Metallische Nanopartikel in Sonnenschutzcremes und Kosmetika
Neue italienische Studie bezweifelt Harmlosgkeit
Nicht nur bei Sonnencremes werden die Gefahren, die von Nanopartikeln ausgehen, unterschätzt. Dazu die Expertin Frau Professor Baroli: «Zum heutigen Zeitpunkt sollte jeder Gebrauch von Produkten, die Nanopartikel enthalten – und die zur zufälligen oder beabsichtigten Anwendung auf die Haut gelangen –, einer sorgfältigen Auswertung unterzogen werden. Es wäre verfrüht, von einer 100prozentigen Versicherung auszugehen, diese Partikel würden keinen Schaden verursachen. Das gilt besonders für eine Nanopartikelgrösse von unter 10 Nanometern.»
bha. Die chemisch-pharmazeutisch-technologische Abteilung der Universität von Cagliari, Sardinien, forschte zur Frage, ob metallische Partikel in Nanogrösse in die Haut eindringen oder durch sie hindurch in den Körper gelangen. Diese Forschung wurde notwendig, da Nanopartikel in Kosmetik, Sonnenschutzcremes oder Haushaltsprodukten Anwendung finden. Die Forschung von Prof. Biancamaria Baroli hat ergeben, dass metallische Nanopartikel die Lipidbarriere durchdringen und bis in die tieferen Schichten des Stratum corneum, in die Haarfollikel und gelegentlich sogar in die lebende Epidermis eindringen können.
Prof. Baroli und ihr Team führen an, dass die Durchdringungsexperimente bisher unter Laborbedingungen gemacht wurden, und zwar an gesunder Haut. Es gehe jedoch nicht an, aus diesen Ergebnissen auf die generelle Aussage zu extrapolieren, Nanopartikel drängen nicht tief in die Haut ein und schon gar nicht hindurch. Unter Bedingungen ausserhalb des Labors, z.B. wenn man Schürfungen oder Kratzer hat, einen Sonnenbrand, wenn die Haut sehr trocken oder sehr stark durchblutet ist usw., kann man von einer stärkeren Eindringfähigkeit von Nanopartikeln ausgehen.
Welche Faktoren sind hierfür ausschlaggebend?
a) Zunächst einmal die tatsächliche Grösse der Nanopartikel. Je kleiner, desto eher dringen sie ein.
b) Die Art der Emulsion oder Zusammensetzung des Mittels, das auf die Haut aufgetragen wird. Die chemische Zusammensetzung kann die natürlichen Barrieren der Haut herabsetzen und dadurch das Eindringen der Nanopartikel erleichtern.
c) Die Menge der in der Emulsion verwendeten Nanopartikel könnte ausschlaggebend sein für ihre potentielle Toxizität.
d) Untersucht werden muss die Frage, ob eine toxische Wirkung auf Grund der toxischen Komponenten der verwendeten Nanopartikel entsteht oder dadurch, dass die Zusammensetzung Elemente freisetzt und sie dadurch in einem ionisierten Zustand vorliegen.
Die Schlussfolgerung von Prof. Biancamaria Baroli ist:
«Zum heutigen Zeitpunkt sollte jeder Gebrauch von Produkten, die Nanopartikel enthalten – und die zur zufälligen oder beabsichtigten Anwendung auf die Haut gelangen –, einer sorgfältigen Auswertung unterzogen werden. Es wäre verfrüht, von einer 100prozentigen Versicherung auszugehen, diese Partikel würden keinen Schaden verursachen. Das gilt besonders für eine Nanopartikelgrösse von unter 10 Nanometern.»
Es gibt immer noch Kosmetika ohne Nanopartikel. Den heute durchaus notwendigen Sonnenschutz kann man mit Sonnencremen mit chemischen Lichtschutzfiltern und mit entsprechender Kleidung erreichen. •
Quelle: Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Nr. 3/2008/ S. 330-31
Autor: Baroli, Biancamaria, University of Cagliari, Italy, E-Mail: bbaroli@unica.it