Falkland – Krieg und Erdöl
Vor 28 Jahren entspann sich ein kurzer, blutiger Krieg um die Falkland-Inseln (argentinisch: Las Malvinas). Die argentinische Invasion wurde von Grossbritannien rasch zurückgeschlagen. Seither ist es um das Land der Kelpers (Schafzüchter) ruhig geworden. Bis zum 9. Dezember 2009, als das argentinische Parlament die Falkland-Inseln und das umliegende arktische Schelf als «argentinisches Hoheitsgebiet» erklärte. Dem von Grossbritannien umgehend widersprochen wurde. Der Grund liegt wie immer im Wirtschaftlichen. Gleich nach dem Falkland-Krieg hatten die internationalen Erdölgesellschaften das Land kartografisch erfasst und Probebohrungen gemacht. Da aber damals der Erdölpreis international nur um zehn Dollar notierte, war der Beginn einer Förderung uninteressant. Studien zeigten, dass es erst ab 25 Dollar interessant wird.
Die Voraussetzungen haben sich seither total geändert. Der Erdölpreis liegt bei 75 Dollar pro Barrel, und die Bohrtechniken haben in diesen vergangenen Jahrzehnten eine dramatische Verbesserung erfahren. Die früheren Sondierungen haben ergeben, dass um die Falkland-Inseln Ölvorräte von über 60 Milliarden Barrels (!) unter dem Meeresboden ruhen. Das würde die Falkland-Inseln zu einem der allergrössten Erdölreserven der Welt machen. Die Nordsee-Ölvorkommen, seit Jahrzehnten als unerschöpfliche Quellen genannt, weisen gerade 40 Milliarden auf und sind inzwischen durch Intensivförderung arg dezimiert worden. Es kommt noch besser: Geologen glauben jetzt festgestellt zu haben, dass die bisher nicht erforschten Vorkommen weiter im Süden noch grössere Vorräte enthalten könnten!
Das Problem der Förderung ist nicht zu unterschätzen. An den meisten Orten ist das Meer 3000 Meter tief. Zudem ist die Wassertemperatur dort in der ganzen Winterperiode um die zwei Grad. Und viele Stürme würden dazu führen, dass dannzumal die Förderung tagelang eingestellt werden müsste. Bei täglichen Betriebskosten von 1 Million Dollar pro Bohrturm ist das ein enormer Kostenfaktor, der schwer abzuschätzen ist.
Die Falkland-Inseln machen aber die Förderung für die Gesellschaften attraktiv. Sie verlangen nur 26% der Erdölpreise für sich und eine zusätzliche Royalty von 9 Dollar pro Fass. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was Ölgesellschaften im Nahen Osten bezahlen. In den nächsten Monaten sollen die entsprechenden Verträge abgeschlossen werden. Allen Protesten der Argentinier zum Trotz. •
Quelle: Vertraulicher Schweizer Brief vom 2.2.2010