Leserbriefe

Lehrplan 21 und Reformkarussell

Der «Lehrplan 21» ist nun zur Vernehmlassung bereit. Dieser umfasst 557 Seiten und enthält unter anderem 463 Kompetenzen und 4754 Kompetenzstufen, die für unsere Schülerinnen und Schüler als notwendig erachtet werden, um das Bildungswesen in der gewünschten Weise zu verändern und zu vereinheitlichen. Dies geschieht zu einem  Teil mit einer pädagogischen Sprache, die mit ihren Wortschöpfungen fremdsprachige Eigenschaften aufweist. Der neue Lehrplan trägt in dieser überladenen Form, mit der Vielzahl von Kompetenzen, kaum dazu bei, eine allgemeine Zustimmung zu finden, die dazu beiträgt, eine Harmonisierung des schweizerischen Schulwesens zu erreichen. Es wäre zu prüfen, ob ein Rahmenlehrplan nicht besser geeignet wäre, der einen gewissen Spielraum für kantonale Lösungen enthält.
Mit dem Lehrplan 21 und dem vorgesehenen verbindlichen Übergang zu einem «integrativen Schulangebot» erhalten das «Pädagogische Reformkarussell» und die Arbeit an «Grünen Tischen» wieder einige zusätzliche Impulse. Dabei ist es noch keineswegs erwiesen, dass das «integrative Schulangebot», das einen grösseren administrativen Aufwand und eine variable Vielzahl von Ressourcen erfordert, besser und billiger ist als ein massvoll «differenziertes Schulangebot», das vor 60 Jahren als wesentlicher Fortschritt bezeichnet wurde gegenüber einer «integrierten Gesamtschule».
In der hektischen Schulreformperiode lässt sich der «Integrationsexpress» nicht mehr stoppen, da keine Notbremse eingebaut ist. Auch ist die nicht sehr klar definierte Bezeichnung «Kompetenz» zum vielgebrauchten Zauberwort geworden, das den Werdegang unsers Schulwesens entscheidend bestimmt. Bereits werden «Kompetenzmanager» bestimmt. Es wird dafür gesorgt, dass die professionellen Schulreformer nie arbeitslos werden und das «Reformkarussell» in Betrieb gehalten werden kann.

Karl Frey, Olten