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Welche Ideologie steckt hinter dem Wiederansiedlungsprogramm des Wolfs?

Verein zur Verteidigung gegen Grossraubtiere* will Schutz der Schafherden und der Alpwirtschaft

thk. Vor kurzem wurde im Auftrag der Organisation Pro Natura eine Befragung unter 1030 Deutsch-Westschweizern durchgeführt. Dabei sprachen sich 72% der Befragten dagegen aus, dass Wolf und Luchs abgeschossen werden, damit der Reh- und Gemsenbestand für die Jagd konstant bleibt. Aus diesem Ergebnis eine grundsätzliche Zustimmung der Schweizer zur Wiederansiedlung von Grossraubtieren in der Schweiz abzuleiten, ist nach dieser Frageform absolut unzutreffend und zeigt, mit welchen manipulativen Mitteln hier gearbeitet wird.
Dennoch herrscht vor allem bei der urbanen Bevölkerung ein verklärtes Bild gegenüber Grossraubtieren, denn kaum jemand ist sich bewusst, welche verheerenden Schäden an Nutztieren durch einen Wolf oder einen Luchs verursacht werden können und welche Bedrohung auch für den Menschen von diesen Tieren ausgehen kann. Die Meldung vom 19. Mai 2009, dass ein Wolf in Nordrumänien drei Menschen angegriffen und erheblich verletzt hat, hinterlässt ein mulmiges Gefühl. Noch brisanter wird die Meldung dadurch, dass im April dieses Jahres im Luzernischen ein Wolf in eine Photofalle gelaufen ist und somit seine vermutete Existenz evident wurde.
Der ehemalige Apotheker und heutige Schafzüchter Jürgen Rohmeder hat sich seit Jahren mit der Ansiedlung des Wolfs und ihren Folgen beschäftigt und ist dabei auf Interessantes gestossen.
Er sieht auf Grund der Fakten in der Ansiedlung von Grossraubtieren, wie Wolf, Bär oder Luchs, nicht nur eine übertriebene Liebhaberei diverser Umweltschützer, sondern das Resultat einer Entwicklung, die das Tier über den Menschen stellen will und gegebene Realitäten zu ignorieren versucht. Die Folgen davon bekommen im Moment vor allem die Nutztierzüchter zu spüren, deren Herden die ersten Opfer eines Grossraubtiers werden. Jürgen Rohmeder ist bei seinem Einsatz gegen Wolf und Co. nicht alleine, denn er führt das Sekretariat eines Vereins mit dem Namen «Verein zur Verteidigung gegen Grossraubtiere», der bereits etliche Mitglieder in der ganzen Schweiz zählt.
Aber auch in anderen Ländern haben sich Betroffene zusammengeschlossen, um gegen eine sinnlose Ausbreitung der Wolfs- und Luchspopulation anzukämpfen. So gibt es in Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland ebenfalls Menschen, die dem zwielichtigen Treiben übereifriger Tier- und Artenschützer Einhalt gebieten wollen.
Im Artenschutzabkommen von 1979 wurde der Wolf als bedrohte Tierart definiert und ihm somit ein Sonderstatus eingeräumt. Dies eröffnete den Tierschützern die Möglichkeit, den Wolf, später den Luchs und zuletzt den Bär in der Schweiz wieder heimisch werden zu lassen. Eine Spinnerei bzw. eine Welle der Nostalgie – oder steckt möglicherweise etwas anderes dahinter?

Ökologie oder Ökokratie?

In seiner Broschüre «Ein Wolf gegen fünfzig Schafe» analysiert Jürgen Rohmeder die neue Herausforderung, die durch die Ansiedlung des Wolfs bereits in einigen Gebieten für die dort lebende Bevölkerung entstanden ist.
Jürgen Rohmeder spricht von einer «Ökokratie», die sich zu einer «neuen Weltanschauung mit einem undemokratischen und unkontrollierbaren Herrschaftssystem» entwickelt. «Mit der Wolfsfrage», so Rohmeder weiter, soll «ein Zeichen der Macht gesetzt werden» […] noch nirgends wurde die Frage dem Volk zur Abstimmung vorgelegt, ob Wölfe in Kulturlandschaften wieder angesiedelt werden sollen.» Dabei ist Rohmeder bei weitem kein Gegner von Naturschutz und ökologischem Engagement, doch unterscheidet er klar zwischen ideologisch motivierter Ökologie und einer aus der christlichen Ethik hergeleiteten «sinnvollen Ökologie», die zum Ziel haben muss, dass «sozusagen auch noch in zehntausend Generationen die Erde Lebensraum der Menschheit sein soll».
Wird der Wolf ein «Vehikel», das einem anderen Zweck dienen soll? Eine Frage, die sich bei eingehender Beschäftigung mit diesem Thema immer mehr aufdrängt. Auffallend ist hierbei, dass die Ansiedlung des Wolfs Unterstützung auf verschiedenen Ebenen bekommt. So soll der natürliche Respekt vor dem Raubtier durch ein verklärtes positives Bild abgelöst werden. Kinderbücher und Filme, die den Wolf als Kuscheltier darstellen, sollen dabei mithelfen, das Image dieses grundsätzlich gefährlichen Tiers zu verbessern, um somit den Widerstand gegen die Ansiedlung des Wolfs zu brechen. So hat man den Eindruck, dass die unerwartet auftauchenden Wölfe jeweils ein Versuchsballon sind, um die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber dem Wolf zu testen. So auch im Wallis.  

50 Schafe für einen Wolf

Plötzlich war der Wolf da. So präsentierte sich die Situation zunächst für die Walliser Bevölkerung. Von Italien sei er in die Schweiz eingewandert, und nun sei er eben da, hiess es aus den Kreisen der Tierschützer. Da der Wolf wie erwähnt ein schützenswertes Tier ist, darf er nicht so einfach abgeschossen werden, sondern gemäss BfU erst, wenn er mindestens 50 Schafe gerissen hat. Das ist eine stattliche Anzahl. Und jeder, der Tiere hält, weiss, dass nicht nur der materielle Schaden, der unter günstigen Umständen vielleicht ersetzt wird, schmerzt, sondern das Verhältnis zwischen Tier und Mensch normalerweise über das Materielle hinausgeht. In den meisten Fällen reisst ein Wolf, der in eine Schafherde eingedrungen ist, mehrere Tiere, ohne dass es dabei um das Erbeuten von Nahrung geht. In der freien Wildbahn braucht er viel Energie und List, um ein Wildtier zu reissen; wenn er auf eine Schafherde trifft, weiss er nicht, auf welches Schaf er zuerst losgehen soll, und so kommt es ohne weiteres vor, dass ein Wolf 10, 20, 30 Schafe einer Herde angreift, aufs schwerste verletzt, aber nicht tötet bzw. frisst, sondern schon über das nächste Tier herfällt. Der Anblick von elend verendenden Tieren, den ein Schafzüchter am nächsten Tag vor sich hat, lässt schwerste Zweifel an der tierschützerischen Argumentation für eine Wiederansiedlung des Wolfs aufkommen.
Schäfer, die dieses Schicksal mehrfach ereilt hat, werden sich zweimal überlegen, ob sie weiterhin Schafe züchten wollen, und geben in vielen Fällen ihren Beruf auf, was einen grossen Verlust an Artenvielfalt und das Ende der Pflege der Kulturlandschaft bedeutet.

Wolf kam «auf vier Rädern»

Zurück zum Wallis. Der hier auftauchende Wolf, der auf Grund der immensen Schäden, die er angerichtet hatte, abgeschossen wurde, soll aus den italienischen Abruzzen in die Schweiz gewandert sein. Das heisst, Hunderte, wenn nicht weit über tausend Kilometer hat dieses Tier zurücklegen müssen. Er wird kaum den direkten Weg entlang der Autostrada gewählt haben, bis er von Italien über den Simplonpass im Wallis angelangt war. Gesichtet wurde das Tier zum ersten Mal an einer relativ befahrenen Strasse über den Simplon. Nachdem man das Tier erlegt hatte, bekam es als ausgestopfte Trophäe ein zweites «Leben». Auffallend sind beim Betrachten des Tiers die langen Krallen, die trotz der grossen Kilometerzahl, die der Wolf zurückgelegt hatte, nicht abgewetzt waren. Auf was für «Sohlen» kam der Wolf wohl in die Schweiz? Für viele Walliser ist das klar: Der Wolf kam auf «vier Rädern» in die Schweiz, das heisst, von Öko-Ideologen mit dem Auto an die Grenze gekarrt, dort ausgesetzt und dann in die Schweiz gelockt. So sieht die moderne ideologische Ausbreitung aus.

Cevio hat Naturpark abgelehnt

Warum soll im Wallis, im Tessin und in anderen Regionen der Wolf angesiedelt werden? Es besteht schon lange der Plan, gewisse Täler, die unter streng ökonomischen Gesichtspunkten nicht mehr rentieren, zu entvölkern. Man hat anderes damit vor und möchte sie der Kontrolle der dort lebenden Bevölkerung entziehen. Wahrscheinlich muss man das Projekt des Naturparks im Tessin ebenfalls aus diesem Blickwinkel betrachten. Es ist erfreulich, dass der Gemeinderat von Cevio vor drei Wochen bei der Abstimmung über diesen Naturpark das Ganze abgelehnt und damit aller Voraussicht nach dem Projekt den Todesstoss versetzt hat. Auch hier wäre durch die Entstehung eines Naturparks viel Weide- und Nutzland verlorengegangen, so dass für die im Tessin beschwerliche und topographisch begrenzte Landwirtschaft kaum eine Überlebensmöglichkeit mehr bestanden hätte.
In gewissen Kreisen in der EU besteht schon lange der Plan, im Rahmen der angestrebten Regionalisierung, den Bodenseeraum und die Schweiz zu einer Erholungs- und Freizeitregion für die Betuchten umzugestalten. Dazu braucht man vor allem menschenleere Gebiete, die man für Polowiesen, Golfplätze, Tennisplätze, Vergnügungsanlagen (Andermatt lässt grüssen) und ähnliches umgestalten kann. Inwieweit man es dabei auch auf die schon lange begehrten Wasserressourcen der Schweiz abgesehen hat, muss weiter beobachtet werden, scheint jedoch nicht ausgeschlossen und muss mit allen Mitteln verhindert werden. Unter dem Vorwand von Arten- und Naturschutz stellt man die angeblichen natürlichen Bedürfnisse des Tiers über die des Menschen und arbeitet so erwähnten Plänen offensichtlich in die Hände.

Kleinräumige Landwirtschaft fördern

Durch dieses strategische Vorgehen wird den Bauern in der Schweiz, besonders in den Bergtälern, das bereits beschwerliche Leben wohl endgültig versauert werden. Gerade diese kleinräumige Landwirtschaft muss nach den Darlegungen im Weltagrarbericht aber die Landwirtschaft der Zukunft sein, und zwar weltweit, weil sie regional verankert ist und daher grössere Erträge erbringen kann, weil sie ökologischer ist, da weniger Pestizide und Düngemittel verwendet werden müssen, und weil gleichzeitig die Transportwege auf ein vernünftiges Mass reduziert werden können. Diese Form der Landwirtschaft würde es erlauben, genügend Nahrung für alle Menschen zu produzieren. Aber diese Erkenntnis steht im Widerspruch zu den Plänen der WTO und damit auch der biochemischen Industrie, die mit genmanipuliertem Saatgut, mit artifiziellen Düngemitteln und neuartigen Pestiziden ein riesiges Geschäft machen will. Die Schweiz als kleines Agrarland könnte mit der kleinräumigen Landwirtschaft ein Vorbild für viele Länder sein, die unter den fatalen Auswirkungen der industrialisierten Landwirtschaft leiden und schon lange nach einer Alternative suchen.
Bei aller Liebe zur Natur und allem Engagement für die Umwelt: Der Wolf gehört nicht in die Schweiz, seine natürliche Umgebung hat er in dünnbesiedelten Gebieten, die genügend Lebensraum und natürliche Nahrung bieten. In der Schweiz, die seit über 100 Jahren keinen Wolf mehr beheimatet hatte, findet der Wolf keinen ihm angemessenen Lebensraum. Die weiten Steppen Russ­lands und andere dünnbesiedelte Gebiete sind dafür viel besser geeignet als die dichtbesiedelten Regionen Zentral- und Westeuropas. Auch ist es merkwürdig, dass der Wolf immer noch als ein vom Aussterben bedrohtes Tier betrachtet wird, obwohl die weltweite Population etwa 200 000 beträgt – Tendenz steigend. Es gibt also sicher keinen tierschützerischen Grund, den Wolf hier anzusiedeln, offensichtlich steht ein anderer Plan dahinter, der mit dem Wolf nichts zu tun hat. •

*Verein zur Verteidigung gegen Grossraubtiere,
Sekretariat: Dr. J. Rohmeder,
Bielstrasse 2, 3982 Bitsch
Tel: 027/9274241 Fax: 027/9274246