Tote Ärzte im Irak
«Als Ärzte und Bürger wollen wir nicht unbeteiligt zusehen»
Ein Aufruf der Hippokratischen Gesellschaft Schweiz
zf. Seit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges der USA und ihrer «Koalition der Willigen» gegen den Irak ist es das Ziel der Angreifer und Besetzer, nicht nur das irakische Volk mit alltäglichem Terror zu überziehen, sondern ganz bewusst auch alles im Irak zu liquidieren, was diesem Land einst eine im arabischen Raum in vielerlei Hinsicht herausragende Stellung gegeben hat. Gezielt wurden Stätten der irakischen Kulturgeschichte geschändet, gezielt wurde Menschenjagd auf die Akademiker des Landes gemacht, gezielt auch insbesondere auf die Ärzte des Landes. Das nun schon fünf Jahre währende Schweigen grosser Teile der westlichen Welt hierüber ist unerträglich. Die Hippokratische Gesellschaft Schweiz, eine Vereinigung von Schweizer Ärzten, will mithelfen, dieses Schweigen zu durchbrechen. Im folgenden veröffentlichen wir einen Aufruf der Gesellschaft.
Immer wieder erreichen uns Nachrichten über entführte, wieder freigepresste, dabei schwer misshandelte oder gar zu Tode gefolterte Ärzte im Irak; die Zahl der betroffenen Kollegen steigt täglich.1 Die Täter bleiben unerkannt im Hintergrund, ihre Motive vordergründig auch.
Daher blicken wir zurück: Vor 30 Jahren war der Standard der medizinischen Versorgung im Irak vergleichbar mit dem in Middle- und High-income-Ländern: 97% der Bevölkerung in den Städten und 79% auf dem Land hatten Zugang zu einem funktionierenden Gesundheitssystem. Vor mehr als 15 Jahren mit dem ersten Golf-Krieg wurde ein Embargo gegen den Irak verhängt, in dessen Folge nebst vielen anderen Bereichen die Gesundheitsversorgung der irakischen Bevölkerung zerstört wurde.2 Vor 5 Jahren begannen die amerikanische und die britische Regierung einen weiteren Krieg gegen den Irak.
Die Tatsachen heute sind: Der Irak liegt am Boden, ein Land versinkt im Chaos. Die Besatzungstruppen sind für den Schutz der Zivilbevölkerung zuständig, gewährleisten jedoch keine innere Sicherheit. Medizinisch dringend erforderliche Mittel wie Nahrung3 und Medikamente4 fehlen, die medizinische Infrastruktur des Landes ist zerbombt,5 Ärzte fliehen aus Angst, selbst gezielt getötet zu werden, aus ihrer Heimat.6 Infolgedessen hat sich die Lebenserwartung der Bevölkerung mittlerweile halbiert; Kinder, Frauen und alte Menschen sterben an den Folgen des Krieges.7
Der Uno-Menschenrechtsrat mit seinem Sitz in Genf und das Schweizerische Rote Kreuz sind beispielhafte Symbole für die humanitäre Tradition der Schweiz, eines Landes, das für seine Neutralität und seinen Einsatz für den Frieden in der Welt anerkannt und geschätzt wird.
Als Ärzte und Bürger, die das Privileg haben, in der Schweiz zu leben und zu arbeiten, können und wollen wir nicht unbeteiligt zusehen. Die direkte Hilfe für unsere irakischen Kollegen vor Ort und hierzulande ist daher dringend erforderlich.
Dr. med. Susanne Lippmann-Rieder, Vizepräsidentin der Hippokratischen Gesellschaft Schweiz
1 www.brusselstribunal.org
2 von Sponeck, H. Ein anderer Krieg, Das Sanktionsregime der Uno im Irak. Hamburg 2005. ISBN 3936096562
3 Medact, Iraq Health Update, März 2006
4 Deutsches Ärzteblatt, 24.11.2006
5 Cockburn P. Hospitals now a battleground in the bloody civil war. The Independent UK, 20.10.2006
6 Deutsches Ärzteblatt, 8.6.2007
7 www.savethechildren.org/publications/mothers/2007/SOMW-20007-final.pdf
«Dear friends
Today was very sad day as usual the missing of close friends continue today the policemen found the dead body for person I love him so much very kind and lovely doctor he was my colleague and close friend he was well known neurosurgeon in Basrah, yesterday have been kidnapped by unknown armed group, he died from sever torture they killed him by very wild and horrible way they didn?t shoot him but exposed to torture till death, they want to push us out side of Iraq by this way by terror. I am very depressed, frustrated and angry.»
Ein irakischer Arzt
(Name ist der Redaktion bekannt)