Wird die Milizarmee angetastet, bedeutet dies den Untergang der Schweiz!

von Marie-Hélène Miauton

Am 22. September wird das Schweizer Volk über die x-te Initiative der GSoA (Gruppe Schweiz ohne Armee) abstimmen, die dieses Mal für die Abschaffung der Wehrpflicht kämpft, das heisst für die Aufhebung der obligatorischen Milizarmee. Wie der Wolf, der die weisse Pfote zeigt, hat die GSoA begriffen, dass ihr Ziel, die Armee abzuschaffen, nicht so schnell durchginge und dass es auch nicht schlau wäre, wenn sie die Milizstruktur der Armee direkt angreifen würde. Sie behauptet deshalb, dass sie nur auf freiwillige Basis gestellt werden soll, dies mit dem läppischen Argument, dass es viel schöner sei, wenn man sich frei entscheiden könne. Weshalb also nicht freiwillige Schule, freiwillige Arbeit, freiwillige Steuern? Die Initianten setzen also offensichtlich darauf, dass die jungen Schweizer auf den Militärdienst verzichten werden und dass demzufolge die Armee verschwinden wird, was ihr eigentliches Ziel bleibt, vergessen wir das nicht. Viele Bürger könnten auf diesen Trick hereinfallen.
Die GSoA behauptet, dass mit dieser Freiwilligkeit die Schweiz der Tendenz der meisten europäischen Staaten folgen würde, die die Wehrpflicht abgeschafft haben. Was sie nicht sagt, ist, dass diese Länder nun Berufsarmeen unterhalten. Die Initiative gibt vor, die Wehrpflicht unter Wahrung der Milizarmee abzuschaffen, was unrealistisch ist. Wenn die Anzahl der Freiwilligen unzureichend wird, wird man eine ansehnliche Entlöhnung in Aussicht stellen müssen, um Freiwillige anzulocken. Dies kommt dann einer Berufsarmee gleich. Unbezahlbar! Schlimmer noch: Das Beispiel Frankreichs, Englands und der Vereinigten Staaten zeigt, dass sie bei der Rekrutierung so grosse Mühe haben, dass sie auf randständige Personen zurückgreifen müssen. Im Gegensatz zu heute, wo alle beruflichen Kompetenzen in der Armee der Schweiz vertreten sind, was sie hoch effizient macht, müsste die militärische Ausbildung dann die Grundausbildung der Soldaten übernehmen. Zu welchem Preis? Unsere Nachbarn tun es. Aber der Personalwechsel ist so gross, dass die Aufgabe endlos ist. Und nicht zu vergessen ist die Gefahr einer Rambo-Armee.
Die Initianten spiegeln den Bürgern eine konflikt- und risikofreie Zukunft vor, während alles dafür spricht, dass die Welt ganz im Gegenteil sich in einer höchst konflikt­reichen Zeit befindet. Die Schweiz zum Beispiel im Fall von unkontrollierter Zuwanderung, terroristischer Aktionen oder Naturkatastrophen ohne Schutz und Einsatztruppe zu belassen, ist blauäugig und kriminell. Dass die SP als Regierungspartei dies unterschreibt, ist schockierend. Dies um so mehr, als mit der Abschaffung des obligatorischen Militärdienstes auch der Zivilschutz und der Zivildienst verschwinden würden, die sich beide für den Frieden einsetzen.
Vergessen wir schliesslich nicht, dass die Wehrpflicht, mit der die Bürger sich für das Gemeinwohl engagieren, integraler Bestandteil des Schweizerischen Wertekanons ist, der festschreibt, dass die Rechte an Pflichten gebunden sind. Sie fördert also diesen Milizgeist, der dann das ganze Schweizer System und die Seele seiner Gesellschaft belebt. Es handelt sich also bei der Wehrpflicht nicht um eine unbedeutende Angelegenheit, derer man sich so einfach entledigen könnte.
Es ist Ihnen nun deutlich geworden, dass es einen heissen Herbst geben wird. Möge Sie das nicht daran hindern, ausgezeichnete Ferien zu verbringen!     •

Quelle: Le Temps vom 5.7.2013
(Übersetzung Zeit-Fragen)