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Die Krise ist noch längst nicht ausgestanden

von William A. M. Buckler

Die Jahre von 1980–89 waren selbstredend als die «Achtziger» und diejenigen von 1990 bis 99 als die «Neunziger» bekannt. Das soeben zu Ende gegangene Jahrzehnt hätte man die «Nuller» nennen können, aber das würde einem nicht leicht über die Lippen kommen. Man hätte es die «Nuller-Jahre» [englisch «Noughties»] nennen können – was es in vielerlei Hinsicht war –, aber das wurde als unangemessen erachtet, wer auch immer solche Dinge entscheidet.
Statt dessen hat man das Jahrzehnt von 2000 bis 2009 in populärer Ausdruckweise als die «Oughties» – die « Sollte-Jahre» – tituliert.
Dies ist ein ausgesprochen passender Name für das jetzt beendete Jahrzehnt. Die Liste der Dinge, die hätten getan werden «sollen», ist endlos. Unnötig zu sagen, dass nichts davon tatsächlich getan wurde. Resultat davon ist, dass viele Analysten in Politik und Wirtschaft, vor allem in den USA, das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts anders bezeichnen. Sie nennen es «das verlorene Jahrzehnt». Und das war es auch.
In der «entwickelten Welt» beendete die grosse Mehrheit das Jahrzehnt in einer miss­licheren Lage, als sie es begonnen hatte. Das ist schlimm genug. Viel schlimmer ist die schlichte Tatsache, dass die Regierungen überall entschieden, es allen, einschliess­lich sich selbst, so schwer wie möglich zu machen, aus ihren Fehlern zu lernen. Die «Sollte-Jahre» waren ein Jahrzehnt finanziellen Aufschwungs mit nachfolgendem Zusammenbruch, wie es ihn in der modernen Geschichte noch nie gegeben hat.

Wenn ein «Versagen» zu gross wird, um es in Erwägung zu ziehen

Am 14. Januar 2000, vor fast genau zehn Jahren, schloss der Dow Jones für diesen Tag bei 11 722,98 Punkten. Er erreichte diesen Stand erst im Oktober 2006 wieder. In den nahezu sieben Jahren dazwischen wurde der letzte Rest fiskalischer oder monetärer Vernunft über Bord geworfen. Während des ganzen Jahres 2001 wurden die offiziellen Zinssätze der USA von der FED mit roher Gewalt heruntergeholt, wobei sich die Abfolge [der Zinssenkungen] in der düsteren Folge von 9/11 beschleunigte. Die Defizite des Bundesstaates, im Finanzjahr 2000 weit davon entfernt, beseitigt zu sein, schossen wieder in die Höhe. Der finanzielle Verschuldungsgrad wurde in einem Masse aufgeblasen, wie man es zuvor nie in Erwägung gezogen hätte. Neue Finanz­instrumente wurden erfunden und zu Multi­billionen-US-Dollar-Kolossen aufgebläht. Programmhandel (lies Computerhandel) übernahm das Regiment. Vermögensberechnungen wurden imaginär, als das «Derivate»-Ungetüm angeheizt wurde, ohne dass es je irgendeiner Form des Markthandels unterworfen worden wäre.
Dann, Mitte 2007, schlug die Weltfinanzkrise ein. In der zweiten Hälfte des Jahres 2008 brach alles zusammen. Anfang März 2009 begann sich eine globale finanzielle Apokalypse abzuzeichnen. In einem letzten Anlauf kündigten die Bank of England (BoE) und die FED im März 2009 an, sie würden die (Finanz-) Welt retten, indem sie die Schuldpapiere ihrer Regierungen direkt kaufen, welche diese verkaufen muss­ten, um funktionieren zu können. Ein Versagen dieser Regierungen wurde als zu gross erachtet, um es in Erwägung zu ziehen. Statt dessen wurde es verschoben.
Wir beginnen das Jahr 2010 mit dem Hinweis auf wachsenden Optimismus aus offiziellen Kreisen – die gefährlichste Situation, die es gibt. •

Quelle: The Privateer, Mid January Issue, Nummer 645, 2010, Seite 1
(Übersetzung Zeit-Fragen)