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Sie sind hier:   Startseite  >  2008  >  Nr.4 vom 21.1.2008  >  Das Krebsgeschwür deutscher Kriegspropaganda Druckversion

Das Krebsgeschwür deutscher Kriegspropaganda

km. Das Krebsgeschwür der Kriegspropaganda breitet sich aus in Deutschland. Waren viele noch schockiert, als das Nachrichtenmagazin Der Spiegel im November 2006 provozierend titelte: «Die Deutschen müssen das Töten lernen», so gibt es nun, Anfang 2008, eine beklemmende Einigkeit der deutschen Massenmedien, wenn ganz offen deutsche «Kampftruppen» für und deutsche «Kampfeinsätze» in Afghanistan gefordert werden.
Zur selben Zeit, wie in einer konzertierten Aktion,
?    rechtfertigt ein ehemaliger Bundeswehrsoldat in Afghanistan öffentlich, das Leben von afghanischen Kindern bei der Minensuche aufs Spiel zu setzen (siehe Artikel nebenan), kann dieser Soldat in einem grossen deutschen Verlag ein Buch im Landser-Stil veröffentlichen; und dann wird er von Medium zu Medium gereicht, um dort seine Landser-Sicht zu präsentieren und seine These von der noch mangelhaften «Kriegstauglichkeit» der Bundeswehr;
?    wird ein schon ein halbes Jahr vorliegender Bericht sieben ehemaliger Bundeswehrgeneräle für das deutsche Verteidigungsministerium in der Öffentlichkeit lanciert, der ebenfalls von der mangelhaften «Kriegstauglichkeit» der Bundeswehr spricht, mehr davon fordert und alte Wehrmachtsstrukturen (Generalstab) wieder einführen will,
?    veröffentlicht die deutsche Bertelsmann-Stiftung ihre neueste «Studie» («Beyond 2010»), die eine deutliche Militarisierung und Aufrüstung der Europäischen Union, eine Zentralisierung der militärischen Führung innerhalb der EU und eine weitgehende Ausschaltung der kleinen Länder aus der militärpolitischen Mitsprache im EU-Europa fordert. Ausnahme: die immer wieder kriegsbereiten Niederlande.

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Verdunkeln die Schatten der kommenden US-Präsidentschaft schon jetzt die Pläne der deutschen Politik? Bekannt ist seit langem, dass ein US-Präsident aus der Partei der Demokraten die kommenden Kriege nicht mehr nahezu alleine führen will. Der «Multilateralismus» der US-Demokraten bedeutet nämlich: Die Europäer müssen alle mit aufs Schlachtfeld. Bill Clinton hat das 1999 vorgeführt.
Oder sind wir schon so weit, dass EU-Europa unter Deutschlands und/oder(?) Frankreichs Führung eine eigene Kriegsagenda entwickelt, um im Niedergang der Globalisierungsepoche und beim immer brutaler  werdenden globalen Konkurrenzkampf und Gieren nach Rohstoffen und Absatzmärkten einen «Platz an der Sonne» zu behalten ? trotz allem Gerede von der transatlantischen «Wertegemeinschaft»?
Wie dem auch sei. Wer die Geschichte kennt, der weiss, dass das für die Menschheit nicht gut gehen kann. 10 Millionen Tote im Ersten Weltkrieg. Mehr als 50 Millionen Tote im Zweiten Weltkrieg. Zig Millionen Tote in den «heissen» Kriegen des kalten Krieges. Und die Kriege der letzten 17 Jahre haben schon jetzt Millionen von Opfern und eine endlose Kette von Leid und Zerstörung für Generationen hinterlassen. Und das soll so weitergehen, nun auch mit lautem deutschem Hurra?
Erinnert sich denn niemand mehr daran, dass die Deutschen noch 1991, unter dem Eindruck des Golf-Krieges und mit der Parole «Kein Blut für Öl», zumindest die Fastnachtsumzüge absagten? Zumindest ein Zeichen der Betroffenheit zeigten! Ist der Respekt vor dem Krieg so ganz verlorengegangen? Nur, weil er uns noch nicht selbst, sondern bislang «nur» die anderen trifft?
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