Die FED und der Dollar
von William A. M. Buckler
Die «offizielle» Erklärung für das Steigen und Fallen des US-Dollars in der Periode seit Beginn des Wiederanstieges des weltweiten Aktienmarktes im März 2009 lautet, dass die Stärke der US-Währung sich umgekehrt proportional zum Appetit der Welt auf «Risiko» verhalte. Mit steigendem Appetit neigen Investoren dazu, mit der Jagd auf Kapitalgewinne in Bereichen wie Aktienmärkten, Rohstoffen und andern Währungen als US-Dollars und Schuldpapieren zu beginnen. Nimmt der Appetit ab, ziehen sich Investoren auf so «felsenfeste» Vermögenswerte wie US-Dollars und in US-Dollars angegebene Schuldpapiere zurück. Das ist die Wiederholung der offiziellen Begründung für den massiven Anstieg des US-Dollars Ende 2008/Anfang 2009. Dieser sei, heisst es offiziell, durch einen Rückzug aus den «Märkten» hin zu mehr «Sicherheit» verursacht worden.
In Wirklichkeit – wie so oft bei offiziellen Erklärungen – entspricht das genaue Gegenteil der wahren Sachlage. Tatsächlich war der Anstieg des US-Dollars, der seinen Höhepunkt in dem Moment erreichte, als der globale Aktienmarkt im März 2009 auf dem Tiefpunkt anlangte, durch eine «Flucht in Sicherheit» verursacht, aber es war eine Flucht in eine Sicherheit, bei der in US-Dollars angegebene Schulden im grösstmöglichen Umfang reduziert wurden. Der Ansturm auf US-Dollars war ein Ansturm, um Nachschussaufforderungen entgegenzutreten und die in Dollar nominierten Schulden zu minimieren. Wie The Privateer damals zeigte und seither mehrfach betont hat, war das ein teilweise erzwungener, zumeist aber freiwilliger Aufschwung durch einen gewaltigen Abbau von Kreditrisiken.
Was den Aufschwung des US-Dollars verhinderte und die Erholung der weltweiten Aktienmärkte entfachte, war die Entscheidung der Bank of England und der FED, die Schulden ihrer Länder zu monetarisieren. Offiziell hat dies den Banken und den Regierungen, die sie kontrollieren, aus dem Schneider geholfen. Wir befinden uns nun seit neun Monaten in der letzten Zuflucht (last resort) der «lenders of last resort», der Zentralbanken oder Kreditgeber letzter Instanz.
«Wir werden beschissen»
The Privateer ist unter anderem stolz darauf, ein Gegengift zu sein gegen die Linie des «offiziellen» Geschwätz, das von Regierungen verlautbart und von ihren Schmeichlern im Finanzsystem und Finanzmedien treu wiedergegeben wird. Wir sind natürlich keinesfalls allein in diesem Bemühen. Einer unserer Helden ist ein Mann namens John Williams, der eine Webseite unterhält, die shadowstats.com heisst. Der Titel über diesem Abschnitt ist eine wenig elegante, aber treffende Synopse von Williams Sichtweise der finanziellen Zukunft der Vereinigten Staaten, die kürzlich einem Interview in einer US-amerikanischen Zeitung zu entnehmen war.
Williams Methoden sind einfach. Er rechnet die wesentlichen Regierungsstatistiken nochmals durch – das Bruttoinlandsprodukt, den Index der Konsumentenpreise, die Höhe der Staatsverschuldung, die Beschäftigungsrate, das Wachstum der Geldmenge usw. Das macht er, indem er die offiziellen Berechnungsgrundlagen verwendet, die vor zwei oder drei Jahrzehnten galten, bevor diese Berechnungsgrundlagen verändert wurden, um ein immer falscheres Bild der US-Wirtschaft abzugeben. Die Ergebnisse von Williams zeigen zweifellos, dass den USA eine Riesen-Depression mit einer restlos bankrotten Regierung und völlig untragbaren Schulden auf allen Ebenen bevorsteht.
Hier ein Zitat von Williams: «Die Regierung veröffentlicht ihre Berichte zum Finanzjahr üblicherweise im Dezember wobei sie allgemein akzeptierte Prinzipien der Buchhaltung anwendet, bei denen zukünftige Verbindlichkeiten wie Gesundheitsvorsorge und Sozialversicherung in gleicher Weise einbezogen werden wie Unternehmen ihre Rentenverpflichtung ausweisen. Im Jahr 2008 belief sich das Defizit auf 5,1 Billionen … anstelle der offiziell angegebenen 450 Milliarden US Dollar.»
Würde die US-Regierung ihre Bilanz in gleicher Weise aufstellen, wie es von jedem anderen wirtschaftlichen Unternehmen verlangt wird, seine anzugeben, dann wäre ihr Defizit im Jahr 2008 11,33mal grösser gewesen als offiziell angegeben. Noch kennen wir die Zahl für 2009 nicht. Laut Williams Webseite, wurde der entsprechende Bericht für 2009 «verschoben». Wir wissen lediglich, dass das offiziell für 2009 angegebene Defizit mehr als 3mal so hoch war wie die offizielle Zahl für 2008.
Je weiter das Jahr 2010 voranschreitet und je mehr die US-Regierung (und alle anderen führenden Regierungen der Welt) davon redet, die Konjunkturprogramme für die Wirtschaft zurückzuschrauben, Haushaltsdefizite zu begrenzen und sogar mit tatsächlichen Erhöhungen der Zinssätze zu beginnen, desto verzweifelter wird sie Kredite aufnehmen und Geld ausgeben, um gegenüber ihrer immer unruhiger werdenden Bevölkerung den Schein der «Normalität» aufrechtzuerhalten.
Der wichtigste «Vorsatz zum neuen Jahr»: Im Rahmen der eigenen Mittel leben
Wenn Sie es denn noch nicht gemacht haben: Für das neue Jahr und die absehbare Zukunft ist das Wichtigste, was Sie als einzelner tun können, im Rahmen Ihrer Mittel und Möglichkeiten zu leben. Wir kommen auf den oft verwendeten Ausdruck zurück, dass das vergangene Jahrzehnt in den USA und in vielen anderen Ländern das «verlorene Jahrzehnt» gewesen ist. Wer hat im letzten Jahrzehnt verloren? Klar und offensichtlich jene, die nicht im Rahmen ihrer finanziellen Mittel gelebt haben.
All jene, die nicht dem Schuldenwahn der letzten Dekade verfielen und weniger ausgegeben haben, als sie verdient haben, und zudem ihre Ersparnisse nicht in hochfliegenden, sondern in soliden Bereichen angelegt haben, konnten das vergangene Jahrzehnt gut durchleben.
Ein Beispiel: Der Goldpreis brauchte fast 4 Jahre – von März 2002 bis Dezember 2005 – um von 300 auf 500 US-Dollar zu steigen. Jeder, der in diesem Zeitraum Gold erworben hat, hat sich wacker geschlagen und wird dies auch weiterhin tun trotz der grössten globalen Finanzkrise seit den 30er Jahren, die 2007 begann.
Jeder, der ein schuldenfreies Haus besitzt und in der Lage ist, für die Steuern und den Unterhalt aufzukommen, ist der grossen Mehrheit seiner Nachbarn um Lichtjahre voraus. Jeder, der nur minimale oder gar keine Schulden hat und einige Ersparnisse beiseite legen konnte, muss sich nicht auf die düstere Aussicht von Lebensmittelmarken einstellen. Jeder, der die fundamentale Tatsache berücksichtigt hat, dass man nicht ungestraft mehr konsumieren kann als man produziert, kann ruhig und nur mit geringen Einschränkungen in die Zukunft gehen.
Wenn Sie das noch nicht beherzigt haben, dann sollten Sie sich für 2010 vornehmen, Ihre Schulden zu minimieren oder ganz zu beheben. Allein der Seelenfrieden, den Sie so gewinnen, überwiegt alle Mühen, wie gross sie auch erscheinen mögen. Zahlungsfähigkeit ist die beste Strategie – immer. •
Quelle: The Privateer, Mid January Issue, Nummer 645, 2010, Seite 2/3
(Übersetzung Zeit-Fragen)