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Sie sind hier:   Startseite  >  2010  >  Nr.9 vom 1.3.2010  >  «Hunger ist ein Verteilungsproblem» Druckversion

«Hunger ist ein Verteilungsproblem»

Fragen an Professor Jean Ziegler

Zeit-Fragen: Durch Gentechnik im Bereich der Nahrungsmittelproduktion soll der Hunger besser bekämpft werden. Was sagen Sie zu dieser Aussage?

Prof. Jean Ziegler: Die Aussage ist falsch. Hunger ist ein Verteilungsproblem. Gemäss FAO könnten heute 12 Milliarden Menschen – mit der Landwirtschaft, so wie sie ist, ohne GMO* – normal ernährt werden.

Durch Biodiesel sollen die Schadstoffemissionen verringert werden, und deshalb sollen vermehrt Biotreibstoff produziert und entsprechende Pflanzen angebaut werden. Können Sie diese Entwicklung unterstützen?

Falsch. Weil schon die Produktion von Biodiesel sehr viel CO2 freisetzt.

Welche Folgen hat das für die Lösung des Hungerproblems?

Die USA haben im Jahr 2009 über 150 Millionen Tonnen Mais und viele Millionen Tonnen Getreide verbrannt – zur Herstellung von Agrartreibstoffen. Das hat die Grundnahrungsmittel-Weltmarktpreise explodieren lassen.

Der «Weltagrarbericht» fordert für die Landwirtschaft eine Rückkehr zur kleinräumigen lokalen Produktion, um dem Hungerproblem Herr zu werden. Wie kann das erreicht werden?

Durch Agrarreform, durch prioritäre Investitionen in Familienbetriebe (Samen, Dünger, Irrigation, Zugkraft u.a.).

Welche Rolle spielen dabei die WTO und die Biotechmultis wie Monsanto & Co.?

Eine total negative: Monsanto will seine Patente vertreiben. Die WTO zwingt zum Universalschutz der Patente und zur Totalliberalisierung.

GMO = gentechnisch manipulierte Organismen