«Goldreserve von 1/5 des Eigenkapitals garantiert Stabilität nach innen wie nach aussen»

«Wir sind besser beraten, vom Gold denn von den Finanzhaushalten der EU abhängig zu sein!»

Interviev mit alt Bundesverwaltungsrichter Hans-Jacob Heitz

Zeit-Fragen: Die Aufgabe der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist es, wie sie selbst sagt, Preisstabilität zu garantieren. Ist das mit einer 20prozentigen Golddeckung nicht mehr möglich?

Alt Bundesverwaltungsrichter Hans-Jacob Heitz: Im Gegenteil, denn eine angemessene Goldreserve im Ausmass von 1/5 des Eigenkapitals garantiert Stabilität nach innen wie nach aussen.

Hat die Stabilität des Frankens nichts mit den Goldreserven zu tun?

Ein angemessener Anteil von Gold gewissermassen als Anker beim Eigenkapital ist Garant für Stabilität, denn mit diesem zudem immer knapper werdenden Edelmetall erleidet man nie einen Totalverlust. Es kommt nicht von ungefähr, dass in anderen Staaten heute der Trend hin zu höherem Anteil des Goldes an den Währungsreserven ist, was als Beitrag zur Stabilität der eigenen Währung verstanden wird.

Nach Angaben der SNB sei der Goldanteil pro Kopf in der Schweiz höher als in Deutschland, Frankreich oder gar den USA. Inwieweit sind diese Zahlen Argumente gegen die Erhöhung des Goldanteils?

Der Pro-Kopf-Vergleich ist unsinnig, denn im Vergleich mit 10- bzw. 40mal grösseren Ländern ist die Pro-Kopf-Zahl für die Schweiz rasch einmal höher. Es gilt insbesondere die realen Zahlen zu bedenken, denn in Deutschland liegt der Goldanteil an den Währungsreserven bei gut 70 %, ähnlich verhält es sich in den USA. Selbst der Durchschnitt aller EU-Länder liegt bei rund 64 %. Hinzu kommt, dass in Deutschland, so wie von der Gold-Ini­tiative verlangt, Bestrebungen im Gang sind, einen Teil des im Ausland gelagerten Golds heim zu holen.

Die SNB spricht davon, dass sie ihre Devisenreserven vernünftig diversifiziert habe. Teilen Sie diese Auffassung?

Diese (Schutz-) Behauptung ist anzuzweifeln, denn die zwecks Schwächung des Schweizerfrankens stetige Anhäufung von Euro wird immer mehr zum eigentlichen Klumpenrisiko, das die SNB-Chefs gerne verleugnen; nicht die immer werthaltige Goldreserve wäre ein solches. So besehen kann heute nicht von ausgewogener Diversifizierung gesprochen werden.

Kann bei einem definierten Goldstandard die Liquidität weniger flexibel gehalten werden, und inwieweit wäre das für unsere Währung und unser Finanzsystem problematisch? Gibt es Möglichkeiten, dennoch zu genügend Liquidität zu kommen?

Mit der Vorgabe von 1/5 Goldanteil verbleiben bekanntlich 4/5, welcher Rahmen genügend Liquidität und damit Flexibilität erlaubt. Es wäre nur ein leicht angepasstes Geschäftsmodell ohne grundsätzliche Konsequenzen.

Verkleinert die 20prozentige Golddeckung die Gewinne und Erträge der Nationalbank?

So, wie jedes andere Edelmetall auch, verändert sich der Preis desselben, was also den Ertrag im positiven oder negativen Sinn beeinflusst; die Schwankungen beim Gold sind indes berechenbar und werden das Ergebnis der SNB in nur bescheidenem Ausmass tangieren. Sollten die Ausschüttungen an die Kantone künftig bescheidener ausfallen, – im letzten Jahr schüttete die SNB gar nichts aus, obwohl keine Goldauflage bestanden hatte, – wäre dies auch kein Unglück, denn diese «Subvention» ist eh problematisch. Die diesbezüglich aus dem Mund des Präsidenten der Finanzdirektorenkonferenz zu hörende Drohung vom Druck auf Steuererhöhungen ist absurd, die Kantone haben selbst für ihre Finanzen zu sorgen.

Welche Wirkung könnte die Annahme der Initiative auf den Standort Schweiz haben?

Die Realwirtschaft wird dies positiv bewerten, denn damit gilt die Schweiz als noch sicherer und berechenbarerer «Hafen». Auf das Klagelied aus der eh angeschlagenen Finanzwirtschaft mit ihrem grossen Vertrauensdefizit sollten die Bürger nicht hören!

Wie sehen Sie das, dass kein Gold veräussert werden soll?

Der guten Vollständigkeit halber sei noch angemerkt, wenn ein Argument als ernsthaft zu gelten hat, dann jenes des in Beton zu giessenden Verkaufsverbots, wobei ich überzeugt bin, dass die Praxis auch hier eine pragmatische Handhabung entwickeln wird. Je nach Goldpreis relativiert sich der tatsächliche Goldanteil, was Flexibilität schafft. Ein relativer Wert wäre wohl besser als eine fixe Zahl. Dennoch wird die Zukunft zeigen, dass sich über eine längere Zeitspanne hinweg kaum viel ändern wird, mehr Sicherheit aber wäre garantiert, denn gerade in Krisenzeiten – wie seit 2008 wieder – steigt der Goldpreis markant. Der aktuelle Goldpreis ist für die Beurteilung der Gold-Initiative völlig belanglos. Die nächsten Krisen kommen bestimmt und wohl mit noch grösserer Schärfe als bisher gewohnt. Vorsorge, wie mit der Gold-Intiative bezweckt, ist also sinnvoll!

Inwieweit büsst die SNB durch 20 % Goldstandard ihre Unabhängigkeit ein?

Was das Lamento wegen der angeblich eingeschränkten Unabhängigkeit angeht, ist dieses Klagelied geradezu absurd, denn wenn schon von Abhängigkeit zu sprechen wäre, dann beim massiven Zukauf von Euro! Wir sind besser beraten, vom Gold denn von den Finanzhaushalten der EU abhängig zu sein!

Herr Heitz, vielen Dank für Ihre klaren Antworten.    •
(Interview Thomas Kaiser)