Regionale kleinräumige Landwirtschaft gegen weltweiten Hunger

Broschüre veröffentlicht: «Wege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse und Folgen des Weltagrarberichts – Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen»

rt. 2008 sorgte der Weltagrarbericht für hohe Wellen in der Landwirtschaftspolitik. In dem Bericht, der von über 400 Autoren aus 86 Ländern auf breiter wissenschaftlicher Basis im Rahmen der Uno und Weltbank erstellt wurde, wird festgehalten, dass eine sinnvolle Entwicklung im landwirtschaftlichen Bereich hauptsächlich über eine kleinbäuerliche, familiäre Landwirtschaft stattfinden muss (http://www.weltagrarbericht.de/), um die Probleme der Ernährung, Umweltbelastung und Armut zu lösen. In einer Broschüre «Wege aus der Hungerkrise» (Dezember 2013)1 wird der Stand der weiteren Entwicklung seit 2008 bis heute festgehalten.
Die Ausgangslage ist präsent. «Fast 900 Millionen Menschen hungern auf diesem Planeten, während 1,4 Milliarden an Übergewicht und krank machender Fettleibigkeit leiden. 2,5 Milliarden Tonnen Getreide wurden 2013 weltweit geerntet, mehr als je zuvor. Doch nur 45 % dieser Ernte dienen als Lebensmittel. Der Rest wird zu Tierfutter, Sprit und Industrierohstoffen verarbeitet. Unser Ernährungssystem ist eine der wichtigsten Ursachen für den Klimawandel, das Artensterben, für Umweltvergiftung, Wasserknappheit, vermeidbare Krankheiten, Kinderarbeit, Armut und Ungerechtigkeit. Dieses System ist krank.» (http://www.weltagrarbericht.de/)
Der Weltagrarbericht verdeutlicht, dass es ein Irrtum ist zu glauben, dass die Probleme der Welternährung und der Arbeitslosigkeit sich über eine industrialisierte Landwirtschaft lösen liessen. Der Bericht zeigt dies in aller Deutlichkeit. Die Veröffentlichung des Weltagrarberichts 2008 führte dazu, dass in vielen Ländern die bisherige Landwirtschaftspolitik überdacht wurde. Besonders in Ländern der dritten Welt wird versucht, nicht die Irrtümer der industriellen Landwirtschaft zu wiederholen. So wurde nicht zuletzt auch durch den Bericht die Ernährungssouveränität wieder zu einem lohnenswerten Ziel staatlicher Landwirtschaftspolitik. Auch für die Bevölkerung in der sogenannt ersten Welt ist die Abhängigkeit von ausländischen, zum Teil überseeischen, industriell und gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln für immer mehr Menschen keine Option mehr.
In der Schweiz werden zurzeit 3 Initiativen lanciert, die dieses Ziel zum Teil berücksichtigen (vgl. Zeit-Fragen Nr.16/17).
Zurzeit lassen die Pläne eines Freihandelsabkommens zwischen den USA und der EU (TTIP) für die betroffenen Staaten leider eine gegenteilige Entwicklung befürchten. Agrarprodukte, die mit Hilfe zweifelhafter industrieller Mittel (unter Einsatz von Gentechnik, Insektiziden, Herbiziden usw.) in grossem Stil angebaut werden, drohen dank zusätzlicher hoher direkter und indirekter Subventionen die traditionellen Anbauweisen zu verdrängen. Staaten, die sich bisher erfolgreich gegen Gentechnik gewehrt haben, sollen so gezwungen werden, ihre Schutzbestimmungen aufzugeben.
Mit einer sogenannten Liberalisierung der Märkte wird auch dem «Landgrabbing» in der dritten Welt Vorschub geleistet. Armen Ländern wird wertvolles Ackerland weggekauft, um damit für die reichen Staaten billige landwirtschaftliche Produkte, aber auch Rohstoffe für Ethanol («Bio»-Sprit) anzubauen. Besonders die grossen multinationalen Agrar- und Agrarchemiekonzerne drängen auf verschiedenen Wegen darauf, die Landwirtschaft weltweit zu «liberalisieren». Weil sie über oft undemokratische Gremien wie die EU-Kommission oder die WTO mit verschiedenen Mitteln Einfluss auf einzelne Entscheidungsträger gewinnen, gelingt es ihnen zunehmend, demokratischen Entscheiden aus dem Weg zu gehen. Deshalb gilt es heute, den Gegendruck durch die Bürger zu erhöhen und das Recht, über die eigenen Lebensmittel und ihre Produktionsbedingungen zu entscheiden, zurückzuholen. Es gilt, vermehrt auf einer qualitativ hochstehenden Landwirtschaft zu bestehen, die auch die eigene Ernährungssouveränität garantieren kann.
Der 2008 erschienene Weltagrarbericht ist ein entscheidender Baustein zu einer gerechteren und umweltgerechteren Welt. Er bildet ein starkes Fundament, von dem aus Bürger in aller Welt ihr Recht auf eine gesunde Ernährung und eine saubere Umwelt einfordern können.    •

1    Wege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse und Folgen des Weltagrarberichts – Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen. Hrsg. Zukunftsstiftung Landwirtschaft. Berlin, Dezember 2013, ISBN 978-3-00-044819-5