Leserbriefe

Sotschi – erhebende Eröffnungsfeier

Selten sah man bei einer Eröffnungsfeier von Olympischen Spielen so viel Kunst und Kultur wie bei derjenigen am 7. Februar in Sotschi. Der Gastgeber zeigte damit auf eindrucksvolle Weise, wie sehr das offizielle Russland den wahren europäischen Werten verbunden ist – ganz ohne EU. Mit wunderschön dargebotenen Ausschnitten aus Werken von Tschaikowsky, Chatschaturian, Strawinsky, Tolstoi usw. durch Orchesterklänge, Chöre und Solisten und insbesondere durch das einzigartige  Bolschoi-Ballett wurde der hohe Stellenwert der klassischen Musik in Russland auf erhebende Weise demonstriert und damit einer der bleibenden Kulturleistungen Europas zur Freude sicher vieler Zuschauer aus aller Welt gehuldigt, auf die gerade auch Österreich als eine der Geburtsstätten der klassischen Musik stolz sein kann. Wie armselig dagegen die dem Polit-Konstrukt EU Hörigen mit ihrer seit Monaten betriebenen, hasserfüllten Propaganda gegen «Putins Spiele», nur weil dort der Stellenwert von Lesben und Homosexuellen in der Öffentlichkeit nicht so hoch ist wie etwa im geburtenarmen Deutschland. Tiefer kann man als Nation nicht mehr sinken, als bei einem solchen Anlass im dümmlichen, familienfeindlichen «Regenbogenkostüm» einzumarschieren; das «gelang» nicht einmal der Mannschaft der USA … Achte das Recht des Gastgebers, von dem Du eingeladen bist, und richte Dich danach! Das gehört zu den Grundregeln der Zivilisation, die die EU schon längst missachtet. Sie kennt nur mehr die totale Freizügigkeit auf allen Ebenen ohne Rücksicht auf Verluste, seien sie ökonomischer, ökologischer oder gesellschaftlicher Natur. Das stellten die zahlreichen Staatschefs von EU-Mitgliedstaaten, die die Eröffnungsfeier von Sotschi durch ihre demonstrative Nicht-Anwesenheit boykottierten, deutlich unter Beweis. Europa als Träger von Kultur und Tradition ist eben etwas ganz anderes als die unselige EU. Danke Sotschi, danke Russland!
Inge Rauscher, Österreich

 

 

Sicherheitskonferenz München

Die so netten Umschreibungen des Herrn Gauck, der Frau von der Leyen und des Herrn Steinmeier auf oben genannter Veranstaltung lassen tief blicken. Nämlich «Deutschlands neue Rolle in der Welt» oder «Deutschland muss als so bedeutendes Land mehr Verantwortung übernehmen». «Deutschland muss eine aktivere Aussenpolitik als bisher betreiben», so der Aussenminister.
Diese Äusserungen sind nichts anderes, als den Krieg als politisches Mittel wieder salonfähig machen zu wollen. Dieses aber lehnen 2/3 der Bevölkerung ab. Worum geht es denn bei den Auslandeinsätzen der Bundeswehr? Seit wann findet die Verteidigung Deutschlands nicht nur am Hindukusch, sondern auch in Afrika statt? Ich selbst habe während meiner Grundausbildung im Jahre 1975 gelobt, das Territorium der Bundesrepublik Deutschland zu verteidigen. Anfang der 90er Jahre habe ich mit dem Ersten Golf-Krieg den Wehrdienst nachträglich verweigert, weil ich ein gut funktionierendes Gedächtnis habe.
Es geht in Afrika ganz offensichtlich um den Raub von Bodenschätzen wie Coltan und anderen seltenen Erden, die der Westen für die Herstellung von Handys, Tablet PCs und weiteren IT-Produkten braucht. Ebenso sind diese Einsätze für die USA und deren Verbündete für die Sicherung der Verkehrswege derartiger und anderer Rohstoffe bedeutsam. Auch geostrategische Überlegungen spielen hier eine nicht zu unterschätzende Rolle, mit dem das wankende Imperium USA seine Weltmachtpolitik unterstreicht.
Die Vokabeln «humanitäre Hilfe» und «responsibility to protect» (zu deutsch: «Verantwortung zu schützen») sind reine Etikettenschwindel und dienen der Vernebelung von Tatsachen.
Derartige Kriege verstossen in eklatanter Weise gegen die Charta der Vereinten Nationen von 1945, in denen derartige Menschenrechtsverletzungen untersagt sind. Ebenso verletzt wird die Souveränität und somit Gleichwertigkeit einzelner Staaten. Diese internationalen Rechtsvorschriften sind auch in unser Grundgesetz eingebettet, sprich, auch dagegen wird verstossen.
Werner Voß, Köln

 

Bürgerkriege münden oft in von den USA und der Nato gewollten Aggressionskriegen

Angesichts bestehender internationaler Rechtsnormen, wie z. B. des Prinzips der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten von Staaten, Artikel 2, Ziffer 5 der Uno-Charta, die nicht zuletzt, bezogen auf die Demonstrationen in der Ukraine, von führenden westlichen Politikern gebrochen werden, fragt man sich, wo die Stimmen der Völkerrechtler in Deutschland bleiben. Meint man, die durch Bürgerkriege in bestimmten Ländern angeheizten und im Anschluss stattfindenden US-/Nato-Aggressionskriege dort sind schon so weit «Gewohnheitsrecht» geworden, dass man nichts mehr dagegen machen kann? Oder glaubt man, dass doch die Kriege so weit von uns entfernt stattfinden?
Wenn von der Leyen als Bundesverteidigungsministerin oder Bundespräsident Gauck in ihren Statements, zuletzt auf der Nato-Sicherheitskonferenz in München, offen davon sprechen, Deutschland müsse sich mehr als bisher «in die Nato einbringen», sollten bei uns allen die Alarmglocken klingeln.
Zum Glück gibt es viele, vor allem junge Leute, die sich gegen die wachsenden faschistischen Tendenzen in Deutschland zur Wehr setzen.
Aber ist ihnen auch bewusst, dass «Aggressionskriege die schlimmste Form des Faschismus» sind, wie der US-Hauptankläger Jackson zur Eröffnung der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse 1945 ausführte?
Brigitte Queck,
Dipl. Staatswiss. Aussenpolitik, Potsdam

 

Zur journalistischen Hetze gegen Sotschi

Mit andauernder, abstossender Kritik an Sotschi, die ja Vladimir Putin gilt, übertreffen sich westliche Medien. Als hätte man selbst nicht genug Missstände zu kritisieren in den eigenen Reihen und Ländern, aber nein: Der Finger zeigt auf einen Erdhaufen in Sotschi, soll wohl Dreck suggerieren, aber der Finger zeigt nur einen Tag lang auf hochgefährliche Abfälle rund um Neapel – hier geht man gern zum nächsten über – die Mensch dürfen dort ruhig früh sterben … Die EU will ihre tiefe Krise verhehlen. Korruption? Ja, ein bisschen schon, aber im ganzen? Da gab’s Korruption fast nur in Sotschi …
Die Medien sind so unglaubwürdig wie schon in all den letzten Jahren. Sie wollen eine Realität herbeireden, Emotionen schüren, Länder und ihre Führung dämonisieren, sie stehen im Dienste eines grausamen Kriegs- und Finanzkartells. Jeder Journalist, der dazu Hand bietet, weil er sich einkaufen liess, wird ein böses Erwachen gewärtigen – dann nämlich, wenn die wirklichen Vorgänge noch deutlicher ans Licht kommen. Derjenige, der informiert sein will, informiert sich schon lange weder in der Zeit, in der «Welt», in der «Neuen Zürcher Zeitung» noch im «Tages-Anzeiger». Er informiert sich im Internet, wo man mit ein bisschen Übung und Erfahrung Meldungen bekommt, die die Wirklichkeit eher abbilden. Russische Medien wie Ria Novosti oder Russia Today gehören unter anderem dazu, ebenso wie asiatische und lateinamerikanische Zeitungen.
Zur journalistischen Ehre sollte es gehören, über die Wirklichkeit zu berichten und nicht im Auftrag von diversen Diensten groteske Lügen zu verbreiten, die schon oft am nächsten Tag als solche entlarvt werden. Doch allzuoft geht das Schamgefühl verloren für ein bisschen finanziellen Vorteil …
Dr. phil. Barbara Hug

 

Schule, Lehrplan 21 und staatspolitische Verantwortung

Unsere grossartigen technischen Erfindungen, Bauwerke und unser Wohlstand entstanden dank unserer hervorragenden Ingenieure, Handwerker und unserer ausgewogenen Volkswirtschaft. Dies wurde an ganz traditionellen Schulen, mit ausgezeichneten Schulbüchern und mit einfachsten Mitteln erarbeitet. Sinn- und massvolle Erneuerungen wurden immer nach pädagogischen Kriterien vorgenommen, und die Bevölkerung war immer bereit, für gute Schulen das Notwendige aufzubringen. Im kantonalen Schulgesetz über die Volksschule des Kantons Thurgau vom 29. August 2007 ist der gültige Bildungsauftrag klar formuliert: «Die Volksschule fördert die geistigen, seelischen und körperlichen Fähigkeiten der Kinder. In Ergänzung zum Erziehungsauftrag der Eltern erzieht sie die Kinder nach christlichen Grundsätzen und demokratischen Werten zu selbständigen, lebenstüchtigen Persönlichkeiten und zu Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Mitmenschen.»
Mit dem zentralistischen «Lehrplan 21» soll nun ein Paradigmenwechsel vorgenommen werden, der zum grössten Schul- und Bildungsabbau unseres Landes führen wird. Mit «Harmonisierung» war keineswegs ein Totalumbau unseres Schulwesens gemeint!
Schon nach der Aufhebung der bewährten Lehrerseminare wurde mit allem bisher Bewährten gebrochen, die Pädagogischen Hochschulen haben das bewährte Schweizer Schulmodell verlassen. Sie haben weitgehend angloamerikanische und ökonomistische Modelle übernommen. Vieles wurde auch aus unserem Nachbarland mit den EU-Programmen importiert (Kompetenzen, Konstruktivismus, Individualisieren und selbstorganisiertes Lernen, Evaluation)!
Es darf nicht weiter zugelassen werden, dass unsere Kultur der europäischen, humanistischen Bildungstradition und Wertehaltungen diesen Entwicklungen geopfert wird. Das wichtige Fach Geschichte existiert nicht mehr als eigenständiges Fach im LP 21! Einem Grossteil der Schülerschaft fehlen heute, nach neun Schuljahren und all den unsinnigen Reformen, zahlreiche nötige Grundfähigkeiten und -kenntnisse.
Der Lehrplan wurde nicht mit den Lehrbetrieben abgestimmt, und kein Berufsverband wurde einbezogen! Die Elternschaft, die Lehrmeister, die KMU und Berufsschulen beklagen diese unhaltbaren Zustände seit Jahren. Nun soll die Schülerschaft auf den Einsatz im Grossraumbüro mit computerisiertem, standardisiertem Wissen und operationalisierten Bewertungsstrategien trainiert werden. Schnell abrufbares Wissen, im Sinne des «Input-Output-Modells», und zu wissen, wo man nachschauen kann, hat aber nicht mehr viel mit Bildung zu tun. Das hat unsere Jugend und unser Land nicht verdient. Schule muss sich nicht dem Zeitgeist anpassen, sie sollte gerade da und dort Gegensteuer geben und mehr Ganzheitlichkeit, Konzentration und «Entschleunigung» fordern. Natürlich sollen neue Medien mass- und sinnvoll eingesetzt werden. Aber Bescheidenheit ist eine wichtige Tugend. Wer zahlt all die zu erwartenden enormen Kosten durch den LP 21 mit den teuren Informatik­anschaffungen und die Um- und Neubauten der Schulhausanlagen und Schulräume zu «Lernlandschaften»? Die Politik, die Elternschaft und das Gewerbe sind gut beraten, keine weiteren Experimente mit dem Schulsystem zuzulassen, sondern die Rückbesinnung auf das Bewährte mit den notwendigen Verbesserungen zu fordern. Für den Erhalt unseres Staatsmodelles der direkten Demokratie und unsere Volkswirtschaft, aber auch für unsere humanitäre Verantwortung ist eine anspruchsvollere Bildung und bessere Bildungsstrategie notwendig. Es sollen Persönlichkeiten heranreifen, welche die kommenden schweren und komplexen Aufgaben der globalisierten Welt meistern können.
Urs Knoblauch, Fruthwilen