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Sie sind hier:   Startseite  >  2007  >  Nr.33 vom 20. August 2007  >  «Armee-Aufklärungsdetachement 10» Druckversion

«Armee-Aufklärungsdetachement 10»

Schweizer Elitetruppe im Dienste fremder Herren

thk. Lange hat man sie geheimgehalten, und alles will man der Öffentlichkeit auch nicht preisgeben, wie seinerzeit die Geheimarmee «Gladio», eine Organisation der Nato während der Zeit des kalten Krieges. Gestern wurde sie zwar den Medien vorgestellt, aber es soll eine einmalige Vorstellung bleiben: die ersten 30 Rambos der Schweiz.
Endlich kann Sämi Schmid als Chef des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) auch mitreden, wenn die Kolonialmächte wie die USA, Grossbritannien, Frankreich oder Deutschland ihre Special Forces oder besser gesagt Killerkommandos in jeden Winkel der Welt schicken können. Am 17. August stellte man die Spezialeinheit mit dem harmlosen Namen Armee-Aufklärungsdetachement 10 der Öffentlichkeit vor. Mit einer martialischen Übung wollte man die Zuschauerschaft von der Professionalität und Qualität dieser Truppe überzeugen. 91 Mann sollen an jedem Winkel der Welt Einsatz leisten können, wie der Chef des Heeres, Luc Fellay,  Radio DRS sagte: «Genauso kann man in Afrika in der Wüste, in Mali zum Beispiel oder in Kongo, wo das Klima anders ist, zum Einsatz kommen oder im Nordteil Sibiriens oder weiss nicht wo. Demzufolge muss ? wie bei allen anderen Detachements dieser Art ? die Palette vorhanden sein.»
16 Millionen Franken kostet der Unterhalt dieser Einheit den Steuerzahler jährlich. Bisher umfasst diese Berufstruppe 30 Mann, die in den nächsten Jahren auf den Sollbestand von 91 aufgestockt werden soll.

Operation in Kriegsgebieten

Ihre Aufgaben bestehen offiziell darin, Schweizer Bürger aus Krisengebieten evakuieren zu können. Das ist ein Witz. Die Fälle, in denen Schweizer Bürger hätten befreit werden müssen, sind auf dem Verhandlungsweg gelöst worden. Solange die Schweiz von den übrigen Ländern als neutraler Staat mit einer humanitären Ausrichtung wahrgenommen wird, verleiht uns das mehr Sicherheit als die 30 Spezialkämpfer.
Der wahre Grund für diese Einheit liegt darin, spezielle Operationen bei internationalen Militäreinsätzen durchführen zu können. Dazu gehört auch die Beschaffung von Informationen in Operationen zur Existenzsicherung, und zwar «bei militärischen Auslandeinsätzen», die im Neusprech Friedensmissionen heissen.
Die Spezialeinheit soll bei möglichen Aktionen auch mit anderen ausländischen Armeen kooperieren können, daher werden auch Einsätze in fremden Ländern mit anderen Spezialeinheiten trainiert. Hält man sich das vor Augen, wird klar, warum Bundesrat Schmid unbedingt seine Transportflugzeuge haben muss. Es ist also ein weiterer Schritt Sämi Schmids und unserer Armeeführung, die Schweiz aktiv in Kriegsgebiete führen zu können.

Von den Gelbmützen zum Afghanistan-Krieg

Was seinerzeit mit den Gelbmützen in Bosnien begonnen hatte und über den Einsatz in Kosovo bis zum Engagement auf seiten der kriegführenden Nato führte, gipfelte im Vorschlag von Christophe Keckeis, Schweizer Soldaten in den Sudan zu schicken. Die schlagkräftige Einsatztruppe wird ihre Einsatzgebiete «auf der ganzen Erde» finden, so wie das grosse Vorbild, die USA. Wer sich jetzt noch fragt, was unsere Gebirgsrekruten auf der «Jungfrau» bei schlechtem Wetter zu suchen hatten und welche Militärstrategie dahintersteht, verkennt die Realität. Genau solche Einsätze werden geübt, wenn es heisst, es ginge darum, «überall auf der Erde Einsatz zu leisten», wie Keckeis sagte. Unsere Armee müsse auf alle Aufgaben vorbereitet sein, erklärte er nach dem fürchterlichen Lawinenunglück an der «Jungfrau» ? nur auf die Verteidigung des eigenen Territoriums nicht. Nach allen Regeln der Manipulation und ohne demokratische Kontrolle wird die Armee der Schweiz klammheimlich zu einer international einsetzbaren Elitetruppe im Dienste fremder Herren umfunktioniert. Die USA wird?s freuen.

Spezialeinheit widerspricht Schweizer Demokratie

Was der Schweizer Armeeführung im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg unter grossen Entbehrungen und mit viel Geschick gelungen ist, nämlich sich nicht an der Machtpolitik der imperialen Mächte zu beteiligen und damit das Land schadlos zu halten, wird von Schmid und Konsorten völlig ignoriert, der Plan ist ein anderer. Mit grössten Anstrengungen hat unsere Militärführung das bewährte Konzept der reinen Verteidigungsarmee eines neutralen Staates aufgelöst und in eine international operierende Angriffsarmee umgestaltet, bei der nichts mehr wirklich funktioniert, da weder ein klares Konzept vorliegt, noch irgendeiner aus der Armeeführung willens ist, für das alles die Verantwortung zu übernehmen ? vor allem dann nicht, wenn Menschenleben zugrunde gehen.
Was die Aufgaben solcher Sondereinheiten sind, wissen wir aus dem Irak- und Afghanistan-Krieg. Die amerikanischen «Special Forces» oder das deutsche KSK operieren hinter den gegnerischen Linien, um Oppositionelle zu liquidieren, Angriffsziele der Bomber zu markieren und die Koordinaten angeblicher Terrornester durchzugeben, die sich dann nach einem Bombenangriff aus 10 000 Metern Höhe als ziviles Ziel mit den entsprechenden Opfern herausstellen. Und daran soll sich nun auch die Schweiz beteiligen?
Ein Land, das sich gerade durch seine humanitäre Tradition in der Welt einen Namen gemacht hat und bis heute auf diesem Gebiet Wertvolles leistet, soll ein Rädchen in der US-geführten Kriegsallianz der Nato werden?!
Das kann nicht das Ziel der Bürger dieses Landes sein. Eine Armee, in der es Abteilungen gibt, die sich der demokratischen Kontrolle entziehen und dem Milizsystem diametral entgegenstehen, hat in unserem demokratischen Staatswesen keine Berechtigung ? ?