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«Die Ärmsten sind die ersten und absolut unschuldigen Opfer»

Eine Stellungnahme des Rates für Familien- und Sozialfragen der französischen Bischofskonferenz

Die Krise, die wir momentan durchlaufen, macht deutlich, welche Bedeutung die Finanzwelt für Wirtschaft und sozialen Frieden hat.
Die Finanzierung der Wirtschaft über den Kapitalmarkt hat die Globalisierung beschleunigt. Es wäre allerdings ungerechtfertigt zu behaupten, dass letztere nur negative Folgen gezeitigt habe. Der Vermögens- und Technologietransfer wurde erleichtert und die Globalisierung war wirkungsvoller Antrieb für Investitionsprojekte in den Entwicklungsländern.
Der freie Markt, vorausgesetzt er respektiert bestimmte Anforderungen, bleibt zweifellos das wirkungsvollste Instrument, um die Ressourcen für die Bedürfnisse der Menschen und der Gesellschaften effizient zu nutzen.
Die aktuelle Krise enthüllt uns aber zahlreiche negative Folgen, wenn die auf die Spitze getriebene und von der Wirtschaft vollständig abgekoppelte Finanzlogik nur noch das eine Ziel verfolgt, möglichst rasch Profite zu erzielen.
Unsere Gesellschaften sind erschüttert. Und wie immer in solchen Krisen sind die Ärmsten die ersten und absolut unschuldigen Opfer.
Diese Krise fordert von uns allen, unsere Lebensweise, unser Verhältnis zum Geld, die Art und Weise unser Erspartes zu vermehren und Kredite aufzunehmen, zu überdenken.
Wir können die Anstrengungen, die Regierungen und Verantwortliche unternehmen, um der Situation Herr zu werden, nur begrüssen.
Es ist jedoch wesentlich, dass die empfohlenen Massnahmen einem anderen Ziel dienen als der alleinigen Aufrechterhaltung eines Finanzsystems, dessen Schwächen und ihre Konsequenzen für die Menschen offenbar geworden sind.
Ein Ausweg aus der Krise wird sich nur finden lassen,
•    wenn die Staaten zusammenarbeiten und, was uns in Europa betrifft,
•    wenn effiziente nationale und internationale Institutionen zur Organisation der Finanzmärkte geschaffen werden,
•    wenn Mittel bereitgestellt werden, die es erlauben, unsere Wirtschaften wieder in den Dienst der Menschen und nicht mehr nur des reinen Profits zu stellen.
Ethische Reflexion und Engagement sind Voraussetzung,
•    damit die spekulativen Praktiken, die auf maximale kurzfristige Rentabilität abzielen, hinterfragt werden,
•    damit die Entschädigungs- und Bonussysteme für Kader von Finanzinstituten revidiert werden, insbesondere dann, wenn sie zur Krise beigetragen haben oder daraus leichtsinnigerweise Profit gezogen werden könnte,
•    damit die nötigen Mittel bereitgestellt werden, die es erlauben, den Geldfluss besser zu verfolgen und Risiken schneller zu erkennen,
•    damit die Wirtschaft eine vernünftigere Kreditinanspruchnahme entwickelt,
•    damit der Finanzmarkt durch sozial verantwortungsbewusste Investitionen neu ausgerichtet und in den Dienst einer produktiven und umweltgerechten Wirtschaft gestellt wird.
Die derzeitige Krise kann Gelegenheit sein, unseren sozialen Verbund zu verstärken.
Wenn die Finanzwelt sich zum Selbstzweck erklärt und nur mehr vom Wunsch nach Profitmaximierung beseelt ist, dann verliert sie den Kopf.
Wenn die Sorge um den Menschen, um jeden einzelnen und um die Gesamtheit wieder erste Priorität gewinnt, dann entsteht wieder Vertrauen.

Die Bischöfe des Rates für Familien- und Sozialfragen der französischen Bischofskonferenz:
Jean-Charles Descubes,
Erzbischof von Rouen
Michel Dubost, Bischof von Evry
Michel Guyard, Bischof von Le Havre
François Jacolin, Bischof von Mende
Michel Pansard, Bischof von Chartres

Quelle: Pressemitteilung vom 8.10.2008
www.eglise.catholique.fr
(Übersetzung Zeit-Fragen)