Ja zu einer guten Bildung – Nein zum Lehrplan 21

Aargauische Volksinitiative

hhg. Am 20. August hat das Initiativkomitee «Lehrplan 21-nein» an einer Medienkonferenz in der Kantonshauptstadt seine Volksinitiative vorgestellt. Diese will mit der Neuformulierung des Paragraphen 13 im Aargauischen Schulgesetz (SAR 401.100) die Einführung des Lehrplans 21 verhindern. Die 3000 Unterschriften, die für eine Volksabstimmung nötig sind, will das Initiativkomitee bis Weihnachten gesammelt haben.
Bruno Nüsperli, Dipl. Ing. ETH, alt Grossrat LDU, Bildungspolitiker und Gründer des Schulforums Schweiz, erläuterte das Anliegen des Initiativkomitees wie folgt: «Wir wollen den Lehrplan 21 mit einer Gesetzesinitiative verhindern, weil es keine andere Möglichkeit gibt. Die EDK (Erziehungsdirektorenkonferenz) hat bewusst sämtliche demokratischen Hürden ausser Kraft gesetzt. Mit unserer Initiative werden wir den Paragraphen 13 so verändern, dass der Lehrplan 21 nicht […] gesetzeskonform ist. […] Damit nutzen wir das Volksrecht Initiative genau im Sinne seiner Erfinder: Dem Volk eine Eingreifmöglichkeit geben, wenn die gewählte Regierung nicht tut, was das Volk will.»
Die Frage eines Journalisten, wer hinter dem Initiativkomitee stehe, beantwortete Bruno Nüsperli wie folgt: «Wir sind im Moment über 40 Personen, mit wachsender Tendenz, und kommen aus keiner Einheitsecke, sondern aus vielen Ecklein und sind keiner Partei oder Ideologie verpflichtet; wir kämpfen einzig gegen den schleichenden Niedergang des einstmals guten Bildungswesens. Es gibt aber Medien […], die Schulreform-Kritiker pauschal in eine konservative oder religiös-fundamentalistische Ecke stellen, ohne selbst die Namen der Kritiker zu kennen und – vor allem – ohne auf die Inhalte einzugehen. Ich habe mich schon gefragt, warum nicht recherchiert wird, wer eigentlich hinter dem Lehrplan 21 und dessen unübersehbarer ideologischen Schlagseite steckt.»
Dass der Lehrplan 21 unterdessen sehr breit kritisiert wird – aus dem Wissenschaftsbereich, von Lehrer- und Elternseite, von fortschrittlich bis konservativ – zeigt auch der umfangreiche, differenzierte und hochkarätige Inhalt der Pressemappe, die unter www.lehrplan21-nein.ch  als PDF-Datei heruntergeladen werden kann.
Elfy Roca, Primarlehrerin und Heilpädagogin, wies auf den Paradigmenwechsel hin, der durch den Lehrplan 21 vollzogen werden soll: «Der Lehrplan 21 baut auf dem Konstruktivismus auf. Mit der damit verbundenen Kompetenzorientierung verabschieden wir uns vom humanistischen Bildungsverständnis und reduzieren Bildung auf gerade modernes Anwenderwissen, das durch Kompetenzen definiert und mit Tests überprüfbar ist.» Elfy Roca warnte eindringlich davor, unser bewährtes Bildungssystem in der Tradition von Pestalozzi mit der Einführung der angelsächsischen Bildungsmisere zu ruinieren.
Anhand der Lehrplan 21-konformen Mathematiklehrmittel zeigte Bezirksschullehrer Harald Ronge, wie das Niveau in Mathematik und Geometrie gezielt nach unten gefahren wird, weil es der Ideologie des Konstruktivismus folgend keine Anleitung gibt und keine Theorie vermittelt. Damit fehlt dem künftigen Nachwuchs in den handwerklichen und naturwissenschaftlichen Berufszweigen das grundlegende Wissen und Können. In der anschliessenden Diskussion wurde dies von seiten der Wirtschaft aufgegriffen. Jetzt schon sei das Bildungsniveau zu tief. Man habe jetzt schon Probleme, so würde der Nachwuchs bei den Ingenieuren fehlen. Lehrbetriebe müssten ausbügeln, was die Schulen versäumt haben. Fehlende Fachleute müssten daher in Zukunft noch vermehrt von ausserhalb geholt oder Betriebe ausgelagert werden – zum Nachteil unserer Volkswirtschaft. In wenigen Worten brachte ein aargauischer Grossrat das Anliegen der aargauischen Volksinitiative wie folgt auf den Punkt: «Was Kinder lernen sollen, ist Chefsache. Wer ist bei uns der Chef: das Volk. Das muss gelten.» Genau dies macht die Volksinitiative möglich.    •

 

Konstruktivismus: der Theorie-Schrott hinter dem Lehrplan 21

«Der Lehrplan baut auf dem theoretischen Konzept des Konstruktivismus auf. Diese Theorie besagt, dass der Mensch die Realität nicht objektiv erkennen könne und sich deshalb seine eigene Wirklichkeit selbst konstruiere. Auf die Entwicklung des Kindes bezogen bedeutet dies, dass sich das Kind im wesentlichen aus sich selber heraus entwickle und deshalb auch sein Wissen selber entdecken müsse. Für das Lernen bedeutet dies, dass der Lehrer nicht mehr anleitet und lehrt, sondern Lernumgebungen schafft und die Kinder ‹begleitet›. Das Gewicht liegt damit auf dem Lernprozess und nicht mehr auf dem zu lernenden Inhalt. Das ist die ideologische Grundlage des LP 21 und an der wird laut Medienmitteilung der EDK nach der Konsultation im letzten Winter nicht gerüttelt. Deshalb warten wir mit unserer Initiative nicht, bis die neue Version veröffentlicht wird; auch nicht, wenn der Aargau die Einführung um 3 Jahre verschiebt. Wir sind überzeugt, dass die Bevölkerung darüber abstimmen muss, ob sie eine solche Schule will. Da ändert auch der Einwand nichts, die Bevölkerung hätte dem Bildungsartikel in der Bundesverfassung zugestimmt und damit sei der LP 21 nun Pflicht. Niemand hat 2006 über einen solchen Paradigmenwechsel abgestimmt. Es ging darum, die Schulsysteme in der Schweiz zu harmonisieren, und dieses Projekt ist bis anhin grandios gescheitert.»    •

Quelle: Pressemappe des Kantonalen Komitees Lehrplan21-nein. www.lehrplan21-nein.ch/media/downloads/04%20-%20Roca.pdf

Besinnung auf bewährte pädagogische Grundlagen

Es gibt keinen zwingenden Grund für die Einführung des Lehrplans 21 in den Kantonen – weder in der ursprünglichen noch in einer reduzierten und überarbeiteten Form. Es gibt jedoch viele Gründe dagegen. Vor allem erfüllt der Lehrplan 21 seinen Auftrag nicht: Harmonisierung der Lerninhalte. Solange das kantonale Fremdsprachenchaos besteht, kann nicht von Harmonisierung gesprochen werden.

Ein völlig neues Bildungsverständnis

Der Lehrplan 21 zerhackt den gesamten Lerninhalt von elf Jahren in Tausende sogenannte «Kompetenzen». Den Schülern verbleiben bloss einzelne Fertigkeiten, die ohne inneren Zusammenhang nebeneinander stehen. Damit entfernt sich die Schule weit vom bisherigen humanistischen Bildungsideal, dessen Ziel der freie und selbständig denkende Mensch war. Dies aber ist und bleibt Voraussetzung, um die heutige komplexe Welt zu verstehen. Daran ändert auch die von der EDK angekündigte Abspeckung der anfänglich 5000 Kompetenzen nichts.

Was sind Kompetenzen?

Eine exakte und verständliche Definition wurde nirgends gefunden. Viele Kompetenzen beugen sich dem gerade aktuellen Zeitgeist: «Schülerinnen und Schüler können vielfältige, auch unkonventionelle Geschlechterrollen beschreiben.» Erschreckend banale Kompetenzen («… wissen, dass unsere Schrift von links nach rechts verläuft», oder: «… können einfache Piktogramme des Alltags lesen und verstehen») wechseln ab mit komplexen oder unverständlichen Formulierungen: «… können Strategien nutzen, um auch Wörter mit nicht-eindeutiger Laut-Buchstaben-Zuordnung im Wörterbuch zu finden».

Selbstentdeckendes «Lernen ohne Lehrer»

Seit einigen Jahren stellen Eltern und Lehrmeister einen sinkenden Bildungsstand der Schulabgänger fest. Dieser Trend setzt sich fort, wenn die Kinder mit dem Lehrplan 21 noch mehr «selbstentdeckend lernen» sollen. So haben bereits heute viele Lehrmittel bewusst keinen «roten Faden», keinen logischen Aufbau mehr. Angehende Lehrpersonen werden häufig nur noch zu Lernbegleitern und Animatoren ausgebildet. Somit bleiben die für das Verstehen und Reifen enorm wichtigen Lehrer-Schüler-Beziehungen und die Klassengemeinschaften auf der Strecke. Was im angelsächsischen Raum längst gescheitert ist, soll bei uns verbindlich eingeführt werden.

Verzicht auf Fächer und Inhalte

Viele klassische Fächer (unter anderem Geschichte, Physik, Biologie) verschwinden. Nur ein Teil ihrer Inhalte wird, aus dem Zusammenhang gerissen, in Kompetenzen gegossen und erscheint in neuen Gefässen, zum Beispiel «Räume, Zeiten, Gesellschaften». Damit geht die Struktur des Wissens verloren – eigentliche Voraussetzung für Lernen und Verstehen. Gleichzeitig werden die Lerninhalte umgewichtet: Weniger Mathe und Naturwissenschaften, mehr Sprachen und Allerweltsthemen wie Politik, Menschenrechte, Konsum, Gesundheit, kulturelle Identität, Gleichstellung … jedoch ohne Bezug zu unserer christlich-abendländischen Kultur!

Ideologie im Hintergrund

Solche Veränderungen gehen weit über die Aufgabe eines Lehrplanes hinaus. Sie setzen den jahrzehntelangen Versuch fort, unter dem Deckmantel pädagogischer Wissenschaftlichkeit Gesellschaftspolitik zu betreiben, indem die Haltung der Heranwachsenden in eine bestimmte Richtung gesteuert wird. Die Familie habe versagt, wird behauptet, weshalb die Bildungsverwaltung Erziehung und Wertevermittlung übernehmen müsse. Dies erklärt die Geheimhaltung, unter welcher der Lehrplan 21 entstanden ist. Eine echte öffentliche Auseinandersetzung zu diesem Paradigmenwechsel der Volksschule fand nie statt!

Ja zu einer guten Bildung heisst:

Besinnung auf bewährte pädagogische Grundlagen, welche uns seit Pestalozzi zum Erfolg geführt haben. So formuliert es das heute gültige aargauische Schulgesetz: Die Jugend zu selbständigen und verantwortungsvollen Bürgern erziehen, die ihre schöpferischen Kräfte zu entfalten vermögen und die mit der Welt des Wissens und der Arbeit vertraut sind.
Weil der kompetenzorientierte Lehrplan 21 dieses Bildungsziel niemals erreichen kann, sagen wir nein zum Lehrplan 21!    •

Quelle: Pressemappe des Kantonalen Komitees Lehrplan 21-nein; www.lehrplan21-nein.ch/media/downloads/04%20-%20Roca.pdf