USA und Russland kämpfen um die Ukraine

von Prof. Dr. Eberhard Hamer

Auf dem Ostgipfel in Vilnius sollte zwischen der EU und der Ukraine ein Assoziierungsabkommen unterschrieben werden. Solche Assoziierungsabkommen wurden zum Beispiel mit der Türkei zur Vorbereitung einer engeren Zusammenarbeit bis hin zur EU-Mitgliedschaft abgeschlossen. In diesen Abkommen verpflichten sich Drittländer zu bestimmten «Reformen», zum Beispiel Staatsbetriebe zu privatisieren, damit internationale Konzerne sie aufkaufen können. Andererseits verpflichtet sich die EU zu regelmässigen Zahlungen an die assoziierten Länder, angeblich um die «Reformen» zu finanzieren, in Wirklichkeit aber als Bestechungsgelder an die herrschenden Eliten, um diese EU-freundlich zu stimmen.
Ein zweiter Schritt neben dem Assoziierungsabkommen ist in der Regel auch die Aufnahme der assoziierten Länder in die Nato. Zur politischen Einbindung gehört also regelmässig auch die militärische.
Damit aber wird der Hintergrund klar, mit dem die EU diese Assoziierungen eigentlich betreibt, die Brzezinski in seinem Buch «Die einzige Weltmacht» als Schritte zur Ausdehnung des Weltimperiums beschrieben hat. Insbesondere müssten die europäischen Vasallen durch US-Hand auf den Zentralstaat Europa – Deutschland – im Griff gehalten werden. Deshalb sind auch in Deutschland die stärksten US-Besatzungskräfte. Die EU sowie die Nato hätten den Zweck, das immer noch als Hauptgegner angesehene Russland zu umkreisen, seinen Einflussbereich zu reduzieren und die Vasallen durch «Farbene Revolutionen» und Unruhen nach Europa und in die Nato umzudrehen.
In diesem Spiel ist seit fünf Jahren die Ukraine Angriffszentrum. Die «Orangene Revolution» der Ukraine wurde von der ehemaligen US-Aussenministerin Albright mit CIA-Agenten gelenkt und vom CIA bezahlt. Die damals an die Macht gebrachte Präsidentin Timoschenko war eine Kreatur der britischen Hochfinanz und hat die Grosswirtschaft der Ukraine für ihre Auftraggeber aufzukaufen versucht. Dass deshalb die ganze westliche Presse ständig Freiheit für diese Verbrecherin fordert, hängt mit ihren Auftraggebern zusammen, ist aber auch Teil des subversiven Kampfes der USA um die Ukraine.
Die Methode, mit CIA-gesteuerten Aufständen die erwünschten Koalitionen in die Hand des US-Imperiums zu bekommen, ist inzwischen Serie: Baltikum, Georgien, Ägypten, Libyen und vor allem die unter Russlands Einfluss stehenden Randstaaten. Dass auch innerhalb Russlands die CIA tätig wurde, zeigte sich an den «Pussy Riots» mit ähnlichen Protestdemonstrationen, die allerdings der russische Präsident Putin im Griff hielt.
Man fragt sich, welchen Nutzen die EU von einem Anschluss der Ukraine hätte. Wenn also überhaupt die EU bereits jetzt Bestechungsgelder überweist und in einem Assoziierungsabkommen stärkere Finanzhilfe zusagen will, so bleibt doch der Nutzen für uns Europäer relativ gering, weil die Produktionskapazitäten in der Ukraine auf den russischen Markt gepolt sind, in westlicher Konkurrenz aber kaum Bestand haben und weil die Ukraine als Hauptagrarland das Problem der EU-Agrarsubvention noch verschärfen würde.
Ob eine Assoziierung für die Ukraine nützlich wäre, ist ebenso umstritten. Die Ukraine ist nämlich wirtschaftlich mit Russland verknüpft. Würden diese Bande zugunsten der Westbande aufgelöst, würde die Ukraine nicht nur hinsichtlich ihres Energiebedarfs, sondern auch ihres Aussenhandels wie die DDR in ein Loch fallen, aus dem sie sich nicht kurzfristig erholen kann. Im übrigen müsste die EU die erheblichen Hilfszahlungen Russlands noch übertreffen, könnten die Ukraine also nur dann einen Westschwenk vollziehen, wenn ihr nicht nur 1,6 Milliarden jährlich zugeschoben würden, sondern mehr als 10 Milliarden. Da die EU bei diesem Korruptionswettbewerb zu niedrig bot, bekam sie von der Ukraine keinen Zuschlag, sondern diese blieb in bewährten russischen Banden.
Um die Situation kurz zu schildern:

  • Der Ukraine geht es darum, wer ihr mehr zahlt und wer ihre Wirtschaft auf Dauer mehr entwickelt.
  • Der EU geht es darum, die Ukraine aus dem Wirtschaftsblock Russlands in ihren Machtbereich zu ziehen.
  • Der Nato geht es darum, sich in dem Machtbereich Russlands weiter auszudehnen.
  • Den USA aber geht es vor allem darum, durch Zahlungen der EU ihr Weltfinanzimperium und ihre militärische Weltmacht auszudehnen und Russland weiter einzukreisen und zu schwächen.

Die USA und Brüssel haben allerdings wohl den russischen Präsidenten Putin unterschätzt. Zum zweiten Mal hat er einen Angriff der USA abgeschlagen. Beim ersten Mal hat er den bereits beschlossenen Krieg gegen Syrien dadurch verhindert, dass er einen nicht ernst genommenen Vorschlag des amerikanischen Aussenministers – Zerstörung der Chemiewaffen – hochgezogen, die Zustimmung Syriens dazu erreichen und damit den offiziellen Angriff der USA auf Syrien verhindern konnte. Nun kämpfen die USA nur noch mittels CIA und Mossad subversiv in Syrien.
Und im Fall Irans hat Putin bisher einen Angriff Israels und der USA ebenfalls durch Konzessionen Irans bei seiner Begrenzung auf friedliche Atomnutzung verhindert.
Wieder einmal gelang es Putin nun, die Ukraine auf Russlandkurs zu halten, da er offensichtlich Janukowitsch mit mehr wirtschaftlichen Nachteilen gedroht hat, als die USA ihnen bieten konnten.
Entsprechend dem Rat von Brzezinski werden aber die USA versuchen, immer weitere Staaten finanziell in die Schuldknechtschaft zu bringen und militärisch zu besetzen. Und auch Krieg ist für die US-Republikaner und die US-Hochfinanz kein Unglück, sondern ein Geschäft, zumal die amerikanische Konjunktur nur mit Kriegsproduktion (70 % der Produktionskapazität) wieder boomen kann.
Dass sich Brüssel und Berlin allerdings «alternativlos» in die Pläne des US-Weltimperiums einspannen lassen, ist nicht nur teuer, sondern auch gefährlich.
Jedenfalls sollten wir die US-Subversion nicht so weit mittreiben, Putin immer als unerwünschten Diktator zu bezeichnen. Er ist nicht nur der deutschfreundlichste Präsident seit einem Jahrhundert, sondern auch gegen die amerikanischen Kriegspläne Friedensstifter geworden. Unser Interesse sind nicht US-Kriege, sondern friedliche Entwicklung – nicht nur nach Westen, sondern auch nach Osten.     •