Zeit-Fragen
Redaktion und Verlag
Postfach
CH-8044 Zürich

Tel. +41 44-350 65 50
Fax +41 44-350 65 51
Zeit-Fragen - Wochenzeitung für freie Meinungsbildung, Ethik und Verantwortung
Sie sind hier:   Startseite  >  2009  >  Nr.13 vom 30.3.2009  >  Das FED und die «Magie» des Geldes Druckversion

Das FED und die «Magie» des Geldes

von Dr. rer. publ. Werner Wüthrich, Zürich

Zum Thema «Finanzkrise» sind zwei Bücher aus den USA in deutscher Übersetzung erschienen: «The Dollar-Crash» von Ellen Brown und «The Creature from Jekyll Island» von Edward C. Griffin. Beide Autoren kommen zum Schluss, dass die Finanzkrise auf eine Dollarkrise hinauslaufen wird. Eine nachhaltige Gesundung des Finanzsystems sei nur möglich mit einer grundlegenden Reform des Geldwesens. Beide fordern die Abschaffung der amerikanischen Notenbank FED (Federal Reserve System). Seine Arbeitsweise sei die Hauptursache der heutigen Schwierigkeiten und verhindere eine nachhaltige Besserung. Brown und Griffin vertreten zwei Bewegungen in der amerikanischen Politik und in der Bevölkerung. Ihre Ansichten sind erfrischend – so ganz anders als die offiziellen Verlautbarungen.

Die beiden Bücher von Ellen Brown und Edward C. Griffin liegen schwer in der Hand – haben sie doch beide je über 600 Seiten. Manch ein Leser wird sich überlegen, ob er wirklich auf Seite eins beginnen soll. Geht es um komplizierte Geldtheorien? – Nun, der erste Eindruck täuscht. Wer sich Seite für Seite vorarbeitet, wird nicht enttäuscht. Sowohl Brown als auch Griffin begleiten den Leser in anschaulicher und gut verständlicher Sprache durch die US-amerikanische Geld- und Wirtschaftsgeschichte. Und diese ist hochspannend. Die Reise beginnt bei den ersten Siedlern im 17. Jahrhundert, die sich in ihren neu gegründeten Gemeinschaften Gedanken über das Geld machten und versuchten, sich eine eigene Geldordnung einzurichten. Sollen wir einfach das Geld aus Europa übernehmen? Oder sollen wir eigenes Geld herausgeben? Schliesslich wollen wir unabhängig werden. Wer soll dies tun? Ist dies eine Aufgabe für die Gemeinden oder für grössere Regionen? Sollen wir eine eigentliche Staatsbank gründen – nach dem Vorbild der Bank of England? Soll unser Geld aus Gold- oder Silbermünzen bestehen, und sollen unsere Banknoten mit Edelmetall gedeckt sein? Oder können wir einfach Papiergeld drucken? Genügt es, wenn wir unsere Banknoten nur zu einem kleinen Teil mit Silber oder Gold decken? – Fragen über Fragen. – Vielerlei Versuche wurden gemacht. Das Feld war weit, weil nicht nur das Geld- und Finanzwesen, sondern auch staatliche Einrichtungen neu aufgebaut werden mussten. Der «Continental» war eine der Währungen vor der Gründung des Bundesstaates. – Eine eindeutige und klare Antwort auf die Geldfrage haben die Siedler nicht gefunden. Ihre Finanzen blieben für lange Zeit eine eigentliche Experimentierküche. Sie haben alles erlebt: stabile Zeiten, Inflation, Betrug, Totalverlust, neue Währungen usw.
Brown und Griffin zeigen das Ringen um eine verlässliche Geldordnung in den USA. Auch nach der Gründung des Bundesstaates 1778 kehrte keine Ruhe ein. Der Leser staunt, wenn er erfährt, dass das heutige FED gar nicht die erste Notenbank der USA war. Zuvor hatte es bereits drei Notenbanken gegeben, die mit einer Konzession vom Kongress zentral Geld herausgaben. Es war diesen Einrichtungen jedoch nicht gelungen, das Vertrauen der Politik und der Bevölkerung zu gewinnen. Der US-Kongress entzog ihnen die Konzession oft schon nach wenigen Jahren wieder.

Unterschiedliche Interessen

Hinter diesen Vorgängen wirkten verschiedene Interessengruppen: Grosse Banken, die vor allem an der Ostküste beheimatet waren, befürworteten die Errichtung einer zentralen, privaten Notenbank, die mit staatlicher Konzession Geld herausgab und dieses gegen Zins an die Geschäftsbanken und an die Regierung auslieh. Dieses Geld war zum Teil mit Silber oder Gold gedeckt. Viele kleinere Banken, vor allem auf dem Land, bekämpften diese zentrale Lösung, weil sie befürchteten, dass eine solche Zentralbank vor allem die Interessen der Grossen berücksichtigen würde.
Eine andere Gruppierung wünschte sich, dass einzelne Gemeinschaften und später auch die Bundesregierung in Washington Geld ohne Zinsen herausgeben und damit ihre eigenen Ausgaben finanzieren würde. Es würde ja ohnehin neues Geld gebraucht, um die wachsende Wirtschaft mit Geld zu versorgen. Da hier weder Zinsen noch Rückzahlung vorgesehen waren, konnte im Gegenzug – so ihre Vorstellung – auf Steuern verzichtet werden. Wenn Parlament und Regierung diese Aufgabe kontrolliert und mit Umsicht ausführten, könnte Inflation vermieden werden.
Es gab eine dritte Gruppierung, die weder dem Banken- noch dem Regierungsgeld vertraute. Beides lade zu Missbrauch und Betrug ein. Sie wünschten sich eine Art Bürgergeld, das aus Gold- oder Silbermünzen bestand und dessen Banknoten zu 100 Prozent gedeckt waren. Es genügte, den Edelmetallgehalt gesetzlich festzulegen. Weder Notenbank noch Regierung waren notwendig. Allenfalls könnte eine staatliche Münzstätte solche Münzen herstellen. Banknoten, die zu 100 Prozent gedeckt waren, könnte dagegen jede seriöse Bank in allen Bundesstaaten herausgeben. Das Geld von Banken, die sich nicht an die Regeln hielten, würde einfach gemieden werden.
Diese grundsätzlich unterschiedlichen Interessen führten zu einem eigentlichen Machtkampf um und auch gegen die Notenbank und um das Recht, Geld herzustellen. Keine dieser drei Interessengruppen setzte sich wirklich durch, was darin zum Ausdruck kam, dass die zentrale Notenbank drei Mal gegründet und wieder abgeschafft wurde. Es waren dies die Bank of North America, die First Bank of the United States und die Second Bank of the United States. Entschieden wurde der Machtkampf eigentlich erst mit der Gründung des heutigen FED im Jahr 1913.

Geheimtreffen auf Jekyll Island

Der Gründungsakt wurde damals von Vertretern von weltweit führenden Bankhäusern wie Morgan, Rockefeller, Kuhn-Loeb (die später zu Lehman Brothers fusionierte) u.a. zusammen mit Vertretern der Regierung auf der Insel Jekyll-Island in Georgia vorbereitet. Auch Vertreter von europäischen Grossbanken waren dabei. Das Treffen war hochgeheim. An diesem einwöchigen «Seminar» wurden die Strukturen der heutigen Geldordnung festgelegt. Dieses Ereignis und seine Auswirkungen auf Politik und Wirtschaft wurden erst später allmählich bekannt. Der Federal Reserve Act wurde «überfallmässig» kurz vor Weihnachten 1913 im Kongress durchgebracht. Im gleichen Gesetzespaket erhielt der Bundesstaat das Recht, Einkommenssteuern zu erheben. Seit 1913 gilt das FED-Geld. Das FED ist ein privates Kartell von Grossbanken, das mit einer Konzession des Kongresses arbeitet.

Opposition

Die damals unterlegenen Interessengruppen haben jedoch nicht aufgegeben. Sie arbeiten bis heute daran, die Geldordnung wieder zu reformieren. Sie sind in der Bevölkerung verankert und haben politische Unterstützung. Sie haben jedoch nicht dieselben Ziele. In einem Punkt sind sie sich jedoch einig: Das FED und seine verhängnisvolle Politik müssen wieder abgeschafft werden.
Ellen Brown gehört zum Lager des «Regierungsgeldes». Man nennt diese Bewegung in den USA «Greenbackers». Griffin dagegen vertritt eine Art «Bürgergeld» und damit den klassischen Goldstandard. Diese Gruppierung heisst in den USA «Gold bugs». Was haben sie gegen das FED?

Abschaffung des FED

Beginnen wir mit dem Hauptziel der Reformer: Griffin und Brown sehen beide die Haupt­ursache der heutigen Finanzkrise in der Arbeitsweise des FED. Griffin bezeichnet die Methode der Notenbank als Mandrake-Mechanismus. Er verwendet als Vergleich eine amerikanische Comicfigur aus den 1940er Jahren, die Mandrake genannt wurde: der Magier. Die Spezialität dieser Comicfigur war es, Dinge aus dem Nichts zu schaffen und, wenn ihm danach war, sie in dasselbe Nichts zurückzuschicken. Auch Ellen Brown verwendet ein amerikanisches Märchen als Analogie, «Den Zauberer von Oz.» – Was hat die amerikanische Notenbank mit einem Zauberer oder Magier zu tun? Weshalb ist ihre Arbeitsweise so geheimnisvoll? Hat sie gar eine Geheimformel, um Geld herzustellen – so ähnlich wie die Alchemisten zur Zeit Goethes nach einer Formel gesucht hatten, Gold herzustellen?

Mandrake-Mechanismus: «Magie» des Geldes

Nun, so geheim ist sie nicht – diese «Zauberformel». Sie ist nur nicht so einfach zu verstehen. Es geht um die zentrale Frage: Wie entsteht das Geld, mit dem wir Tag für Tag unsere Zahlungen machen?
Etwas vereinfacht: Das FED schafft aus dem Nichts etwas – eben Geld. Einfach so – wie mit einem Zauberstab – , das meiste mit einem Click am Computer. Nur noch etwa 6 Prozent des Geldes kommen als Banknoten aus der Druckerei. In diesen Wochen soll ungeheuer viel kreiert worden sein – Milliarden oder gar Billionen von neuen Dollars. Was passiert mit diesen neuen Dollars? – Sobald sie das Licht der Welt erblickt haben bzw. am Bildschirm erscheinen, verwandeln sie sich in eine Schuld. Weil das FED sie gegen Zins ausleiht. An wen?

Schulden, die sich vervielfachen

Das FED leiht das neue Geld für eine bestimmte Zeit gegen Zins an Geschäftsbanken. Diese vermehren das Geld bzw. die Schulden um ein Vielfaches.
Ein Beispiel: Das FED schafft 1000 Dollar aus dem Nichts – mit einem Mouse-Click. Es leiht dieses Geld gegen 3 Prozent Zins der Geschäftsbank A. Diese behält 10 Prozent davon als Reserve zurück und leiht 90 Prozent – also 900 Dollar – an einen Kunden, dafür verlangt sie 8% Zins. Dieser Kunde kauft damit ein Videogerät. Der Verkäufer überweist die 900 Dollar, die er erhalten hat, als Einlage auf sein Konto bei der Bank B. Diese behält ebenfalls 10% als Reserve zurück und verleiht 810 Dollar weiter an einen Kunden, der damit etwas kauft. Der zweite Verkäufer überweist die 810 Dollar als Einlage auf sein Konto bei der Bank C, die wiederum 10 Prozent einbehält, usw. Dieser Prozess setzt sich fort, so dass in kurzer Zeit aus den 1000 Dollar, die das FED per Mouse-Click geschaffen hat, im ganzen Bankensystem eine Gesamtschuld von 10 000 Dollar geworden ist, die die Bankkunden zurückzahlen müssen und für die sie zudem mehr als 600 Dollar Schuldzinsen bezahlen. Die Zahlung der Zinsen und die Leistung der Rückzahlung geschehen allerdings nicht mit «Magie» oder mit einem Mouse-Click am Computer, sondern mit Arbeit.
Die «Magie» des Geldes wird noch deutlicher, wenn die Banken – wie in den letzten Jahren häufig geschehen – nicht eine Reserve von 10 Prozent, sondern nur von 5 Prozent oder noch weniger zurückbehalten. Jetzt werden aus den 1000 Dollar, die das FED künstlich geschaffen hat, im Bankensystem 20 000 Dollar Schulden, die mit Arbeit verzinst und zurückbezahlt werden müssen.
Diese Geld-«Magie» verträgt sich nicht mit dem altmodischen «Banking», das darauf baut, dass zuerst gearbeitet und gespart werden muss, bevor ein Darlehen gewährt werden kann. Die US-Amerikaner haben in den letzten zwanzig Jahren versucht, den Beweis zu erbringen, dass es eigentlich auch ohne Sparen geht und dass Schulden zum normalen Alltag gehören. Die Comicfigur Mandrake hat es ja vorgemacht. – Der Versuch ist gescheitert. Die Geld-«Magie» hat eine gigantische Verschuldung zur Folge gehabt und stabile Verhältnisse verunmöglicht, wie wir nicht erst seit heute sehen.
Das FED hat weitere Möglichkeiten, Geld in Umlauf zu setzen. Sie sind leichter nachzuvollziehen als der «Mandrake-Mechanismus»: Die Notenbank kauft zum Beispiel Wertpapiere wie Staatsanleihen, Unternehmensobligationen oder auch zweifelhafte Wertpapiere, die zum Beispiel Kreditkartenschulden oder Hypothekarschulden beinhalten. Dies geschieht gerade heute mit gigantischen Beträgen für Billionen von Dollars. Das FED bezahlt mit neuem Geld und finanziert auf diese Weise die Banken und die Regierung. Aber auch hier geht es um Schulden, die mit Arbeit verzinst und zurückbezahlt werden müssen.

Wer profitiert?

Wer profitiert von der Geld-«Magie»? Der CEO der Deutschen Bank, Josef Ackermann, wiederholt auch heute wieder, dass mit dem Bankengeschäft eine Rendite von 25 Prozent erzielt werden kann und Einkommen möglich sind, die sonst kaum zu erzielen sind.
Die Regierung kann sich ohne Schwierigkeit verschulden und kann ohne finanzielle Bedenken Kriege führen. Sie muss nicht an die Rückzahlung denken. Schulden werden zurückbezahlt, indem sie erneuert werden. Nur die Zinslast wird immer grösser. Die US-Amerikaner bezahlen jährlich bereits gegen 200 Milliarden Dollar Zinsen für ihre Bundesschulden. Dies entspricht der Hälfte der jährlichen Kosten für den Irak-Krieg.

Wer bezahlt für die Geld-«Magie»?

Es sind die Bankkunden, die Steuerzahler oder ganz allgemein die Bürger, die mit ihrer Arbeit die Zinsen aufbringen und etwas zurückzahlen, das niemand erspart hat, sondern das mit «Zauberei» entstanden ist.
Lässt sich so etwas ethisch überhaupt verantworten? Griffin und Brown halten mit ihrer Meinung nicht zurück: Zinsen für etwas zu verlangen, das keinen Wert hat, für das niemand gearbeitet hat und das keine Leistung beinhaltet, sei Wucher. Mehr noch: es sei schlicht und einfach Betrug. •