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Eine gerechte Landwirtschaft ist möglich

Die Genfer Gemüsegenossenschaft «Les Jardins de Cocagne»

1978 entschied eine Gruppe von Konsumenten, die ihre Einkäufe gemeinsam bei den Bauern tätigten, gemeinsam mit einem Agronomen das Experiment einer Gemüsegenossenschaft zu wagen. Es war eine Handvoll Visionäre, die sich zum Ziel gesetzt hatten, ganz konkret eine gemeinschaftliche, alternative Form zum dominierenden Wirtschaftsmarkt zu schaffen und zu leben. Waren es zu Beginn etwa 50 Genossenschaftler, so sind es heute bereits 400, die von der biologischen Gemüseproduktion direkt profitieren. Da die Produktionsfläche nicht erlaubt, diese Zahl zu überschreiten, müssen weitere Interessenten sich bereits auf eine Warteliste eintragen. Jeder Genossenschaftler bezahlt neben einer anfänglichen Einschreibegebühr jährlich einen seinem Lohn gemässen Beitrag und verpflichtet sich, während vier Halbtagen auf den Feldern oder bei der Gemüseverteilung mitzuarbeiten. Die Gemüse gehören den Genossenschaftlern und werden ein Mal pro Woche geerntet, in grosse oder kleine Tüten abgepackt und an 40 verschiedenen Orten an die Genossenschaftler ausgeliefert. Der Preis des biologischen Gemüses entspricht demjenigen von nicht biologischem. Die biologische Qualität verdient sich der Genossenschaftler-Kunde mit seiner Mitarbeit auf dem Feld oder bei der Verteilung. Die Genossenschaft besitzt kein eigenes Land, sondern bewirtschaftet 3 ha gepachtetes Land, wovon 4000m2 unter nicht geheizten Plastiktunneln. Mit dem Genossenschaftskapital können zwei Vollzeit- und drei Teilzeitgärtner bzw. -gärtnerinnen beschäftigt werden. Die Qualitätskriterien der Genossenschaft basieren auf einer Gesamtsicht, die die Produktion, den Vertrieb, den Respekt vor der Umwelt und dem Menschen und die direkte Beziehung zwischen Konsument und Produzent umfasst.

«Les Jardins de Cocagne» und die Nahrungssouveränität

Weltweit arbeiten 700 Millionen Bauern immer noch von Hand, 700 Millionen verfügen über Zugtiere und nur 2,15% oder 30 Millionen Landwirte besitzen Maschinen.Das Produktionsverhältnis zwischen denjenigen, die am wenigsten und denjenigen, die am meisten produzieren, war um 1900 1:100, heute 1:1000. Wo liegt nun die Gemeinsamkeit zwischen dem Bauern in Mali, der jährlich 10 Doppelzentner Getreide produziert und dem Schweizer Bauern, der deren 10 000 herstellen kann?Mit der Globalisierung des Handels wird unter der Fuchtel der WTO die «freie» Konkurrenz aller Bauern auf extrem gewalttätige Weise erzwungen. Die Folge dieser Politik ist eine Spezialisierung der Produktion auf globaler Ebene zugunsten derjenigen Regionen, die ? meist auf Grund direkter oder indirekter Subventionen ? am billigsten exportieren können.Sie zersetzt den Willen zur Nahrungssouveränität in anderen Regionen, zerstört das Gleichgewicht zwischen Stadt und Land, da grosse Teile der arbeitslosen Landbevölkerung in die Vorstädte abwandern. Wie sollen Hungersnöte, Kriege und die weltweite Zerstörung von Ökosystemen verhindert werden, wenn sich die regionale Landwirtschaft mit ihren Bauern nicht entwickeln kann? Der Kampf um die «Nahrungssouveränität» beinhaltet als grundlegendes Menschenrecht das Recht auf Nahrung und das Recht einer Region, ihre Landwirtschaft gemäss ihrer Bedürfnisse zu organisieren. Die sich jagenden Krisen der modernen Landwirtschaft der nördlichen Länder, das Verschwinden von Landwirtschaftsbetrieben und die steigende Zahl armer Bauern in den südlichen Ländern zeigen, dass jedes Projekt, das nur auf technischem Fortschritt und wirtschaftlichem Profit basiert, politische, soziale und kulturelle Aspekte hingegen ausser acht lässt, dem Untergang geweiht ist. Das Modell der industriellen Produktion gehört der Vergangenheit an, das Modell einer nachhaltigen Landwirtschaft hingegen ist zukunftweisend. In den Ländern der Südhemisphäre ist der Kampf um die Nahrungssouveränität ein Kampf ums Überleben aller Bauern geworden. Bei uns geht es darum, unsere Landwirtschaft wieder zu ihrer ursprünglichen Aufgabe zurückzuführen, nämlich Grundnahrungsmittel für die Bewohner der Region herzustellen, und das Recht der Bauern anderer Regionen, von ihrer Landwirtschaft zu leben, zu respektieren. Die Genossenschaft der Produzenten (4 Gärtner) und Konsumenten (400 Familien) «Les Jardins de Cocagne» realisiert seit bald 30 Jahren eine regionale Vertragslandwirtschaft mit biologischem Gemüse. Sie drückt ihre Solidarität mit den Bauern des Südens aus, indem sie seit rund 25 Jahren Bauernorganisationen in der Grenzregion zwischen Mali, Senegal und Mauretanien fördert und unterstützt. «Les Jardins de Cocagne» engagiert sich in verschiedenen Bauernorganisationen (Union der Schweizer Produzenten, Via Campesina), die eine neue politische und soziale Sichtweise der Produktion und des Nahrungsmittelaustausches im Norden und Süden entwickeln.

Quelle: www.cocagne.ch

(Übersetzung Zeit-Fragen)