Geld macht nicht glücklich – aber Demokratie
Je direkter die Demokratie, desto zufriedener die Menschen
Eine wissenschaftliche Untersuchung, geleitet von Professor Bruno S. Frey, hat zutage gefördert, dass die direkte Demokratie als Regierungs- und Gesellschaftsform dem Menschen am meisten entspricht. Sie schafft nachhaltig Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit und bietet den Bürgern die Möglichkeit direkter politischer Mitgestaltung und Einflussnahme. Sie wirkt sich positiv auf das Befinden der Menschen aus und ist für andere Völker attraktiv. Bruno S. Frey ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Zürich und untersucht schon seit Jahren die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Politik und Ethik. Seine Studien zur direkten Demokratie lassen aufhorchen und verdienen eine breite Diskussion.
ro. Im folgenden Beitrag werden aus der Studie von Professor Frey wichtige Stelle im Originalwortlaut zitiert.
«Die Aussage ‹Geld macht nicht glücklich› stimmt annähernd; dass Demokratie glücklich macht, trifft hingegen völlig zu.» Für Bruno S. Frey ist klar, dass es zur Befriedigung der Grundbedürfnisse ein bestimmtes Einkommen braucht, aber «Geld – im Sinne von höherem Einkommen – macht nicht gerade unglücklich, erhöht jedoch das subjektive Wohlbefinden von Personen nur geringfügig». Tatsächlich fühlt sich derjenige glücklicher, der unter demokratischen Verhältnissen lebt. «Insbesondere je besser ausgebaut die Möglichkeiten zur direkten Mitwirkung bei politischen Entscheidungen mittels Volksabstimmung sind, desto zufriedener sind die Einwohner.
Dafür sind zwei Gründe massgebend: Zum einen können die politischen Verhältnisse beeinflusst werden. Insbesondere werden die Regierungen veranlasst, diejenigen Güter und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die die Leute wirklich möchten. Zum anderen schätzen es die Bürger, am politischen Prozess teilhaben zu können.» Frey stützt seine Aussagen auf sorgfältig durchgeführte empirische Untersuchungen. Er bestätigt mit seinen wissenschaftlichen Ergebnissen Befunde der Psychologie, der Wirtschaftswissenschaften und der Politologie.
Frey ging mit seinen Mitarbeitern noch weiter und untersuchte in der Schweiz die kantonalen Unterschiede bezüglich direktdemokratischer Einflussmöglichkeiten. Auch hier kam er zu einem interessanten Ergebnis: Unterschieden wurde zwischen Kantonen mit ausgeprägten Möglichkeiten direktdemokratischer Beteiligung (Baselland, Glarus, Appenzell Ausserrhoden, Solothurn) und solchen mit geringen Möglichkeiten (Genf, Neuenburg, Tessin, Bern). «Nach Berücksichtigung aller anderen wirtschaftlichen und soziodemographischen Einflüsse zeigt sich, dass Bürger in Kantonen mit stark ausgebauten politischen Rechten deutlich zufriedener sind.»
Eine prosperierende Wirtschaft und auch ein Wirtschaftswachstum sind für die Wohlfahrt der Bevölkerung wichtig. Die Wirtschaft wächst aber um so besser und nachhaltiger, je mehr die Bürger mit direktdemokratischen Mitteln mitbestimmen können. Einmal mehr wird so unterstrichen, dass die direkte Demokratie der Schweiz einen hohen ethischen Wert besitzt. Wir schliessen uns Bruno S. Frey an, wenn er den Schweizerinnen und Schweizern rät, auf ihre direkte Demokratie stolz zu sein. •
Quelle: unijournal vom 2. April 2002
Frey, Bruno S./Kirchgässner, Gebhard. Demokratische Wirtschaftspolitik. ISBN 3-8006-2737-X
Neuauflage im 3.Quartal 2002
Es gibt gerade auch in der Schweiz immer wieder Leute, die sagen, die direkte Demokratie, das sei eine überholte Sache, im 21.Jahrhundert sei das nicht mehr gut. Wir finden genau das Gegenteil: Wir finden, dass die direkte Demokratie nicht nur leistungsfähiger ist, sondern die Leute auch zufriedener macht, als in anderen Ländern. Und auch hier würde ich wieder sagen. Einige andere Länder in unserer Umgebung, Deutschland zum Beispiel, könnten durchaus ein bisschen mehr direkte Mitbestimmung mittels Initiativen und Referenden einführen.
[…] Wir können es einfach nicht feststellen, dass direkte Demokratie verlangsamt. Es wird sehr, sehr oft behauptet, dass immer alles aufgehoben werde; man muss das aber vergleichen mit parlamentarischen Demokratien, in denen auch immer alles blockiert wird, dort allerdings durch starke Interessengruppen. Aber bei uns gibt die direkte Mitbestimmung der Bürger die Möglichkeit, auch starke Interessengruppen zu überwinden, und das finde ich eine sehr wichtige Möglichkeit.
Aus: Zeit-Fragen Nr. 7, 11.2.08, Interview mit Professor Bruno S. Frey, Schweizer Radio DRS