Leserbriefe

Lehrplan 21 eine Gefahr für die direkte Demokratie

Braucht es den Lehrplan 21? Die heute vorhandenen Mängel sind Folge der schon bisher vorhandenen Reformitis und Evaluiererei durch UNO, Bertelsmann, Pisa usw. Das wird mit dem Lehrplan 21 so weitergehen, Stichwort «Evaluierung». Auch die versprochene Vergleichbarkeit der Schulabschlüsse ist durch die weiterbestehende Kantonshoheit bei den Stundentafeln und den Prüfungen nicht gegeben. Was im Lehrplan 21 zum Thema «Fach­ungebundene Unterrichtsbereiche» unter «Körperlichen Wohlbefinden» oder auch «Medienkunde-Fühlen und Erleben» und weiteren Themen steht, klingt eher nach Erlebnis Pädagogik als nach Schule. Sollen da die Schüler im Rahmen des normalen Unterrichtes sonderpädagogisch behandelt werden? Besser wäre es sie ihrem Alter angemessen zu fordern und zu fördern und vor allem sie nicht zu verwöhnen. In der Schule wie auch Zuhause. Der Lehrplan 21 fördert nicht die Bildung im klassischen Sinne, die zu Demokratie und einem Leben als verantwortungsbewusster Staatsbürger befähigt, sondern mit «Kompetenzen» ausgestattete Menschen. Was bedeutet, dass sie nur über punktuelles Wissen verfügen und letztlich manipulierbar bleiben. Umfassendes über das Momentane hinausgehende Denken wird nicht gefördert. Dass sich die Entstehung und Einführung des Lehrplan21 den direktdemokratischen Möglichkeiten entzogen hat bzw. entzieht ist ein recht merkwürdiger Vorgang. Soll die direkte Demokratie der Schweiz nach und nach anderen Mächten wie der Globalisierung oder EU geopfert werden?

Lutz Geisen, Trimmis

Am Wohl der Kinder vorbei

Wenn man die laufenden Diskussionen im Bildungsbereich vom Kindergarten bis zur Mittelschule verfolgt, muss man feststellen, dass gefährliche Ideologen am Werk sind, die fundamentale Erkenntnisse bezüglich des Wohles der Kinder und der Gesellschaft negieren.
Wir wissen, dass in allen Jugendumfragen die bergende Familie gewünscht wird. Wir wissen, dass in der individuellen Ontogenese das Kind wenigsten bis zum dritten Lebensjahr die enge Bindung zur Mutter braucht und in der Kleingruppe der Familie die Grundmuster des sozialen Zusammenlebens erlernt. Wir sehen, dass wir einer strukturellen Arbeitslosigkeit entgegengehen. Wir haben kaum noch finanzierbare Budgets. Aber für ein attraktives Gehalt für den sozialen Schlüsseldienst der Mütter und für die kostengünstigere «professionelle Elternschaft», die uns die teure Zwangstagesschule ersparen würde, haben wir kein Geld.
Wir wissen aus den seit 1991 vorliegenden Studien des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung, dass die Gesamtschule bis zum 14. Lebensjahr folgende Nachteile aufweist:
a)    Das Zusammenspannen unterschiedlicher Begabungen führt einerseits zum Verlust des Selbstwertgefühles der weniger und anderweitig Begabten und andererseits zur «aggressiven Langeweile» bei den Begabteren.
b)    Man muss ohnehin in den Klassen differenzieren (Leistungsgruppen). Dadurch entsteht ein hautnaher Wettbewerb, der den Klassenzusammenhalt, die Klassensolidarität und die Hilfsbereitschaft zerstört – also das Gegenteil der von den Ideologen angestrebten Sozialisierung.
c)    Das Ergebnis des Vergleiches der bewährten Schulformen mit den Gesamtschulen ergibt einen geringeren Lernerfolg.
c)    Nicht zuletzt wurde beobachtet, dass Leistungsverhalten in der Pubertät weitgehend untypisch ist. Daher wird die Beurteilung eines Kindes bezüglich des einzuschlagenden Bildungsweges schwieriger (geringere Trefferquote).
Überdies: Haben die verhandelnden Ideologen je mit Lehrern und Lehrerinnen, die Klassen mit «auffälligen», sprachlich nachhinkenden und noch dazu im Macho-Verhalten sozialisierten Kindern unterrichten, Kontakt gehabt? Dennoch wird von Politikern ohne entsprechende Kenntnis und Erfahrung zulasten der Kinder und der Gesellschaft «reformiert».
Ich würde empfehlen, wenigstens das Buch von M. Felten, «Kinder wollen etwas leisten – Wie Eltern und Lehrer sie dabei unterstützen können» (Kösel-Verlag, München 2000) und die höchst aktuelle Bildungsnummer der Schweizer Wochenzeitung Zeit-Fragen vom 15.10.2013 (22. Jg. Nr. 31/32) zu lesen, um entsprechendes Grundwissen zu erhalten.
Prof. Dr. Heinrich Wohlmeyer

Amerikanisierung der Bildung

Wie immer war die Lektüre von ­Zeit-Fragen ein grosser Genuss für uns. In der Schwerpunktausgabe Bildung lasen wir von der ersten bis zur zwölften Seite hervorragende Artikel rund um den LP 21: Vom Schulleiter über Reallehrer, Hochschullehrer, Bildungspolitiker, Historiker bis zu Eltern. Eine solche geballte Fülle an fundierten, gelebten und mitfühlenden Standpunkten ist einmalig und gib es nur in Zeit-Fragen. Meine gesteigerte Aufmerksamkeit fand der Artikel von Dr. Balz Kling zur Amerikanisierung der Bildung. Vieles von dem, was dort zusammengetragen wurde, war für mich neu. Obwohl ich mich seit Jahrzehnten mit Bildung und Bildungspolitik in Deutschland intensiv beschäftige, war mir die Wirkung der EU (Bologna) und der OECD (Pisa) auf das europäische Bildungswesen zwar zumindest in Ansätzen bekannt, aber der Zusammenhang mit der hegemonialen Politik Washingtons hat sich mir erst durch Ihren Artikel erschlossen. Da erstaunt es mich einmal mehr, dass für die deutsche Bundeskanzlerin das transatlantische Bündnis zu den USA, trotz NSA-Affäre, von überragender Bedeutung bleiben soll. Das ist keine Politik auf gleicher Augenhöhe. Als pensionierter Lehrer werde ich mir nun mehr Zeit nehmen, mich in diesen degenerativen Kulturwandel einzuarbeiten und Sie in Ihrer epochalen Arbeit zu unterstützen.

Anton Friedrich, Studiendirektor a.D., Berlin