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Regierungsgeld und Goldstandard in der Reformbewegung des amerikanischen Geldwesens

ww. In den Büchern von Griffin und Brown steht das FED in Zentrum, seine Gründung im Jahr 1913 und die heutigen Bemühungen, es wieder abzuschaffen. Weiter stellen die beiden Autoren ihre eigenen Vorstellungen über das Geldwesen vor und begründen ihre Reformvorschläge. Diese sollen in den folgenden Zeilen in geraffter Form wiedergegeben werden. Die Ideen von Griffin und Brown fügen sich ein in die amerikanische Geschichte. Es lassen sich drei Strömungen unterscheiden.

1. Bankengeld (Geld von Notenbanken)
Schon sehr früh in der amerikanischen Geschichte gab es Politiker, die bestrebt waren, neben den Banken eine zentrale Notenbank einzurichten, die Banknoten herausgibt, und sie als Darlehen gegen Zins den Geschäftsbanken und allenfalls der Regierung zur Verfügung stellt. Die Geschäftsbanken leihen das Geld wiederum gegen Zins ihren Kunden aus. Dieses «Bankengeld» kann teilweise mit Gold gedeckt sein. Das war in den USA bis 1971 auch der Fall. Oder es kann wie heute ohne Golddeckung praktisch unbegrenzt aus dem Nichts geschaffen werden.
Die Notenbank soll für eine stabile Geldordnung sorgen, indem sie die Banken mit Geld versorgt, ihre Geschäftspolitik unterstützt und allenfalls – zusammen mit der Regierung – als Retter einspringt, wenn sie in Schwierigkeiten geraten (wie wir es heute erleben). Diese Leitideen haben sich bei der Gründung des FED durchgesetzt und prägen das Finanzsystem bis heute – weltweit.

2. Regierungsgeld
Ebenfalls schon früh in der amerikanischen Geschichte gab es Politiker, die Geld über lokale Gemeinschaften, Regionen oder für die Gesamtheit des amerikanischen Volkes herausgeben wollten (das durch die gewählte Regierung vertreten wird). Ellen Brown vertritt diese Position. Dazu unten mehr.

3. «Bürgergeld» (klassischer Gold­standard)
Der klassische Goldstandard wird manchmal als «Bürgergeld» bezeichnet, weil im Prinzip für seine Herausgabe weder Staat noch Notenbank notwendig sind. Es genügt, wenn eine staatliche Behörde das Gewicht der jeweiligen Währung in Silber oder in Gold definiert (und diese Münzen allenfalls in einer staatlichen Münzstätte herstellt). Auf dieser Grundlage kann dann jede grössere, private Bank zu 100 Prozent gedeckte Banknoten herausgeben. Griffin vertritt diese Position.

Regierungsgeld

Wie begründet Ellen Brown das Regierungsgeld? «Das Kartell der Privatbanken hat das System an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Deshalb dränge sich das Regierungsgeld gerade auf. Dem Kongress die Macht zur Geldschöpfung zu übertragen, kann künftigen Generationen die Bürde abnehmen, ständig Zinsen an eine Eliteklasse von Finanzoligarchen zahlen zu müssen, die selbst nichts geleistet haben, um dieses Geld zu verdienen.» (Brown, S. 465)
Regierung und Kongress schaffen schulden- und zinsfreies Geld und geben es für gemeinnützige Zwecke aus. Im Gegenzug wird die Einkommenssteuer des Bundes ganz oder teilweise abgeschafft. (Diese beträgt heute hohe 40 Prozent der Privateinkommen.) Eine Notenbank wird dazu nicht gebraucht. Inflation kann vermieden werden, wenn dem neuen Geld eine Leistung gegenübersteht. In diesem System könne es keinen Bankrott geben. Die Banker werden zu Staatsbeamten: «Selbst wenn sich die für unsere Geldpolitik verantwortlichen Politiker als genauso korrupt erweisen sollten wie die Bankiers: Das von der Regierung geschöpfte Geld wird auf jeden Fall schuldenfrei sein.»

Wie würden die Bürger mit Geld versorgt?

Ein Gemeinschafts- oder Regierungsbankendienst würde auch an Private zinsfreie Kredite gewähren. Diese könnten über eine Art Kreditverrechnungsstelle ihr eigenes Geld selbst kreieren und beziehen. «Die Bürgerinnen und Bürger würden dann zu souveränen Herausgebern ihres eigenen Geldes – einerseits als Gemeinschaft und anderseits auch ganz privat: Jeder Menschen kann selbst darüber bestimmen, wieviel Geld er gegen Sicherheiten über den Online-Service abhebt, der die Kredittransaktionen ausführt und registriert.»
Die Rückzahlung geschieht genau gleich wie heute. So gibt es Sicherheiten, und die Rückzahlung erfolgt allenfalls mit Hilfe des Betreibungsamtes. Im Unterschied zu heute wären diese Kredite jedoch zinsfrei.

Was geschieht mit den Staatsschulden?

Ellen Brown hat genaue Vorstellungen, wie sich der riesige Berg von Staatsschulden abtragen lasse: Die Staatspapiere könnten vollständig mit neu geschaffenem Staatsgeld (Greenbacks) zurückbezahlt werden. Die Zinszahlungen, die heute das Staatsbudget massiv belasten, würden sofort wegfallen. Wenn die Wertpapiere sofort vernichtet werden, würde sich die Geldmenge gar nicht verändern, weil die Staatspapiere auch heute als Geld gelten (M3-Geld). Innerhalb der Geldmenge würden lediglich Staatspapiere mit Greenbacks ersetzt. Auch die vielen Ausländer, die heute die Staatspapiere besitzen, würden keine Nachteile erleiden. Sie hätten an Stelle der US-Staatspapiere einfach Greenbacks. Inflation würde es deshalb nicht geben.
Das tönt sehr einfach. Nur – Länder wie Ungarn, Griechenland, Ukraine, Lettland usw. können nicht einfach «Greenbacks» drucken, um den drohenden Staatsbankrott abzuwenden. Die USA ist heute in der privilegierten Situation. Sie kann als einziges Land ihre Schulden, die sie auf der ganzen Welt eingegangen ist, mit der eigenen Währung zurückzahlen.

Vorgeschichte

Der Vorschlag, zinsfreies Regierungsgeld in Umlauf zu bringen, hat eine lange Tradition: Der erste US-Finanzminister George Hamilton in der Regierung von George Washington (1789–97) hatte solche Pläne verfolgt. Auch Benjamin Franklin soll solche Ideen gehabt haben. Berühmt ist jedoch Abraham Lincoln geworden. Er hat – unabhängig von den Banken – den Greenback herausgegeben, um den Bürgerkrieg (1861–1865) zu finanzieren. Der Krieg endete für die Union und für den Greenback siegreich. Wie Ellen Brown schreibt, soll Lincoln den Plan gehabt haben, den Greenback als zinsfreies Regierungsgeld auch nach dem Krieg weiterzuverwenden. Es versteht sich von selbst, dass die Grossbanken damit nicht einverstanden waren. Es gibt Vermutungen, dass Lincoln deswegen ermordet wurde.
Die Regierung danach ist zum Bankengeld zurückgekehrt. Nicht alle Bürger haben das hingenommen: Mehrere neue Parteien wurden gegründet, die alle das Bankwesen im Sinne von Lincoln reformieren wollten. Die wichtigsten waren die Populist Party und die Greenback Party. In den 1930er Jahren hat sich die Populist Party ebenfalls in die Debatte eingeschaltet: Grosse Banken sollten verstaatlicht werden, und die Regierung sollte eigenes Geld herausgeben. Der Kongress verabschiedete einen Verfassungszusatz, der dies ermöglichte. Es kam jedoch nicht dazu. (Brown, S. 195) In der Konferenz von Bretton-Woods im Jahr 1944 lag mit dem Bancor ein Vorschlag auf dem Tisch, der eher als Regierungsgeld konzipiert war. Er wurde nicht berücksichtigt.
Die Idee des Regierungsgeldes fand auch in den grossen Parteien Anhänger. John F. Kennedy soll – wie Ellen Brown schreibt – kurz vor seiner Ermordung in einer Rede angedeutet haben, zinsfreies Regierungsgeld – ohne Banken und ohne FED – herausgeben zu wollen. Wie bei Abraham Lincoln gibt es den Verdacht, dass Kennedy deswegen ermordet wurde. Diese These, die heute zur amerikanischen Geschichte gehört, wurde in mehreren Büchern untersucht, ohne dass der letzte Beweis erbracht wurde. Wie bei Lincoln hat auch der Nachfolger von Kennedy vom Regierungsgeld Abstand genommen.

Populisten am Werk?

Dass Kongress und Regierung Banknoten herausgeben (US-Notes) und dieses Geld für gemeinnützige Zwecke verwenden und damit sogar noch den Schuldenberg abtragen, tönt bestechend einfach. Weder Zinsen noch Rückzahlung würden anfallen. Im Gegenzug könnte auf die Einkommenssteuer – ganz oder teilweise – verzichtet werden. Dass die von den Grossbanken gesteuerten Medien die Populist Party schlecht gemacht haben, leuchtet ein. So einfach darf es doch nicht sein! – Wahrscheinlich hat der heute negativ besetzte Begriff «Populismus» hier seinen Ursprung.

Zinsfreies Alternativgeld und Komplementärwährungen

Ellen Brown würdigt die zahlreichen Alternativ- und Komplementärwährungen in den USA, die lokale und regionale Gemeinschaften herausgeben. Der Zusammenhalt würde gestärkt und die regionale Entwicklung gefördert. Sie erwähnt 31 verschiedene zinsfreie Lokal- und Regionalwährungen, die zum Teil ihre Wurzeln in der Siedlerzeit haben.

Goldstandard: Ehrliches und stabiles Geld

Zahlreiche Amerikaner wie Thomas Jefferson, Andrew Jackson u.a. haben sich vehement gegen Papiergeld ausgesprochen, das ungedeckt (oder nur zum Teil gedeckt) über eine zentrale Notenbank in Umlauf gelangt. Es gelang dreimal, den Kongress dazu zu bewegen, den zentralen Notenbanken (die solches taten) die Konzession wieder zu entziehen. Thomas Jefferson, Verfasser der Unabhängigkeitserklärung und späterer Präsident, prägte den Begriff des ehrlichen und stabilen Geldes.
Erhalten ist ein Dialog zwischen Thomas Jefferson und Alexander Hamilton. Jefferson war Aussen- und Hamilton Finanzminister in der ersten Regierung der USA (1789–97):
Jefferson: «Eine private Zentralbank, die Zahlungsmittel ausgibt, ist für die Freiheit der Menschen eine grössere Gefahr als eine stehende Armee. Wir können nicht zulassen, dass unsere Führer uns mit ständigen Schulden belasten.»
Hamilton: «Keine Gesellschaft könnte erfolgreich sein, die nicht die Interessen und das Vermögen reicher Bürger mit denen des Staates vereint. […] Eine nicht zu hohe nationale Verschuldung kann ein nationaler Segen sein.» (Griffin, S. 373)

Breit abgestützt

Auch heute gibt es in den USA eine eigentliche Volksbewegung, die auf ehrliches und stabiles Geld pocht. Ihre Leitfigur ist Thomas Jefferson. Auch Alan Greenspan hatte lange Zeit mit Überzeugung den Goldstandard als beste Ordnung verteidigt. (Das änderte sich, als er in den Vorstand von J.P. Morgan und später zum Vorsitzenden des FED gewählt wurde.) Auch Ökonomen wie Ludwig von Mises, Murray Rothbard, Jörg Guido Hülsmann und andere bauen darauf. In diesen Wochen hat der Abgeordnete Ron Paul im Kongress den Antrag gestellt, das FED-System abzuschaffen (vgl. Zeit-Fragen 23.2.2009). Auch er ist dieser Bewegung zuzuordnen.
Die Vertreter des ehrlichen und stabilen Geldes haben im Volksmund den Spitznamen «Gold bugs» erhalten. Diese Bezeichnung stammt aus der Zeit vor der Gründung des FED, als diese Leute demonstrativ am Revers eine Anstecknadel mit einem goldenen Käfer trugen.

Wie funktioniert der Goldstandard?

Der klassische Goldstandard setzt das Gold mit dem Geld gleich. Es braucht deshalb gar keine Geldpolitik, und es ist nicht entscheidend, wieviel Gold bzw. Geld im Umlauf ist. Wenn zuwenig Geld im Umlauf ist, steigt die Kaufkraft, und die Preise sinken. Sinkende Preise sind überhaupt nichts Schlechtes, sondern sie beleben die Konsumfreude. Der gleiche Mechanismus gilt auch umgekehrt: Wenn zuviel Gold bzw. Geld im Umlauf ist, sinkt die Kaufkraft und die Preise steigen. Diese Schwankungen seien jedoch geringer und in keiner Weise vergleichbar mit den Schwankungen, die die heutige Geldpolitik auslöse. Einen schwankenden Goldpreis, der zum Spekulieren einlädt, gibt es im klassischen Goldstandard gar nicht. So würde es keinen Sinn machen, mit Gold Gold zu kaufen. (Genausowenig wie es heute Sinn mache, mit einer Hunderternote eine Hunderternote zu kaufen.) Der klassische Goldstandard kann auf einige stabile und relativ friedliche Jahrzehnte vor 1914 zurückblicken. In der Schweiz z.B. waren Bund und Kantone praktisch schuldenfrei.
Griffin verweist auf die österreichische Schule der Nationalökonomie, die diese Zusammenhänge auf eine bestechende Art und Weise aufgezeigt habe. Jörg Guido Hülsmann hat sich vor kurzem mit dem Buch «Die Ethik der Geldproduktion» in die Diskussion eingebracht. Der Autor ist Professor an der Universität Angers FR und am Ludwig von Mises Institut in Auburn, Alabama, USA. Auch er fordert in diesen Tagen die Abschaffung der Zentralbanken. (FuW, 18.3.2009)
Am Schluss seines Buches entwirft Griffin eine neue Geldordnung, in der der Dollar zu 100 Prozent mit Gold oder Silber gedeckt ist und zu seiner alten Stärke zurückkehrt. Dazu könnten die beträchtlichen Gold- und Silberreserven verwendet werden, die die USA nach wie vor besitzen. Er zeigt auf, dass eine solche Währungsreform (und die Rückzahlung der Schulden) ohne grössere Schwierigkeiten durchgeführt werden könnte. Auch auf die modernen Zahlungsmittel wie Kreditkarten und elektronisches Geld müsste auf keinen Fall verzichtet werden. Wenn man sich auf den Silber-Dollar abstützen würde, wie er in der Verfassung der USA definiert sei, müssten sich die US-Bürger wieder daran gewöhnen, dass ein Mittagessen nur ein paar Cents kostet.
Im folgendem greife ich aus den beiden Büchern einige Themen heraus, die die Differenzen von Brown und Griffin weiter verdeutlichen. Es sind dies: Geschichtsbetrachtung, Kontroverse um die Krise der 1930er Jahre, Problematik des Zinses und Zinseszinses und die Bedeutung der Notenpresse für den Krieg.

Geschichtsbetrachtung

Griffin gewichtet stärker als Brown den Einfluss der global ausgerichteten, englischen und amerikanischen Grossfinanz (Grossbanken) auf die Politik. Diese war nicht nur federführend bei der Errichtung des FED. Sie übte und übt eine bestimmende Rolle in der Politik aus – ganz nach der Devise: Wer das Geld beherrscht, beherrscht auch die Politik. Griffin beschreibt die Geschäftspolitik grosser Geldhäuser wie Rothschild, Rockefeller, J.P. Morgan u.a. Er zeigt auf, wie sie Kriege förderten, indem sie beide Seiten finanziell unterstützten. So hat J.P. Morgan in der russischen Revolution sowohl Lenin wie auch seine Gegner, die Menschewiki, mit Geld unterstützt. Weshalb? Um auf jeden Fall auf seiten des Siegers im Geschäft zu bleiben. Auch Hitler wurde bis in den Zweiten Weltkrieg hinein von US-Banken finanziell unterstützt. Im Ersten Weltkrieg hatte J.P. Morgan mit Intrigen darauf hingewirkt, die USA in den Krieg zu verwickeln (Lusitania-Affaire). Morgan fürchtete, dass bei einem Sieg der Deutschen England und Frankreich ihre Darlehen nicht würden zurückzahlen können.
Griffin zeigt auch die Aktivitäten auf von Organisationen wie dem Council of Foreign Relations (CFR). Solche im Hintergrund agierende Organisationen arbeiten daran, die international bereits gut vernetzte Geldwelt mit einem politischen Überbau zu versehen. Griffin sieht in dieser neuen, dirigistischen Weltordnung, die sich heute mehr und mehr abzeichnet, eine Gefahr für die Freiheit der Bürger.

Kontroverse um Krise der 1930er Jahre

Ellen Brown glaubt an die Geldpolitik: Eine staatliche Instanz müsse den Zufluss von Geld regeln und auf die Bedürfnisse einer wachsenden Wirtschaft abstimmen. In diesem Punkt kritisiert sie den Goldstandard, der die Geldmenge aus einleuchtenden Gründen kaum steuern könne. Das Gold müsse ja mit viel Mühe aus der Erde geholt werden. «Wir haben gesehen, dass Gold zu rar und zu unelastisch ist, um als nationale Geldmenge zu dienen, […]» (Brown, S. 464) Der Goldstandard sei für die wirtschaftlichen Krisen verantwortlich. In diesem Sinn analysiert sie die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre. Die unzureichende Geldversorgung habe die Krise erst ausgelöst und zur Depression geführt. Erst mit der Verdoppelung der Geldmenge, wie sie Roosevelt in die Wege geleitet habe, sei es gelungen, die Arbeitslosigkeit von 17 auf 0 Prozent zu reduzieren. «Das Land wurde aus der Depression geholt, weil die Wirtschaft mit Liquidität angekurbelt wurde.» (Brown, S. 191) Die Ausführungen von Ellen Brown sind durchsetzt mit viel Polemik gegen den Goldstandard. Sie ist mit dieser Meinung nicht allein. – Dazu nur dies: Diejenigen, die diese Ansicht vertreten, ignorieren bewusst oder unbewusst, dass der klassische Goldstandard gar keine Geldpolitik braucht, sondern sich auf eine andere Weise den wirtschaftlichen Veränderungen anpasst (siehe oben).
Griffin erklärt die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre anders: Nicht der Goldstandard (mit der «unzureichenden» Geldversorgung) sei für die Wirtschaftskrise verantwortlich gewesen. Die Hauptursache liege vielmehr darin, dass der Goldstandard nach dem Ersten Weltkrieg massiv verwässert worden sei (Abkommen von Genua von 1922). Dies habe dem FED und den anderen Notenbanken schon damals die Möglichkeit gegeben, Wirtschaft und Finanzwelt übermässig mit billigem Geld zu versorgen. Dieses billige Geld habe zusammen mit den Mechanismen des Bankensystems – ganz ähnlich wie heute – zu einer Verschuldungsorgie, zur Euphorie an den Börsen und schliesslich zum Crash geführt. Die Verdoppelung der Geldmenge, die Roosevelt mit seiner Politik eingeleitet habe, sei keinesfalls so segensreich gewesen. Die Staatsverschuldung habe massiv zugenommen. Die Arbeitslosigkeit lag 1933 bei 25 Prozent. Bis 1937 war sie auf 15 Prozent abgesunken. 1938 stieg sie wieder auf 21 Prozent. Sie sei erst mit den Kriegsvorbereitungen und später mit dem Krieg ganz verschwunden (als Millionen junger Männer den Einberufungsbefehl erhielten).

Notenpresse, Krieg, versteckte Steuern

Ellen Brown rechtfertigt, dass der Staat den Krieg über die Notenpresse finanziert. So nimmt Abraham Lincoln, der dies im Bürgerkrieg getan hatte, in ihrem Weltbild eine herausragende Rolle ein. Die Notenpresse dürfe jedoch nicht im Dienste der Banken stehen, sondern sie müsse für und im Interesse der Öffentlichkeit laufen.
Anders dagegen Griffin: Er zeigt auf, dass die Notenpresse zu Missbrauch einlädt. Sie ermuntere die jeweilige Regierung direkt, sich zu verschulden und Kriege zu führen. Die Welt wäre viel friedlicher, wenn sich die US-Regierung wirklich Gedanken machen müsste, ob genügend Geld für den Krieg in der Kasse sei. Ohne die Notenpresse (und ihr elektronisches Äquivalent) wären die Kriege in neuerer Zeit gar nicht möglich gewesen.
Griffin zeigt mit den Zahlen aus dem Ersten Weltkrieg auf, wie die Notenpresse und die daraus folgende Inflation in den USA wie eine Steuer wirkten: «Zwischen 1915 und 1920 verdoppelte sich die Geldmenge von 20,6 Milliarden auf 39,8 Milliarden Dollar. Umgekehrt fiel während des Ersten Weltkrieges die Kaufkraft um beinahe 50 Prozent. Mit anderen Worten: Die Amerikaner haben unwissentlich rund die Hälfte jedes existierenden Dollars an die Regierung bezahlt. Und dies natürlich zusätzlich zu den Steuern. [...] Dieser massive Zuwachs an Geld kostete nichts. Doch die Banken durften Zinsen dafür verlangen. Die uralte Partnerschaft zwischen der Politik und dem Finanzwesen hatte ihre Mission erfüllt.» (Griffin, S. 297)

Zins und Zinseszins

Brown und Griffin weisen auf die Bedeutung des Zinseszins-Mechanismus hin. Dieser Mechanismus lässt Bankguthaben dank Zins und Zinseszins im Laufe der Jahre und Jahrzehnte in ungeahnte Höhen steigen. Für beide Autoren steht dieser Mechanismus jedoch nicht im Vordergrund. Im Zentrum ihrer Kritik steht die Geld-«Magie» (siehe oben), die Geld als Akt der «Zauberei» entstehen lässt, es in Schulden verwandelt, die sich im Bankensystem vervielfachen – und die Dollar für Dollar zurückbezahlt und verzinst werden müssen.
Für Griffin sind Zinsen durchaus am Platz als Gegenleistung für das Ausleihen von Geld, für das wirklich auch gearbeitet und geleistet wurde. «Wenn das Geld, das wir uns ausleihen, durch jemandes Arbeit und Begabung erworben wurde, so stehen diesem auch Zinsen auf dieses Geld zu.» (Griffin, S. 220) In diesem Sinn sollen Banken nur das Geld ausleihen, das sie auch wirklich haben.

Gemeinsames Ziel

Die Differenzen zwischen Brown und Griffin sind in machen Punkten unüberbrückbar (was die Reformbewegung zweifellos schwächt). Die beiden Autoren finden sich jedoch in der Forderung nach der Abschaffung des FED und in der Kritik des «Bankengeldes». So weisen beide auf die verheerende Bilanz der Geldpolitik hin, die das FED seit 1913 zu verantworten habe. Die Notenbank habe den gesetzlichen Auftrag, die Geldordnung stabil zu halten, nicht erfüllt. Der Dollar habe in knapp 100 Jahren 95 Prozent an Wert verloren. Die Verschuldung (von Staat und Bürger) habe explosionsartig zugenommen – so sehr, dass heute das ganze System in Frage gestellt sei. Zudem wurde und werde heute die Wirtschaftsentwicklung immer wieder durch massive Störungen und Krisen zurückgeworfen.
Last but not least: Die Menschheit habe ein extrem kriegerisches Jahrhundert erlebt, an dem das FED und mit ihr auch andere Notenbanken eine erhebliche Mitverantwortung tragen.
Die Botschaft von Griffin und Brown ist klar: Die Geldfrage sei hochpolitisch und dürfe nicht einfach den Politikern und Notenbankern überlassen bleiben. Die heutige Geldordnung sei nicht einfach gegeben. Es gelte zu akzeptieren, dass das FED-System gescheitert sei und dass man deshalb mit dem noch Brauchbaren etwas Neues schaffen müsse. •