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Zinssenkungen auf beiden Seiten des Ärmelkanals

Aus der Europäischen Union:

Die Europäische Zentralbank EZB hat die Leitzinsen um 0,5% auf ein Rekordtief von 1,5% gesenkt, da sich auch Europa vor dem ausbleibenden Wachstum fürchtet. Wie das statistische Büro in Luxemburg am 4. März berichtete, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt im 4. Quartal 2008 um 1,5% gegenüber dem vorherigen dritten Quartal. Die Investitionsausgaben in der Euro-Zone fielen um 2,7 %, und der private Konsum schrumpfte um 0,9%. Seit Einführung dieser Statistik im Jahre 1995 sind dies die schlechtesten Zahlen. Die Exporte fielen um 7,3%, und die Importe gingen um 5,5% zurück. Worauf es hier ankommt, sind die Export-Import-Daten in der Eurozone. Sie zeigen, dass Europa seine weltweiten Exporte nicht halten kann.
Wenn diese zurückgehen, muss Europa weniger importieren als zuvor, um nicht in ein sich vertiefendes Handelsbilanzdefizit zu rutschen. Darüber hinaus folgt Europas geringerem Export eine reduzierte Binnennachfrage durch die Unternehmen der Exportindustrie für andere europäische Waren. Wenn diese beiden Faktoren zusammenkommen, sind die ökonomischen Auswirkungen höhere Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Rezession.
In einem Versuch, das «zurechtzurücken», hat die EZB ihren Leitzins auf 1,5% gesenkt, um Kreditnehmer finanziell zu entlasten und die europäische Binnenmarktnachfrage zu steigern.
Gemäss am 25. Februar veröffentlichten Zahlen hatte Deutschland, eines der weltgrössten Exportländer, im 4. Quartal des letzten Jahres im Vergleich zu den drei vorherigen Monaten einen Rückgang von 7,3% zu verzeichnen. Obwohl es sich in einer Rezession befindet, ist Deutschland wirtschaftlich noch immer sehr stark, hauptsächlich deswegen, weil es keine Immobilienkrise hatte. Andere kleinere europäische Staaten, die eine solche Krise hatten, befinden sich in erheblichen Nöten.

Es gibt in Grossbritannien faktisch keinen Leitzins mehr

Die Bank von England hat mit ihrer Politik der «quantitativen Lockerung» [einer Lockerung der Geldmenge] begonnen, was ungehindertes Gelddrucken bedeutet. Sie hat den nahezu nicht mehr existierenden Leitzins von 1,00% auf 0,50% halbiert. Sie hat darüber hinaus ein Programm aufgelegt, mit welchem für 106 Milliarden US-Dollar [75 Mia. Pfund] Wertpapiere aufgekauft werden, die hauptsächlich aus staatlichen Schuldpapieren bestehen.

Wenn britische Banken zusammenbrechen

Das Schreckgespenst im Hintergrund ist folgendes: Die Immobilienpreise fielen im letzten Monat so stark wie in den letzten 26 Jahren nicht mehr, als die Rezession und die zunehmende Arbeitslosigkeit die Nachfrage nach Immobilien zum Erliegen brachte. In den letzten drei Monaten, einschliesslich Februar, fielen die Immobilienpreise um 17,7% im Vergleich zum Vorjahr, der höchste Rückgang seit den 1983 begonnenen Aufzeichnungen. Wenn die Preise der Immobilien sinken und ihr Wert unter den Wert der für sie aufgenommenen Hypotheken fällt, befürchtet die Regierung, dass bei weiteren Verlusten immer mehr Kreditgeber ruiniert werden. Damit taucht das Gespenst der Verstaatlichung des gesamten britischen Bankensektors auf.
Die industrielle Produktion in Grossbritannien fiel im Quartal um 4,5%, einer vorherigen Schätzung zufolge hätten es 3,9% sein sollen. Laut dem Amt für Statistik fielen die Warenerzeugnisse um 5,1% im Vergleich zu prognostizierten 4,6%. Wenn die Rezession weiter fortschreitet, ist zu erwarten, dass die Arbeitslosenrate von jetzt an schneller ansteigen wird.

Der demnächst stattfindende Wirtschaftsgipfel

Die politischen Führer der G-20-Nationen werden sich am 2. April in London treffen. Präsident Obama wird auch anwesend sein. Höchstwahrscheinlich wird dieser Gipfel zum Anlass dafür, dass die Welt ökonomisch auseinanderbricht und es wie in den 30er Jahren zu grossen Zoll-, Devisen- und Handelskriegen kommen wird. Die Alternative im Sinne globaler politischer und ökonomischer Vernunft wäre, Welthandel und Kapitalflüsse offenzuhalten. Der zentrale Punkt dieses Gipfels wird die globale Rolle des US-Dollars sein, ob die USA dies nun mögen oder nicht. Russland, China und die EU haben ein fertiges Konzept für eine Vierer-Leitwährung mit dem US-Dollar als einer von vier Währungen gleichwertig neben den drei anderen.
Es bestehen kaum Zweifel, dass die Welt ökonomisch auseinanderbrechen wird, wenn die USA dem Konzept die Zustimmung versagen. •

Quelle: The Privateer, Nr. 624, März 2009
(Übersetzung Zeit-Fragen)