Unsere Armee und staatsbürgerliche Verantwortung stärken

Nein zur Abschaffung der Milizarmee

von Urs Knoblauch, ehemaliger Gebirgsmitrailleur, Fruthwilen

In der kommenden Volksabstimmung zur Abschaffung der Milizarmee wird ganz Grundsätzliches unseres erfolgreichen und bewährten Schweizer Staatsmodells angegriffen. Die Abschaffung der Armee oder allenfalls eine Söldner-Berufsarmee ist von den Initianten geplant. Damit soll auch der Zusammenhalt in unserem Land geschwächt werden! Unser «Modell Schweiz» mit der direkten Demokratie, dem «Bürger in Uniform» und einer glaubwürdigen Miliz­armee hat sich sehr bewährt und ist eine Kostbarkeit.
Durch die positive Identifikation mit unserem Land und die Leistungsbereitschaft entstanden der wirtschaftliche Wohlstand und die notwendige Wehrbereitschaft für die Verteidigung und den Schutz unseres Landes und unserer Bevölkerung. Zur Stärkung des Zusammenhalts gehört auch ein gründlicher Schulunterricht, auch über die Schweizer Geschichte und Weltgeschichte. Dass im geplanten «Lehrplan 21» (zentralisiert für alle 21 deutschsprachigen Kantone) das Fach Geschichte nicht mehr existiert und durch die   «Individualisierung» die Vereinzelung gefördert wird, darf nicht zugelassen werden. Für unser anspruchsvolles Staatswesen genügen Beliebigkeit und Pseudokompetenzen niemals.
Unsere Jugend will echte Bildung, sie ist ansprechbar für ihren Beitrag zur staatsbürgerlichen Verantwortung, Leistungsfähigkeit und Teamgeist. Rekruten-Umfragen zeigen dies immer wieder, auch meine eigenen damaligen Erfahrungen als Gebirgsmitrailleur-Soldat und auch als Lehrer bestätigen dies. Unsere Vorfahren, Eltern und Gross­eltern haben nicht umsonst viele Opfer und Bewundernswürdiges für eine glaubwürdige und auch eine moralisch-geistige Landesverteidigung und den Schutz unseres Landes geleistet. Sie wussten, wofür sie diese Opfer erbrachten.
So hat auch General Guisan in seinem eindrücklichen Abschlussbericht an den Bundesrat damals weitsichtig die Bedeutung des geschichtlichen Denkens betont: «Die Vorstellungskraft ist eine ziemlich seltene Gabe. Der Grossteil unseres Volkes wird in den kommenden Jahren nicht darüber nachdenken wollen – nicht mehr als 1920, 1930 oder sogar später noch –, ob und wie das Land neuerdings bedroht werden könnte. Was wir, vor allen Dingen seit 1933, getan haben, um es aufzurütteln, um an sein
Gewissen und an seine Wachsamkeit zu appellieren, wird immer wieder neu zu tun sein.»
Tatsache ist, dass wir auch heute nicht von Freunden, sondern von Ländern mit ihren Interessen umringt sind. Die EU, OECD und die USA wollen uns ihre Forderungen diktieren.
Wir sind Zeugen von brutale Erpressungen, Machtpolitik, Wirtschafts- und Finanzkriegen. Sie bewirken immer mehr Elend und «keine Demokratie und Menschenrechte», sondern noch mehr soziale Spannungen, Jugendarbeitslosigkeit, Flüchtlinge und Asylsuchende. Wer die gegenwärtige Weltlage, die Serie von völkerrechtswidrigen, postkolonialen Kriegen in Afrika und dem Nahen Osten ernsthaft in die Überlegungen einbezieht, kann den Sinn und die Notwendigkeit der Wehrbereitschaft und Landesverteidigung nicht übergehen.
In unverantwortlicher Weise wurde die Leistungsfähigkeit und Glaubwürdigkeit unserer Milizarmee mit folgenschweren «Reformen» von innen und aussen bereits destabilisiert. Die «Gruppe Giardino» hat dies mit ihrem kürzlich erschienen und lesenswerten Buch «Mut zur Kursänderung – Schweizerische Sicherheitspolitik am Wendepunkt» deutlich dokumentiert.
Die Schweiz hat keine Angriffsarmee, sondern als Schutz- und Verteidigungsarmee steht sie auch im Dienst unseres Friedensmodells. Wir tragen als Depositarstaat der Genfer Konventionen internationale humanitäre und diplomatische Verpflichtungen und damit eine grosse Verantwortung, die auch einen glaubhaften militärischen Schutz unseres Landes erfordert. Nicht umsonst sind wir eine Willensnation mit einer bewaffneten Neutralität!
Schützen wir damit auch unser bewährtes Schweizer Staatsmodell.    •

Korrigendum: In Zeit-Fragen Nr. 23/24 vom 16. Juli 2013 wurde im Artikel «Die Werte des Friedens stärken» auf S. 11 eine falsche E-Mail-Adresse angegeben. Die richtige lautet: asgbweimar(at)t-online.de