Warum eine 60 Tage dauernde Bombardierung Syriens?

von Prof. Dr. Albert A. Stahel, Institut für Strategische Studien, Wädenswil

Mindestens 60 Tage lang will die Obama-Administration als Strafaktion für das Assad-Regime Syrien bombardieren! Eine 60 Tage dauernde Bombardierung von Flugplätzen, Fliegerabwehr- und Artilleriestellungen und Kasernen wird trotz der angeblichen Präzision der Marschflugkörper1 mit Sicherheit zu gewaltigen Zerstörungen an der Infrastruktur des Landes führen. Diese Zerstörungen dürften zum Zusammenbruch des Regimes von Assad führen und nicht einfach zu dessen Schwächung, wie die Obama-Administration behauptet. Die Zahl 60 Tage macht allerdings stutzig.
Ein Blick auf die durch die USA seit 1991 geführten Kriege lässt erkennen, dass zwei Bombardierungen sehr lange andauerten. Desert Storm dauerte 1991 43 Tage, und 1999 wurde mit Allied Force die Infrastruktur Serbiens, wie die Brücken über die Donau2, durch Kampfflugzeuge und Marschflugkörper während 78 Tagen zusammengeschlagen. Während das Ziel von Desert Storm lediglich die Befreiung von Kuwait und die Vertreibung der irakischen Armee aus diesem Land war, sollte mit Allied Force der serbische Präsident Miloševic gestürzt werden. Der Sturz von Miloševic wurde allerdings erst 2000 mit der durch amerikanische Sponsoren finanzierten serbischen Bewegung Otpor erreicht. Es ist offensichtlich, dass Allied Force als Vorbild für die 60 Tage dauernde Bombardierung dient. Wie bei der Ausbildung und Bewaffnung der kosovarischen UÇK soll nun die Free Syrian Army – die angeblich säkular orientiert, in Tat und Wahrheit mit der Muslimbruderschaft Syriens liiert ist – nach den 60 Tage dauernden Bombardierungen und dem Fall des Assad-Regimes mit Unterstützung und Beratung durch amerikanische Eliteeinheiten3 die Macht in Syrien an sich reissen. Dabei sollen auch die al-Kaida-Kampfgruppen wie Jabhat Nusra und Islamic State of Iraq ausgeschaltet werden.
Es ist offensichtlich, dass die Obama-Administration mit diesen Bombardierungen das Ziel des Regime change und damit des Sturzes von Assad sowie der Machtübernahme in Syrien durch die Muslimbruderschaft verfolgt. Dass dadurch mit Sicherheit die religiösen Minderheiten – Alawiten, Drusen, Christen – aus Syrien vertrieben werden, dürfte die Vordenker dieses Luftkrieges und des Regime change in Syrien, zu denen die Sicherheitsberaterin von Obama, Susan Rice4 gehört, nicht wesentlich belasten. Die europäischen Staaten werden für die Aufnahme dieser Fluchtbewegung besorgt sein. Allerdings ist zu bemerken, dass die Skrupellosigkeit der Obama-Administration zur Auslöschung der ältesten, bis heute bestehenden christlichen Gemeinschaft in der Welt führen wird. Damaskus ist der Ort, wo der Apostel Paulus mit seiner Missionierung und der Gründung der Christenheit begonnen hat.    •

1     Die sogenannten präzisen Marschflugkörper Tomahawk, die von Kriegsschiffen und U-­Booten abgefeuert werden können, weisen auf 1600 km eine Zielabweichung von 5 Metern auf. Diese bedeutet, dass der Gefechtskopf eines Tomahawk-­Marschflugkörpers mit einer Sprengkraft von 453 kg bei einer Abweichung von einem Ziel erhebliche Zerstörungen anrichten kann. So kann ein zum Ziel benachbartes Haus total zerstört werden. (Alan Boyle, Science Editor, NBC News, 30. ­August 2013).
2     Die EU hat die Wiederinstandsetzung der Brücken wegen der Schiffahrt auf der Donau finanziert.
3     Diese sind bereits seit längerer Zeit in Jordanien stationiert und bilden die Angehörigen der Free Syrian Army aus.
4    Wie die soeben geführte Diskussion im aussen­poli­tischen Ausschuss des Senats aufgezeigt hat, besteht bezüglich des Regime change zwischen den linksorientierten Demokraten (zu denen Susan Rice gehört) und den Neocons der Republikaner eine hohe Übereinstimmung. Dies ist nicht verwunderlich, sind doch beide Kreise ursprünglich durch die Ideologie des Marxismus-Leninismus geprägt worden.

Zusammengebastelte C-Waffensysteme weisen auf die Opposition als Täter hin

von Prof. Dr. Albert A. Stahel, Institut für Strategische Studien, Wädenswil

Bilder aus Damaskus über C-Waffen-Einsätze lassen erkennen, dass die dafür eingesetzten Waffensysteme regelrecht zusammengebastelt wurden. C-Waffen-Kanister, die vermutlich aus Regierungsbeständen stammen, sind auf umgelenkten Panzerabwehrraketen behelfsmässig aufgeschweisst und aufgenietet worden. Die ballistisch instabilen Waffen dürften von Behältern abgefeuert worden sein. Die Reichweite wird nicht mehr als 1 km betragen. Diese Konstrukte stammen mit Sicherheit nicht aus den Beständen der syrischen Armee, die mit sowjetischen Waffen aufgerüstet worden ist. Es sind Waffen von Amateuren. Vermutlich sind sie von oppositionellen Milizen hergestellt worden.

www.strategische-studien.com  vom 28.8.2013