Lampedusa – das südlichste Leuchtfeuer Europas

Bericht aus Süd-Italien

von Heinz Werner Gabriel, Marina di Camerota

Die kleine italienische Insel Lampedusa ist die wesentliche Eingangspforte für Flüchtlinge aus Afrika und Nahost. Allein in der ersten Augustwoche 2014 sind mehr als 15 000 Hilfesuchende angekommen.
Die italienische Marine hat bislang über 90 000 in sichere Häfen gebracht.
Italien ist überlastet. Die EU hat noch kein wirkungsvolles Handlungskonzept. Sie kalkuliert mit 500 000 Asylanten.
Die nachteiligen Rückwirkungen besonders auf die Region südlich von Neapel sind gravierend, wie Gespräche mit Managern des Fremdenverkehrs und Personen aus Stadt-verwaltung sowie Polizei deutlich machen: Umsätze sinken, die sozialen Reibungen und die Kriminalität steigen.
Ursachen und Handlungsmöglichkeiten sollen nachstehend beleuchtet werden:
Lampedusa, die südlichste Pelagische Insel, erreicht man von Sizilien nach circa 250 km über die Inseln Pantelleria und Linosa. Nachts wird man von einem Leuchtfeuer mit 3 Blitzen empfangen. Der Abstand zum afrikanischen Tunesien beträgt circa 120 km.
Warum wird nicht Spanien, welches nur 25 km von Afrika entfernt liegt, als Fluchtziel genutzt? Spanien hat zudem zwei Klein-Kolonien an der gegenüberliegenden afrikanischen Küste. Die Antwort ist einfach: In den afrikanischen Ländern, welche Spanien gegenüber liegen, herrschen Frieden und Stabilität.
Aus welchen Ländern stammen die Flüchtlinge?
Heute sind die Herkunftsbereiche Libyen, Syrien, Irak, Afghanistan, Zentral- und West-afrika. Alle diese Regionen sind durch Krieg und Bürgerkrieg gezielt destabilisiert worden.
Wer hat die Bürgerkriege und damit die Flüchtlingswelle entfacht?
Nehmen wir das Beispiel Libyen: Von dort kommen die meisten Flüchtlinge nach der Bombardierung durch westliche Streitkräfte. Ein unbequemer Diktator sollte beseitigt werden. Die parallel eingesetzte Miliz hat die Infrastruktur des wohlhabenden Landes zerstört und ist auch heute noch mit Restgruppen tätig. Der grösste Teil dieser Truppe ist nach Syrien verbracht worden, um auch dort als «Menschenrechtler» den zum Bösewicht umgetauften Staatspräsidenten zu beseitigen. Nachdem dieser die selbsternannten Menschenrechtler, dank externer Hilfe, an den Rand der Vernichtung brachte, durften sie sich mehrheitlich in den Irak absetzen … natürlich protegiert durch ihre ursprünglichen Auftraggeber.
Im Irak will diese sunnitische Truppe zwischenzeitlich mit brachialer Gewalt einen Islamischen Staat (IS) aufbauen, der nach Ersuchen der irakischen Kurden vom Westen bekämpft werden soll … just von jenen, welche die Truppe geschaffen haben.
Was ist die Pflicht der westlichen Demokratien?
Die Regierungschefs haben, ihrem Amtseid entsprechend, Schaden für ihre Bürger zu verhindern. Herbeigeplante, kostenintensive Kriege mit enormen Flüchtlingswellen und Tausenden von Toten sind für Europa keine hinnehmbaren ethischen und materiellen Lasten. Die Staaten Europas sind durch aktives Handeln oder Duldung mitschuldig an der gegenwärtigen Lage.     •