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Nanotechnologie ? die Büchse der Pandora

von Katrin Schauberger, Schweiz

Seit einiger Zeit werden Nanoputzmittel für den Haushalt angepriesen: «Nie mehr putzen dank Nanotechnologie», «Mit Nano etwas für die Umwelt tun», «Weniger Putzmittel dank Nanotechnologie». Die Hersteller versprechen eine putzfreie Zukunft, ohne auf die grossen Risiken und unerwünschten Nebenwirkungen dieser Produkte hinzuweisen. Diese sind aber sehr gefährlich.
Letztes Jahr mussten die Putzmittel «Magic Nano Glas- und Keramik-Versieg­ler» und «Magic Nano Bad und WC-Versiegler» sofort aus den Verkaufsregalen geräumt werden, nachdem bei über 100 Anwendern dieser Mittel Vergiftungsfälle, Fälle schwerer Atemnot, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und sogar Lungenödeme aufgetreten waren.1
Mit mikroskopisch kleinen Nanoteilen (Nano, griech.: Zwerg) versiegeln diese Produkte die Oberfläche von Lavabos, Böden, Autos usw. Laut Hersteller perlt der Schmutz ab und eine spätere Reinigung wird überflüssig. Mit diesen und anderen Argumenten versucht die Industrie ihre Produkte an den Mann bzw. an die Frau zu bringen.
Anerkannte Forscher hingegen halten die Nanotechnologie für ein immenses Risiko und warnen vor den Folgen, die heute noch nicht abgeschätzt werden können.
Nanopartikel können, weil sie künstlich verkleinert wurden, leichter vom Körper aufgenommen werden, in Zellen, Gewebe und Organe eindringen und dort grosse Schäden hervorrufen: «je kleiner desto schädlicher».2
«Grösste Gefahr ist vor allem dann geboten, wenn Nanopartikel über die Haut oder die Lunge aufgenommen werden können, also etwa bei Sprays oder Putzmitteln», warnt Harald Krug, Professor am Forschungszentrum Karlsruhe.3 Ist das Nanomaterial erst einmal (zum Beispiel durch Einatmen) in der Blutbahn, kann es durch den gesamten Körper transportiert werden und von Organen und Geweben aufgenommen werden. Nanopartikel dringen in die Zellen ein, können aber dort nicht abgebaut oder abgesondert werden.
In einem Versuch an der Universität Rochester liess man Ratten Nanopartikel einatmen. Es konnte nachgewiesen werden, dass sich diese Teilchen bereits einen Tag später im Gehirn abgelagert hatten, d. h., dass sie problemlos die Blut-Hirn-Schranke überwinden. «In Anbetracht der Tatsache, dass Nanopartikel demnach kaum durch Gewebeschranken aufgehalten werden, dürfte auch der Zugang zu einem ungeborenen Lebewesen über die Plazentaschranke möglich sein.»4 Nanopartikel sind nachweislich giftig und verursachen Veränderungen der DNA, also der Erbsubstanz, Störungen der Funktion des menschlichen Zellkerns oder sogar den Zelltod.5
Nicht von ungefähr stuft deshalb die Swiss Re, eine der weltweit grössten Rückversicherer, die Nanotechnologie als eines der bedrohlichsten Risiken für die Menschheit ein: «Im Laufe der gesamten Evolution war die Menschheit noch nie einer solchen Art und Menge von Substanzen ausgesetzt, die ? offenbar ungehindert ? in den menschlichen Körper eindringen können.»6 Was diese Nanopartikel in Natur und Tierwelt anrichten, lässt sich bisher nur erahnen. Versuche haben gezeigt, dass diese Partikel für den Menschen und die Böden wichtige Bakterien und Mikroorganismen töten. Durch die Nahrungskette werden sie natürlich auch von Tier und Mensch aufgenommen.
Dieses grosse Risikopotential ist kein evolutionärer Vorgang, sondern künstlich gemacht. Wir brauchen keine Nanotechnologie, die die Menschheit und das gesamte Leben auf unserem Planeten bedroht. Jeder Verbraucher ist deshalb aufgerufen, dem «Nanoboom» etwas entgegenzusetzen. Diese bewuss­te Ablehnung beginnt im eigenen Haushalt.
Wie unten gesagt, putzen muss man immer noch selber, und das am besten mit selbstgemachten Putzmitteln, deren Inhalte bekannt und umweltverträglich sind. Das ist einfacher, billiger und umweltschonender.
Allein durch die bewusste Entscheidung für umweltschonende Putzmittel und gegen eine Technologie, die die Natur und alle Organismen schwer schädigt und sogar zerstört, trägt jeder einzelne zur Erhaltung unseres Planeten für die kommenden Generationen bei. Eine umsichtige Planung der gesamten Haushaltspflege gehört dazu. ?

1 www.3sat.de, 1w7.05.06 und www.hl-live.de, 4.4.2006
2 Heike Ehlers, Unter Zwergen, Global News 3/06, S. 18 und Swiss Re, Nanotechnologie, kleine Teile ? grosse Zukunft? 2004, S. 16
3 Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Ortsverband Landeck, Verbraucherrisiko Nanotechnologie, www.bund-landeck.de
4 Swiss Re, a.a.O., S. 22
5 Heike Ehlers, Unter Zwergen, a.a.O. und www.bund-landeck.de
6 Swiss Re, a.a.O., S. 39
 

Putzmittel selbst gemacht

Allzweckreiniger

9 dl Wasser
2 Essl. Soda zusammen erhitzen
1 Essl. feste Schmierseife dazuschwingen
2 Essl. Brennspiritus zugeben
Verwendung: Wie handelsüblicher Allzweckreiniger, kann auch als Spülmittel verwendet werden, wenn sehr gut vorgespült wurde.

Flüssige Schmierseife

9 dl Wasser
1 Zitrone, Schale
3 Essl. Soda zusammen erhitzen
2?3 Essl. feste Schmierseife zugeben, verschwingen, erkalten lassen, in Flasche absieben
Verwendung: Sparsam, wie handelsübliche, flüssige Schmierseife verwenden.

 
Kalkreiniger

1,5 Essl. Zitronensäure
3 dl Wasser umrühren, bis alles gelöst ist
1 Tropfen Abwaschmittel zugeben
in Sprühflasche oder Flasche mit kleiner Öffnung füllen
Verwendung: Wie handelsüblicher Entkalker; je mehr Zitronensäure man zugibt, desto stärker ist der Entkalker.

Schnellreiniger für Fenster oder Spiegel

3 dl Wasser
1 dl Brennspiritus
1 Tropfen Abwaschmittel in Sprühflasche abfüllen, gut schütteln
Verwendung: Wie handelsüblicher Fensterreiniger.

Quellen: Kursunterlagen Kant. Bildungszentrum für Hauswirtschaft, Weinfelden
Hauswirtschaft, Landwirtschaftliche
Lehrmittelzentrale, 1998.