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Frieden schaffen

Zur Ausstellung von Theo Dannecker in der Evangelisch-Reformierten Kirche Niederurnen GL

von Dr. Vera Ziroff Gut

«Frieden schaffen» ist der Titel der Ausstellung von Theo Dannecker, Konzeptkünstler aus Zürich. Nach der Präsentation in der Kirche Balgrist in Zürich im Sommer 2008 ist jetzt eine erweiterte Ausstellung «Frieden schaffen» vom 25. November bis zum 18. Dezember 2009 in der Evangelisch-Reformierten Kirche Niederurnen GL zu sehen. Sie umfasst ein Ensemble von Bildern, Objekten und Installationen, die einerseits den Krieg thematisieren und andererseits individuelle und gesellschaftliche Voraussetzungen zum Thema «Frieden schaffen» ausmalen; sie ist ein Gesamtkonzept.

«Zum ewigen Frieden» nannte Immanuel Kant seine Schrift von 1795, in der er eine erste Skizze zum Völkerrecht entwickelte. Sie gilt als das bedeutendste Traktat zum Thema Krieg und Frieden in deutscher Sprache. Den Titel will er auf dem Schild eines holländischen Gasthauses gefunden haben, auf dem ein Friedhof zu sehen gewesen sei. Die Doppeldeutigkeit des Titels, die Friedhofsruhe und die Seligkeit, die sich darin verbergen, benutzte er auch im einleitenden Gedanken: «Ob diese satyrische Ueberschrift auf dem Schilde jenes holländischen Gastwirts, worauf ein Kirchhof gemalt war, die Menschen überhaupt, oder besonders die Staatsoberhäupter, die des Krieges nie satt werden können, oder wohl gar nur die Philosophen gelte, die jenen süssen Traum träumen, mag dahin gestellt seyn.»1 Und er schliesst mit dem bemerkenswerten Satz, dass der ewige Friede keine leere Idee, sondern eine Aufgabe sei, die nach und nach gelöst werden muss. Auf der grössten Tafel der Ausstellung «Frieden schaffen» des Konzeptkünstlers Theo Dannecker sitzt Kant am rechten Bildrand am Tisch.
Auf dem gedanklichen Rundgang durch die Ausstellung, die in Niederurnen einen sehr angenehmen Rahmen gefunden hat, soll zunächst die grösste Tafel behandelt werden, weil sie die Tradition, in der das Thema steht, in der Theo Dannecker steht, am besten aufzeigt.
Friedrich Schiller, die halb überschnittene Rückenfigur am rechten Bildrand, war ein grosser Verehrer Kants und mit ihm zunächst von den Idealen der Französischen Revolution fasziniert. Als er aber von den Exekutionen erfuhr, wandte er sich empört von ihr ab, ja er arbeitete sogar an einer Verteidigungsschrift für Ludwig XVI. So steht er nicht nur als der Dichter persönlicher und ­politischer Freiheit – als den wir ihn alle kennen – am Kopf des Zeichentischs, sondern als Mann des Ausgleichs, der in seinen Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» (1795) darlegt, dass eine Verbesserung der politischen Verhältnisse nur von der «Veredlung des Charakters» ausgehen kann; das Werkzeug dazu, «dieses Werkzeug ist die schöne Kunst».
Der Zeitgenosse Heinrich Pestalozzi, Pädagoge und Sozialreformer dicht hinter Kant, setzt dem Protest gegen Krieg durch seine Hilfeleistung für die hinterbliebenen Kriegswaisen einen gewichtigen humanitären Akzent hinzu. Er will den ganzen Menschen durch eine naturgemässe Erziehung und Bildung stärken, so dass bereits das Kind die intellektuellen Kräfte ebenso wie die sittlich-religiösen und die handwerklichen entfalten kann.
Auf die Bedeutung der Erziehung für das friedliche Zusammenleben wird in diesem Bild mehrfach hingewiesen. Die beiden prominenten Figuren in der Mitte des Vordergrundes, der elegant gekleidete Humanist Erasmus von Rotterdam mit der Schriftrolle und Leo Graf Tolstoi, im bescheidenen weissen Baumwollkleid, greifen den pädagogischen Gedanken ebenso auf wie Alfred Adler, dessen Buch «Über den Sinn des Lebens», Sibil, Theos Frau und selbst Pädagogin, aus dem Bücherregal greift. Auf der Schriftrolle von Erasmus ist aus seiner pazifistischen «Klage des Friedens» der Satz zitiert: «Ein Friede ist kaum einmal so ungerecht, dass er nicht dem anscheinend ‹gerechtesten› Krieg vorzuziehen wäre.» Erasmus hat sich der Erziehung des Regenten, des späteren Karl V., gewidmet, um eine friedliche und segensreiche Politik zu bewirken, während Tolstoi Schulen für seine Leibeigenen, für die Ärmsten, für das Volk gründete. Seine Karriere als Autor von Lehrbüchern und Romanen wie «Krieg und Frieden» begann er erst, nachdem die zaristischen Behörden seine freiheitlichen Schulen geschlossen hatten. Alfred Adler hingegen hat die pädagogische Problematik, die soziale Ausrichtung des Menschen, das Gemeinschaftsgefühl grundlegend erforscht und in seinen individualpsychologischen Publikationen wissenschaftlich abgehandelt.
Die innere Verbundenheit von Tolstoi und Gandhi wird durch ihr Äusseres, die einfache Baumwollkleidung, sichtbar. Gandhi, den zwei Tauben begleiten, ist hier mit seinem Konzept des gewaltlosen Widerstands zitiert. Durch die Nicht-Zusammenarbeit mit den englischen Kolonialherren wurde Gandhi zum politischen und geistigen Führer seines Landes, der die Engländer 1947 zwang, die indische Unabhängigkeit zu erklären.
Albert Schweitzer, Philosoph und Arzt, verlässt sein Land – im Vordergrund läuft er symbolisch aus dem Bild –, um in Afrika als Missionsarzt für Tropenkranke zu arbeiten. Hier in unserem Zusammenhang sei vor allem an sein Engagement gegen die Atomrüstung erinnert. Am 23. April 1957 liess er über Radio Oslo einen «Appell an die Menschheit» verlesen, um die «Gefahr eines Atomkrieges» bewusst zu machen und den «Verzicht auf Versuchsexplosionen» zu bewirken. Die Anti-Atomwaffenbewegung konnte zwar die atomare Aufrüstung nicht verhindern, sie bewirkte aber ein bis heute geltendes Versuchsstopp-Abkommen für oberirdische Atomwaffentests. Sie hat das öffentliche Bewusstsein für die Gefahren eines Atomkrieges weit mehr geschärft, als wir dies heute erfahren.
Den Krieg und seine Verbrechen angeklagt haben Berta von Suttner mit ihrem Roman «Die Waffen nieder» und die beiden Maler Francisco Goya und Pablo Picasso, die neben ihr am Zeichentisch Platz genommen haben. Goya hält sein erschütterndes Bild «Die Erschiessung der Aufständischen durch die napoleonischen Grenadiere vom 3. Mai 1808 zu Madrid» in Händen. Als einer der ersten hat er es gewagt, die Grausamkeit einer Erschiessung darzustellen. Mit seinem Guernica-Bild hat Pablo Picasso das bedeutendste Antikriegsbild des 20. Jahrhunderts geschaffen. Es entstand 1937 nach dem Angriff der deutschen Legion Condor auf das baskische Städtchen Guernica. Das Guernica-Bild begleitete Theo Dannecker seit seiner Jugend, es war für ihn Vorbild und Anregung, in unserer Zeit gegen unsere Kriege ein Antikriegsbild zu schaffen.
Wir erkennen den Künstler, in Komplementärfarben zu seiner Frau Sibil, wie er an der Staffelei gerade das Porträt von Käthe Kollwitz zeichnet, einer Künstlerin, die – nachdem sie selbst einen Sohn im Ersten Weltkrieg verloren hatte – ihre ganze Kraft für den Frieden einsetzte.
Spätestens jetzt erkennen wir natürlich auch, dass es sich bei dieser grossen Tafel um ein Atelierbild handelt, eine Installation, die in den Raum ausgreift, zu der neben der Leinwand auch Vorstudien, Malutensilien, Bücher und Skizzen der Zeichenschüler gehören. Hier sind Menschen versammelt, die mit Feder und Pinsel, in Wort und Tat, gegen den Krieg protestierten, die an der Entwicklung der Volksbildung, der Pädagogik, der Menschenrechte, des Völkerrechts, der Gründung des Roten Kreuzes und der Guten Dienste mitgearbeitet und ihre Lebenskraft für ­politische Unabhängigkeit, für ein gewaltloses und friedliches Zusammenleben eingesetzt haben. Sie bevölkern das ehemalige Atelier von Theo Dannecker an der Kreuz­strasse 64 in Zürich, das einerseits als Werkstatt, als Schule und andererseits als geistiger, historisch-gesellschaftlicher Schauplatz gesehen werden will. Hier sind Menschen versammelt, die den Künstler angeregt und bestätigt haben, am Thema «Frieden» zu schaffen.

Theo Dannecker, ein Konzeptkünstler

Auf die Frage, wo die Bilder des Konzeptkünstlers Theo Dannecker, die den Menschen so direkt ansprechen, einzuordnen sind, müssen wir ins 20. Jahrhundert zurückblicken.
In der Geschichte der Kunst war das 20. Jahrhundert durch die gegenstandslose Malerei geprägt. Man hat sich auf Farben und Formen konzentriert und den Gegenstand, der von der reinen Kunst ablenke, bewusst ausgeblendet. Die Konzeptkunst hat sich in den 60er Jahren aus der gegenstandslosen Malerei und der Minimal Art heraus entwickelt, sie hat erste Gegenstände – oft Fundstücke – wieder in das Bild aufgenommen und vor allem das Konzept und die Idee in den Vordergrund gestellt. Die Werke sind nicht als fest gefügte, abgeschlossene Werke ausgeführt, sondern bestehen bereits durch ihren gedanklichen Inhalt. Damit sieht sich der Betrachter viel stärker gefordert. Er ist nicht mehr auf die blosse Betrachtung festgelegt, sondern sieht sich aufgefordert, die Texte zu lesen, die Gedanken nachzuvollziehen. Das Kunstwerk wird aus der Sphäre der endgültigen Abgeschlossenheit herausgenommen. Theo Dannecker hat diesen Ansatz ausgestaltet, den Akzent auf den Inhalt und die konzeptuelle Gestaltung gelegt. Sowohl in der offenen Form seiner Objekte, die man begehen, öffnen und schliessen, also verändern kann, als auch mit dem inhaltlichen Aufbau wendet er sich an den Betrachter. Immer muss sich dieser in das Bild vertiefen, sich berühren lassen, es durchdenken, sich damit auseinandersetzen. Ja, bereits das Transparent «Frieden schaffen» – mitten im Verkehr aufgestellt – ist ein Aufruf an den Besucher, zu handeln. Jede Ausstellung ist als Gesamtkonzept entwickelt, auf den Ausstellungsort und die historische Situation neu zugeschnitten. Wie sieht das konkret bei dieser Ausstellung aus?

Hunger und Tanz um das Goldene Kalb

Unmittelbar beim Eintritt in den Kirchenraum sieht sich der Besucher mit einer janusköpfigen Installation konfrontiert, die ihm die Probleme unserer Zeit, ja insbesondere die des vergangenen Jahres, vor Augen führt: Der «Hunger» (2008) und der «Tanz um das Goldene Kalb» (2009). Beide Werke sind in Niederurnen zum ersten Mal zu sehen.
In einer leeren Suppenschüssel führt ein Schriftband auf den Grund mit dem Aufdruck: «Sie versprachen Nahrung und brachten Hunger, Armut und den Tod». Auf weissem Karton mit schwarzem Rand ist in schwarz-weissen Farbschattierungen eine Hinterhofszene dargestellt, bei der einige Helfer versuchen, Hungergestalten, die auch optisch aufgezehrt, auf eine Umrisslinie reduziert sind, zu retten. Theo Dannecker klagt zu Recht an: «Über 800 Millionen Menschen leiden an Hunger», sie brauchen Hilfe von uns allen. Nach neuesten Erkenntnissen des Welternährungsberichtes vom Oktober 2009 leiden bereits über eine Milliarde Menschen an Hunger. Jeder sechste hat kaum etwas zu essen. In ländlichen Gegenden der dritten Welt leben 70% der Hungernden. Obgleich man weiss, dass der Hunger heutzutage kein Problem mehr sein müsste – der Bericht weist ausdrücklich darauf hin, dass die regional ausgerichtete ökologische, kleinbäuerliche Landwirtschaft die richtige Antwort auf das Hungerproblem ist –, haben noch nie so viele Menschen an Hunger gelitten. Und noch nie hat es eine solche Konzentration des Reichtums gegeben wie im Jahr 2009. Während die einen Hungers sterben, geht die Show weiter, werden beim Tanz um das Goldene Kalb mit Aktien und Hedge-Fonds grösste Gewinne erzielt. In diese Situation hinein ruft Theo Dannecker zum Stopp, ja zur Abhilfe auf. Nur wenn wir uns berühren lassen, mitleiden, dann wollen wir auch etwas ändern. Ansonsten lassen wir es zu, dass das Leid vergrössert wird, wie es in den Bildern zum Krieg zu sehen ist.

Reflexionen zum Krieg

Theo Danneckers Reflexionen zum Krieg konzentrieren sich in verschiedenen Bildern und Objekten, die die lange Beschäftigung des Künstlers mit diesem Thema dokumentieren: Das vielschichtige Konzept «Wir Menschen und der Krieg» entstand bereits 1977 als Nachklang zum Vietnam-Krieg; «Der weinende Kopf» von 1990, eine ausdrucksstarke Profilzeichnung, drückt die Trauer über den Zustand der Menschen aus, die auch nach dem Ende des sogenannten kalten Krieges nicht in Frieden miteinander leben können. «Das Mahnmal gegen den Krieg» (2001), ein schwarzgrauer Gipskopf auf hohem Sockel, auf dem die Namen der jüngsten Kriege festgehalten sind, wurde nach einem Stein gearbeitet, den der Künstler an jenem Tag in Venedig fand, an dem die Amerikaner Afghanistan zu bombardieren begannen. Es symbolisiert in seinen zerstörten Teilen, in seiner aufgerissenen Oberfläche das Leiden der Kriegsopfer einerseits und in seinen Ausstülpungen und Aufwerfungen die Fratze der Aggressoren andererseits. Mit dem kleinen Stein neben dem grossen Kopf wird uns auch gleich die künstlerische Anregung zu diesem Mahnmal mitgegeben. Theo Dannecker macht kein Geheimnis aus der Inspiration zu seinen Arbeiten. Es geht ihm vielmehr um Klarheit im Ausdruck, um die Verständlichkeit seiner Objekte. Es gehört zur Konzeptkunst, dass die Machart des Kunstwerks oder seine Entstehungsgeschichte – wie hier der kleine Stein – mitgeliefert wird und der Betrachter den Gedanken des Künstlers somit genauer erfassen kann.
Kleinere, aufgeständerte Objekte aus schwarzem Karton, die sich öffnen lassen, machen die Taten, die unmittelbaren Folgen und langfristigen Auswirkungen der jüngsten Kriege sichtbar. Sie zeigen uns, wie weit wir heute vom Frieden entfernt sind. Schwer bewaffnete Soldaten schiessen auf fliehende Kinder, hinterlassen zahllose Tote, verwüstete und atomar verseuchte Landstriche und zeugen selbst – wie die jeweils einheimische Bevölkerung – gengeschädigte, missgebildete Kinder. «Ich schweige, du schweigst, wir schweigen», konjugiert Dannecker.

Kriege entstehen im Kopf

 Bei den Schilderungen des Elends und der Kriegsverbrechen bleibt der Künstler jedoch nicht stehen. Immer stellt er sich und dem Betrachter die Frage: «Was braucht es, damit wir aus dem derzeitigen Chaos herauskommen und Frieden schaffen können?»
Und mit jedem Objekt versucht er eine Teil-Antwort zu geben. In der wissenschaftlichen Zeichnung «Grosser Kopf» (2009) mit ausgeprägter Darstellung des Gehirns – die übrigens in Niederurnen auch erstmals zu sehen ist – erinnert Theo Dannecker auf davor gespannten Texttafeln daran, dass der Krieg seinen Ursprung im Gehirn des Menschen hat. Kriege sind kein Naturereignis. Lange bevor Einsatzpläne entstehen, werden atomare Waffen entwickelt, konstruiert, produziert und gekauft. Wenn man heute aber weiss, dass der Mensch seine Entscheidungen auf einer emotionalen Grundlage trifft und diese Emotionen durch eigene Erfahrungen und durch Umwelteinflüsse geprägt werden – Dannecker hält es ausdrücklich fest –, dann ist auf die Schulung des Gefühls äusserste Sorgfalt zu verwenden; dann ist es nicht gleichgültig, ob die Jugend Gewaltspiele trainiert oder im Sportverein den Teamgeist schult, dann ist es auch nicht gleichgültig, ob der Erwachsene sich an Machtgefühlen berauscht oder sich zum Beispiel «Im Wirtshaussääli» (2006) – wie ein Bild heisst – für die Belange der Gemeinde einsetzt.

Voraussetzungen für den Frieden

Noch bevor der Besucher den Kirchenraum betritt, wurde er bereits im Foyer in eine erste Einheit des Themas eingeführt. Als Grundlage für ein friedliches menschliches Zusammenleben nennt Theo Dannecker die gedeihliche Entwicklung der Persönlichkeit in der Familie, deren freie Entfaltung in der Gesellschaft und die politisch-wirtschaftliche Unabhängigkeit des Gemeinwesens. Eine junge Mutter – «Geborgenheit» (2002) genannt –, die ihr Kind schützend im Arm hält, steht für die sichere Mutter-Kind-Beziehung; ein junger Bauer – «freie Rede» (2002) genannt – der ganz unspektakulär dasteht, sich über Mikrofon an viele wendet, steht für ein selbstbewusstes Mitwirken in der Gesellschaft. Diese Entwicklung und Entfaltung des Menschen ist nur möglich in einem wirtschaftlich und politisch unabhängigen Gemeinwesen – symbolisiert durch die Milchkanne mit dem Titel «Unabhängigkeit» (2009) –, das heisst in einem Gemeinwesen, in dem die Versorgung gewährleistet ist, in dem die Bürger die Produkte der Landwirtschaft erhalten und die Bauern kostendeckende und existenzsichernde Preise erzielen können. Dieser gesellschaftliche Aufbau garantiert aber nur dann den Frieden, wenn jeder Bürger an seinem Platz seinen Beitrag leistet, wenn er sich dort, wo sein Fachwissen gefragt ist, verantwortlich einbringt: wenn der «Journalist» (2009) die Desinformation verhindert, die «Bäuerin» (2009) für gesunde landwirtschaftliche Produkte sorgt, der «Lehrer» (2009) gegen Gewalt und die Gewaltspiele der Computerindustrie Stellung nimmt, der «Richter» (2009) Präventivkriege als völkerrechtswidrig brandmarkt und dafür Sorge trägt, dass Recht gewahrt bleibt, und auch der «Maler» (2009) die Ethik mit einbezieht in sein Werk. Malerkollegen, die in diesem Sinn ihren Beitrag geleistet haben, würdigt Theo Dannecker durch die «Bilder in kleinem Format» (2008), die ein treffendes Stück des jeweiligen Künstlers wiedergeben. Obgleich alle interessant wären, soll hier nur Albert Anker genannt werden, der uns mit seiner «Kappeler Milchsuppe» von 1869 ein Beispiel friedlicher Konfliktlösung in Erinnerung ruft, das gleichzeitig als Vorbild für den anbrechenden Deutsch-Französischen Krieg dienen sollte.
Von diesen Themen, die in der Vorhalle angeschlagen werden, bestehen Verbindungen zu anderen Installationen im Kirchenraum, zu den Werken im Chorraum und zu den hochgeständerten Tafeln, auf denen weitere Aspekte des friedlichen Zusammenlebens in Familie und Gesellschaft genannt sind.
Gruppiert um den Baldachin, um das Bibelwort aus der Bergpredigt, entfaltet sich im Chorraum neben dem Atelierbild ein Hauptwerk, das der Ausstellung den Namen lieh: «Frieden schaffen – Das Völkerrecht gilt für alle» (2007).

«Frieden schaffen – Das Völkerrecht gilt für alle»

Unter diesem Titel entwickelte Theo Dannecker ein Beispiel, wie den gedemütigten und so schwer geschädigten Völkern durch den Friedensschluss die Würde zurückgegeben werden könnte. Im Hauptbild der räumlichen Installation treffen Vertreter der westlichen Welt auf Vertreter aus Afghanistan, aus dem Irak, auf Angehörige afrikanischer Stämme. In dieser historischen Begegnung geht der westliche Politiker dem afghanischen mit den Worten entgegen «Wir haben Unrecht getan». Der erste Schritt geht also vom Westen aus. Das Eingeständnis von Schuld, die Bereitschaft zur Wiedergutmachung, das «einander zuhören und sich verstehen lernen» werden hier als Voraussetzungen für einen echten Friedensschluss genannt.

«Friedensschluss»

Der ewige Friede ist keine leere Idee, keine Illusion, schrieb Kant 1795; er ist eine Aufgabe, die nach und nach gelöst werden muss. Heute, mehr als 200 Jahre nach dem Tode Kants, hat die Stunde des ewigen Friedens noch nicht geschlagen. Im Gegenteil. Es scheint, als haben sich Regierungen des Westens auf ein Gegenprogramm zum kantianischen festgelegt. Seit Jahren führen sie Krieg gegen Länder des Südens. Ihr Versprechen an der Jahrtausendwende, den Hunger in der Welt bis zum Jahr 2015 zu halbieren, ist in weite Ferne gerückt. Zum Welternährungsgipfel in Rom, im November diesen Jahres, sind die Staatsoberhäupter der reichen Industrieländer noch nicht einmal erschienen. Kant machte sich jedoch keine falschen Vorstellungen vom Zustand der Staatsoberhäupter, die – wie er schreibt – des Krieges nie satt werden können. Dennoch fasste er nicht nur die Beendigung eines Krieges ins Auge, sondern die grundsätzliche Beseitigung des Phänomens Krieg. Er begann 1795 erste Artikel zu einem allgemeinen Völkerrecht zu entwickeln, das das friedliche Zusammenleben zwischen den Staaten regelt. Seither wurde das Völkerrecht weiterentwickelt, durch das Humanitäre Völkerrecht ergänzt und die Charta der Allgemeinen Menschenrechte geschaffen. Wenn wir heute ihre Missachtung beklagen, so ist es an uns, ihnen Nachachtung zu verschaffen. Der Friede ist ein zu hohes Gut, als dass wir ihn den Regierungen überlassen können. Er ist eine Aufgabe, sagte Kant, die nach und nach gelöst werden muss!
Theo Dannecker hat die Aufgabe aufgegriffen, schliessen wir uns seinem Aufruf an, schaffen wir Frieden!    •

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Sonntag: Mit Führung nach dem Gottesdienst durch den Künstler: 10.45–12.00/15.00–17.00
Für Schulklassen besonders empfohlen.