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Schweizer Nuklearphysiker für die Ächtung von DU-Waffen

bha. André Gsponer war einer der ersten Schweizer Nuklearphysiker, der sich für den Bann von Uranwaffen einsetzte. Die Studien von Gsponer und Mitarbeitern zeigen, dass die wahrscheinlich mächtigste institutionelle Kraft hinter der Entwicklung und Anwendung von DU-Waffen die «Atomlobby» ist. In allen Atomwaffenstaaten arbeitet sie energisch auf die Trivialisierung jeder Art von nuklearen Materialien hin, ebenso wie von Nuklearwaffen heutiger oder zukünftiger Typen.
Zusammenfassend halten wir Gsponers Argumente fest, damit sie nicht ungehört verhallen:

1.    DU-Waffen sind nach internationalem Recht illegal und stehen im Gegensatz zu den «Rules of war».
2.    Waffen mit DU dürfen nicht als konventionelle Waffen eingestuft werden. Sie gehören zu einer diffusen Kategorie von «low-radiological-impact nuclear weapons», zu denen auch neue nukleare «Low-yield»-Sprengkörper gehören.
3.    Der einzige Kontext, in dem der Gebrauch von DU-Munition als «sinnvoll» angesehen werden könnte, wäre der Nuklearkrieg. Daher haben während des kalten Krieges viele Militärs die panzerbrechende Munition mit DU als tolerierbaren Teil einer Strategie gesehen, einen massiven Panzerangriff durch den atomar bewaffneten Warschauer Pakt abzuschrecken. Aber der Irak hatte 1991 keine Atomwaffen. Das machte die erstmalige Anwendung von DU-Waffen während des Golf-Krieges im Jahr 1991 ? womit ein 46 Jahre altes Tabu gegen absichtliche Verwendung oder Freisetzung von Radioaktivität auf dem Schlachtfeld gebrochen wurde ? besonders schockierend.
4.    «Man hätte die effektivste Munition nehmen müssen, um schnelle Resultate zu erhalten», so die militärische Argumentation. Jedoch sei die Mehrheit der irakischen Panzer nicht vom neuesten Standard, und auch in Jugoslawien war es ein Overkill, Urangeschosse gegen die nur leicht gepanzerten Fahrzeuge und Panzer der jugoslawischen Armee zu benutzen.
5.    Uranwaffen waren vorhanden, sie waren aber nie auf dem Schlachtfeld getestet worden. Mit ihrer Anwendung 1991 wurde ein 46 Jahre altes Tabu gebrochen. DU-Waffen haben eine gesamthaft langfristige radiologische Wirkung, die vergleichbar ist mit der von reinen Fusionswaffen der neueren Entwicklung. Es gibt keine direkten Beweise, so Gsponer, dass diese Überlegung im Entscheidungsprozess eine Rolle spielte. Jedoch bei genauerer Analyse und aus zahlreichen indirekten Hinweisen (vgl. A. Gsponer, J.-P. Hurni, B. Vitale: A comparison of delayed radiobiological effects of depleted-uranium munitions versus fourth-generation nuclear weapons, Report ISRI-02-07, Contributed to YUNSC?2002, Belgrade, Yugoslavia, Sep. 30?Oct. 4, 2002) kann man ableiten, dass die Kriegsplaner sich über die vollen Konsequenzen der Anwendung von DU-Waffen klar bewusst waren. Insbesondere kann nicht bestritten werden, dass die Anwendung von radioaktivem Material im Irak und in Jugoslawien einen militärischen und legalen Präzedenzfall geschaffen hat. Dies war zudem der erste Test für die Akzeptanz von zukünftigen Waffen, die «low level» Radioaktivität verursachen. (Es schien so in Tat und Wahrheit, dass die Anwendung dieser Waffen akzeptiert wurde, scheinbar, dass dadurch keine weiteren Militäraktionen verschlechtert wurden.)
6.    Nun läuft in militärischen Fachkreisen seit annähernd 50 Jahren die Debatte pro und contra Uran oder Wolfram für panzerbrechende Waffen. Der Einsatz von DU-Penetra­toren im Irak und in Jugoslawien hat die Gegnerschaft zu Uranwaffen gestärkt. Kein Staat, der sich schon immer gegen DU in seinem militärischen Arsenal entschieden hat, hat seine Politik seit 1991 geändert. Und während die US-Navy bereits Jahre vor dem Golf-Krieg die Uranwaffen aufgegeben hatte, hat die US-Airforce sich erst 2003 entschieden, dass die nächste Generation von panzerbrechender Munition ohne DU sein wird.
7.    Das Verschiessen von vielen Tonnen DU hat eine radiologische Wirkung, vergleichbar mit dem Kampfeinsatz reiner Fusions-Nuklearbomben von vielen Kilotonnen TNT-Äquivalent.
Die langfristige radioaktive Belastung, das heisst der komplette Ertrag an Energiefreisetzung, der gemessen wird, um die radiologische Belastung zu ermessen, die aus dem Gebrauch von DU in den Kriegsländern resultiert, diese langfristige radiologische Belastung könnte man hypothetisch damit vergleichen: Wenn man einige tausend präzisionsgesteuerte Waffensysteme benützt hätte und jedes hätte einen Gefechtskopf der vierten Generation getragen mit einer Sprengkraft, die äquivalent mit einigen Tonnen hochexplosiven Sprengstoffs ist. Diese Möglichkeiten, die wirklich nicht rein hypothetischer Natur sind, werfen ein dramatisches Licht auf die strategisch-politische Bedeutung des Tabubrechens.
8.    Zusammenfassend, so Gsponer, kann man argumentieren, dass ? neben der militärischen Funktion ? der Gebrauch von DU-Waffen im Irak und dann in Jugoslawien, wo es kaum eine militärische Begründung dafür gab, einer politischen Absicht gedient haben muss: Der der schrittweisen Einführung von Nuklearwaffen der vierten Generation, die eine vergleichbare radioaktive Kontamination verursachen.
Die Annahme ist begründet, dass man wohl die Heftigkeit der Opposition testen wollte, die in der öffentlichen Meinung des Westens gegen das Einbringen von Radioaktivität auf dem Schlachtfeld vorherrscht. Weiter habe man die Weltbevölkerung an den Einsatz von DU und den Einsatz von Nuklearwaffen der vierten Generation im Krieg gewöhnen wollen.    ?