Wie die Schule zur Werte-Erziehung beitragen kann

zf. Der Auftrag der Volksschule ist in den Bildungsartikeln der Kantone festgeschrieben (vgl. «Zeit-Fragen» Nr. 6 vom 6. Februar). In unterschiedlichen Formulierungen wird im wesentlichen in allen Kantonen verlangt, dass die Kinder zu ­«lebensbejahenden, tüchtigen und gemeinschaftsfähigen Menschen nach den Grundsätzen von Demokratie, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit im Rahmen des Rechtsstaates zu verantwortungsbewussten Menschen und Bürgern» erzogen werden, wie in Artikel 3 des Volksschulgesetzes des Kantons St. Gallen, und dass die Volksschule zu einem Verhalten erzieht, «das sich an christlichen, humanistischen und ­demokratischen Werten orientiert», Artikel 2 des Volksschul­gesetzes für den Kanton Zürich.
Die Beiträge dieser Bildungsbeilage sind Beispiele, wie dieser Auftrag in der Schule umgesetzt werden kann, von der Primarschule bis ins Gymnasium. Voraussetzung ist jedoch, dass die ausgewählten Inhalte wirkliche Werte vermitteln, ebenso kommt es auf die Form der Vermittlung an. Auffallend ist, wie sehr die gemeinsame Erarbeitung des Stoffes die Schüler zu eigenem Nachdenken anregt und welchen Platz hierbei besonders die Klassenlektüre einnehmen kann. Die Klassenlektüre, verbunden mit dem gemeinsamen Gespräch, ist vielfältig wie kaum etwas anderes. Sie übt das Lesen wie das Zuhören, erschliesst den Inhalt, schult das Einfühlungsvermögen und das Mitgefühl für das Gegenüber und bildet ganz natürlich aus den einzelnen Schülern eine Klassengemeinschaft. Da braucht es keine künstlich eingeschobenen Kommunikationsübungen, um die «Sozialkompetenz» – wie die neudeutsche Worthülse heisst – einer auf Vereinzelung zielenden Unterrichtsform zu korrigieren. Im Klassenunterricht entstehen Gemeinschaft und Zusammenhalt bei der Erarbeitung des Lernstoffs.