Soll das BAG künftig alle Impfskeptiker landesweit mit einem Mausklick identifizieren können?

Liest man im rEpG von den Plänen zur Datensammlung, insbesondere der Erfassung der geimpften Personen (Art. 24 Abs. 21) und der Pflicht der Kantone, dafür zu «sorgen, dass die von Impfempfehlungen betroffenen Personen vollständig geimpft sind» (!) (Art. 21 Abs. c), fragt man sich, wie diese umfangreiche, zentrale Datensammlung durchgeführt werden soll. Bis anhin waren diese Daten lediglich beim Hausarzt und beim Patienten im Impfbüchlein.
Es wundert nicht, dass zeitgleich mit diesem Gesetz von eHealth Schweiz ein Pilotprojekt für das Online-Impfdossier lanciert wird: «Mit einem Projekt ‹Elektronisches Impfdossier› möchte ‹eHealth Suisse› deshalb ein erstes national koordiniertes ‹eHealth›-Vorhaben unterstützen. Das Thema eignet sich sehr gut, ‹eHealth› schweizweit sichtbar zu machen.»2
eHealth ist ein umstrittenes Projekt (vgl. «10 Killerkriterien für eHealth», H. Bhend, Schweizerische Ärztezeitung SAEZ 2011; 9249; «Wenn die Diagnose zum öffentlichen Gut wird…» J. Wagner, SAEZ 2010; 91:38), das von der EU-Kommission 2004 mit dem «Aktionsplan für einen europäischen Raum der elektronischen Gesundheitsdienste» geschaffen wurde.
Das geplante eImpfdossier  muss als Bestandteil des zukünftigen ePatientendossiers angesehen werden:
«Bei einem elektronischen Impfdossier geht es nicht nur um die Digitalisierung von heute papierbasierten Informationen, die elektronisch zeit- und ortsunabhängig zur Verfügung stehen könnten. Ein potentieller medizinischer Mehrwert ist der automatisierte elektronische Impfcheck, der Impflücken aufdeckt und diese dem Anwender kenntlich macht.»3 Es soll bereits eine umfangreiche Sammlung von persönlichen Daten angelegt werden: «Personendaten: Name, Alter, Geschlecht, Wohnort; erhaltene Impfstoffe; anamnestische Angaben, z.B. Diagnosen, Allergien, Kontraindikationen, Impfkomplikationen; Serologien und Titer-Bestimmungen; berufliche und geographische Risikosituationen.»4
Kompatibel zum rEpG ist «ein landesweiter elektronischer Dienst zur Prüfung von Impfanamnese bzw. Immunstatus vorgesehen. Impflücken einer Person können so online festgestellt werden (‹e-Impfcheck-Dienst›).»5
Zukünftig sollen also per Mausklick landesweit alle «Impfverweigerer» identifiziert werden können – brave new world!

Dr. med. Karla Neuhus

1    «Die zuständigen kantonalen Behörden erheben den Anteil der geimpften Personen und informieren das BAG regelmässig über die Impfungsrate und über die Massnahmen, die zu deren Erhöhung getroffen wurden.»
2    www.e-health-suisse.ch/umsetzung/00135/00218/index.html?lang=de  20.06.13
3    eHealth suisse, Zwischenbericht elektronisches Impfdossier, 19.4.12, S. 4
4    «eHealth suisse», Elektronisches Impfdossier, 17.1.13, S. 4
5    Anhörungsbericht «Austauschformat elektronisches Impfdossier», Entwurf 21.5.13