Leserbriefe

Kinder zu sozialem Verhalten anleiten

Herzlichen Dank für den hervorragenden, für alle Lehrer und Eltern wegweisenden und wohltuenden Artikel von Herrn Burger über Alexander und die Probleme unserer Schüler heute. Als lang erfahrene Förderschullehrerin (z. Zt. an einer Schule für Geistigbehinderte)kann ich all das nur bestätigen. Zu den Diagnosen ADHS usw. wird auch immer häufiger eine Form aus dem sogenannten «Autismusspektrum» diagnostiziert, wenn Kinder z. B. keinen Blickkontakt aufnehmen, so tun, als ob sie den Erwachsenen nicht hören, bei Anforderungen heftig abwehren, scheinbar in einer anderen Welt sind, eine «eigene» Sprache entwickeln usw. Oft stellt man fest, dass sie sehr wohl verstehen, wenn man sie ruft, und dass sie durchaus zu vielem in der Lage sind, wenn man es ihnen zutraut. Ich denke, dass es vielen unserer Schüler, die als «geistigbehindert» eingestuft wurden, ähnlich geht wie Alexander. Ein weiteres grosses Problem unserer Schüler, die nur wenig Gemeinschaftsgefühl haben, ist auch die Verwöhnung. Sie können die alltäglichsten Dinge nicht, sind es gewöhnt, dass man ihnen in die Jacke hilft, die Schuhe zumacht und haben es derart trainiert, sich «dumm» anzustellen oder den Erwachsenen zur Hilfe zu zwingen, dass man Gefahr läuft, sie wirklich als «wahrnehmungsgestört» usw. einzuschätzen. Da weder Eltern noch Lehrer verstehen, was die Kinder beschäftigt, fallen sie durch alle Maschen und landen schliess­lich an unserer Schulform, an der der Lehrplan sich an den wirklich geistigbehinderten Schülern ausrichtet, d. h. die Kulturtechniken im Hintergrund stehen. Hinzu kommt, dass sich die Schüler ihre trainierten Ausweichmanöver, regelrechte «Macken» voneinander abschauen und ganz erstaunt sind und sich ernstgenommen fühlen, wenn man ihnen erklärt, dass es «Ticks» sind, mit denen sie sofort aufhören können. Nach grosser Erschöpfung in den ersten Wochen Arbeit in einer solchen Klasse hat mich der Artikel sehr gestärkt, weiter bei meinem Weg zu bleiben und mit meinen Kollegen Wege zu finden, wie wir unsere Kinder noch konsequenter positiv zu sozialem Verhalten anleiten und ihnen soviel an Förderung auch im Lesen, Schreiben und Rechnen zukommen lassen, wie es geht.

M. Kupsch, Wachtberg

Der Jugend zum sinnerfüllten Leben verhelfen

Meinen Dank und Respekt für die hervorragende Schwerpunktausgabe Bildung, die für jeden Erzieher, dem es ein Herzensanliegen ist, unserer Jugend zu einem sinnerfüllten, gemeinwohlorientierten Leben zu verhelfen, und für jeden Lehrer von der Primar- bis zur Hochschule eine Pflichtlektüre sein sollte.
Thematisiert werden der ideologisch motivierte Reformwahn an Schulen und die Versäumnisse in der Lehrerausbildung, aber auch die positiven Auswirkungen einer individualpsychologisch fundierten Pädagogik mit einer angeleiteten Klassengemeinschaft und das heilende Wirken gut ausgebildeter Lehrer, die einem Schüler dann helfen können, wenn sie sein Gewordensein in der Familie verstehen und ihn behutsam an die Klassengemeinschaft und ans Lernen heranführen können.
Der nachhaltige Leistungs- und Bildungsabbau begann in Deutschland bereits in den 70er/80er Jahren in den neu eingerichteten Gesamtschulen rot-grün regierter Bundesländer und wird bis heute in einigen Bundesländern (wie z. B. in den Gemeinschaftsschulen Baden-Württembergs) weiter betrieben – mit all seinen negativen Auswirkungen wie Vereinzelung der Schüler, Zurückbleiben der Schwächeren, gestörtem Sozialverhalten. Ich selbst habe als Lehrer und Erziehungswissenschaftler diesen Niedergang des deutschen Bildungswesens miterlebt.
Ich kann für die Schweiz wie auch für Deutschland nur hoffen, dass sich vernünftige Kräfte in der Schul- und Hochschulpolitik – die Bildungshoheit der Kantone wie der Bundesländer achtend – dem Reformwahn in Schule und Hochschule («Pisa» und «Bologna») entschieden entgegenstemmen und sich wieder auf die Stärken und auf Bewährtes im Bildungswesen besinnen.

Dr. Rudolf Hänsel, Lindau (Bodensee)