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Soldatinnen X und Y ? gute Schülerinnen Hitlers

Terminal 300 ? Bethlehem

von Brigitta Boeckmann, Ökumenischer Friedensdienst in Palästina und Israel (OEFPI), Bethlehem*

Eigentlich widerstrebt es mir, Schauergeschichten nach Hause zu schicken. Es macht oft einen sensationslüsternen Eindruck, von dem ich mich ausdrücklich distanzieren möchte, aber es passieren hier nun einmal Dinge, bei denen ich einfach nicht schweigen kann und auch nicht sollte, und diese Ereignisse erscheinen leider kaum in den Medien.
Der wichtigste Übergang von Bethlehem nach Jerusalem, der Checkpoint 300, wie er offiziell heisst, bedeutet zwar für alle Einheimischen eine grosse Erschwernis und mitunter ein unüberwindbares Hindernis, besonders betroffen davon allerdings sind vor allem kranke, alte oder behinderte Menschen, Mütter mit Babys und kleinen Kindern, eben all diejenigen, die der Hilfe am meisten bedürfen.
Ich erlebte, dass Patienten mit gültigen Papieren, mit ärztlichem Attest oder mit einer Überweisung in ein Jerusalemer Krankenhaus der Übergang verweigert wurde. Ich erlebte, dass nur den Patienten selbst der Übergang erlaubt wurde, nicht aber dem oder den sie begleitenden Angehörigen.
Ich erlebte, dass aus diesem Grunde Menschen resigniert auf einen Check-up oder eine Behandlung an diesem Tag verzichteten und nach Hause in teilweise weit entfernte Orte zurückkehrten, um es am nächsten Tag noch einmal zu versuchen, in der Hoffnung, dann auf freundlichere Soldaten zu treffen.
Ich machte dabei die Erfahrung, dass es häufig mehr von der Laune der diensthabenden Soldaten abhängt, ob sie durchgelassen werden und wie sich das Prozedere gestaltet. Aber selbst wenn alles ohne zusätzliche Schikanen ablaufen würde, denn dieser Checkpoint ist ohnehin eine nicht zu tolerierende Schikane, bedeutet der Durchgang für die sichtbar Schwerkranken eine unzumutbare Belastung.
Am Montag, dem 25. Juni, erlebte ich morgens gegen sieben Uhr eine besonders unsensible und menschenunwürdige Behandlung: Von Bethlehem aus gesehen am Ende des «Kuhstallgangs», wie ich den mit Eisen umzäunten etwa 100 m langen Aufgang zum Durchlass durch die Trennungsmauer nenne, wartete in dieser Menschenschlange eine sichtbar schwerkranke Frau, schätzungsweise 50 Jahre alt, mit ihrem erwachsenen Sohn auf Einlass. Die Drehtür war wieder einmal zu, wie so oft zwischendurch, wurde aber von dem Soldaten im Schalterhäuschen sofort geöffnet, als ich mich von innen näherte. Die Frau schien gehbehindert, sie schaffte es nur mit Mühe allein durch diese Drehtür, die immer nur eine Person durchlässt, so dass der Sohn ihr nicht helfen konnte. Ich nahm sie in Empfang, stützte und begleitete sie auf ihrem weiteren Weg durch den Terminal.
Diese Frau war auf dem Weg zur stationären Aufnahme in das St. John?s Hospital, einer Augenklinik in Ostjerusalem. Wie der Sohn mir erklärte, litt sie an einem bösartigen Tumor im Kopf. Vielleicht wegen des Tumors, vielleicht hervorgerufen durch die Medikamente, ich weiss es nicht, sie zeigte jedenfalls Lähmungserscheinungen in den Beinen und konnte ausserdem nur mit Mühe sprechen. Vom Sohn und mir gestützt, meisterten wir langsam den Weg über den Hof in das Innere des Terminals, vorbei an und durch die Menschenmassen der dort auf Abfertigung Wartenden hindurch zu dem wiederum durch eine Drehtür abgesperrten kleinen Bereich mit dem Metalldetektordurchgang, dem Laufband mit Röntgengerät für Gepäck usw. Dort aber begann die eigentliche Tortur:
Es piepste, als sie sich da durchquälte, und sie wurde von der Soldatin im mit Panzerglas gesicherten Kabuff per schnarrendem Lautsprecher aufgefordert, wieder zurückzugehen. Der Sohn und sie selbst waren verwirrt, wo war Metall verborgen? Ihre Habseligkeiten für den Krankenhausaufenthalt hatte der Sohn bereits auf das Laufband gelegt. Die Frau entfernte die Sicherheitsnadel, die ihr Kopftuch festhielt und gab sie mir. Doch wiederum piepste es beim Durchgehen. Die Soldatin wurde ungeduldig und brüllte durch den Lautsprecher, der natürlich in der ganzen Halle zu hören war, was die wartenden Männer, die es eilig hatten, pünktlich zu ihrer Arbeit zu kommen, ebenfalls ärgerlich und ungeduldig machte. Wir zogen ihr die Schuhe aus und legten sie auf das Laufband, doch erneut piepste es. Unsicherheit und Verwirrung verstärkten sich, ebenso die Lautstärke der Menschenschlange. Der Sohn wurde unmissverständlich aufgefordert, wieder zurück hinter die Drehtür in die wartende Menge zu gehen. Mein und sein Einwand, dass seine Hilfe bei dieser Prozedur unverzichtbar sei, nützten nichts.
Die wartende Menge in der Halle wurde noch lauter, unruhiger und der Sohn hatte das auszuhalten. Es piepste weiter. Da sah ich die vermeintliche Ursache; es mussten die kleinen Pailletten sein, die als Schmuck am Halsausschnitt und Oberteil ihres traditionellen Kleides aufgestickt waren. Ich wies die Soldatin darauf hin, doch es half nichts. Im Gegenteil, ich selbst sollte zurückgehen. Ich widersetzte mich dickköpfig diesem Befehl, stützte die Kranke weiterhin, nahm mein Mobiltelefon und rief die Humanitarian Hotline an, eine Möglichkeit für uns Beobachter in solchen Fällen oder in anderen unklaren und strittigen Situationen.
Doch auch das nützte nicht viel. Obwohl diese Soldatin, wie ich dann sah, wahrscheinlich einen Anruf von dort bekam, schickte sie diese Frau noch zweimal durch den Metalldetektor mit dem entsprechenden piepsenden Ergebnis, kam dann aus ihrem Kabuff heraus und zwang die Frau doch tatsächlich, ihr Kleid bis zu den Schultern hochzuheben und ihren BH ebenfalls. Da stand sie nun halb nackt in diesem öffentlichen Raum, nur mit ihrer Unterhose bekleidet, schwankend und von mir gehalten.
Meine Gefühle in diesem Augenblick kann ich kaum beschreiben: Entsetzliche Wut packte mich und mixte sich mit Traurigkeit, Scham, Hilflosigkeit. Ich konnte kaum an mich halten, ich hätte schreien, treten, um mich schlagen, am liebsten diese Soldatin ohrfeigen mögen wegen ihres niederträchtigen, unmenschlichen Verhaltens, statt dessen quollen mir nur die Tränen aus den Augen.
Ich liess es geschehen, half beim Ankleiden. Der Sohn kam danach auch, wir gingen weiter durch die nächste und letzte Kontrolle, dem Identitätscheck mit der Abnahme des Fingerabdrucks. Ich begleitete die beiden weiter bis auf die Jerusalemer Seite und brachte sie zum Taxistand. Beim Einsteigen war sie so geschwächt, dass sie ihre Beine kaum noch bewegen konnte, es brauchte vier Männer, um sie ins Taxi zu setzen. Immer noch heulend ging ich zurück und schämte mich meiner Tränen nicht.     ?

*Der Ökumenische Friedensdienst ist ein Programm des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf im Rahmen der Dekade zur Überwindung von Gewalt.

Dringende humanitäre Hilfe im Gaza-Streifen gefordert

In dieser Zeit einer humanitären Katastrophe, die dem Aufruhr im Gaza-Streifen folgte, rufen wir Frauen von der Bat Schalom-(Friedensfrauen-)Bewegung die Regierung von Israel auf, ihren Anteil an der Schaffung der Krise im Gaza-Streifen anzuerkennen. Die ernste Krise ist die direkte Folge der einseitigen «Trennung» (Loslösung der jüdischen Siedlungen) im Gaza-Streifen im August 2005 und der endlosen Blockade des Gaza-Streifens.
Wir fordern, dass die Regierung Israels auf jede militärische Aktion im Gaza-Streifen verzichtet. Solch eine Aktion würde sowohl die Israeli als auch die Palästinenser in eine weitere Katastrophe stürzen.
Wir rufen die Regierung Israels auf: den Bewohnern die Passage für humanitäre Hilfe zu erlauben, die Fortsetzung der Versorgung mit Wasser, Strom, Brennstoff und anderen lebensnotwendigen Diensten zu garantieren, den Flüchtlingen, die vom Gaza-Streifen in die West Bank gehen wollen, die Durchfahrt zu gestatten.
Jedes andere Verhalten würde eine kollektive Bestrafung der Bewohner des Gaza-Streifens sein.
Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf zu intervenieren, folgende Massnahmen in die Wege zu leiten:
? den Rückzug Israels aus den Besetzten Palästinensischen Gebieten;
? die Wiederaufnahme der diplomatischen Verhandlungen für ein dauerhaftes Abkommen auf der Grundlage der Friedensinitiative der Arabischen Liga;
? den Aufbau des Vertrauens gegenüber den Palästinensern entwickeln durch Erleichterung der Bewegungsfreiheit, Entfernung der Strassensperren und Kontrollpunkte, Einfrieren des Siedlungsbaues, Rückgabe der illegal zurückgehaltenen Steuergelder;
? den internationalen Schutz und Garantien zur Einhaltung der Menschenrechte gegenüber den Palästinensern in allen besetzten Gebieten, einschliess­lich des Gaza-Streifens;
? die Garantie eines umfassenden politischen Abkommens über die Zukunft des Gaza-Streifens, der West Bank und Ostjerusalems als einer nationalen Einheit.
Nur ein diplomatischer Prozess, der die Beendigung der israelischen Kontrolle der besetzen Gebiete mit sich bringt und die Errichtung eines palästinensischen Staates neben Israel ? innerhalb der Demarkationslinie vom 4. Juni 1967 ? wird Frieden und Sicherheit für Israeli und Palästinenser und für alle, die in dieser Region leben, bringen.

Quelle: BAT SHALOM vom Jerusalem-Link. info@batshalom.org, www.batshalom.org, Jerusalem am 18.6.2007
(Übersetzung Ellen Rohlfs)

Sanitäter in Nablus an ihrer Arbeit gehindert

Aufruf von der Vereinigung der Gesundheitskomitees (UHCC)

Am 28. Juni überfielen israelische Besatzungstruppen (IOF) das Zentrum von Nablus mit mehr als 100 gepanzerten Fahrzeugen unter dem Vorwand, «Gesuchten» zu folgen. Diese gross­angelegte militärische Aktion war zur selben Zeit, in der die Abitursprüfungen an den Schulen stattfanden.
Eine Folge davon war, dass viele unserer Studenten nicht in der Lage waren, ihre Schulen zu erreichen, besonders diejenigen, die in der Altstadt von Nablus wohnen, das seit Beginn der israelischen Militärkampagne unter Ausgangssperre lag.
Die IOF verhinderten die Arbeit der Sanitäter, indem sie die Ambulanzwagen festhielten, die zu den Hauptkrankenhäusern der Stadt eilten. Viele Dächer wurden als militärische Stützpunkte verwendet; einige Häuser und Geschäfte wurden in die Luft gesprengt; Gasbomben wurden auf Bewohner, in private Institutionen, Polizeistationen und in die Al-Knidi-Sekundarschule geworfen, in der gerade die Abiturprüfung stattfand. Die Tränengasbomben verursachten Erstickungsanfälle bei einer Anzahl von Schülern und Bewohnern des Gebietes.
Mitten in dieser schlimmer werdenden Lage hinderten die IOF die Sanitäter daran, den Schülern und Bewohnern ihre medizinische Hilfe anzubieten. Im selben Kontext hat die IOF den Sanitätern verboten, die Altstadt zu erreichen, um Patienten zu evakuieren, indem sie viele Patienten, vor allem Frauen und Kinder daran hinderte, die Nothilfe des Gesundheitsdienstes zu erreichen, was als Verletzung des Völkerrechts und aller Verträge, besonders der vierten Genfer Konvention, angesehen wird.
Wir vom UHCC rufen alle internationalen und humanitären Rechtsinstitutionen auf, dass sie die böswilligen israelischen Akte in Nablus und allen palästinensischen Distrikten verurteilen. Wir rufen alle Anhänger des Friedens auf, Druck auf die israelische Regierung zu machen, um solch ein Verhalten zu beenden und sich an das Völkerrecht zu halten. Die Fortsetzung der israelischen Gewalttätigkeiten ist ein klarer Beweis dafür, dass Israel ein gesetzloser Staat ist. Noch einmal rufen wir Sie dazu auf, grössere und internationale Aktionen gegen die Olmert-Regierung zu initiieren, damit wir unsere legitimen Rechte der Freiheit und Unabhängigkeit erlangen.

Nablus, 28. Juni 2007
(Übersetzung Ellen Rohlfs)