politisches Ziel im Iran mit Bombardierungen erreichen, eine Idee, die von Neokonservativen unterstützt worden ist.
Das Muster Balkan: ethnische Unruhen aufbauen
Sollte der Befehl zum Angriff kommen, wären die amerikanischen Kampftruppen, die gegenwärtig im Iran operieren, in Stellung, um wichtige Ziele mit Laserstrahlen zu markieren, um die Zielgenauigkeit der Bomben zu erhöhen und zivile Verluste zu minimieren. Vom Regierungsberater mit engen Verbindungen zu zivilen Mitarbeitern des Pentagons wurde mir berichtet, dass die Einheiten zudem seit Anfang des Winters mit Minderheitsgruppen im Iran, wie den Aserbaidschanischsprachigen im Norden, den Belutschen im Südosten und den Kurden im Nordosten, arbeiten. Die Truppen «studieren das Terrain, laufen herum und verschenken ethnischen Stämmen Geld und rekrutieren Führer von örtlichen Stämmen und Schafhirten», erzählte der Berater. Eines der Ziele ist «Augen auf dem Boden» zu erhalten, sagte er unter Zitierung einer Zeile aus Shakespeares «Othello»: «Gib mir den sichtbaren Beweis.» Das weitere Ziel, so der Berater, sei «das Fördern ethnischer Spannungen» und das Unterminieren des Regimes.
Am Kongress vorbei: Rumsfeld baut verdeckte Aktivitäten eigenmächtig aus
Diese neue Aufgabe für Kampftruppen ist ein Produkt des seit langem bestehenden Interesses von Verteidigungsminister Rumsfeld an der Ausweitung der Rolle des Militärs auf verdeckte Operationen; es wurde durch das im Februar publizierte Quadrennial Defense Review des Pentagons zur offiziellen Politik. Würden solche Aktivitäten von CIA-Agenten ausgeführt, erforderten sie eine Stellungnahme des Präsidenten und müssten wichtigen Mitgliedern des Kongresses berichtet werden.
«Schutz der Truppe [force protection] lautet das neue Modewort», erläuterte mir der ehemalige höhere Beamte des Geheimdienstes. Er bezog sich auf die Position des Pentagon, wonach verdeckte Aktivitäten, die im weitesten Sinne als Vorbereitung des Schlachtfeldes oder Schutz der Kampftruppen klassifiziert werden können, militärische und nicht geheimdienstliche Operationen seien und daher nicht der Überwachung durch den Kongress unterlägen. «Die Kerle von den Joint Chiefs of Staff sagen, es gebe eine ganze Reihe von Unsicherheiten im Iran», erklärte er. «Wir brauchen mehr, als wir im Irak hatten. Jetzt haben wir grünes Licht, alles zu tun, was wir wollen.»
Bushs politisches Iran-Bild
Das tiefe Misstrauen des Präsidenten gegenüber Achmadinedschad hat seine Entschlossenheit zur Konfrontation mit dem Iran erhöht. Diese Sicht wurde durch Behauptungen unterstützt, Achmadinedschad, der 1986 Mitglied einer Spezialeinheit der Revolutionsgarden geworden war, könnte in den späten 1980er Jahren an terroristischen Aktivitäten beteiligt gewesen sein. (Die offizielle Biographie Achmadinedschads weist in diesem Zeitabschnitt Lücken auf.) Achmadinedschad soll mit Imad Mughniyeh in Verbindung gestanden haben, einem Terroristen, der 1983 in die tödlichen Bombenanschläge auf die US-Botschaft und die Kaserne der US-Marine in Beirut verwickelt war. Mughniyeh war damals Sicherheitschef der Hizbollah. Er steht immer noch auf der Liste der meistgesuchten Terroristen des FBI.
Robert Baer, der zwei Jahrzehnte lang CIA-Offizier im Nahen Osten und anderswo war, berichtete mir, dass Achmadinedschad und seine Kollegen von den revolutionären Garden in der iranischen Regierung «in der Lage sind, eine Bombe herzustellen, sie zu verstecken und sie auf Israel abzuschiessen. Das sind apokalyptische Schiiten. Wenn man in Tel Aviv sitzt und glaubt, dass sie Atomwaffen und Raketen haben, dann muss man sie ausschalten. Diese Kerle sind Verrückte, und es gibt keinen Grund zurückzuweichen.»
Unter Achmadinedschad haben die revolutionären Garden ihre Machtbasis in der gesamten iranischen Bürokratie verstärkt. Bis Ende Januar hatten sie Tausende von zivilen Angestellten durch ihre eigenen Mitglieder ersetzt. Ein ehemaliger hochrangiger Beamter der Vereinten Nationen, der über grosse Erfahrung mit dem Iran verfügt, schilderte den Wechsel als einen «stillen Staatsstreich» mit unheilvollen Auswirkungen für den Westen. «Professionelle Angehörige des Aussenministeriums sind draussen, andere warten darauf, hinausgeworfen zu werden», sagte er. «Es könnte sein, dass wir zu spät kommen. Diese Kerle glauben nun, sie seien stärker als jemals seit der Revolution.» Er meinte, insbesondere angesichts des Anwachsens von China zur Supermacht sei die Haltung des Iran: «Zur Hölle mit dem Westen. Man kann machen, was man will.»
Viele Experten gehen davon aus, dass Irans oberster religiöser Führer, Ayatollah Khamenei, in einer stärkeren Position sei als Achmadinedschad. «Achmadinedschad hat nicht die Kontrolle», erklärte mir ein europäischer Diplomat. «Die Machtverhältnisse im Iran sind diffus. Die revolutionären Garden gehören zu den hauptsächlichen Befürwortern des Atomprogramms, aber letztlich glaube ich nicht, dass sie die Kontrolle darüber ausüben. Das letzte Wort zum Atomprogramm hat der oberste Führer, und ohne seine Zustimmung werden die Garden nichts unternehmen.»
Der Berater des Pentagons für den Krieg gegen den Terrorismus wies darauf hin, dass «eine Erlaubnis für den Iran, über die Bombe zu verfügen, nicht in Frage kommt. Wir können es nicht dulden, dass Atomwaffen in einem Terrornetzwerk verteilt werden. Das ist einfach zu gefährlich.» Er fügte hinzu: «Die ganze interne Debatte dreht sich um die Frage, welcher Weg einzuschlagen ist», um das Programm des Iran zu stoppen. Es ist möglich, meinte der Berater, dass der Iran seine Atompläne einseitig widerrufen und damit einem Eingreifen der Amerikaner zuvorkommen wird. «Es mag sein, dass Gott uns zulächelt, aber ich glaube nicht daran. Fest steht, dass der Iran keine Atommacht werden kann. Das Problem besteht darin, dass die Iraner wissen, dass sie sich gegen die USA nur verteidigen können, indem sie eine Atommacht werden. Irgend etwas Schlimmes wird passieren.»
Acht bis zehn Jahre Zeit für eine politische Lösung
Während fast niemand die nuklearen Ambitionen des Iran anzweifelt, wird eine intensive Debatte darüber geführt, wie schnell der Iran über die Bombe verfügen wird und was man diesbezüglich unternehmen kann. Robert Gallucci, ein ehemaliger Experte der Regierung für die Verhinderung der Verbreitung von Atomwaffen und heute Rektor der School of Foreign Service in Georgetown, hat mir gegenüber geäussert: «Gestützt auf das, was ich weiss, ist der Iran 8 bis 10 Jahre davon entfernt», eine einsatzfähige Atomwaffe zu entwickeln. Gallucci fuhr fort: «Wenn sie ein geheimes Atomprogramm hätten und wir könnten das beweisen und könnten es nicht durch Verhandlungen, Diplomatie oder die Drohung mit Sanktionen stoppen, wäre ich dafür, es auszuschalten. Aber wenn man das tut» - den Iran bombardieren - «ohne das Vorhandensein eines geheimen Programms beweisen zu können, ist man in Schwierigkeiten.»
Meir Dagan, der Kopf des Mossad, Israels Geheimdienst, berichtet der Knesset im vergangenen Dezember, dass «der Iran höchstens 1 oder 2 Jahre davon entfernt ist, angereichertes Uran zu besitzen. Von dem Punkt an ist die Fertigstellung ihrer Atomwaffe bloss noch eine technische Angelegenheit.» Während einer Unterhaltung mit mir sprach ein hochrangiger israelischer Geheimdienstoffizier über das, was er das iranische Doppelspiel nannte: «Es gibt zwei parallele Nuklearprogramme» im Iran ? das Programm, das gegenüber der IAEA angegeben wird, und eine davon getrennte Operation, die vom Militär und den revolutionären Garden betrieben wird. Israelische Offizielle haben dieses Argument wiederholt vorgebracht, aber Israel hat der Öffentlichkeit keine Beweise dafür vorgelegt. Richard Armitage, stellvertretender Aussenminister während Bushs erster Amtszeit, äusserte mir gegenüber: «Ich denke, der Iran hat ein geheimes Atomwaffenprogramm ? ich glaube es, aber ich weiss es nicht.»
In den vergangenen Monaten hat die pakistanische Regierung den USA neu Zugang zu A. Q. Khan verschafft, dem sogenannten Vater der pakistanischen Atombombe. Khan, der derzeit unter Hausarrest in Islamabad lebt, wird beschuldigt, einen Schwarzmarkt für nukleare Materialien geschaffen zu haben. Er hat in den späten 1980er Jahren zumindest einen geheimen Besuch in Teheran gemacht. Während der letzten Befragungen hat Khan Informationen über die Konstruktion der iranischen Waffen und über den Zeitplan für die Herstellung einer Bombe zur Verfügung gestellt. «Die Darstellung zeigt eine ?unzweifelhafte Gefahr?», sagte der frühere Beamte des Geheimdienstes. (Der Berater des Pentagon bestätigte ebenfalls, Khan habe «gesungen wie ein Kanarienvogel».) Es bestehen jedoch Bedenken, sagte der frühere hochrangige Beamte, weil «Khan ein Glaubwürdigkeitsproblem hat. Er ist beeinflussbar, und er erzählt den Neokonservativen, was sie hören wollen» ? oder was Pakistans Präsident Pervez Muscharraf nützlich sein könnte, der unter Druck steht, Washington im Krieg gegen den Terrorismus zu unterstützen.
«Ich denke, Khan macht uns etwas vor», bemerkte der frühere Beamte des Geheimdienstes. «Ich kenne niemanden, der sagt: Hier ist der rauchende Colt. Aber Lampen beginnen zu blinken. Er liefert uns Informationen zum Zeitablauf, und Zielinformationen erhalten wir von unseren eigenen Quellen den Messgeräten und den verdeckten Teams. Die CIA, die sich bei den irakischen Massenvernichtungswaffen so sehr die Finger verbrannt hat, geht zum Pentagon und zum Büro des Vizepräsidenten und sagt: Das ist alles neues Material. Die Leute in der Administration sagen: Wir haben genug.»
Parallelen zum Vorgehen gegen den Irak
Die Anschuldigungen der Administration gegen den Iran sind dadurch kompromittiert, dass sie in der Vergangenheit unwahre Geheimdienstinformationen über das irakische Massenvernichtungswaffen-Programm vorangetrieben hat. In einem kürzlich auf der Foreign Policy Website erschienenen Essay mit dem Titel «Fool me twice» [«Halt mich zweimal zum Narren»] schrieb Joseph Cirincione, der Direktor für die Nichtverbreitung von Atomwaffen am Carnegie Endowment for International Peace (Carnegie Stiftung für Internationalen Frieden): «Die derzeit sichtbar werdende Strategie der Administration scheint der Versuch zu sein, ihre erfolgreiche Kampagne für den Irak-Krieg zu wiederholen.» Er stellte verschiedene Parallelen fest:
«Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten hält eine wichtige Rede, die sich mit der Bedrohung befasst, die von einem ölreichen Land im Nahen Osten ausgeht. Der US-Aussenminister erzählt dem Kongress, dass dieselbe Nation die ernsthafteste globale Herausforderung für uns darstellt. Der Verteidigungsminister nennt diese Nation den führenden Unterstützer des weltweiten Terrorismus.»
Cirincione nannte einige der Behauptungen der Administration über den Iran «fragwürdig» oder unbewiesen. Als ich mit ihm sprach, fragte er: «Was wissen wir? Worin besteht die Bedrohung? Die Frage ist: Wie dringlich ist das alles?» Die Antwort, sagte er, »liegt bei den Geheimdiensten und der IAEA». (Im August berichtete die «Washington Post», der neueste und umfassendste National Intelligence Estimate habe prognostiziert, dass der Iran ein Jahrzehnt davon entfernt sei, eine Atommacht zu werden.)
Ähnlich faule Tricks
Letztes Jahr informierte die Bush-Administration die IAEA über ihrer Meinung nach neue und alarmierende Informationen bezüglich des iranischen Waffenprogramms, die vom Laptop eines Iraners heruntergeholt worden seien. Die neuen Daten enthielten unter anderem mehr als tausend Seiten an technischen Zeichnungen von Waffensystemen. Die «Washington Post» berichtete, darunter seien auch Entwürfe einer kleinen Einrichtung gewesen, die im Urananreicherungsprozess eingesetzt werden könnte. Durchsickernde Informationen über diesen Laptop wurden zum Schwerpunkt der Geschichten in der «Times» und anderswo. In den Berichten war man im allgemeinen bedacht, darauf hinzuweisen, dass die Materialien auch erfunden sein könnten, aber man zitierte auch hochrangige amerikanische Beamte, die äusserten, sie seien anscheinend echt. Die Schlagzeile über dem Bericht in der «Times» lautete: «Gestützt auf einen Computer versuchen die USA, die nuklearen Ziele des Iran nachzuweisen.»
In Interviews mit amerikanischen und europäischen Geheimdienstbeamten erfuhr ich jedoch, dass der Laptop suspekter und weniger aufschlussreich war, als man ihn beschrieben hatte. Der Iraner, dem der Laptop gehörte, war ursprünglich von deutschen und amerikanischen Geheimdienstagenten gemeinsam angeworben worden. Die Amerikaner verloren schliesslich das Interesse an ihm. Die Deutschen machten weiter, aber der Iraner wurde von der iranischen Spionageabwehr gefasst. Sein heutiger Aufenthalt ist unbekannt. Einigen Familienmitgliedern gelang es, den Iran mit dessen Laptop zu verlassen, und sie übergaben ihn einer US-Botschaft, anscheinend in Europa. Er ist uns gewissermassen in den Schoss gefallen.
Ein europäischer Geheimdienstbeamter berichtet: «Es gab einige Zurückhaltung auf unserer Seite» im Hinblick darauf, was die Materialien wirklich beweisen, «und wir sind noch immer nicht überzeugt». Die Zeichnungen waren nicht so akribisch, wie Zeitungsberichte nahelegten, «sondern hatten den Charakter von Skizzen», erklärte der europäische Beamte. «Das war kein einschlägiger rauchender Colt.»
Keine Spur eines Beweises
Die Bedrohung durch amerikanische Kriegshandlungen hat im Hauptquartier der IAEA in Wien Bestürzung hervorgerufen. Die Beamten der Agentur glauben, dass der Iran sich in die Lage versetzen will, eine Atomwaffe herzustellen, aber «niemand hat auch nur das kleinste Stückchen [inch] eines Beweises für ein paralleles Atomwaffenprogramm im Iran präsentiert», sagte mir der hochrangige Diplomat. Die verlässlichste Einschätzung der IAEA besagt, dass die Iraner 5 Jahre vom Bau einer Atombombe entfernt sind. «Aber wenn die Vereinigten Staaten irgend etwas militärisch unternehmen, wird die Entwicklung der Bombe zu einer Frage des iranischen Nationalstolzes», sagte der Diplomat. «Die ganze Frage dreht sich darum, wie Amerika das Risiko zukünftiger Absichten des Iran einschätzt, und sie trauen dem Regime nicht. Der Iran ist eine Bedrohung für die amerikanische Politik.»
In Wien erfuhr ich von einem Treffen, das Anfang dieses Jahres in äusserst gereizter Atmosphäre zwischen Mohamed El-Baradei, dem Generaldirektor der IAEA, der letztes Jahr den Friedensnobelpreis gewonnen hatte, und Robert Joseph, dem Staatssekretär für Rüstungskontrolle, stattfand. -Josephs Botschaft war unverblümt, erinnert sich ein Diplomat: «Wir werden keine einzige arbeitende Zentrifuge im Iran dulden. Der Iran stellt eine direkte Bedrohung der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Alliierten dar, und wir werden das nicht tolerieren. Wir wollen, dass Sie mit uns übereinkommen, dass Sie öffentlich nichts sagen, was unsere Position unterläuft.»
Josephs Plumpheit war unnötig, so der Diplomat, weil die IAEA ohnehin schon zu einer harten Haltung gegenüber dem Iran neigte. «Alle Inspektoren sind ärgerlich darüber, von den Iranern in die Irre geführt worden zu sein, und einige halten die iranische Führung für Spinner ? für hundertprozentige, völlig unzurechnungsfähige Verrückte», erzählte der Diplomat. Er fügte hinzu, El-Baradeis Hauptsorge sei, dass die iranischen Führer «die Konfrontation wollen, ebenso wie die Neokons auf der anderen Seite» in Washington. «Letztlich wird es nur eine Lösung geben, falls sich die Vereinigten Staaten damit einverstanden erklären, mit den Iranern zu reden.»
Bush betreibt Sackgassen-Politik
Die zentrale Frage ? ob der Iran in der Lage sein wird, seine Pläne zur Anreicherung von Uran weiterzuverfolgen ? liegt jetzt bei den Vereinten Nationen, wo die Russen und die Chinesen der Verhängung von Sanktionen gegen Teheran unwillig gegenüberstehen. Ein entmutigter früherer Beamter der IAEA äusserte mir gegenüber Ende März, derzeit «gibt es nichts, was die Iraner tun könnten, was zu einem positiven Ausgang führen würde. Die amerikanische Diplomatie lässt das nicht zu. Selbst wenn sie einen Stopp der Anreicherung erklären würden, würde ihnen niemand glauben. Es ist eine Sackgasse.»
Ein anderer Diplomat in Wien fragte mich: «Warum sollte der Westen das Risiko auf sich nehmen, gegen ein derartiges Ziel Krieg zu führen, ohne es vorher der IAEA zur Überprüfung zu übergeben? Wir kosten nicht viel, und wir können ein Programm entwickeln, das den Iran zwingt, seine Karten auf den Tisch zu legen.» Ein westlicher Botschafter in Wien brachte ähnliche Sorgen über die Absage des Weissen Hauses an die IAEA zum Ausdruck. Er sagte: «Wenn man nicht daran glaubt, dass die IAEA ein Überwachungssystem etablieren kann, wenn man denen nicht traut, kann man nur noch bombardieren.»
Die IAEA geniesst in der Bush-Administration und bei deren europäischen Alliierten wenig Sympathie. «Wir sind ziemlich frustriert über den Generaldirektor», berichtete mir der europäische Diplomat. «Sein Ansatz ist im wesentlichen, dies als einen Disput zwischen zwei Seiten von gleichwertiger Bedeutung darzustellen. Das ist es nicht. Wir sind die Guten! El-Baradei hat die Idee propagiert, dem Iran ein kleines nukleares Anreicherungsprogramm zuzugestehen, das ist lachhaft. Es ist nicht seine Aufgabe, Ideen zu propagieren, die das ernsthafte Risiko der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen beinhalten.»
Entschiedene Stellungnahme der Alliierten erforderlich!
Die Europäer sind allerdings etwas aus dem Konzept geraten durch die zunehmende Erkenntnis, dass Präsident Bush und Vizepräsident Dick Cheney glauben, Bombenangriffe seien notwendig, und dass deren Ziel ein Regimewechsel ist. «In der Frage der iranischen Bombe sind sich alle einig, aber die Vereinigten Staaten wollen einen Regimewechsel», sagte mir ein europäischer diplomatischer Berater und fügte an: «Die Europäer können eine Rolle spielen, solange sie nicht wählen müssen, ob sie mit den Russen und den Chinesen einerseits oder mit Washington andererseits gemeinsame Sache bei etwas machen, das sie gar nicht wollen. Ihre Politik besteht darin, die Amerikaner in etwas einzubinden, mit dem die Europäer leben können. Vielleicht ist es unhaltbar.»
«Die Briten halten es für eine sehr schlechte Idee», sagte mir Flynt Leverett, ehemaliges Mitglied des nationalen Sicherheitsrates und heute leitendes Mitglied am Saban Center der Brookings Institution, «aber sie machen sich wirklich Sorgen, dass wir es tun werden». Der europäische diplomatische Berater räumte ein, dass das britische Aussenministerium Kenntnis von Washingtons Kriegsplänen hat, dass es aber «ohne einen rauchenden Colt sehr schwierig sein wird, die Europäer gegen den Iran auf Linie zu bringen.» Er erzählte, dass die Briten «nervös sind angesichts dessen, dass die Amerikaner mit voller Geschwindigkeit und ohne Kompromiss auf die Iraner losgehen».
Der europäische Diplomat bemerkte, er sei angesichts des früheren Verhaltens des Iran skeptisch, dass der Iran alles offengelegt habe, was er tue, aber «beim besten Wissen sind die Möglichkeiten des Iran noch nicht an einem Punkt, an dem er mit Erfolg Zentrifugen betreiben könne», um Uran in grösseren Mengen anzureichern. Ein Argument dafür, diplomatisch vorzugehen, sei Irans grundlegender Pragmatismus. «Das Regime handelt in Wahrung seiner eigenen Interessen», sagte er. Irans Führer «nehmen in der Nuklearfrage eine harte Position ein, und sie wollen es mit den Amerikanern darauf ankommen lassen», weil sie glauben, «je härter sie auftreten, um so eher werde der Westen nachgeben». Aber, sagte er, «unsere frühere Erfahrung mit dem Iran hat uns gezeigt, dass sie sehr zuversichtlich auftreten bis zu dem Moment, an dem sie den Rückzug antreten».
Der Diplomat fuhr fort: «Man belohnt niemals schlechtes Benehmen, und dies ist nicht der Zeitpunkt, um Konzessionen anzubieten. Wir müssen einen Weg finden, ihnen hinreichend Kosten aufzuerlegen, um das Regime zur Vernunft zu bringen. Es wird eng werden, aber ich denke, wenn wir uns in der Opposition einig sind und der Preis hoch genug wird» - in Form von Sanktionen - «könnte es sein, dass sie nachgeben. Es ist zu früh, den Weg der Uno aufzugeben.» Und er fügte hinzu: «Wenn das diplomatische Vorgehen nicht geht, gibt es keine militärische Lösung. Es mag eine militärische Option geben, aber die Auswirkungen wären katastrophal.»
Im Jahr vor der Irak-Invasion 2003 war der britische Premierminister Tony Blair George Bushs verlässlichster Verbündeter. Aber er und seine Partei sind von einer Serie von Finanzskandalen geschwächt, und seine Popularität ist an einem Tiefpunkt. Jack Straw, der Aussenminister, sagte letztes Jahr, eine Militäraktion gegen den Iran sei «undenkbar». Blair war vorsichtiger und äusserte öffentlich, man sollte Optionen nie völlig ausschliessen.
Andere europäische Offizielle äusserten sich ähnlich skeptisch über den Wert amerikanischer Bombenangriffe. «Die iranische Wirtschaft ist in einer schlechten Verfassung, und Achmadinedschad ist politisch ebenfalls in schlechter Verfassung», sagte mir der europäische Beamte des Geheimdienstes. «Er wird von amerikanischen Bombardements politisch profitieren. Man kann das machen, aber die Folgen werden schlimmer sein.» Ein amerikanischer Angriff würde die durchschnittlichen Iraner entfremden, auch diejenigen, die den USA vielleicht freundlich gesinnt sind. «Der Iran lebt nicht mehr in der Steinzeit, die jungen Leute dort haben Zugang zu Filmen und Büchern aus den USA, und sie lieben das», sagte er. «Würden wir gegen den Iran eine Offensive des Charmes führen, kämen die Mullahs langfristig in Schwierigkeiten.»
Ein weiterer europäischer Offizieller sagte mir, er sei sich bewusst, dass viele in Wa-shington Aktionen sehen wollen. «Es sind immer dieselben Leute», sagte er mit einem resignierenden Achselzucken. «Man glaubt dort, dass Diplomatie zum Scheitern verurteilt sei. Die Zeit ist knapp.»
Amerikanische oder israelische Interessen?
Ein Hauptverbündeter mit einer gewichtigen Stimme in der Debatte ist Israel, dessen Führung seit Jahren gewarnt hat, sie betrachte jeden Versuch des Iran, mit der Anreicherung von Uran zu beginnen, als Point of no Return, als Punkt, an dem es kein Zurück mehr gebe. Verschiedene Beamte haben mir mitgeteilt, ein Faktor bei der Entscheidung zum Beginn der gegenwärtigen operationalen Planungen sei das Interesse des Weissen Hauses, einen israelischen Angriff auf ein islamisches Land zu verhindern, der eine Gegenreaktion in der Region heraufbeschwören könnte. In einer Rede am 20. März in Cleveland beschrieb Präsident Bush Achmadinedschads Feindschaft gegenüber Israel als eine «ernsthafte Bedrohung. Es ist eine Bedrohung des Weltfriedens.» Er fügte hinzu: «Ich habe es bereits klargestellt und ich stelle nochmals klar, dass wir militärische Gewalt brauchen werden, um unseren Verbündeten Israel zu beschützen.»
Jeder amerikanische Bombenangriff, so erklärte mir Richard Armitage, müsste die folgenden Fragen berücksichtigen: «Was wird in den anderen islamischen Ländern geschehen? Welche Fähigkeit hat der Iran, uns global zu erreichen und zu verletzen, das heisst, durch Terrorismus? Werden Syrien und Libanon den Druck auf Israel erhöhen? Wie wirkt sich der Angriff auf unseren bereits beschädigten internationalen Ruf aus? Und was bedeutet das für Russland, China und den Uno-Sicherheitsrat?»
Geht es um Erdöl oder um pure Macht?
Der Iran, der heute fast vier Millionen Barrel Öl pro Tag produziert, müsste nicht einmal seine Produktion aussetzen, um die Ölmärkte der Welt zu stören. Er könnte die Strasse von Hormuz blockieren oder verminen, jene 34 Meilen breite Passage, durch die das Öl des Mittleren Ostens den Indischen Ozean erreicht. Nichtsdestotrotz tat der kürzlich pensionierte Beamte des Verteidigungsministeriums die strategische Bedeutung derartiger Aktionen ab. Er sagte mir, die US-Navy könne die Strasse für die Schiffahrt offenhalten, indem sie Bergungsmanöver durchführe und Minenräumer einsetze. «Es ist unmöglich, die Durchfahrt zu blockieren», sagte er. Auch der Regierungsberater mit Verbindungen zum Pentagon sagte, er glaube, das Ölproblem lasse sich bewältigen, und verwies darauf, dass die USA über genügend strategische Reserven verfügte, um Amerika während sechzig Tagen am Laufen zu halten. Diejenigen aus der Ölindustrie, mit denen ich gesprochen habe, waren allerdings weniger optimistisch. Ein Industrie-experte schätzte, dass der Preis pro Barrel sich sofort auf einen Wert zwischen 90 und 100 Dollar festsetzen würde und - je nach Dauer und Verlauf des Konfliktes - sogar noch weiter steigen könnte.
Michel Samaha, ein altgedienter christlicher Politiker des Libanon und ehemaliger Minister im Kabinett in Beirut, hat mir mitgeteilt, dass die iranische Vergeltung sich auf exponierte Öl- und Gasfelder in Saudi Arabien, Katar, Kuweit und den Vereinigten Arabischen Emiraten konzentrieren könnte. «Die wären in Gefahr», sagte er, «und damit könnte der wirkliche Djihad des Iran gegen den Westen beginnen. Wir werden eine chaotische Welt haben.»
Mit Hilfe der Hizbollah könnte der Iran auch eine Welle von Terrorangriffen im Irak und sonst wo initiieren. Am 2. April berichtete die «Washington Post», dass die Planung dafür, wie solchen Angriffen begegnet werden könne, bei den Geheimdiensten der USA «eine Menge Zeit verschlingt». «Das stärkste Terrornetzwerk der Welt hat sich im Terrorkrieg der letzten paar Jahre neutral verhalten», sagte der Berater des Pentagons über die Hizbollah. «Dies wird sie mobilisieren und wird uns mit der Gruppe konfrontieren, die Israel aus dem Südlibanon vertrieben hat. Wenn wir gegen den Iran vorgehen, wird die Hizbollah nicht abseits stehenbleiben. Wenn die Israeli sie nicht ausschalten, werden sie gegen uns mobilmachen.» (Von mir zu dieser Möglichkeit befragt, antwortete der Regierungsberater, falls die Hizbollah Raketen auf Nordisrael abfeuern sollte, «werden Israel und die neue libanesische Regierung sie fertigmachen».)
Der Berater fuhr fort: «Wenn wir den Iran angreifen, wird die südliche Hälfte des Irak brennen wie eine Kerze.» Die amerikanischen, britischen und anderen Koalitionsstreitkräfte wären einem grösseren Risiko von Angriffen durch iranische Truppen oder schiitische Milizen ausgesetzt, die auf Befehle aus dem Iran hin operieren. (Der Iran, der überwiegend schiitisch ist, unterhält enge Verbindungen zu den führenden schiitischen Parteien im Irak.) Ein pensionierter Vier-Sterne-General äusserte mir gegenüber, ungeachtet der 8000 britischen Soldaten in der Region «könnten die Iraner Basra mit 10 Mullahs und einem Lautsprecherwagen einnehmen».
«Wenn man den Iran angreift», sagte mir der hochrangige Diplomat in Wien, «wird Achmadinedschad der neue Saddam Hussein der arabischen Welt sein, allerdings mit mehr Glaubwürdigkeit und mehr Macht. Sie müssen in den sauren Apfel beissen und sich mit den Iranern zusammensetzen.»
Der Diplomat fuhr fort: «Es gibt Leute in Washington, die unglücklich wären, wenn wir eine Lösung finden würden. Sie setzen immer noch auf Isolation und Regimewechsel. Das ist Wunschdenken.» Er fügte hinzu: «Der günstige Zeitpunkt [für eine Lösung] ist jetzt.»
Im Original veröffentlicht in The New Yorker vom 17. April 2006. © by Seymour Hersh. Um weitere Artikel des New Yorker einsehen zu können, nutzen Sie bitte die Website www.newyorker.com. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. (Übersetzung Zeit-Fragen)
1 Im Sinne von: Das ist keine kleine Sache. Eine Anspielung auf den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, im Zuge dessen General Washington und der Continental Congress glaubten, mit einer Invasion in Kanada die französisch-kanadische Bevölkerung zum Anschluss an die amerikanische Revolution zu veranlassen und den Briten die Stützpunkte in Kanada entziehen zu können. Beim Versuch, Quebec einzunehmen, erlitt die amerikanische Kontinental-armee unter den Generälen Montgomery und Arnold eine ernüchternde Niederlage und musste sich ergeben. In der Folge brachen die Amerikaner die Belagerung Quebecs ab und zogen sich schliesslich ganz aus Kanada zurück. Die amerikanische Niederlage bei Quebec war ein entscheidender Faktor dafür, dass Kanada britisch blieb und kein Teil der USA wurde. Im Rahmen des Ganzen und im Vergleich mit einem Krieg gegen den Iran kam der damaligen Invasion jedoch keine grössere Bedeutung zu.
Ein mutiger Journalist
ef. Seymour Myron Hersh wurde 1937 in Chicago geboren und ist einer der renommiertesten amerikanischen Journalisten. Er publiziert als freier Mitarbeiter in The New Yorker und ist Autor zahlreicher Bücher.
Nach seinem Abschluss als Historiker arbeitete er zunächst als Polizeireporter; während seines Militärdienstes arbeitete er als Information Officer in Fort Riley, Kansas. Seit 1966 ist er als Pentagon-Korrespondent in Washington tätig.
Bereits in den 60er Jahren deckte er auf, dass die US-Army im Ausland Giftgas lagerte. Mit seiner Aufdeckung des Massakers von My Lai im Jahr 1968 und seiner anschliessenden detaillierten Berichterstattung trägt er zum endgültigen Stimmungsumschwung in Amerika gegen den Vietnam-Krieg bei. Für seine Arbeit erhält er den Pulitzerpreis für internationale Berichterstattung.
In den 70er Jahren beschäftigte er sich mit den geheimen Bombardierungen Kambodschas und der Rolle des CIA beim Putsch in Chile. Auch die Bespitzelung von Vietnam-Kriegs-Gegnern durch die CIA im Inneren wurden von ihm aufgedeckt. Seine Recherchen zur Watergate-Affäre führten mit zum Sturz von Präsident Nixon.
Von ihm erfuhr die Weltöffentlichkeit von der amerikanischen Unterstützung von Atomprogrammen in Israel und Pakistan. In jüngster Zeit berichtete er über die Massen-exekution von etwa 5000 gefangenen Taliban in Afghanistan und den Folter-Skandal in Abu-Ghraib. Im April 2005 erhält er den Leipziger Medienpreis «für die Sicherung und Entwicklung der Pressefreiheit und für die Risikobereitschaft, Beharrlichkeit und den Mut». Seymour Hersh lebt und arbeitet in Wash-ington DC.
Zu seinen Veröffentlichungen gehören:
- My Lay 4: A Report on the Massacre and Ist Aftermath. Random House, 1970 (ISBN 0394437373)
- Samson Option: Israel, America and the Bomb. Diane Pub Co, 1991; Faber and Faber 1993 (ISBN 0571168191)
- Die Befehlskette. Vom 11. September bis Abu Ghraib. Rowohlt, Reinbek 2004 (ISBN 3-498029819)
- Scott Ritter, Seymour Hersh: Iraq Confidential: The Untold Story of the Intelligence Conspiracy to Undermine the UN and Overthrow Saddam Hussein. Nation Books, 2005 (ISBN 1-56025-852-7)